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Die Welt · 1909-05-14 · 20 (14.5.1909) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
20 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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430 DIEX&ELT des Gesamtministeriums, des Staatsrats, der Parlamentskommission, des Plenums und des Senats, bis sie die kaiserliche Sanktionierung erhält. Auch die allgemeine normale oder Störungen unterworfene Entwicklung des neuen Regimes ist ein sehr wichtiger Faktor. Gleichwohl wird man in der von Noradunghian vorgezeichneten Trassierung das ungefähre Bild der ökonomischen Ausgestaltung der türkischen Staatsverhältnisse, soweit sie von der Exploitierung der natürlichen Beschaffenheit des Landes beeinflußt wird, zu erblicken haben. Es begreift sich, daß in das Min ister ialprograrnm nur die wirklich großen Aufgaben eingestellt sind und nur die den Staat als Gesamtkomplex interessierenden. Alle die unzähligen, das grobe Maschenwerk des allgemeinen Netzes füllenden Kleinarbeiten sind dem Unternehmungsgeist privater Interessenten, sowie alle städtischen und lokalen der Kommunal-Initiative überlassen. Das Arbeitsministeriurn berechnet die Grundfrist für die Hauptarbeiten auf acht Jahre, wahrlich kein großer Zeitraum im Leben eines Landes. Es wäre also, wenn es wirklich gelänge, den vorgesetzten Endtermin innezuhalten, eine geradezu rapide Steigerung des wirtschaftlichen Kräftespiels in der Türkei zu erwarten und, wenn die Berechnungen des Ministers richtig sind, eine solche Hebung des Reichswohlstandes, daß eine vollkommene Gesundung seiner Finanzen und die Etablierung als wahre Großmacht schon durch diese kurzen acht Jahre gesichert schiene. Bei dem unendlichen Reichtum des Landes, der in der Mannigfaltigkeit seiner Gliederungs-, Boden- und Wasserverhältnisse beruht, ist das durchaus nichts Unmögliches. Vier Arbeitsgebiete steckt das Ministerialprogramm ab: I. Brücken und Chausseen. II. Eisenbahnen. III. Seehäfen. IV. Binnenschiffahrt und Wassertechnik. Für alle diese Gebiete wird prinzipiell die große Frage der Ausführung in eigener Regie oder durch Konzessionen einer sehr interessanten, eingehenden Prüfung unterzogen. Natürlich muß es das Bestreben des Staates sein, soviel von diesen Arbeiten als nur möglich selbst auszuführen und die Betriebe selbst zu verwalten, um selbst möglichst allen Profit von ihnen zu gewinnen, vor allem aber möglichst unabhängig von ausländischen Faktoren zu werden; aber die Ohnmacht seiner Finanzen sowie der Mangel an geschultem Ingenieur- und Verwaltungsbeamtenrnaterial nötigen ihm die Inanspruchnahme fremden Kapitals, fremder Unternehmer und Arbeitskräfte auf. Immerhin reserviert der Plan des Ministeriums eines dieser Gebiete unter allen Umständen der ausschließlichen Sphäre der Staatsregierung: die Brücken und Chausseen. Hier scheint ihm das Gesamtinteresse, die Leichtigkeit und Abgabenfreiheit im öffentlichen Verkehr von so fundamentaler Wichtigkeit, daß davor die Riesenhaftigkeit der Aufwendungen und die Verantwortlichkeit der eigenen Regie nicht zurückschreckend wirken darf. Für den Eisenbahnbau muß der Minister die Unmöglichkeit, alles von Staats wegen zu unternehmen, wohl oder übel gelten lassen und Konzessionen in Aussicht stellen, obwohl er gerade hier, aus politisch-strategischen Motiven, am liebsten erst recht intransigent gewesen wäre. Jedenfalls scheidet er von vorneherein diejenigen Linien aus, die ohne staatlichen Zuschuß zu existieren in der Lage wären und sich also sofort bezahlt machen würden. Im übrigen wägt er mit peinlichster Sorgfalt die Art. der zu bewilligenden Konzessionen und der Ausbeutungsniethode ab. Im allgemeinen stellt er fest, daß eine Form adoptiert werden müsse, die sowohl den Staat wie den Privatunternehmer in Interesse und Verantwortlichkeit unterhält; er will daher möglichst überall die Grund- und Kunstbauten bei der Linienführung dem Staate reservieren, während der Oberbau und das rollende Material in Konzession vergeben werden soll. Unter allen Umständen sollen die Konzessionen zeitgebundene sein, damit dem Staate die Rückkaufs¬ und Unifizierungsmöglichkeit offen bleibt. Die zu erbauenden Häfen werden ihrer Wichtigkeit nach in zwei Gruppen eingeordnet, in Haupt- und Nebenhäfen. Für dieses ganze Arbeitsgebiet wird die Konzession »ls einziges Ausführungsmittel angenommen, mit alleiniger Ausnahme des Hafens von Dedeagatsch, den der Minister aus Gründen ganz besonderer Art auf Staatsrechnung ausgeführt sehen möchte. Umgekehrt will sich bei den Kanalbauten und Irrigationsanlagen wiederum der Staat selbst, irn Bereiche des Möglichen, die Ausführung in eigener Regie und die eigene Ausbeutung vorbehalten. Soviel über das Allgemeine. Im einzelnen schlägt der Minister vor, zu vervollständigen oder zu konstruieren: L Brücken und Chausseen: Europäische Türkei: Inspekj Konstantinopel tions- >Salonik bezirk JMonastir Asiatische Türkei: Insp. Angora Smyrna „ Beirut Sivas „ Erzerum km NO. 20 Jahresaufwand Ltq. ca. 30000 1200000 II. Eisenbahnen: Europäische Türkei: Asiatische Türkei: 14 Hauptlinien 1. Konstantinopel—Per- 4 Nebenlinien sischer Golf 2. Konstantinopel —Konia—Alep — Rayak — El-Arisch 3. Konstantinopel— Mekka—Djeddah 4. Konstantinopel—Angora — Sivas — Erzeram ca. 9665 1000000 Europäische Türkei: Dedeagatsch Santi-Quaranta Durazzo III. Häfen. Asiatische Türkei: Trapezunt Sarnsun Mersina Tripolis (Syrien) Panderma, als Haupthäfen und 200000 19 Nebenhäfen, darunter Jaffa. IV. Binnenschiffahrt und Wassertechnik. Bewässerung der Ebene von Adana, Regulierung des Wardar und des Kara-Azmak, Bewässerungsarb. im Wilajet Aidin, Bewässerungsarb. in den Wilajets Aleppo, Damaskus und Beirut..................( 750000 (Von d. Irrig. Mesopotamiens wird noch abgesehen) bis \ 1500000 Total-Jahresauf wand £ 3150000 bis „ 3 900000 Am Schlüsse sei noch gestattet, kurz zu bezeichnen, welche Projekte aus dem großen, oben skizzierten Rahmen im besondern Palästina, das uns vorzugsweise interessierende Gebiet, betreffen: 1. an Landstraßen: 2. an Eisenbahnen: Sur—Akka, Rayak—Sur- -Haifa—Jaffa — Gaza Akka—Haifa, —El Arisch. Tiberias—Nazareth, (Zählt unter die ohne Subvention Nazareth— Nablus— Jerusalem, des Staates sich rentierenden Jaffa—Benisab (—Nablus), Linien.) Jaffa-Gaza, Jericho—Es-Salt—Aman, Dera—Damaskus, Damaskus—Kuneitra. 3. an Häfen: 4. an Bewässerungsarbeiten: Jaffa. Irrig, der Ebene von Jaffa, Trockenlegung der Sümpfe des Audscha, Irrig, der Jordan-Ebene. Das genauere Studium des ministeriellen Werkes*) kann jedem Zionisten empfohlen werden. Brief aus Palästina (Von unserm Berichterstatter) Manifestation zugunsten der Konstitution Jaffa, den 25. April. Die Nachricht von dem Verfassungsstreich in Konstantinopel verbreitete sich hier, erst ziemlich spät. Die jungtürkische Partei unternahm sofort alles, um die Entrüstung der hiesigen Bevölkerung gegen den Verfassungsbruch zum Ausdruck zu bringen. In Jaffa versammelten - sich große Menschenmengen vor dem Regierungsgebäude und verlangten vom Kaimakam und den übrigen hohen Beamten die Wiederholung des Verfassungseides. Der Kaimakam und die hohen Beamten schwuren hierauf auf den Koran, daß sie immer der Verfassung treu und für sie bis zum *) „Programme du Ministere des Travaux Publics", Constantinople, 1909, F. Loeffler.

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