Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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des Dr. Braude schilderte Abg. Dr. Gabel in einer längern Rede das Zustandekommen der „Kreditunidn". «Die zionistische Landeskonferenz im Jahre 1907 hatte sich für die Gründung einer jüdischen Bank durch die zionistische Parteiausgesprochen. Dr. Braude hat sich gänzlich in den Dienst dieser Sache gestellt und hat in -einer verhältnismäßig kurzen Zeit» mehrere Provinzstädte bereisend, einen Betrag von zirka 15jOOO Kronen in Anteilen gesammelt. Die „Kreditunion" wird mit der Zeit gewiß eine große .Bedeutung für das wirtschaftliche Leben der galizischen Juden erlangen, denen oftmals aus politischen Gründen in andern Banken der Kredit entzogen wird. vOie Bank wird in dem wirtschaftlichen Leben die Selbständigkeit der jüdischen Bevölkerung wahren. . Es entwickelte sich sodann eine längere Debatte, an welcher unter anderm auch Herr Lucian Brunner teilnahm, der die Gründung der „Kreditunion" als „erste Tat der jüdisch-nationalen Gegenwartsarbeit" darstellte und sich von der Bank die besten Erfolge versprach. . In. den Aufsichtsrat wurden 15 Personen gewählt; als Präsident des Aufsichtsrates wurde Gesinnungsgenosse Dawid Schönfeld, als sein Stellvertreter Gesinnungsgenosse Salo Philipp und als Sekretäre die Gesinnungsgenossen Dr. Lipper. und Dr. Waldmann gewählt. Als Direktoren erschienen die Herren Prange, Eisler und Karl Stand, als Vizedirektoren die Herren Abg. Dr. Gabel, Grossinger und Wechsler gewählt. Gwozdsiec. Bei der am 27. v. M stattgefundenen Konstituierung des Ausschusses, welcher von der am 10. d. M. einberufenen ordentlichen Generalversammlung gewählt wurde, sind die Herren Julius Pauker zum Präsidenten, Korn Heinech zum Vizepräsidenten, Presser M. W. zum Sekretär, Mark Daniel zum Bibliothekar, Gottlieb Hersch zum Kassier, Lantman Rachmiel zum Kontroller, sowie die Herren S. Goldfeld, S. Luwisch, Selig Dienes, A. Schlom und A. Schieber im Ausschusse gewählt worden. Von der gewählten achtgliedrigen Natiönalfondskpmmission sind die Herren S. Klier als Obmann, Zauderer A. als Vizeobmann, D. B. Drescher als Sekretär und Selig Dienes als Kontroller ernannt worden. Der Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr, welcher vom Präsidenten Herrn Pauker verlesen wurde, weist unter der Rubrik „Schekel" und „Nationalfonds" Ziffern auf, wtlche relativ zur Größe unseres Städtchens als sehr günstig bezeichnet werden können. So wurde vom März 1908 bis April 1909 die ansehnliche Summe von 502.60 Kr. für den Nationalfonds gesammelt, und zwar: Sammelbogen.............: . . Kr. 220.76 Sammelbüchsen . .......... . . „' 116.24 Allgemeine Spenden . .[ „ 54.40 Karoth-Sammlung.............„ 15.66 Selbstbesteuerung ............. „ 7.30 ölbaumspenden ..............» ~ 63.40 Telegrammblanketts und Nätionalfondsmärken v „ 24.84 Zusammen . . . Kr.1 502.60 Schekel wurden vom Ausschußmitgliede Herrn Schaja Goldfeld 50 verteilt. Dem Ausschusse und der Nationalfondskommission wurden von der Generalversammlung der Dank votiert und der Beschluß gefaßt, den Präsidenten Herrn Julius Pauker in Anerkennung seiner bisherigen Verdienste ins goldene Buch einzutragen. England Eine Herzlfeier Unter dem Patronat der Herzl Society fand am Sonntag im Pavilion-Theater in London eine Versammlung zum Gedenken des Geburtstags Dr. Herzls statt. Rev. A. A. Green, Vorsitzender der Versammlung, präsidierte und verlas Begrüßungsschreiben der Herren Präsident Wolffsohn, Dr. Max Noldau, L. J. Greenberg, Dr. Ch. Dreyfuß, J. Zangwill u. a. Rev. Green gedachte in warmen Worten der Bedeutung Herzls. Was immer jemandes Meinung über die Realität seiner Forderungen sein möge, das eine müsse er zugeben, daß Herzl das jüdische Volk aufgerüttelt und ihm die Bedeutung der Judenfrage klar gemacht habe. Er habe Juden der verschiedensten Richtungen zum Kampf für eine Sache zusammengebracht. Sein Platz sei weder im Zionismus noch im Judentum ausgefüllt worden, aber er, der Redner glaube, daß seine Stelle eher im Zionismus als im Judaismus ausgefüllt sein werde. Herr Sydney Whitman, der bekannte Journalist, gab einige persönliche Erinnerungen an Dr. Herzl. Er begegnete ihm zum erstenmal im Jahre 1896, als er als Spezialkorrespondent der „New York Herald" in Berlin war, und er blieb in herzlichen Beziehungen zu Herzl bis zu dessen Tode. So entzückt sei er von der Persönlichkeit Herds gewesen/so eingenommen von seiner Lauterkeit und seinem Mut, daß er sich nie fragte, ob seine Ideale ausführbar seien oder nicht. Herzl starb als Märtyrer, weil ergegen seine Zeit gekämpft hatte. Er, der Redner, hibe nach Kräften versucht, ihm nützlich zu sein, indem er alles seinem Blatte übermittelte, was Herzl veröffentlicht zu sehen wünschte. Er trug:nocti eine Menge persönlicher Einzelheiten vor, die alle die überwältigende Bedeutung Herzls illustrierten. Herr Jöseph Cowen, enthusiastisch begrüßt, erwähnt, daß er Herzl von 1897 ab bis zu seinem Tode nahe gestanden habe. Er lernte ihn auf dem ersten Kongreß kennen und war gleich, von seiner glänzenden Persönlichkeit gefangen genommen. Er sei ihm immer als ein geborener Edelmann erschienen. " ' Es sprachen noch die Herfen Israel Cohen und E. Gwilanoff, letzterer in Jüdisch. Kanada Herr J. S. Leo, der ehrenamtliche Sekretär der Federation of Zionist Societies of Kanada, ist von seiner Reise nach Manitoba, den nordwestlichen Provinzen und der Pazifikküste Kanadas zurückgekehrt; In verschiedenen Städten dieser Distrikte hatte er Zus^tiehkünfte mit den leitenden Männern der Gemeinden und fand überallein freundliches * Entgegenkommen und warme Sympathie für Wfe zionistische Sache. Mr. Leo ist der Ansicht, daß der Westen Kanadas und die Pazifikküste der zionistischen Betätigung noch ein reiches Feld bieten. Er fand die jüdischen Gemeinden daselbst in einem blühenden Zustand und die Stimmung aHerorts sehr empfänglich für die Aufnahme des zionistischen Gedankens. Herr Leo glaubt, daß ein Besuch der andern zionistischen Führer Kanadas in den Weststaaten von ausgezeichneter Wirkung sein werde, und befürwortet aus diesem Grunde die Abhaltung des diesjährigen kanadischen D.-legiertentages in einer der Städte des Westens, in Victoria, Celzary oder Winnipeg. Der Präsident der Federation, Herr Clarence de Sila, besuchte jüngst die Stadt Ottawa und hatte bei dieser Gelegenheit eine sehr ersprießliche Zusammenkunft mit den lokalen Führern der Bewegung. Amerika Federation of American Zionists Am Sontag den i8. April fand eine große Anzahl von Propaganda-Massenversammlungen in verschiedenen Teilen Gorß New-Yorks statt. Unter andern sprachen die Herren A. H. Fromenson, Leon A Kohn, Dr. H. J. Epstein, M. Feinman, M. Lewin, Rabbiner Joel Blau, J. Schneeberg, Dr. A. Spiegel, Rabbiner M. M. Kaplan, Prof. J Friedländer, Joseph Baronde, Rev. J. Konowitz, Dr. Gerschberg, Isäac. Allen. Während der Pessachtage besuchte der Sekretär der Federation die Stadt Baltimore und hielt dort eine gut besuchte Versammlung ab. Auf Einladung des Dr. W. M. Rosenau hielt er am siebten Pessachtage an dessen Statt in der Synagoge Utah Place Temple die Predigt. Im Bureau der Federation of American Zionists ist neuerdings ein lebhaftes Erstarken der Arbeit für den Verkauf von A. P C. Aktien beobachtet worden. Ohne daß die Federation selbst irgendwelche besondere Schritte in dieser Hinsicht getan hätte, sind aus den verschiedenen Teilen des Landes spontan Bestellungen auf diese Aktien in großer Menge eingelaufen. Der Grund zu dieser erfreulichen Tatsache liegt offenbar in der Erklärung einer 4°,oigen Dividende seitens derA. P.C. für das laufende Jahr. Auf Einladung der Orientalischen Fortschrittlichen Gesellschaft, die ausschließlich aus orientalischen Juden besteht, hielt jüngst der Sekretär der Federation daselbst einen Vortrag über den Zionismus, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Auf Veranlassung der Harvard Zionist Society hielt - Dr. H. M. Kallen einen Vortragszyklus über das Thema: Die Ethik des Zionismus Die einzelnen Vorträge behandelten: dt3 ethische Basis politischer Betätigung, die ethischen Grundlagen des Nationalismus, der erzieherische Wert der Nationalität, das zionistische Programm, die moralische Aufgabe des Zionismus. Order Knights of Zion Die Arbeit des Ordens Knights of Zion schreitet günstig vorwärts. In der letzten Zeit fanden gut besuchte T*ropagandaversammlungen statt in Chicago, Sioux-City, Des Moines, Milwaukee, Lincoln usw Die Schekelsammlung wird mit Energie und Erfolg betrieben. Auch für den Nationalfonds werden beträchtliche Summen gesammelt. Die Gründung von Jugendvereinen wird in die Wege geleitet werden.