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Die Welt · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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410 DIE ELT No. 19 Gesundheit und Kraft des Volkstums anzusehen, wenn der Wert und die Berechtigung der freien Meinung Raum und Anerkennung findet. Nur fanatische Gruppen, welche ihrer Dauerhaftigkeit, Solidität und Gesundheit nicht vertrauen, züchten Servilität und und katzenbuckelndes Sklaventum. Das Althergebrachte sucht gegenüber dem neuen Werdenden Form und Aufrechterhaltung seiner überlebten Zustände, das Werdende aber braucht Raum zur Entwicklung seiner Kraft. Hier sind die Ursachen des Ringens zu suchen. Wer mit prüfendem Auge dieses Ringen beobachtet, dem kann es unmöglich entgehen, daß das zionistische Prinzip sich immer mehr auch in riichtzionistischen Kreisen Bahn bricht. Alles was wir vor Jahren schon befürworteten, wird jetzt zum Gemeingut sämtlicher Parteien im Judentum. Unsere Proteste gegen die ziellose ungeregelte Auswanderung und gegen die Anhäufung von Massen in einigen großen Städten Amerikas und Englands, unsere Bestrebungen, die darin gipfeln, ein normales, jüdisches Zentrum zu schaffen, einen Mittelpunkt jüdischer Energie und produktiver selbsttätiger Arbeit, sind bis auf den palästinensischen Zionismus schon "jetzt von allen Gegnern anerkannt worden. Man rückt uns näher, ohne daß man es merkt. Es fehlt nur noch das eigentliche historische Prinzip der Kontinuität Palästinas, also der geographische Punkt. Das Suchen nach Territorien, trotzdem es sich auf alle Weltteile erstreckt hatte, kehrte doch nach dem Orient zurück, und nicht nur nach dem Orient jrn weiten Sinne dieses Wortes, sondern nach dem türkischen Orient, der als eine Utopia lange und hartnäckig bezeichnet worden war. Man ist schon bei Mesopotamien angelangt, und wir können dieser Entwicklung mit großer Ruhe entgegensehen, weil sie logischerweise nach Palästina führen muß. Denn hat man schon einmal die Schwerfälligkeiten und Gedanken aller Art, die Vorteile und Zweifel bezüglich des Orient überwunden, und ist man schon entschlossen, in großem Maßstabe im osmanischen Reiche Kolonisationsversuche, zu machen, so wird man nicht umhin können, die Tatsache zu berücksichtigen, daß in Palästina nicht nur die historischen und geographischen Voraussetzungen günstig sind, sondern daß ja schon eine praktische Grundlage geschaffen worden ist.. Anderseits ist ja nicht zu verkennen, daß unter dem Gesichtspunkte der Auswanderung, der Kolonisation und der nötigen Abhilfe für die soziale Not jener Teil des türkischen Reiches, der mit Mesopotamien bezeichnet wird^ in Betracht gezogen werden muß. Es sind verschiedene Pros und Kontras zu erwägen, aber auf jeden Fall haben wir für diese Projekte viel mehr Sympathie, als für die exotischen Unternehmungen' in den überseeischen Ländern der zweiten Hemisphäre. Wir erinnern uns, auf welche Hindernisse schon das Wort Orient* beispielsweise noch in Brüssel auf der Konferenz vom Jahre 1905 gestoßen hat, und wie geflissentlich unsere Freunde, die Vertreter anderer Organisationen, bemüht waren, dieses verpönte Wort auszuschalten. Die historische Entwicklung hat sie eines Bessern belehrt und uns näher gebracht. Wir hoffen, daß diese sie tins noch näher; bringen wird, und daß all die Versuche, die dahin gerichtet sind, eine Vereinigung der Organisationen zustande zu bringen, sich endlich klar und deutlich in dem Bestreben kristallisieren werden, ein großes jüdisches Zentrum in Palästina und im Orient zu schaffen. — J. H. Ellmann Ein trauriges, innerlich zerrissenes Menschenleben. Große Begabung, eine rasende Energie, Fieberträume, Selbstaufopferung, Begeisterung und dabei eine Unstätigkeit. ein verzweifeltes Ringen — die richtige' Tragik des Goluth I Er arbeitete in den ersten Jahren der zionistischen Bewegung mit einem Eifer, der ihn alles andere vergessen ließ. Das Weh und das Elend der rumänischen Judennot haben ihn zu einem Entwurzelten gemacht, zu einem Typus der Sturm- und Drangperiode. .Seine Reden zündeten, sein Enthusiasmus rüttelte die Schlafenden auf, seine Popularität wuchs, seine.große Agitationskraft wirkte gewaltig, bis sie sich aufgerieben hatte. Er setzte sich über die Gesetze des Lebens hinweg, er vernachlässigte die praktischen Regeln individuellen Erfolgs, in einem ekstatischen Rausch lebte er einige Jahre dahin — und das rächte sich schwer. Ohne eigentliche Heimat — ein rumänischer Jude! — und so.vielseitig, daß er am Ende keinen einzigen speziellen Beruf hatte, in der Agitation abgenutzt,. in Situationen verwickelt, die immer schwieriger wurden, konnte der Verstorbene auf der Höhe nicht bleiben, zu der er sich emporgeschwungen hatte. Er fiel — mit gebrochenen Flügeln, um im Jammertal des Kampfes ums Dasein nur noch zu leiden. Aber dieser arme Enterbte des Lebens war ein guter und edler. Mensch, einst ein glühender, zuletzt ein verglimmender. Die Erinnerung gleitet über die komplizierten und heiklen Seiten hinweg; die als Zufälligkeiten erblassen und verschwinden, und haftet sich an das Wesentliche im Leben Ellmanns, an das Schöne und Gute, das er in glücklicheren Jahren geschaffen, an das Pioniertum, an dem er sich lange,beteiligte, an das feurige Temperament, an die hinreißende Begeisterung, von der er durchglüht war. N. S. C O O 0^]| o o o o o o o J AUS DER BEWEGUNG f I o o o o o o o Sitzung des Engern Aktionskomitees Am Sonntag den 2. Mai fand in Köln eine Sitzung des Engern Aktionskomitees statt. Zugegen waren die Herren: David Wolffsohn, Präsident; I. H. Kann, Haag, Prof. Dr. Werburg, Berlin, N. Sokolow und J. Berger als Protokollführer. Es fand eine eingehende Beratung über die politische Lage statt. Die Besprechung, die sich auf die letzten Entwicklungen auf diesem Gebiet erstreckte, ergab eine Reihe zeitgemäßer Anregungen, die sich an die frühern diesbezüglich gefaßten Beschlüsse knüpfen. Im Zusammenhang mit diesen Fragen wurde das Problem der Information durch die Presse gründlich behandelt, über die in dieser Beziehung unternommenen Schritte Bericht erstattet und die Richtlinien für die weitere Tätigkeit festgesetzt. Bezüglich, des IX. Kongresses wurde der an der Spitze dieses Blattes mitgeteilte Beschluß gefaßt. Eingehend befaßte sich die Sitzung mit der Besprechung palästinensischer Angelegenheiten, die diesbezüglichen Beschlüsse wurden bis zur demnächstigen Anwesenheit des Leiters des Palästinaamtes, der im Laufe dieses Monats in Deutschland sein wird, ausgesetzt. Auch die Frage der Ausgestaltung der Kölner Bureaus wurde des längern behandelt und insbesondere Bestimmungen über den Ausbau des Informationsressorts und des Archivs des Zentralbureaus getroffen. Die bisherigen Erfolge der Propagandatätigkeit für den Verkauf von Aktien unserer Banken wurden zur Kenntnis genommen und beschlossen, an die Landesorganisationen und Föderationen mit einem dringlichen Aufruf zur energischen Mitarbeit bei dieser Aktion heranzutreten. . - . In Anwesenheit des Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds, Herrn Dr. M. Bodenheimer, wurden verschiedene Fragen des Nationalfonds besprochen.

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