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Die Welt · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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haben. Wenn Sie aber 100 000 Juden zivilisieren und kultivieren werden, wenn Sie die Bachurim uns heranziehen und ihnen Kultur geben werden; wenn Sie in die breiten Massen Licht hineintragen werden, werden Sie sich ein Geschlecht erziehen, das .befähigt sein wird, zionistisch im vollsten Sinne zu sein und zu bleiben (Lebhafter Beifall). Vierte Sitzung. Um 3 Uhr nachmittags wird die Debatte über das Referat des Dr. Thon eröffnet. Del. Rosmarin (Lancut) weist auf die große Bedeutung hin, " welche die zionistische Organisation, dank der politischen Betätigung, im Lande erlangt hat. Um unsere Kraft zu stärken, müsse -eine intensive Kulturarbeit für die jüdischen Massen geleistet werden. Das Volk erwartet von den Zionisten eine Aufklärungsarbeit. Die Vorschläge Dr. "Thons müssen 'in der nächsten Zeit in allen Städten und Städtchen Galiziens realisiert werden. Del. Tieg er (Lemberg.) Die zionistische Intelligenz zeigt nicht immer ein tieferes Verständnis für die Kulturarbeit. Diese Arbeit ist eben für das galizische Judentum von der größten Wichtigkeit. Nicht dem alten Geschlechte, aber der Jugend müssen wir unser Augenmerk zuwenden. Um eine intensive. Kulturarbeit durch hebräische Schulen, Bibliotheken, Presse u. dgl. führen zu können, müssen wir einen Kulturfonds gründen, weil an dem Mangel materieller Mittel bei uns alles zerschellt. Del. Besen (Kuliköw). Die zionistische Kulturarbeit, wie sie hier Dr. Thon verlangte, müßte in erster Reihe von unserer Studentenschaft geführt werden. Leider erfüllt diese nicht mehr die ihr obliegenden Aufgaben. Die zionistischen Studenten sollten bei ihren ruthenischen Kollegen lernen, wie man für sein Volk kulturell tätig sein kann. Del. Frankel betont die Notwendigkeit einer wirksamen Unterstützung der Bachurim Organisation. Haschachar. Die Konferenz müsse den praktischen Vorschlägen Dr. Thons zustimmen. Wird das neu zu wählende Zentralkomitee nach dieser Richtung tätig sein, wird es den Dank der Partei verdienen. Darauf wird die Debatte wegen später Abendstunde unterbrochen und das Wort ergreift Gg. E. F. Waschitz zu seinem Referate über „Organisation, Agitation und Presse": In vorgerückter Stunde, nachdem alle Delegierten durch die zweitägigen Beratungen ermüdet sind, ist es mir unmöglich, mein Thema, welches für die zionistische Partei Galiziens von großer Wichtigkeit ist, zu erschöpfen. — Wir alle stimmen darin überein, daß für die enormen Aufgaben des galizischen Zionismus eine gut basierte stramme Organisation nötig sei. Bis nun haben wir eigentlich kein Parteistatut für Galizien. Im Auftrag des Zentralkomitees legt daher Referent der Konferenz folgenden Organisationsentwurf vor: Der galizischen Landesorganisation oder Föderation gehören alle galizischen Juden an, welche auf dem Basler Programm stehen, Schekel und Parteisteuer zahlen, das 18. Lebensjahr überschritten haben und keiner andern Föderation angehören. Redner begründet ausführlich die Notwendigkeit einer besondern zionistischen Föderation für Galizien, wo die Verhältnisse ganz anders beschaffen sind, als in den übrigen österreichischen Ländern. Übrigens habe die bisherige Praxis bewiesen, daß eine besondere galizische Föderation im Lande viel mehr tätig sein kann, als eine allgemeine österreichische. Organe der galizischen Landesorganisation sind die Landeskonferenz und das Zentralkomitee. Die Landeskonferenz findet alljährlich statt; auf Verlangen von zwei Distrikskomitees oder 1000 Schekelzahlern kann eine außerordentliche Landeskonferenz einberufen werden. Im weitern Verlaufe seines Referats bespricht Gg. Waschitz die Zusammensetzung des Zentralkomitees, die Notwendigkeit eines entsprechenden Bureaus mit einem bezahlten Parteisekretär und das Verhältnis der vier galizischen Distriktskomitees und aller zionistischen Vereine zum Zentralkomitee. Redner hebt hervor, daß in Galizien in den letzten zwei Jahren eine rege Agitation entfaltet wurde, welche aber nicht ökonomisch geleitet wurde. Es müßte ein Kataster aller zionistischen Vereine in Galizien geschaffen werden und eine Reorganisation dieser Vereine durchgeführt werden. Zur Parteipresse übergehend, verlangt der Referent, daß die beiden Parteiblätter, das jüdische „Tagblatt" und der polnische „Wschöd" in einem engen' Kontakte mit dem Zentralkomitee stehen sollen. Er schlägt daher vor, daß die Chefredakteure dieser Blätter dem Zentralkomitee als Mitglieder angehören sollen. Nach diesem Referate ordnet der Vizepräsident Dr. Thon die Durchführung der Wahlen des Zentralkomitees an. Vorher wird noch der Antrag des Referenten angenommen, wonach das Zentralkomitee aus einem Präsidenten und sieben Mitgliedern besteht, welche die Landeskonferenz wählt, aus je zwei Delegierten der vier Distriktskomitees, den galizischen Mitgliedern des „Jüdischen Klubs" und den Redakteuren des ..Tagblatt" und „Wschöd". In der Abstimmung wird zum Präsidenten des Zentralkomitees einstimmig Abg. Adolf Stand, zum Vizepräsidenten Dr.Michael Ringel gewählt. Die übrigen Mitglieder des Zentralkomitees., werden durch Wahlzettel gewählt. Während das Skrutinium durchgeführt wird, geht die Konferenz zur weitern Debatte über das Referat „Organisation" über. In dieser Diskussion sprachen die Del. Hirschhorn, Krieger, Dr. Koch, Horovitz, Wassermann und Pilzer, welche alle die Unzulänglichkeiten der jetzigen Parteiorganisation beklagten, die in entscheidenden Momenten nicht imstande ist, unsern Forderungen einen genügenden Nachdruck zu. verleihen und auch die Entwicklung der Arbeit für die rein zionistischen Ziele nicht genügend fördert. Die meisten Redner stimmten darin überein, daß eine durchgreifende Reform der zionistischen Organisation und unserer Parteipresse durchgeführt werden solle. Zugleich aber schien es der Konferenz -unmöglich,-in btzter Stunde diese Reform, welche eine einschneidende Änderung des gesamten zionistischen Parteilebens in Galizien herbeiführen soll, sogleich zu beschließen, und es wurde daher der Antrag akzeptiert, die Vorschläge des Referenten sowie die eingebrachten Anträge einzelner Delegierten dem neuen Zentralkomitee zur Prüfung und Begutachtung zu übergeben. Dr. Thon enunziert sodann das Ergebnis der vorgenommenen Wahl. Als Mitglieder des Zentralkomitees erschienen gewählt: Dr. Alexander Hausmann, Dr. Heinrich Löwenherz, Dr. Abraham Korkis, Saiomon Schiller, Bernard Jahr und Jakob Salo Philipp. Die Kommission, welche über die An'räge des Dr. Pachtmann bezüglich der Organisation der Palästinaarbeit beraten sollte, beantragte, die Vorschläge des Palästinäreferenten, da sie eine vollständige Änderung der Parteiorganisation herbeiführen wollen, dem Zentralkomitee zu überweisen. Zugleich solle Dr. Pachtmann zum Mitreferenten der Palästinaarbeit im Zentralkommitee gewählt werden. Die Anträge der Kommission wurden angenommen. Sodann wird auf Antrag des Del. Frostig beschlossen, zu Ehren des gewesenen Präsidenten der zionistischen Partei Galiziens, Dr. Brau de, einen Ölbaumhain in Palästina zu gründen und ihn in das Goldene Buch des N. F. einzutragen. Dr. Thon schließt sodann die Konferenz mit einer kurzen Ansprache, in welcher er der Hoffnung Ausdruck gibt, daß die VIII. Landeskonferenz ein wichtiger Moment in der Entwicklungslinie des galizischen Zionismus sein wird. Die prinzipiellen Kämpfe, welche wir auf dieser Konferenz ausgefochten haben, haben Klärung in den Parteiverhältnissen geschaffen; unser Ziel liegt jedem von uns klar vor. Mit vereinten Kräften werden wir es alle ohne Unterschied anstreben. Unter Absingen des Hatikwah-Liedes wird die Konferenz geschlossen, Aus meinem Notizbuch Wir befinden uns in einer Entwicklungsepoche Mesopotamien. unseres Volkslebens, welche sich nach allen Richtungen in schneidender Schärfe zuspitzt; überall drängen sich die wichtigsten Fragen der Lösung entgegen, und hier reicht die Denkkraft des Einzelnen nicht mehr aus, überall die richtigen Wege zu bessern und dauernden Gestaltungen zu finden. Unstreitig aber ist die Bekämpfung unserer sozialen Not die hochwichtigste Frage, und dieselbe kann erfolgreich nur durch die Vermehrung der Möglichkeit, sich leicht ansässig zu machen, gelöst werden. Wenn die jüdische Bevölkerung fern bleibt von dem Ansteckungsfeuer, welches die großen öhettoherde verbreiten, und wenn der Anziehungskraft von Whitechapel und New-York entgegengewirkt wird, dann steht die endliche Gesundung mit Sicherheit zu erwarten. . Gerade darum aber muß die Ackerbaukolonisation und die Frage, auf welche Weise sich diese am zweckmäßigsten und sichersten bewerkstelligen läßt, immer mehr in den Vordergrund gedrängt werden. Vor allem sind aber die Vertreter der jüdischen Masse selbst verpflichtet und berechtigt, ihre mahnende Stimme zu erheben und zur Geltung zu bringen im Gewirre des heutigen vielstimmigen Streites. Naturgemäß befinden sich innerhalb jedes nationalen Gebildes gegenüber der Lösung wichtiger Zeitfragen die denkenden Köpfe in manchen Gegensätzen, und es ist geradezu als ein Zeichen der

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