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Die Welt · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 19 DIE3^ELT 407 an die Pioniere der Zivilisation stellt, zugleich ein Prüfstein für ihre Kraft, Geschick, Mut und Ausdauer zu werden. Kein Land als dieses arme, aber schöne Palästina, wird dann aber auch so tief die Segnungen empfinden, welche von tatkräftigen Männern ausgehen werden, die ins Land als nationale Juden und freie Staatsangehörige des Osmanenreichs zu kommen bereit sind. Das alte Regime hat bisher nur Schwierigkeiten und Hindernisse geschaffen. Unkultur und Mißwirtschaft lagen vor den Einwanderern; nun gilt es, — nachdem die gesetzgeberische Arbeit beendet sein wird — wacker einzugreifen, verödetes Land urbar zu machen, Weinberge anzubauen, Sümpfe trocken zu legen, dürren Boden zu bewässern. Und je mehr Licht, Ordnung und Wohlstand sich allmählich verbreiten werden, um so williger wird auch die einheimische Bevölkerung dem Beispiele der Pioniere folgen. Palästina kann ein musterhaftes Kulturzentrum für das ganze osmanische Reich werden. Die neue Ordnung der Dinge zu befestigen und dem Qesamtreich Zeit zu geben, sich politisch zu konsolidieren und die Entwicklung seiner reichen Hilfsquellen durch die Sicherung des innern und äußern Friedens zu ermöglichen, das ist die hohe Aufgabe, die der Regierungsära Mohammeds V. bevorsteht. Die Vergangenheit bietet eine reiche Quelle, für Belehrungen. Hätte es das alte Regime verstanden, die Kolonisation zu fördern, dann wäre vielleicht schon die Heimstätte für Millionen energischer, arbeitslustiger Menschen geschaffen, die auf dem Scheidewege standen und noch stehen, und das Osmanenreich hätte ein neues Element der Arbeit und der Ordnung gewonnen. Die neue Gestaltung der Verhältnisse wird das Versäumte nachzuholen helfen. Das wird, Wie wir hoffen, im zukünftigen Ruhmeskranzder neuen Regierung die schönste Blume sein. N. S. SpezialberichtüberdieVIILLandeskonf erenz der galizischen Zionisten (Von unserm Spezialberichterstatter) •... , (Schluß) ... .. - Montag, am 19. April, eröffnet Vorsitzender Abg. Stand um £ Uhr vormittags die dritte Sitzung. Vor Übergang zur Tagesordnung werden die eingesendeten Telegramme verlesen; Glückwünsche für die Konferenz übersendeten das Engere Aktionskomitee, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, das ungarische Landeskomitee, viele zionistischen Vereine in Galizien uud manche jüdische Kultusgemeinden. Abg. Straucher entschuldigte brieflich seine Abwesenheit und sprach sichin einem längern Schreibenr gegen die Bildung einer besondern Organisation für die Landespolitik aus; Sodann referierte Gesinnungsgenosse Dr. Pachtmann (Drohobycz) über die „Arbeit in Palästina". ' „Es ist mir aus vielen Gründen unmöglich", — sagte der Referent, — der Konferenz ein anschauliches Bild unserer bisherigen Arbeit für Palästina darzustellen: Wir^alle sird doch sehr gut mit all diesen Institutionen bekannt, welche der Zionismus rn und für Palästina geschaffen hat, und wir brauchen sie hier nicht nochmals aufzuzählen. Auch halten 'wir alle an der Überzeugung fest, daß die reale Arbeit in Palästina mit dem Aufgebote aller Kräfte weitergeführt werden soll, und daß Wir statt der vielen langen Reden endlich zu Taten übergehen. Da wir gestern dem Zentralkomitee unser Vertrauen für seine Tätigkeit ausgesprochen haben, geziemt es mir nicht, jetzt seine Arbeit für Palästina, welche die einzig wahrhafte zionistische Tätigkeit ist, einer Kritik zu unterziehen. Im Gegensatze zu vielen andern, welche ihrer Forderung, in Galizien eine intensive Arbeit für Palästina zu beginnen, in dieser Form Ausdruck gegeben haben, daß sie die Ausschaltung der Landespolitik verlangten, halte ich an der Überzeugung fest, daß das Übel in dem Mangel einer entsprechenden Organisation für die Paläst inaarbeit liegt. Der Kongreß und das Aktionskomitee haben uns ein großes und weites Arbeitsfeld geschaffen. Wir haben eine Menge von wirtschaftlichen und kulturellen Institutionen, für welche wir nicht genügend arbeiten können, weil die Arbeit bei uns nicht organisiert ist. Es ist daher notwendig, statt große Reden zu halten und theoretische Programme zu entwerfen, in Galizien die Palästinaarbeit zu organisieren. Wenn dies geschehen ist, dann werden die Herren, welche jetzt behaupten, daß die Gegenwartsarbeit die Tätigkeit für Palästina lahmgelegt habe, ihre Vorwürfe fallen lassen. Festhaltend an dem Grundsatze, daß die galizischen Zionisten der zionistischen Gesamtorganisation an dem Aufbaue ihrer Institutionen in Palästina möglichst viel mitzuhelfen haben, erlaube ich mir, ihnen folgenden Vorschlag zur Organisation der Palästinaarbeit in Galizien zu unterbreiten. 1. Behufs Verwirklichung aller Aufgaben der zionistischen Partei, welche der Kongreß dem Palästinaressort zuweist, haben die zionistischen territorialen Organisationen in Galizien nach dem hier vorgeschlagenen Entwürfe Palästinakomitees, Palästinaämter und ein Landespalästinakomitee zu bilden. 2. Die zionistische Palästinaorganisation Galiziens umfaßt diejenigen Juden (männlichen und weiblichen Geschlechts), welche sich mit dem Basler Programm einverstanden erklären, den Palästina- Beitrag zahlen und der Landesorganisation des Palästinaressorts angehören. Punkte 3, 4, 5 und 6 bestimmen die Organisation der Palästinaämter und Landespalästinakomitees. 7. Mitglied der zionistischen Palästinaorganisation kann jeder Jude werden, welcher das 18. Lebensjahr überschritten hat und den Palästinabeitrag regelmäßig alljährlich entrichtet. 8. Die Palästinaorganisation hat folgenden Wirkungskreis: .a) Den gesamten Palästinainformationsdienst zu besorgen. — Das Landespalästinakomitee hat zu diesem Zwecke als Beilage zu den zionistischen Parteiblättern periodische Berichte zu veröffentlichen, welche sodann in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung zu verbreiten sind; b) Die Organisation der Privatinitiative durch gegenseitige Annäherung derjenigen Juden, welche sich in Palästina ansiedeln wollen, durch Belehrung derselben betreffs der lokalen, wirtschaftlichen, finanziellen und rechtlichen Bedingungen der Ansiedlung, durch Vermittlung von Kredit, durch Rechtsschutz bei Abschluß von Verträgen usw.; c) Die Verbreitung und Unterstützung des Handels mit Palästinaprodukten; d) Die Industrialisierung Palästinas. Weitere .Punkte dieses Vorschlags befassen sich mit dem Verhältnisse des Landespalästinakomitees zu dem Palästinaressort der "zionistischen Organisation. Referent erörtert ausführlich die einzelnen Punkte seines Vorschlags und weist auf die guten Erfolge der Agitation für Palästina hin, welche in Drohobycz, dank der guten Organisation dieser Arbeit, erreicht wurden. Insbesondere solle großes Gewicht auf den Informationsdienst gelegt werden, da in. Galizien jetzt viele jüdische Familien .vorhanden seien, welche nach Palästina auswandern wollen, und der s.chon existierende Informationsdienst seinen Aufgaben nicht gewachsen ist. -. - / > Zum Schlüsse fordert Redner die Konferenz auf, nicht früher auseinander zu gehen, bis die Arbeit für Palästina in Galizien organisiert sein wird. Ohne eine energische- und stete Tätigkeit laufen wir Gefahr, daß wir in der zionistischen .Organisation keine Zionisten haben werden (Beifall). . . ' Dem Referate Dr. Pachtmanns folgte eine längere Debatte'. Del. Pfeffer verlangt, daß sich die .zionistische Intelligenz,in der Frage der Palästinaarbeit in engere Verbindung mit dem Volke setzen soll. Dr« Schur (Stanislau) glaubt, daß jetzt schon eine Agitation für die Auswanderung nach Palästina eingeleitet werden soll. Die armen galizischen Auswanderer werden in Palästina dieselben Bedingungen . finden, "wie in Amerika. Palästina braucht in erster Reihe Arbeiter, daß es sich entwickeln könne. Dr. Tartakover (Bfodyj: Die Frage politischer oder praktischer Zionismus ist schon entschieden worden. *Wer die Verhältnisse in Palästina kennt, weiß, daß wir das Land verlieren werden, wenn wir es nicht jetzt ökonomisch erobern. Neue Institutionen müssen geschaffen werden und insbesondere die agrarische Kolonisation' muß unterstützt werden. Ohne Agrarkredit werden wir niemals imstande sein, diese Kolonisation erfolgreich zu treiben. Wir müssen die Giündung der Agrarbank entschieden verlangen. Ein guter Informationsdienst würde auch in "Galizien manche bemittelte Familien zur Auswanderung nach Palästina bewegen. Redner beschäftigt sich sodann mit der Frage der jüdischen Arbeiter in Palästina und glaubt, daß auch hier Galizien entsprechende jüdische Arbeiter liefern könnte. 1 i/^j-? I'fy f 5 W u.

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