Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 18 DIE3aEELT 3<)9 daß dies kaum zu erwarten sei, brach die Ärmste zusammen und schrie: „Ich kann nicht leben ohne mein Kindchen. Ich muß mein Kindchen wiederhaben, oder ich verliere den Verstand." Oleichberechtigung des Hebräischen an öffentlichen Schulen Der New-Yorker „Board of Regents", die Unterrichtsbehörde dieses Staats, hat Hebräisch als Gegenstand des Lehrplans zugelassen. In Zukunft werden Studenten, die sich dem Studium des Hebräischen widmen, dieselben Vorteile genießen, wie die Studierenden der lateinischen oder griechischen Sprache, d. h. dem Hebräischen ist derselbe Rang zuerkannt worden wie den klassischen Sprachen. Bisher wurde die Kenntnis des Hebräischen bei den Prüfungen absolut nicht gewertet. Es ist das Verdienst Mr. Edward Lauterbachs, der ein Mitglied des Boards of Regents ist, den Umstand, daß viele junge jüdische Studenten, die jahrelang auf die Erlernung des Hebräischen verwandt hatten, bei der Prüfung erkennen mußten, daß diese Seite ihres Studiums wertlos für sie gewesen war, zur Kenntnis des Boards gebracht zu haben; daraufhin beschloß der Board, das Hebräische mit den beiden andern alten Sprachen gleichzustellen. Die New-Yorker jüdische Gemeinde Die Schlußversammlung des konstituierenden Komitees für die Schaffung einer jüdischen Großgemeinde New-York tagte am Samstag den 10. April im Hebrew Charities Building. 200 Delegierte waren anwesend, um den Aufsichtsrat der neuen Gemeinde zu wählen, nachdem der Vorstand schon in der vorigen Versammlung gewählt worden war. Vorsitzender der Versammlung war Dr. J. L, Magnes, Schriftführer. Dr. Herbert Friedenwald, Es waren im ganzen 70 Aufsichtsräte zu wählen. Die meisten Stimmen erhielt unser Gesinnungsgenosse Rev. H. Masliansky, der bekannte Prediger. Von andern gewählten Zionisten nennen wir noch die Herren: Prof. J. Frfedländer, Louis Lipsky, Dr. J. Bluestone, E.W. Lewin-Epstein, L. Kamaiky u. v. a. Nach vollzogener Wahl wurde ein Antrag angenommen, die Eröffnungsrede des Dr. Magnes in Druck zu legen und ihm zugleich den herzlichen Dank der neuen Großgemeinde für seine mühevolle und uneigennützige Arbeit auszusprechen, die er dem Zustandekommen des Gründungswerks gewidmet hat. Bekanntlich stammt ja die Idee der Schaffung einer einheitlichen New-Yorker Judengemeinde von Dr. Magnes. Damit ist die neue Gemeinde gegründet, wie wir nicht zweifeln, zum Wohle der New-Yorker Judenheit und des Gedankens der iüdischen Einheit. Ein Synagogenbrand in Rochester Am 13. April zerstörte eine Feuersbrunst die Synagoge Berith Kodeseh in Rochester, Nordamerika. Das Feuer griff auch auf die umliegenden Straßen über und vernichtete den Hauptteil des jüdischen Viertels. 17 jüdische Häuser sind vollständig vernichtet, über 100 Juden sind obdachlos. Hilfsmaßnahmen sind eingeleitet. Wolf Aschkenazy Im 66. Lebensjahre verstarb in Warschau nach längerer Krankheit einer der letzten und der würdigsten Vertreter der polnischjüdischen Intelligenz, Herr Wolf Aschkenazy. Der Verblichene entstammte der berühmten Familie, die ihren Stammbaum bis auf den Amsterdamer Rabbiner Chacham Zwi zurückführt. In seinen jungen Jahren saß der Hingeschiedene zu den Füßen seines Großvaters, Rabbi Benjamin Aschkenazy, der in der altehrwürdigen Gemeinde Lublin als Rabbiner fungierte. Das in seiner Jugend erworbene talmudische Wissen vereinigte sich späterhin in ihm mit einer ziemlich hohen europäischen Bildung, die den Verstorbenen zu einem der schönsten und interessantesten Typen der besseren „Maskilim" machte. Er hing mit Leib und Seele am Judentum, und seine Pietät für die hebräische Sprache, die er meisterhaft beherrschte, war grenzenlos. Er war Mitglied des Synagogenkomitees, des Ausschusses der Jüdischen Bibliothek und Mitbegründer des Vereins „Londe Thora", der der Heranbildung jüdischer Theologen gewidmet war. Wiewohl seinem Berufe nach Kaufmann, pflegte der Verstorbene einen lebhaften Ideenverkehr mit jüdischen Gelehrten und Schriftstellern und gehörte viele Jahre hindurch den intellektuellen jüdischen Kreisen an, die sich bei der mangelnden Vereinsfreiheit in der Form von Privatcercles erhielten und in denen jüdischer Geist gepflegt worden ist. Er war kein Schriftsteller von Beruf, doch hat er, von seinem edlen Dilettantismus getragen, kurze Aufsätze und Gedichtchen vorzugsweise in hebräischer Sprache verfaßt, die zumeist in der „Hazephira" gedruckt waren. Er hinterließ vier Töchter und einen einzigen Sohn, — den berühmten polnischen Historiker Szymon Aschkenazy, ordentl. Professor der Geschichte an der Lemberger Universität. Am 18. ds. Mts. fand seine Bestattung in Warschau statt. Auf dem Friedhofe hielten Dr. S. Poznanski und N. Sokolow Trauerreden zu Ehren des Verstorbenen. N. 8 rue Henner, Paris, 25. April 1909. Hochverehrter Herr Redakteur! Es ist sehr gütig von der „Welt", daß sie in ihrer letzten Nummer meinen sechzigsten Geburtstag, von dem mich leider nur noch drei Monate trennen, einen „Freudentag" nennen will. Der zwanzigste Geburtstag mag einer sein; seinen sechzigsten wird wohl niemand als Freudentag empfinden. Ich wäre dafür dankbar gewesen, wenn man das fatale Datum hätte unbemerkt vorübergehen lassen; ich kann jedoch nicht verhindern, daß meine Freunde und Gesinnungsgenossen sich seiner erinnern. Wollen Sie bei dieser Gelegenheit unsern Nationalfonds beschenken, so wird mir dies große Genugtuung gewähren. Seine Bereicherung ist mir immer hocherfreuiich, mag der Anlaß ich. ein anderer oder ein anderes sein. Wer unserm Nationalfonds zu meinem Geburtstag einen Betrag stiften will, der tue es und sei im voraus dafür bedankt. Wer den Eifer so weit treiben will, in seinem Kreise auch andere zu Nationalfondsspenden anzuregen, der erwirbt sich besonderes Verdienst. Was ich aber unter keinen Umständen gestatten kann, das ist, daß in den Blättern eine Sammlung für den Nationalfonds auf meinen Namen eröffnet und monatelang vor der Öffentlichkeit weitergeführt wird. Eine derartige Veranstaltung würde mich an meiner empfindlichsten Stelle verletzen, und das kann unmöglich die Absicht der Freunde sein, die den Aufruf in bester Absicht erließen, ohne mich vorher zu verständigen und zu befragen. Ich rechne bestimmt darauf, daß mein Einspruch gehört und beachtet wird. Sie um die Veröffentlichung dieser Zeilen höflichst ersuchend, bin ich, hochgeehrter Herr Redakteur, Ihr ergebenster Dr. M. Nord au Anm. d. Red.: Wenn auch die Veröffentlichung des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds, auf die sich das vorstehende Schreiben Dr. Nordaus bezieht, ohne jede /Mitwirkung der Redaktion der „Welt" erfolgt ist — für den gesamten Nationalfondsteil unseres Blattes ist einzig das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds verantwortlich — so glaubten wir doch, dem Wunsche des verehrten Meisters entsprechen zu sollen und geben seine Erklärung im redaktionellen Teile unserer Zeitung wieder. Im Übrigen verweisen wir auf die entsprechende Notiz des Hauptbureaus, die sich in der Abteilung „Nationalfonds" der vorliegenden Nummer findet. Florenz, 24. März 1909. Sehr geehrter Herr Redakteur! Der Artikel „Opfer und Vertrauen" vom Gesinnungsgenossen Dr. L. Weinberg in Nr. 12 Ihrer geschätzten Wochenschrift ist sicherlich von allen Lesern der „Welt" mit lebhafter Zustimmung begrüßt worden. Anknüpfend an seine Ausführungen, welche zu einer „großzügigen, materiellen Beteiligung" seitens der Zionisten auffordern, erlaube ich mir, folgendes vorzuschlagen: In das Neue Organisationsstatut, Absatz IV: Kongreß möge ein Paragraph eingeschaltet werden, demzufolge jeder Zionist, der ein Delegiertenmandat zum Zionistenkongreß anstrebt, verpflichtet sein soll, Inhaber von mindestensfünf Aktien der Jüdischen Kolonialbank zu sein. Hochachtungsvoll mit Zionsgruß! Tobias Markus. Briefkasten Zionistische Sektion „Max Nordau", Jassy: Besten Dank und Zionsgruß. W. Die glückliche Geburt eines SOHNES zeigen an Großrabbiner Dr. Ehrenpreis u. Frau SOFIA, 22. April 1909.