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Die Welt · 1909-04-30 · 18 (30.4.1909) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 18 DIEMKE LT 389 wie in diesem Jahr zur Pessachzeit. Aus Rußland, Deutschland, Österreich und Südafrika waren Juden vertreten, darunter viele reiche Leute.- Im Hotel Kaminitz, wo sich der jüdische Fremdenverkehr konzentrierte, waren am Seder-Abend 80—100 Personen versammelt, die sich, obwohl aus den verschiedensten Ländern stammend, doch bald als eine große Familie fühlten und ihrer Freude, am Seder-Abend in so stattlicher Zahl in Jerusalem versammelt zu sein, in zahlreichen Reden Ausdruck gaben. Die meisten jüdischen Institute Jerusalems wurden von den Touristen besucht. Man hofft, daß die Pessachreisen nach Jerusalem sich unter den Juden mehr und mehr einbürgern werden. Alljährlich kommen viele Mausende christlicher Pilger aus Rußland um die Osterzeit nach Jerusalem, Sollten nicht wenigstens ebenso viele Hunderte von Juden den Weg nach Jerusalem finden und den Wunsch Leschanah habaah bejruscholajm wenigstens einmal in ihrem Leben erfüllen können? Vorfall bei Sedschera Ein jüdischer Photograph aus Rußland, der kurz vor dem Pessachfeste durch Palästina reiste, wurde in Nazareth mit einigen Arabern wegen Mietens eines Reittieres nach Sedschera nicht handelseinig und entschloß sich, trotz der bald hereinbrechenden Dunkelheit zu Fuß nach Sedschera zu gehen. Die Araber, mit denen er wegen des Reittieres verhandelt hatte, folgten ihm. Der Photograph glaubte, daß sie Böses gegen ihn im Schilde führten, und feuerte aus seinem Revolver mehrere Schüsse in die Luft, um die Araber zu verscheuchen. Diese antworteten jedoch auf die Schüsse mit Steinwürfen. Darauf gab der Photograph einen Schuß ab, der einen Araber traf, und flüchtete unter Zurücklassung seines photographischen Apparats und Reisegepäcks. Die eingeleitete Untersuchung wjrd hoffentlich Näheres ergeben. Im Interesse des Friedens zwischen Juden und Arabern ist der Zwischenfall sehr zu bedauern. Jaffa, 19. April. Der Zwischenfall in Sedschera hat leider unangenehme Folgen gehabt. Der von dem jüdischen Photographen durch einen Revolverschuß verwundete Araber aus dem großen arabischen Dorfe Kafu Kenna ist gestorben. Die Araber gerieten über die Tötung eines der Ihrigen in große Aufregung, und da der Fhotograph eiligst nach Jaffa geflüchtet war, richtete sich ihre Wut gegen die ihnen zunächst wohnenden Juden von Sedschera. Es kamen mehrfach Zusammenstöße zwischen den Juden von Sedschera und den Arabern vor, und bei einem dieser Zusammenstöße sind zwei jüdische Arbeiter aus Sedschera durch Schüsse getötet worden. Da die Feindseligkeiten von Sedschera leicht auf ganz Galiläa übergreifen können und den Arabern seit der Konstitution der Ankauf von Schußwaffen in jedem Laden möglich ist, herrscht in den galiläischen Kolonien einige Unruhe, und man hat fast überall sich mit mehr Waffen versehen. Die Araber, welche die beiden Juden getötet haben, sind verhaftet worden. Man verlangt von seiten der Araber aber auch die Verhaftung des jüdischen Photographen, für den sich die unangenehme Aussicht eröffnet, vor den türkischen Gerichten abgeurteilt zu werden, da er mangels russischen Reisepasses vom russischen Konsul nicht beschützt wird. Hoffentlich werden sich die Gemüter ohne weiteres Blutvergießen beruhigen. Spätregen Jaffa, 15. April 1909. Der kaum noch erhoffte Spätregen ist in den Cholhamoedtagen nun doch noch im ganzen Lande in reichlicher Menge niedergegangen, und wenn er auch nicht alle Schäden der vorhergegangenen Trockenheit wieder gutmachen konnte, so hat er doch immerhin vieles noch gutgemacht. In manchen Gegenden, wo die Saaten schon zu weit vorgeschritten waren, wird die Ernte schlecht bleiben; im größten Teil des Landes wird aber auf eine Mittelernte zu rechnen sein. Baumwollanpflanzungen Haifa, 9. April 1909. Nachdem in den früheren Jahren in den iudäischen Kolonien schüchterne Versuche mit der Anpflanzung von Baumwolle gemacht worden sind, ist man in diesem Jahre zu größeren Arbeiten übergegangen. Der arabische Latifundienbesitzer Sursuk baut Baumwolle südlich vom Tiberiassee auf einem großen Terrain an, das er aus dem Jarmukflusse bewässert und mit ägyptischen Arbeitern bearbeitet. Einige jüdische Kolonisten, die bisher in Pethach-Tikwah Baumwollversuche gemacht haben, haben ihr Tätigkeitsfeld ebenfalls in die Nähe des Tiberiassees verlegt und bauen Baumwolle auf mehreren hundert Dunam, die sie von der Kolonie Meihamie gepachtet haben. Man sieht den Resultaten dieser so wichtigen Kultur, überall mit Spannung entgegen. Achuzath Baith Jaffa, 15. April 1909. Am letzten Cholhamoedtage fand die Verlosung der Bauplätze im neuen Stadtviertel Achuzath Baith unter die 60 Mitglieder statt. Mit dem Bau der Häuser soll in den nächsten Wochen begonnen werden. Der Brunnen, der die projektierte Wasserleitung des Stadtviertels speisen soll, ist bereits vollendet. Die russischen Gäste in Katra Katra, 14. April 1909. Die jüdischen Touristen aus Moskau und Petersburg haben auf ihrer Fahrt durch die jüdischen Kolonien auch unsere Kolonie besucht und ihr Interesse an der von unserer Kolonie begonnenen Heranziehung jemenitischer Juden als landwirtschaftliche Arbeiter dadurch zum Ausdruck gebracht, daß sie einen Betrag zur Erbauung eines Häuschens für jemenitische Juden spendeten. Wasserleitung in Rechoboth Rechoboth, 9. April. Durch ein langfristiges Darlehen, das ein aus den Vereinigten Staaten nach Rechoboth gekommener Jude unserer Kolonie gewährt hat, ist es der Kolonie möglich geworden, ' den lange gehegten Plan einer Wasserleitung auszuführen. Die Röhren werden jetzt bereits verlegt und die Anlage soll noch in diesem Jahre fertiggestellt werden. Rechoboth wird dann neben f Rosch-Pinah, Sichron Jakob, Pethach-Tikwah und Rischon-le-Zion schon die fünfte jüdische Kolonie sein, welche eine Wasserleitung besitzt. Die Genickstarre (Meningitis cerebrospinalis) % in Jerusalem «. Jerusalem, 15. April 1909. Die anfänglichen Gerüchte über die Ausbreitung der Genickstarre in Jerusalem haben sich als übertrieben herausgestellt. Die Jerusalemer Ärzte haben sich zwecks gemeinsamer Statistik und Kontrolle der Epidemie vereinigt, und es hat sich gezeigt, daß bisher insgesamt etwa 80 Erkrankungen, fast ausschließlich bei Kindern unter 16 Jahren, und etwa 15—20 Todesfälle vorgekommen sind. Die Epidemie, die von vielen Ärzten j nach der neuen Methode durch Einspritzungen in das Rückenmark behandelt worden ist, zeigt einen milderen Charakter als bei den letzten Epidemien in Europa und scheint jetzt schon im Erlöschen | begriffen zu sein. ] \ Organisation der jüdischen Arzte in Palästina m Jaffa, 15. April 1909. Die jüdischen Ärzte in Palästina, insj gesamt etwa 20—25 an der Zahl, wollen sich zu einer Organisation {jj zusammenschließen, welche die Vertretung der wirtschaftlichen; Interessen der Ärzte, den Austausch ärztlicher Erfahrungen und die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse zum Ziele hat. Demnächst soll eine konstituierende Versammlung in Jaffa oder Jerusalem stattfinden. m. Erwerbsaussichten in den höhern Berufen Ärzte Für einige tüchtige Ärzte, insbesondere für Spezialisten für ' i Augen-, Ohren-, Frauen- und Kinderkrankheiten, dürfte in Palästina , t noch Platz sein. In der Stadt Jerusalem ist die Zahl der Ärzte 1 hinreichend, da hier die Hospitäler aller Konfessionen konzentriert sind. In Haifa wird sich demnächst ein jüdischer Arzt niederlassen. Dagegen kommen für die Niederlassung die Städte Jaffa, Tiberias und Saffed noch in Betracht. In den großen jüdischen Kolonien gibt es bereits Ärzte, doch findet möglicherweise auch in einer kleinem Kolonie ein Arzt bei bescheidenen Ansprüchen noch genügend Praxis. Die türkische Gesetzgebung verlangt von einem Arzt, der in der Türkei praktiziert, daß er vor einer Prüfungskommission in Konstantinopel ein Examen ablegt, doch wird diese Vorschrift nicht streng gehandhabt, und es gibt in Palästina mehrere Ärzte, welche diese Prüfung nicht gemacht haben. Immerhin gewährt die bestandene Prüfung den Behörden gegenüber eine bessere Stellung. Die Prüfung bietet für denjenigen, der in Europa sein Examen gemacht hat und der französischen Sprache mächtig ist, keine Schwierigkeit. Für Prüfungsgebühren und für die Kosten eines etwa zweimonatlichen Aufenthalts in Konstantinopel sind ungefähr 1500 Frcs. erforderlich. Ärzte, die bereits einige Zeit in Palästina sind und sich hier bekannt gemacht haben, haben Aussicht, in einem Hospital oder in einer jüdischen Kolonie mit einem Gehalt von 2000 bis 4000 Frcs. und dem Rechte der Ausübung von Privatpraxis angestellt zu!*

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