Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-04-30 · 18 (30.4.1909) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316370--51853-3345533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

aufgenommen, und Gesinnungsgenosse Schiller dankte ihm für seine schöne und herzliche Rede. Sodann wurde zur Wahl des Präsidiums geschritten; gewählt wurden Gesinnungsgenossen Kittner und Schönbach. Über die gegenwärtige Lage der hebräischen Schulen referiert Gesinnungsgenosse Raphael Sofermann, der Leiter des Verbandes der hebräischen Schulen in Galizien. Mit dem Verbände stehen in Verkehr 24 von 43 Lehrern geleitete Schulen, die 2126 Schüler und Schülerinnen besuchen. Leider ist aber die jetzige Lage dieser Schulen, mit einigen Ausnahmen, eine schlechte. Gewöhnlich werden hebräische Schulen von jungen Idealisten gegründet, welche dann nicht über die notwendigen materiellen Mittel verfügen, um sie eine längere Zeit zu erhalten. Der Mangel an materieller Unterstützung sowie die Abneigung gewisser Kreise der jüdischen Bevölkerung, ihre Kinder in eine hebräische Schule statt in den Cheder zu schicken, stören fast in jeder Stadt die gesunde Entwicklung unseres hebräischen Schulwesens. Am besten stellen sich noch die Verhältnisse dort dar, wo jüdische Eltern selbst eine hebräische Schule wünschen und ihre Erhaltung auf sich nehmen. Es wäre auch für die Sache nützlicher, wenn die hebräischen Schulen nicht einen ausgesprochen zionistischen Charakter tragen würden; denn wir müssen auch den Nichtzionisten die Möglichkeit geben, ihre Kinder in die hebräischen Schulen zu senden. Das Lehrprogramm des Verbandes der hebräischen Lehrer müsse gebessert werden. Redner ist überzeugt, . daß die hebräischen Schulen in Galizien und in Bukowina eine große Zukunft vor sich haben, wenn sie auf einer gesunden materiellen Grundlage basiert werden und wenn eine baldige Revision des Lehrprogramms für diese Schulen durchgeführt werden wird. Gesinnungsgenosse Ben-Dawid referiert sodann über die Gründung eines hebräischen Schulvereins. „Jedes gesunde und normal sich entwickelnde Volk rrujß. in seinem nationalen Leben einen großen Platz für seine Zukunft einräumen. Wir Juden hatten fast schon verlernt, über unsere Zukunft nachzudenken, und erst der Zionismus hat unser geistiges Leben gehoben. Unter dem Einflüsse der zionistischen Idee begannen wir auch das Bedürfnis nach einem jüdisch-nationalen geistigen Leben zu empfinden. Die von Tag zu Tag entstehenden hebräischen Kurse und Schulen in Galizien beweisen, daß dieses Bedürfnis in der jüdischen Bevölkerung Galiziens wirklich vorhanden ist, sie beweisen aber zugleich, daß wir mit dem Cheder nicht mehr zufrieden sind. Die Entwicklung des hebräischen Schulwesens begegnet aber noch sehr großen Hindernissen dadurch, daß keine einheitliche Lehrmethode eingeführt wurde und daß keine Kontrolle geübt wird an dem Unterricht der Lehrer, die nicht immer der Höhe ihrer Aufgabe gewachsen sind. Redner will daher die Gründung eines hebräischen Schulvereins in Vorschlag bringen, dem die Eltern der Schüler, welche die hebräischen Schulen besuchen, angehören sollten. Die Aufgabe dieses Schulvereins würde es sein, in erster Reihe die Vereinheitlichung und Reform des Unterrichtsprogramms durchzuführen, zwischen dem Verbände der hebräischen Lehrer und den Eltern der Schüler zu vermitteln, den lokalen Schulkomitees Ansehen und nötige Kraft zu verschaffen und die pädagogische Ausbildung der Lehrer zu fördern. Nur ein hebräischer Schulverein wäre imstande, unser Schulwesen zu reformieren und es einer bessern Zukunft entgegenzuführen. Scheuen wir daher vor keiner Mühe zurück, um den hebräischen Schulverein ins Leben zu rufen. In der Diskussion, die sich über das Referat Ben-D awids entwickelte, sprachen Gesinnungsgenossen Silberstein, Reiser und Schiller. Der Vorschlag, einen hebräischen Schulverein zu gründen, wurde allseits mit warrher Sympathie aufgenommen, und nur über die Einzelheiten des Vorschlags des Gesinnungsgenossen, Ben-Dawid herrschte vorläufig keine Einigkeit. Auf Antrag des Gesinnungsgenossen Schiller wurde beschlossen, daß sich die Konferenz irn Prinzip für die Giündung eines hebräischen Schulvereins ausspreche. In der zweiten Sitzung, welche Montag den 19. April stattfand, wurde die weitere Debatte über die Gründung des - Schulvereins geführt. Robinsohn (Kolonien) spricht sich für die Gründung des Schulvereins aus. Sofermann beantragt: Mitglieder des Schul Vereins sind: hebräische Schulen, Vereine Safa.-Berura und Einzelpersonen, die die Tätigkeit des Schulvereins unterstützen wollen. Die Vereine Safa-Berura haben einen jährlichen Beitrag von ,25 Kronen zu leisten und haben das Recht, 2 Delegierte zur Jahreskonferenz zu entsenden. Auch jedes Mitglied, welches 12 Kronen jährlich dem Schulverein als Beitrag zusendet, kann an der Jahreskonferenz teilnehmen. 50 Mitglieder, welche einen jährlichen Beitrag von je Kr. 1.20 leisten, bilden eine Ortsgruppe des Schulvereins und entsenden einen Delegierten. Sitz der Vereinsleitung ist Lemberg. Die Vereinsleitung wird sich mit allen Schulkomitees in Verbindung setzen und die Propaganda für die Entwicklung und Reform des hebräischen Schulwesens führen. Über die einzelnen Punkte des vorgeschlagenen Organisationsentwurfs sprechen noch Weindel (Buczacz), Henisch (Stanislau), Aschkenase (Monasterzyska), Ben-Dawid (Lemberg), Barasch (Lopatyn), Tilman (Sambor) und Dr. Ringel (Lemberg). In der Abstimmung werden sodann die Anträge des Gesinnungsgenossen Sofermann angenommen. Als Grundlage für die Organisation \les Schulvereins wird das Statut der Gesinnungsgenossen aus Stanislau angenommen mit dem Bemerken, daß die Leitung des Schulvereins die Abänderungsanträge in der nächsten Zeit durchführen wird. Auf Antrag des Gesinnungsgenossen Hah n (Gliniany) wurde auch beschlossen, daß die Leitung in kürzester Frist den Schulkomitees ihre Direktiven einsenden soll. In die Leitung des Schulvereins wurden gewählt: Salomon Schiller (Obmann), Dr. Korkis, Dr. Ringel, Jaworower, Ben- Dawid, Tieger, Segel, Henisch, Hochmann, Lebensart, Dr. Drimmer, Dr. Finkelstein, Tropp, Kittner, Spiegel, Schönbach und Schumer. Schließlich wiid noch ein Antrag genehmigt, daß der Verband der hebräischen Lehrer zwei Vertreter in den Schulverein entsendet. Gesinnungsgenosse Sofermann gibt seiner Zufriedenheit Ausdruck, daß die erste Konferenz der hebräischen Schulen einen so schönen Verlauf genommen hat und daß es gelungen ist, den hebräischen Schulverein zu gründen. Redner hofft, daß der Schulverein im besten Einvernehmen mit dem Lehrerverbande seine Ziele verfolgen wird. Nach einer begeisterten Ansprache schloß der Vorsitzende, Gesinnungsgenosse Schönbach, die Konferenz. p a □ PALÄSTINA u| □ ni Feiern der Pessachzeit Jaffa, 11. April. Wie im vorigen Jahre, fand auch dieses Jahr im Chol-Hamoed in Rechowoth ein Fest statt, auf welchem sich die Jugend im Reiten, Ringen, Schießen usw. produzierte und welches zahlreiche Gäste aus ganz Judäa — unter ihnen unsere diesjährigen Gäste vom Auslande — versammelte. Besonders imposant war der Festzug durch die Kolonie. Auch in Jaffa und Jerusalem fanden gelegentlich des Pessachfestes einige Musikabende statt, an denen der berühmte Konzertvirtuose Piroschnikoff auftrat. Sehr gelungen war die Aufführung von Uriel Acosta durch den dramatischen Klub „Hebräische Bühne" in Jerusalem. Zu Ehren Bialiks, der in allen Kolonien und in Jerusalem mit großer Begeisterung empfangen wurde, fand im Bezalel ein Begrüßungsabend statt. Kaukasische Juden in Machanajirn Rosch-Pinah, 4. April 1909. Vor etwa einem halben Jahre ist durch die Vermittlung des hiesigen Administrators der Ica 6—8 jüdischen Familien - aus dem Kaukasus die Möglichkeit gegeben worden, sich in Machanajim anzusiedeln. Machanajirn, eine halbe Stunde von Rosch-Pinah entfernt, war früher eine jüdische Kolonie, ist aber vor mehreren Jahren von den Kolonisten verlassen worden, und die Häuser standen leer. Die Kaukasier sollen sich, wie es heißt, in Machanajim gut bewähren, und so wird hoffentlich dieser Ort wieder zu neuem Leben erstehen. Jüdische Touristen in Jerusalem Jerusalem, 14. April 1909. Wohl noch niemals hat Jerusalem eine so große Zahl von jüdischen Touristen zusammen gesehen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.