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Die Welt · 1909-04-30 · 18 (30.4.1909) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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gegen die Landespolitik sein kann, welche das Ansehen der zionistischen Partei im Lande gehoben hat. Del. Tombak (Lemberg): Unsere Agitation vor der Konferenz bezweckte nur eines: daß sich die Landeskonferenz endlich einmal klar ausspreche, ob die zionistische Partei als solche die Landespolitik zu betreiben hat. Das Zentralkomitee hat gegen den Beschluß des Krakauer Parteitages die zionistische Organisation zu politischer Tätigkeit im Lande ausgenützt. Unsere Organisation ist aber zu schwach, als daß wir noch außer unsern streng zionistischen Aufgaben politische und wirtschaftliche Arbeit vollführen könnten. Die Anhänger der Landespolitik betrachten diese als Mittel zum Zweck. Es ist aber unmöglich, die so sehr wichtige politische und wirtschaftliche Tätigkeit als Mittel zu betrachten. Die Führung einer aufrichtig jüdischen Politik in Galizien erfordert ganze Menschen. Das Zentralkomitee, das in erster Reihe den palästinensischen Zionismus zu führen hat, kann in keiner Weise jüdisch-nationale Arbeit leisten. Die Konferenz muß sich für die Ausscheidung der Politik aus der zionistischen Partei in Galizien entscheiden. Del. Dr. Feldblum (Krakau) kritisiert den Tätigkeitsbericht des Zentralkomitees, insbesondere muß die Haltung des Z. K. dem A. C. gegenüber scharf getadelt werden. Im Interesse der Parteidisziplin sollte das Z. K. zu dem A. C. in einem innigem Verhältnisse stehen. Das Z. K. hat auch für den Zionismus sehr wenig geleistet. Der Mangel an entsprechenden finanziellen Mitteln ist keine Ausrede; für andere Zwecke hat das Z. K., wenn es wollte, Tausende zusammengebracht. In dem nächsten Verwaltungsjahre muß das Z. K. viel mehr für den Zionismus leisten. Mit der Tätigkeit des „Jüdischen Klubs" ist Redner zufrieden, er verlange aber für die Führung der Landespolitik eine besondere jüdisch-nationale Partei, da nicht jeder Zionist auch für die Landespolitik einzutreten gezwungen werden kann. — Dr. Feldblum bringt folgende Resolution ein: 1. Die Landespolitik soll gemäß den Beschlüssen des Krakauer Parteitages in einer besondern jüdisch-nationalen Partei geführt werden. Die Zionisten sind verpflichtet, diese Organisation zu unterstützen; keinem Zionist ist es gestattet, einer andern politischen Partei anzugehören. 2. Die Mitglieder des Z. K. können nicht zugleich der Leitung einer jüdisch-nationalen Partei angehören. 3. Es wird ein Komitee, bestehend aus fünf Mitgliedern gewählt, das die Rekonstruierung einer jüdisch-nationalen Partei in Galizien übernehmen soll. Dr. Brau de verteidigt das Z. K. gegen die vorgebrachten Vorwürfe. Der Hauptfehler des Parteilebens liegt seiner Oberzeugung nach in der Partei selbst. Als das Z. K. die galizische zionistische Partei organisieren wollte, wurden ihm nicht einmal die elementarsten Mittel -zur Verfügung gestellt. Die Parteisteuer, welche zur Deckung der Kosten des Z. K. dienen sollte, hat einen ganz minimalen Betrag aüfgebracht. Ohne jedwede finanzielle Unterstützung hat das Z. K. nicht mehr leisten können. Zur Frage der Landespolitik übergehend, bemerkt Dr.-Brau de: Herzl hat neben dem Chowewe-Zionismus den politischen Zionismus eingeführt, weil er sah, daß die chowewe-zionistische Kleinarbeit nicht ausreichen kann. Und so wie Herzl gewissermaßen eine äußere Politik trieb, weil er erkannte, daß die Palästinaarbeit nicht ausreichen werde, das Judentum zu erlösen, so müssen wir, weil die äußere Politik für Jahre hinaus vor eine eiserne Tür gelangt ist (?), innere Politik machen im Interesse des Judentums. Diezionistische Partei solle sich nicht zu einer Sekte im Judentum herausbilden, sondern sie soll den Nutzen aus der Tatsache ziehen, daß wir zum Machtfaktor im jüdischen Volke geworden sind. In Galizien liegen die Verhältnisse so, daß die Zionisten unbedingt sich als politische Partei erklären müssen; wir Juden können hier nicht leben, wir können uns nicht entwickeln, wenn wir uns nicht zu einem mächtigen Faktor organisieren und wenn wir diese unsere politische Kraft nicht ausnützen im Dienste des Aufbaues unseres nationalen Lebens. Das aber ist eben Landespolitik. Die Assimilanten und Sozialdemokraten warten nur auf den Moment, wenn wir aufhören werden, uns politisch zu betätigen, um über unsere Massen herzufallen. Es gibt für den Zionismus neben der Palästinaarbeit nur eine Pflicht: das jüdische .Volk für den Zionismus zu erhalten. (Großer Beifall.) Del. Dr. Thon (Krakau) gesteht, daß er viel mehr Bitterkeit auf der Seele habe, als er hier ausschütten will. Das Z. K. habe nichts für die Entwicklung der zionistischen Idee in Galizien geleistet. Wenn man den Mangel an finanziellen Mitteln beklagt, soll man eben keine kostspielige Landespolitik treiben. — Redner kommt sodann auf die Angelegenheit der Gründung der zionistischen Bank „Kreditunion" zu sprechen und bekämpft heftig unter stürmischen Protesten der Majorität der Konferenzmitglieder die Art dieser Bankgründung. — Gegen die Landespolitik trete Redner nicht auf, weil er es auf sein Gewissen nicht nehmen könnte, die Landespolitik gänzlich zu liquidieren. Der Friede wird aber so lange nicht hergestellt sein, bis die beiden Teile der Arbeit voneinander nicht losgelöst werden. Das Z. K. hat sich mit der Landespolitik, nicht zu beschäftigen. Dr. Braude antwortet sodann auf die Vorwürfe des Dr. Thon gegen die Gründung der Bank. Es sprechen noch Wechsler und Buchbinder, worauf ein Antrag auf Schluß der Debatte und Wahl von zwei Generalrednern angenommen wird. Generalredner contra Del. Schiller ist sich bewußt, daß er eine verlorene Sache verteidige; er hofft aber, daß sie, weil sie logisch und faktisch berechtigt ist, endlich siegen wird. Landespolitik und Zionismus gehören nicht zusammen. An die Landespolitik klammern sich Leute, welche an den Erfolg des Zionismus in Palästina nicht glauben. Diese sind zwar gute nationale Juden, aber keine Zionisten. Es ist eine Tatsache, daß, je mehr sich die Lage hier zu Lande bessern wird, desto mehr uns Palästina verloren geht, denn dann hört das soziale Motiv für Palästina auf. Redner wirft den Anhängern der Landespolitik vor, daß sie für Palästina nicht aufrichtig arbeiten wollen. Die Landespolitik ist nützlich; es müsse sie aber eine besondere Partei führen. Eine solche jüdisch-nationale Partei ließe sich leicht gründen. Würde die Landespolitik zum Zionismus gehören, dann würde sie den Zionismus fördern; nun ist es aber nicht so; sie%stört nur. Redner schließt mit der Bemerkung, daß seine Behauptung schließlich doch siegen werde. Generalredner pro Dr. Waldmann beweist an einer Reihe von Tatsachen die Schädlichkeit der Gründung einer besondern jüdisch-nationalen Partei. Er sei zwar mit der Politik des „Jüdischen Klubs" nicht einverstanden; er gebe auch zu, daß wir einen großen Fehler begangen hätten dadurch, daß wir unser politisches Programm nicht veröffentlichten, — nichtsdestoweniger wird doch jeder praktisch* Denkende die Notwendigkeit der Landespolitik anerkennen. Redner hält am Grundsatze fest, daß die zionistische Organisation, auf dem Basler Programm fußend, die Gegenwartsarbeit in der Diaspora als organischen Bestandteil ihrer Arbeit zur Erreichung ihres Endzieles zu betrachten hat. Landespolitik ist für den Redner nur: Gegenwartsarbeit. Diese muß aber das jüdische Volk in Galizien unzweifelhaft haben. Gegenwartsarbeit können aber nur Zionisten als solche leisten. Im Namen des Verifikationsausschusses stattete Delegierter Dr. Kornhäuser (Jaslo) Bericht ab. Er konstatiert, daß 185 Delegierte aus 70 Städten anwesend sind, und beantragt die Annullierung von 4 Mandaten. Die Anträge des Verifikationsausschusses werden angenommen. Delegierter Dr. Pachtmann (Drohobycz) beantragt, dem abtretenden Zentralkomitee das Absolutorium zu erteilen und dem Dr. Braude die Anerkennung für seine Tätigkeit auszudrücken. Angenommen. Dem „Jüdischen Klub" wird sodann einstimmig das Vertrauen votiert. In der namentlichen Abstimmung über den Antrag des Dr. Ringel und den des Dr. Feldblum wird der Antrag des Dr. Ringel mit einer großen Majorität angenommen. Sodann schließt der Vorsitzende Abgeordnete Stand die Sitzung. Konferenz der hebräischen Schulen in Galizien Zugleich mit der zionistischen Landeskonferenz tagte in Lemberg eine Konferenz der Vertreter und Lehrer hebräischer Schulen in Galizien, welche vom Gesinnungsgenossen Salomon Schiller einberufen wurde. Die erste Sitzung fand am 18. April um 1 Uhr nachmittags im Saale des Vereins „Tikwath Zion" statt. Gesinnungsgenosse Schiller hielt die Eröffnungsrede: Wir stehen vor der großen Frage, wieso wir die jüdische Jugend in Galizien im jüdischen Geiste zu erziehen haben. Das alte Cheder genügt uns heute auf keine Weise. Seine Stelle soll die moderne, mit dem jüdischen Geiste durchtränkte, hebräische Schule ersetzen. Nur die Form soll bei unserer hebräischen Schule eine moderne sein, der Inhalt müsse unserer alten Tradition und Kultur entsprechen. Insbesondere soll es unsere Aufgabe sein, neue Lehrmethoden einzuführen, daß wir unsere Jugend im wahrhaft jüdischen Geiste, aber nach den modernen Grundsätzen erziehen können. Im Namen des zionistischen Zentralkomitees begrüßte Dr. Osias Thon die anwesenden Lehrer und Delegierten. „Wir begrüßen Sie," — sagte Dr. Thon, — „alle, die ihr hierhergekommen seid, um die jüdischen Kindel* ihren Eltern als Juden zurückzuführen, um durch die jüdische Erziehung unserer Jugend neue Werte für das Judentum zu schaffen. Wir wünschen euch, daß eure Arbeit vom gedeihlichsten Erfolge für unsere zionistische Idee begleitet sein soll." Die begeisternden Worte Dr. Thons wurden mit lebhaftem Beifall

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