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Die Welt · 1909-04-30 · 18 (30.4.1909) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 18 DIE3^[ELT 385 mit diesem Gesetzentwurf als ausdrücklicher Wahlparole. Nur dann kann davon die Rede sein, da/3 das zustandekommende Gesetz den Wünschen und den Interessen der preußischen Judenheit entspricht. Im andern Falle wird es ein aufoktroyiertes Zwangsstatut sein, und die preußische und vielleicht die deutsche Judenheit wird unter ihm noch kranker werden und zurückgehen, wie eben Völker unter einer autokratischen Regierungsform niemals zur Entfaltung kommen können. Wir erwarten von dem gesunden Sinn der preußischen Juden, daß sie diese~ Möglichkeit einer Heilung der kranken jüdischen Verhältnisse in Preußen nicht unbenutzt vorübergehen lassen werden. Spezialbericht über dieVIII. Landeskonferenz der galizischen Zionisten (Von unserm Spezialberichterstalterl Am 18. und 19. April tagte in Lemberg die achte Landeskonferenz der galizischen Zionisten. — Im feierlich dekorierten großen Saale des Vereins „Jad Charuzim" versammelten sich Sonntag, am 18. d., schon vor 9 Uhr früh große Gruppen von Delegierten, die lebhaft über die Fragen, welche auf der Tagesordnung, der Konferenz standen, debattierten. Von dem großen Interesse, welches die galizischen Zionisten dieser Konferenz entgegenbrachten, zeugte schon die Durchführung der Wahlen von Delegierten in den Provinzstädten; fast überall wurden Wahlkämpfe ausgefochten, und die Kandidaten mußten den Vereinen ihr politisches Kredo darstellen, bevor sie zur Wahl gelangten. Hauptsächlich war es die Frage des Verhältnisses der Landespolitik zum Zionismus und zur zionistischen Partei, welche die Zionisten Galiziens zu solcher beregter Wahlagitation veranlaßte. Die „reinen Palästinenser" und die Anhänger der „Landespolitik" standen sich in vielen Städten gegenüber und vertraten in der Wahlkampagne ihren Standpunkt. Vor der Konferenz fanden in den akademischen Vereinigungen „Emunah" und „Judäa" Besprechungen von Delegierten statt, doch mußte die endgültige Erledigung der Frage der Landespolitik der Konferenz selbst überlassen werden. Erste Sitzung. Gegen 10 Uhr eröffnete der Präsident des Zentralkomitees Dr. Markus Brau de in Anwesenheit von über 180 Delegierten und 200 Gästen mit einer kurzen Ansprache die Konferenz. — Er begrüßte die Anwesenden und wünschte den Beratungen der Konferenz den besten und gedeihlichsten Erfolg für die Entwicklung des Zionismus. Dem alten Brauche gemäß — sagte Dr. Braude — wäre es meine Aufgabe, der Konferenz einen Rückblick zu liefern über das Geschehene und die Grundzüge der zukünftigen Entwicklung unserer Arbeit im nächsten Jahre darzulegen. Allein die bevorstehende Veränderung in meinem privaten Leben, welche die Änderung meines Wohnorts nach sich ziehen wird (Dr. Braude übersiedelt nächstens als Rabbiner nach Lodz) zwingt mich, aus den Reihen der zionistischen Arbeiter Galiziens auszutreten. Er überläßt es daher andern Vertretern des. Zentralkomitees der Konferenz, entsprechende Vorschläge zu machen. Sodann widmet Dr. Braude einen tiefempfundenen Nachruf den verstorbenen Mitgliedern der galizischen und der gesamten zionistischen Partei. Nach Vorlesung der Geschäftsordnung wird diese ohne Diskussion angenommen. Auf Vorschlag des Dr. Rosmarin (Lemberg) wird sodann Abg. Adolf Stand zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt. — Abg. Stand übernimmt den Vorsitz und schreitet zu der weitern Wahl des Präsidiums. Als Stellvertreter wurden gewählt Dr. Osias Thon (Krakau), Dr. Salz (Jarnow), Dr. Zipper (Lemberg) und Kittner. Als Beisitzer erscheinen gewählt: Tartakower (Brody), Dr. Kornhäuser (Jaslo) und Robinsohn (Przemysl); als Sekretäre: Dr. Feldblum (Krakau), D.H. Tieger (Lemberg), Dr. Sommerstein und Dr. Tartakower. Im Namen des Zentralkomitees erstattete Sekretär Leon Wechsler Bericht. Die letzte Landeskonferenz, die im Jahre 1907 in Lemberg stattfand, wählte ein Zentralkomitee bestehend aus fünf Personen und je zwei Mitgliedern der vier galizischen Distriktskomitees. Als seine erste Pflicht betrachtete das neugeschaffene Zentralkomitee, sein Verhältnis zum Aktionskomitee und der zionistischen Gesamtorganisation zu regeln, insbesondere, da das Wiener Landeskomitee der Bildung einer besondern Organisation für Galizien zuerst nicht zustimmen wollte. Nach langen Verhandlungen wurde schließlich die neugebildete galizische Organisation anerkannt, und die Schaffung einer besondern Zentrale für die Zionisten Westösterreichs führte eine endgültige Klärung der Organisationsfragen herbei. Das Verhältnis zwischen Aktionskomitee und uns ließ in mehreren Fällen leider zu wünschen übrig. Unser Verhältnis zu den vier Distriktskomitees war ein zufriedenstellendes; wir standen mit ihren Delegierten die ganze Zeit hindurch in engster Fühlung. Für die reale Arbeit in Palästina, für die politische und wirtschaftliche Hebung der jüdischen Massen im Lande sowie für die kulturellen Interessen des galizischen Judentums war das Zentralkomitee stets nach Möglichkeit tätig. In der ganzen Periode hielt das Zentralkomitee 67 Sitzungen ab und rief vier vertrauliche Konferenzen ein, bei denen die Vertrauensmänner der Organisation über wichtige Parteiangelegenheiten berieten. Wenn das Zentralkomitee nicht alle seine Pflichten erfüllen konnte, so tragen daran die Gesinnungsgenossen selbst die Schuld, da die Zentrale finanziel die ganze Zeit hindurch gar nicht unterstützt wurde. Für die reale Arbeit in Palästina hat die zionistische Partei in Galizien in dem letzten Jahre verhältnismäßig sehr viel geleistet. Es wurde eine besondere Monatsschrift „Serubabel" gegründet, welche einzig und allein der Agitation für Palästina gewidmet war. Leider konnte dieses Organ aus Mangel an Unterstützung nicht lange erscheinen. Unsere Parteiblätter, das polnische Wochenblatt „Wschöd"und das jüdische „Tagblatt" leisteten durch ihre Propaganda Bedeutendes für die Palästinaarbeit. In erster Reihe unterstützten wir auf das kräftigste die Institutionen unserer zentralen Parteiorganisation. Für den Nationalfonds, Bezalel, Ölbaumspende und Landentwicklungsgesellschaft wurden Summen gesammelt, die angesichts der elenden materiellen Lage der galizischen Juden verhältnismäßig groß sind. In den letzten Monaten entfalteten wir insbesondere eine rege Agitation für die P. L. D. C. Da der frühere Referent des Zentralkomitees für Palästinaarbeit, Gesinnungsgenosse Dr. Samuel Rapaport, nach Palästina reiste, übernahm Dr. Abraham Korkis die Leitung der Palästinakommission, die durch viele verschiedenartige Veranstaltungen, Palästinakurse und dergl. im ganzen Lande eine sehr große Begeisterung für die reale Arbeit in Palästina entfachte. In politischer Hinsicht hat das Zentralkomitee aktiven Anteil an den Landtagswahlen genommen, — leider aber ohne Erfolg. Die politische Agitation wurde energisch weitergeführt und sicherte unserer Partei einen großen Einfluß auf die jüdische Bevölkerung im Lande. Mit dem „Jüdischen Klub" standen wir im innigsten Kontakt. Dank der unermüdlichen Arbeit des Präsidenten des Zentralkomitees ist es gelungen, eine jüdische Bank, „Kreditunion", zu gründen, welche berufen ist, im wirtschaftlichen Leben des galizischen Judentums eine große Rolle zu spielen. Auch in andern wirtschaftlichen Organisationen beginnen wir unsern Einfluß auszuüben. Die Agitation für den Zionismus trieben wir weiter mit unverminderter Kraft. Makkabäer- und Herzlfeiern, Vorträge und Volksversammlungen haben wir zu Hunderten in Galizien veranstaltet und können mit Freuden auf die stete Entwicklung unserer Bewegung hinweisen. In der Kultusgemeindenfrage entwickelten wir eine rege Tätigkeit. Wir nahmen aktiven Anteil an den Beratungen des Wiener Gemeindetages und leiteten eine große Protestaktion gegen die assimilatorischen „großen" Kultusgemeinden ein, die unter Führung des Lemberger Kanals die Bildung einer Organisation aller jüdischen Kultusgemeinden in Österreich verhindern wollten; wrir schritten auch zur Bildung einer Organisation der kleinern galizischen Kultusgemeinden. Auf dem kulturellen Gebiete konnten wir leider nur sehr wenig leisten. Dennoch bildete sich unter dem Vorsitze des Dr. Braude ein Ivriah-Verband für Galizien, und auch die hebräischen Lehrer Galiziens gründeten eine Organisation, die für die Entwicklung des hebräischen Schulwesens Sorge trägt. Die Ziffern, mit denen wir operierten, sind klein, und dennoch war es das Zentralkomitee, welches im ganzen Lande den Zionismus vertiefte und verbreitete. Wir leisteten mehr, alses uns unsere finanziellen Mittel erlaubten, und haben das Recht, von der Konferenz für uns das Absolutorium zu verlangen (Beifall). Über die Tätigkeit des „Jüdischen Klubs" stattete sodann Abg. Adolf Stand Bericht ab. Redner schickt voraus, daß die Tätigkeit des „Jüdischen Klubs" allen Delegierten aus der zionistischen Presse genau bekannt ist, und skizziert dann die Arbeit des Klubs nach dem Schema: Abstimmen, Interpellieren, Intervenieren und Sprechen, was die vier Aufgaben der Abgeordneten im Parlamente

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