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Die Welt · 1909-04-23 · 17 (23.4.1909) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
17 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 17 - DIE 2 ersten Aktionskomitee nur zwei und vom letzten nur noch Johann Kremenezky. Und als dieser an Oscar Marmoreks Grab trat, um ihm aus schmerzlich bewegter Brust Abschiedsworte nachzurufen und schwere Tränen, tiefes Schluchzen den Nachruf immer wieder unterbrach, da ist kein Auge trocken geblieben in der großen Trauerversammlung. Oscar Marmorek war wohl von den Wiener Zionisten gesellschaftlich mit am bekanntesten. Das zeigte sich auch in der Teilnahme am Leichenbegängnis sowie in den zahllosen Kondolenzen. Herr und Frau Wolffsohn telegraphierten: „Unser tiefstes, innigstes Beileid zu Ihrem großen Verluste, wir können das Entsetzliche noch nicht fassen." Vom Aktionskomitee lief folgendes Beileidsschreiben ein: Hochgeehrte Frau Marmorek! In tiefstem Schmerze über den furchtbaren Verlust, den Sie und wir in dem Hinscheiden Ihres Herrn Gemahls erlitten haben, spricht Ihnen das Aktionskomitee der zionistischen Organisation sein herzlichstes Beileid aus. In Oskar Marmorek hat der Zionismus, hat das jüdische Volk einen seiner edelsten Söhne und herrlichsten Vorkämpfer verloren. Tieferschüttert stehen wir vor dem schmerzvollen Ereignis, daß nunmehr auch Oskar Marmorek aus dem schon so klein gewordenen Kreise der Wiener Freunde uud Mitarbeiter unseres Theodor Herzl geschieden ist, aus jenem Kreise, in dem er an so hervorragender Stelle tätig war. Wie wir in dem Großen, das Ihr verehrter Gemahl zu seinen Lebzeiten geschaffen hat, Trost schöpfen für den unersetzlichen Verlust seiner Persönlichkeit, so hoffen wir, daß auch Sie Kraft und Mut finden in dem Gefühle der allgemeinen Trauer und in dem Bewußtsein, daß das, was er dem jüdischen Volke gegeben und aufgebaut hat, fest und unerschütterlich ist und späten Geschlechtern noch ein Denkzeichen seines großen Geistes, seiner warmherzigen Hingabe an sein Volk sein wird. Möge Gott Sie trösten unter all denen, die um Zion trauern. Mit vorzüglicher Hochachtung und ergebensten Zionsgrüßen Das Aktionskomitee David Wolffsohn Ferner kondolierten folgende Körperschaften: Zionistische Körperschaften: Berliner Zion. Verein, für die Odessaer Zionisten: Dr. Sapir, AhawatZion Preßburg, Verein Eszra Neusandek, Ness Ziona Wien, Jüdischer Volksverein Kolin, Jad Charizim Jaroslau, für Zionisten Ungarns: der Präsident Bela Oesterreicher, Zionistische Vereinigung für Deutschland, Zionistischer Bund für Westösterreich. Akademische Verbindungen: Kadimah, Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Prag, Zephka Czernowitz; Nichtzionistische Vereine: Leopoldstädter Handwerkerverein, Österreich, israelit. Union, Tempelbauverein Hlinsko, Jüdischer Turnverein Wien, Verein Krankenbesuch Wien. Einzelpersonen: Prof. Warburg und Frau; Dr. Hantke, Berlin; Dr. Menczel und Frau, Czernowitz; J. Cowen, L. J. Greenberg, London; Dr. Gideon Heymann, Berlin; Kann und Frau, Haag; Landesrabbiner Ehrenpreis, Sofia; Dr.Klee und Frau, Berlin; Ussischkin, Odessa; Kessler, London; Hermann Struck, Berlin; Abgeordnete Mahler und Stand; Dr. Franz Oppenheimer, Berlin; Architekten Wittrich, Zifferer und Neumann; Baurat Stiassny und Frau; Dr. Heller, Blindeninstitut; Rabbiner Dr. Feuchtwang; Geheimer Rat Dr. Liharcik; Börsenrat Steinhübl; Schriftsteller Dr. Arthur Schnitzler; Felix Saiten; Hermann Bahr; Jakob Wassermann; Carl Goldmark, Tonkünstler; Gemeinderat Mittler; Ilse Conrat, Bildhauerin. Das Beileidstelegramm des böhmischen Distrikts geben wir deshalb ausführlich wieder, weil es treffend die volle Charakteristik Marmoreks des Zionisten gibt: Tiefergriffen vom Heimgange unseres edlen Gesinnungsgenossen, des vertrauten Freundes unseres unvergeßlichen Führers Herzl, zu dessen größten Jüngern und Vorkämpfern seiner Ideen er zählte, stehen der böhmische Distrikt und die in demselben vereinigten Vereineander Bahre desMannes, den wir stolz unsern Oscar Marmorek nannten; um ihn, der mit dem Feuereifer seines Geistes und mit der selbstlosen glühenden Begeisterung, der nur wahrhaft edle Menschen fähig sind, für unsere Ideale kämpfte, vereinigen wir unsere tiefe Trauer mit der Ihrigen und widmen ihm für die fernste Zukunft ein treues dankbares Gedenken. Für den böhmischen Distrikt: Judor Gustav Kuh, Obmann. LT 371 Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien sandte folgendes Beileidschreiben: Hochverehrte gnädige Frau! Tiefergriffen von dem Heimgange Ihres Gemahles, des Herrn k. k. Baurates Oskar Marmorek, unseres hochgeschätzten Kollegen, trauert der Vorstand der israelitischen Kultusgen einde Wien an Ihrer Seite über den unersetzlichen Verlust, den Sie erlitten haben. Wir können Ihren herben Schmerz mitempfinden, hatten wir ja als seine Mitarbeiter reichlich Gelegenheit, ihn als Künstler und Mensch hochschätzen und verehren zu lernen. Seine ehrliche und tiefwurzelnde Begeisterung für das Judentum paarte sich mit Aufopferungsfähigkeit für das Wohl seiner Glaubensgenossen, denen er die ganze Macht seines Wissens, seine ausgezeichnete Arbeitskraft, seine volle Tätigkeit widmete. Unerschöpflich war die Güte seines Herzens in allen Fragen, die der Linderung des Elends und der Not unserer Glaubensbrüder galten, unermüdlich seine Bereitwilligkeit, mit Rat und Tat denen zur Seite zu stehen, die sich vertrauensvoll an ihn wandten. Die Kultusgemeinde wird ihrem treuen, wackern Mitarbeiter stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Unter dem unmittelbaren Eindrucke der erschütternden Nachricht stehend, habe ich in der Plenarsitzung vom 7. d. M. unserer Trauer Ausdruck gegeben. Die Versammlung, die sich zum Zeichen ihrer Trauer von den Sitzen erhob, beschloß einhellig, die Trauerkundgebung dem Sitzungsprotokolle einzuverleiben. Zur Ehrung des Verstorbenen wurde demselben namens der Kultusgerneinde ein Ehrenbegräbnis gewidmet. Ich bitte Sie, hochverehrte Frau, den Ausdruck unserer innigsten Anteilnahme auch Ihren geehrten Angehörigen zu übermitteln. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung! Dr. Adler m. p. der Präsident: Sekretär. Dr. Alfred Stern m. p. Jüdische Bühne Die Jüdische Bühne in Wien hat nach zehn Aufführungen ihre Wirksamkeit unterbrochen. Wir haben das Entstehen und die Bestrebungen des Vereins stets mit Aufmerksamkeit verfolgt und sind der Pflicht enthoben, über die künstlerische Tätigkeit der Jüdischen Bühne rückschauend zu berichten. Allein die Schauspieler, die sich in den Dienst der guten Sache gestellt haben, haben es verdient, daß man die Bühne nicht sang- und klanglos in der Lete versinken läßt. Sie waren für den Gedanken begeistert, der jüdischen dramatischen Kunst eine Stätte in Wien zu errichten, und scheiterten an der Abneigung der Wiener Juden gegen Kulturwerte, die vornehmlich aus dem Osten kommen. Die Wiener Juden sind die nie versagende Stütze aller Kunstbestrebungen in dieser Stadt; aber das Ansinnen, ein unverblümt jüdisches Kunstinstitut zu erhalten, wiesen sie zurück. Sie gehen verstohlen zu Eisenbach und den Budapestern, wo sie sich für die „polischen" und ungarisch-jüdischen Derbheiten und Sexualwitze begeistern. Wirkliche jüdische Kunst hat für sie nicht einmal den Reiz des Exotischen. Trotz alledem wäre in Wien eine jüdische Bühne lebensfähig, wenn der kleine, aber immerhin noch leistungsfähige Kreis der Wiener Nationaljuden die Bedeutung und den Wert des ungenügend ausgerüsteten Unternehmens begriffen hätte. Ihr Gleichmut ist vielleicht noch mehr zu tadeln als die Mißgunst der Gedankenlosen. Der Versuch ist immerhin einmal durchgeführt worden. Der Beifall der gesamten Presse läßt erkennen, daß der künstlerische Wert des Dargebotenen eine gesunde Entfaltung verbürgt. Es liegt nunmehr an den Freunden der jüdischen Kunst, die materiellen Vorbedingungen für die Weiterführung der Jüdischen Bühne zu schaffen. Frühjahrausstellung Wir betreten mit einem Gefühl der Genugtuung die XXXV Jahresausstellung des Künstlerhauses. Jawohl, wir besitzen in Wien nicht nur vielversprechende jüdische Künstler, sondern Meister von gereiftem Können. Am herzlichsten spricht zu uns Isidor Kaufmanns abgeklärte Kunst. „Das Wort Gottes" stellt ein polnisch-jüdisches Beth-Hamidrasch dar. Einige betende und lernende Männer und Knaben. Meisterhaft gemalte jüdische Gestalten, voll visionärer Hingebung und Ergebenheit. Etwas großes und Traumhaftes beherrscht die Stätte altjüdischer Tradition. Zwei andere Bilder Kaufmanns „Kabbaiist" und „Gebet für den Monarchen" sind Einzelmotive des größeren Werkes. Überall kommt die Kunst Kaufmanns zum Vorschein, das Qualvolle und zugleich Unbeugsame im Gesichtsausdruck seiner jüdischen Typen zu versinnlichen. Wohl vertraut kommt uns auch das Bild Lazar Krestins. — „Bibelstudium" — vor. Ein alter Jude über dem Buche der

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