Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 17 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 17 DIE^ELT 367 Landeskonferenz der galizischen Zionisten (Von unserm Spezialberichterstatter) , Lemberg, am 19. April Heute ist hier in Anwesenheit von über 180 Delegierten, welche 70 Städte repräsentieren, die Landeskonferenz der galizischen Zionisten eröffnet worden. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident des Zentralkomitees, Dr. Brau de. Zum Vorsitzenden der Konferenz wurde Abgeordneter Adolf Stand gewählt. Nach Erledigung der Formalitäten schritt man zur Tagesordnung. Leon Wechsler berichtete über die Tätigkeit des zurücktretenden Zentralkomitees, Abgeordneter Adolf Stand staltete den Bericht über .die bisherige Tätigkeit des „Jüdischen Klubs" ab. In der Nachmittagssitzung referierte Dr. Ringel über die politische Tätigkeit im Lande. Sodann entwickelte sich im Anschluß an diese Referate eine lange, stellenweise stürmische Debatte, in welcher von seiten der Opposition verlangt wurde, daß die „Landespolitik" gänzlich von der zionistischen Organisation getrennt werden solle. Die Diskussion dauerte bis 10 Uhr abends. Es standen sich zwei Anträge gegenüber: 1. Die Landespolitik solle weiter durch die zionistische Organisation geführt werden (Dr. Ringel). 2. Für die Führung der Landespolitik solle eine besondere jüdischnationale Organisation geschaffen werden (Dr. Feldblum). In der namentlichen Abstimmung wurde mit einer großen Majorität der Antrag des Dr. Ringel angenommen, wonach die Führung der Landespolitik zur Aufgabe der zionistischen Organisation gehört. Auf Antrag des Dr. Pacht mann wurde dem abtretenden Z. K. das Absolutorium erteilt und dem Präsidenten Dr. Brau de die Anerkennung für seine Tätigkeit ausgesprochen. Auch dem „Jüdischen Klub" wurde für seine bisherige Tätigkeit Anerkennung und Dank ausgesprochen. Darauf wurde die Sitzung geschlossen. Während der Mittagspause fand eine Konferenz der Leiter der hebräischen Schulen und der Nationalfondskommissäre statt. In der Sitzung, welche Montag den 19. d. M. stattfand, referierte Dr. Pachtmann über die Arbeit für Palästina. Nach einer längern Diskussion wurden alle Anträge und der Vorschlag des Referenten einer besondern Kommission überwiesen. An dieser Sitzung nahm auch Dr. Franz Oppenheimer teil, welchem von der Konferenz eine große Ovation bereitet wurde. — Dr. Thon referierte sodann über die kulturelle Tätigkeit. (Ausführlicher Bericht folgt.) Türkei Saloniki. Während der Pessachtage weilte der Direktor der Anglo-Levantine- Banking -Company, Herr Dr. Jacobson, drei Tage hindurch in unserer Stadt und wurde von dem bekannten Advokaten Maitre Emanuel Salim, Bankier Jacob Modiano und dem Komitee des Cercle des Intimes und dem des Vereins Bnei Zion auf das freundlichste empfangen. Am 11. April vormittags hielt Herr Dr. Jacobson im Cercle des Intimes einen Vortrag über den Zionismus. Der Vortrag war von mehr als 500 Personen aus den ersten Schichten der Judenheit Salonikis besucht. Die Versammlung war von den Ausführungen des Redners enthusiasmiert und spendete reichlich Beifall Gelegentlich der Anwesenheit des Herrn Dr. Jacobson fanden eingehende Besprechungen über die Gründung einer jüdischen Bank in Saloniki statt. Wie verlautet, haben sich die hiesigen Kreise bereit erklärt, 50000 Aktien der Bank hier abzusetzen. Es verlautet, daß hier demnächst ein Komitee eingesetzt werden soll, um die jüdische Auswanderung nach der Türkei und insbesondere nach Palästina zu fördern. Am 11. April nachmittags veranstaltete der Cercle des Intimes eine von mehr als 2000 Personen besuchte Massenversammlung in der großen Synagoge der Talmud Thora Hagadol. Die Redner forderten die Versammelten auf, um eine gute jüdisch-nationale Erziehung ihrer Kinder bemüht zu sein. Unter den Rednern befanden sich der jüdische Deputierte Salonikis, Emanuel Carasso Effendi, Advokat M. Cohen Effendi, P. Modiano und Jehuda Asseio. Es wurde mitgeteilt, daß der Klub demnächst eine große Volksschule eröffnen wird. Am Abend desselben Tages besuchte Herr Dr. Jacobson den Verein Bnei Zion, wo er eine kurze Ansprache hielt. Am 7. Tage des Passahfestes referierte in diesem Verein der Chefredakteur des „Journal de Salonique" und der „Epoca" über Nationalismus und Zionismus. Der ausgezeichnete Vortrag fand stürmischen Beifall, ebenso wie die warme Ansprache, in der Herr Josef Usiel zur Zahlung des Schekels aufforderte. Die von 400 Personen besuchte Versammlung schloß mit Absingung der „Hatikwah1*. Amerika Die Jahresversammlung der Federation of American Zionists wird vom 12. bis 16. Juni in New York stattfinden. Die Tagesordnung sieht außer den üblichen Punkten verschiedene Vorträge über Erziehungsfragen und spezielle Fragen der zionistischen Bewegung vor. Die Federation „Knights of Zion" macht bemerkenswerte Fortschritte. Seit der letzten Jahresversammlung sind verschiedene neue Vereine begründet worden. Anfang April hat die Federation eine neue Gesellschaft unter dem Namen „Nachiah B'Zion" nach folgendem Plan begründet: Jedes Mitglied zahlt für die Dauer eines Jahres einen wöchentlichen Beitrag von 10 Cents. Die Gesellschaft rechnet auf eine Mitgliedschaft von 1000 Personen. Auf diese Weise kommen bis Ende des Jahres rund 5000 Dollars beisammen. Für diesen Betrag soll ein Stück Land in Palästina gekauft und am Ende des Jahres unter die Mitglieder verlost werden. Der Gewinner soll außerdem noch 1000 Dollars Einrichtungskosten erhalten. Die Federation erwartet, daß dieser Plan großen Anklang findet und daß sie bald in der Lage sein wird, die erste Familie nach Palästina zu entsenden. Südafrika Schekeltag in Johannesburg. Vom Schekeltag in Johannesburg entwirft S. Lennox Loewe im „Zionist Recorder" folgendes anschauliche Stimmungsbild: „Es war mehr als ein Erfolg, es war ein Triumph, dank dem Enthusiasmus, dem Eifer, der mühebringenden Tätigkeit, die willig entfaltet wurde vom Schekelkommissar Mr. J. B. Shacksnovis herab bis zum kleinsten und jüngsten Sammler. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht zogen unsere jungen Mädchen und jungen Männer, Frauen und Bal-Battim von Haus zu Haus, in der Stadt und außerhalb der Stadt und riefen ganz Israel auf, der Sympathie für die Ziele des Zionismus einen kleinen praktischen Ausdruck zu geben. Und wenn es harte Arbeit war, so war es eine Arbeit, die Vergnügen machte, denn es war das erstemal, daß Haushaltungsvorstände auf Grund der in der ganzen Stadt verbreiteten Ankündigungen ihr Geld bereit hielten in Erwartung des Rufes. Und das war nicht alles; viele Sammler wurden in den Häusern behalten und mußten dort Bericht und Auskunft geben über alle aktuellen zionistischen Fragen. Parktown, die Hochburg der Finanz, reagierte ebenso gut wie Ferreiras; Dodefontein vergaß, daß es durch eine Brücke von der Stadt getrennt ist, und Fordeburg vergaß seines Trubels, denn dieser Tag war ein Tag des Versprechens und der Gewährung. Die Hausväter bezahlten den Schekel nicht nur für sich selbst, sondern brachten die Sammler zu ihren Bekannten und Nachbarn und führten ihnen fortwährend neue Schekelzahler zu. Viele junge Mädchen und Männer, die den Eifer der Sammlersahen, wurden dadurch veranlaßt, sich in deren Reihe einzureihen und mitzusammeln. Es war ein stolzer Anblick, da frühmorgens die Sammlerinnen und Sammler, alle mit dem blau-weißen Nationalabzeichen versehen, in geschlossenem Zuge auf die Straße zogen; jeder fühlte den Rassenstolz, der aus dieser Demonstration sprach. Und so wie das Werk Purim begann, wird es Tag für Tag fortgesetzt, und die Zahl von 2000 Schekeln, die an den Purimtagen einging, ist bereits um mehrere Hundert überschritten. Solch gute Arbeit, vornehm ausgeführt und zu einem erhebenden Abschluß gebracht in der Massenversammlung, die abends in der Zionist Hall stattfand, muß ein Ansporn und ein Beispiel für andere Länder und Zentren werden." Der Schekeltag, für den in Südafrika die Purimtage angesetzt' waren, erbrachte in Johannesburg rund Jt 2000, in Kapstadt-.-/^ 1500. Ägypten Kairo. Anfang März verweilte der auf einer Palästinareise begriffene bekannte Gesinnungsgenosse Kantor Blitz aus Dessau einige Zeit unter den hiesigen Zionisten. Er stattete dem Oberrabbiner einen Besuch ab, der ihm bei dieser Gelegenheit erklärte, daß er der zionistischen Idee sehr sympathisch gegenüberstehe und nicht begreife, wie man ihr Gegner sein könne. Diese Erklärung des angesehenen Chachams hat hier großes Aufsehen erregt.