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Die Welt · 1909-04-23 · 17 (23.4.1909) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
17 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Männer greifen zu den Waffen und schlagen den Feind vor der Stadt in Flucht und Verwirrung. . . Und er sah Deborah, das jüdische Weib, die in der Stunde der Not dem Volke zum Führer wurde. Hartbedrängt sannen die Männer schon auf Ergebung. Da stieg Deborah mit Barak Ben Abinoans vom Gebirge Ephraim und sang ihr jubelndes Siegeslied, das die Mutlosen zu neuem Kampfe anfeuerte. . . — — Was Dawid von klein auf gedacht und geträumt, stand jetzt so deutlich vor ihm: Er sah sich als Knabe im Cheder von Reb Mates. Es war Nacht und er saß mit vielen Kindern um den großen Tisch über den heiligen Büchern. Wenn er einen Moment aufblickte, glaubte er die Gestalten der Bibel so deutlich vor sich zu sehen. . . Dawid war wieder ein Kind und spielte auf dem großen Hofe, auf dem jetzt fremde Kinder umhertollten. . . Er war in der „Klaus" beim dunklen Abendmahl und zog am neunten Ab mit einer frohen Jungenschaar auf die Felder vor der Stadt hinaus. . . Ein Freitagabend schwebte ihm vor: Die Sabbatkerzen waren niedergebrannt und flackerten und im Zimmer herrschte eine schwüle Dämmerung. Draußen fiel ein Landregen, und die Wassertropfen flüsterten in, den Baumzweigen vor dem Fenster. Schweigend saßen die Eltern am Tische und horchten auf das Plätschern des Regens. . . Doch Dawid fürchtete sich in der Stille. Er kroch auf den Schoß des Vaters und bat solange um eine Geschichte, bis ihm der Vater von den Wundertaten des heiligen Baal Schern erzählte. . Wie fern lag das alles! Wie ein schöner Traum erschienen ihm jetzt seine Kinderjahre. Dawid fühlte, daß er diese Erinnerungen wie einen Schatz immer mit sich tragen werde, denn sie waren der beste Teil von seinem eigenen Selbst. In den Jahren des Kampfes hatte ihn sein Weg weit weg von seinem Volke geführt. Doch da waren Stimmungen und Feiertagsgebräuche aus seiner Heimat, die ihn mit vielen Fäden an dieses Volk und an seine geheiligte Tradition knüpften und er mußte den Pfad finden, der ihn wieder zurückführte. . Nun kam ein Liedchen, das Dawid in die Wirklichkeit zurückversetzte. Er mußte sich die letzte Strophe oft wiederholen und fühlte, wie ihm die Tränen in die Augen traten: Und die Jahre ziehen, ziehen, Und ich werde älter, älter. . . Und die Träume fliehen, fliehen Und das Blut wird kälter, kälter. Paßten diese Worte nicht auch auf ihn? Nun war er ein Mann und sollte alle Bitternisse des Lebens auskosten. . . Doch in der Stimmung dieses Abends fühlte sich Dawid stark genug, den Kampf mit dem Schicksal noch einmal aufzunehmen und ein leises Ahnen überkam ihn, daß auch in den Tiefen des Ghettos die Höhe einer reichen Kunst liegen könne; daß diese Verkannten und Weltfremden den Vorwurf zu jener Welt bieten könnten, die zu gestalten sein heißestes Sehnen war. . . Das sagte sich Dawid, und als die Vorträge zu Ende waren, drückte er Markus dankbar die Hand. „Sehen Sie, daß Sie mir Recht geben,*k sagte Markus. „Künstlerisch können wir jetzt zusammengehen," gab Dawid zu. „Wir müssen Sie aber ganz für uns gewinnen, Segenreich/' erwiederte Markus. „Ja, vielleicht werden wir uns jetzt leichter verständigen," sagte Dawid schnell und ging mit seinen Gedanken hinaus in die Sommernacht. . . o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG l^ooooooo o o o o o o Deutschland Ratibor: Als letzter Redner der Saison war für unsere zionistische Ortsgruppe Dr. Emil Margulies (Trautenau) gewonnen worden, der in einer stark besuchten Versammlung am Sonnabend im großen Bruckschen Saale einen beifallsfreudig aufgenommenen, temperamentvollen und begeisternden Vortrag über „die Zukunft des Judentums" hielt. Im Anschluß hieran fand ein gemütliches Beisammensein mit musikalischen Vorträgen statt. Frau Rosa Fröhlich erfreute durch Klavierpiecen, Referendar Dr. Cohn durch sein Violinspiel' Frau Bertha Fröhlich durch einige Liedergaben und Gg. Max Pinczower durch Lieder im jüdisch-deutschen Dialekt das Publikum. Schließlich rezitierte Zahnarzt Block noch aus Bedas Satirenbüchlein „Getaufte und Baldgetaufte". Der Verkauf von jüdischen Ansichtskarten, von Nationalfondstelegrammen und -Marken vervollständigte die jüdische Note weiterhin im Programm. Der Abend bedeutete für unsere Ortsgruppe einen vollen Erfolg. Österreich Programm des Jüdischen Nationalvereins in Osterreich Die jüdische Nationalpartei wurde vom Krakauer Zionistentag im Jahre 1906 ins Leben gerufen. Diesem konstituierenden Parteitag wurde auch ein Programmentwurf unterbreitet, der im Auftrage einer in Wien abgehaltenen Reichskonferenz von den Herren Dr. Braude (Lemberg) und Dr. Zweig (Wien) verfaßt war. Dieser Programmentwurf wurde vom Parteitag irn großen und ganzen gutgeheißen, jedoch nicht veröffentlicht. Der Jüdische Nationalverein in Wien, im Jahre 1907 nach den erfolgreichen Reichsratswahlen von Dr. Schallt und Abg. Dr. Straucher begründet und als politische Organisation der österreichischen Judenheit gedacht, hält die Nichtveröffentlichung des Parteiprogramms für einen verhängnisvollen Fehler. Von der offenkundigen Absicht geleitet, dieser „Prograrnmlosigkeit", um mit dem Vorstand des Jüdischen Nationalvereins zu sprechen, ein Ende zu bereiten, veröffentlichen die Herren Dr. Lanzer, Dr. Kadisch und Adolf Böhm eine Prinzipienerklärung, die von dem obenerwähnten Programmntwurf in wenigen Punkten abweicht. Die unmittelbare Folge dieser Denunziation des Präsidiums des Jüdischen Nationalvereins wird voraussichtlich eine programmatische Auseinandersetzung am Landesparteitag der galizischen Zionisten sein, der am 18. und 19. April in Lemberg abgehalten wird. Wie immer die Fernwirkungen des Schrittes des Jüdischen Nationalvereins sein werden, das veröffentlichte Programm ist ein historisches Dokument, das wir nur mit Rücksicht auf den beschränkten Raum nicht ganz anführen. In dem ersten allgemeinen und grundsätzlichen Teil des Programms erklärt der Nationalverein: 1. Der Verein anerkennt die nationale Einheit aller Juden der Welt sowie das unzerreißbare Band, welches das jüdische Volk mit seiner uralten historischen Heimat Palästina verbindet. 2. Die nationale Einheit aller Juden und die Bestrebungen nach einer rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina stehen jedoch in keinerlei Widerspruch zur Staatsidee und zu den Staatsinteressen der einzelnen von Juden bewohnten Länder, berühren keineswegs die Rechte und Pflichten der Juden gegenüber diesen Ländern und vermindern nicht das Gefühl der Anhänglichkeit, welches die Juden für sie empfinden.

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