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Die Welt · 1909-04-16 · 16 (16.4.1909) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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> 346 No. 16 der vieles und vielerlei geleistet hat. Er war der erste Schriftführer des niederl. Zionistenbundes, dem er angehört, so lange dieser besteht; und gerade in den ersten und schweren Jahren hat er mit Kraft gearbeitet für die Erstarkung der Organisation. Sein größtes und immer fortdauerndes Verdienst aber liegt in seiner Tätigkeit als Agitationsredner, in welcher seine glänzende Rednerkunst und seine dichterische Genialität die Hörer fesselten und für unsere Sache gewannen. Viele Ortsgruppen hat er dadurch gegründet, und es bleiben ihm viele dankbar, welche durch ihn zuerst die Größe der Idee, welche jetzt ihr Leben füllt, kennen gelernt haben. In der letzten Zeit hat er überdies durch den Vortrag jüdischer Gedichte die Jargonliteratur bekanntgemacht und in dieser schönen Form den darin verborgenen Gedanken propagiert. Wir zweifeln nicht daran, daß Dr. Hen in Indien unserer Sache dienen wird mit derselben Hingebung, welche er hier gezeigt hat. Wir wissen, daß wir ihn nicht verlieren, wenngleich er fort geht, und wir hoffen und erwarten, daß wir, wenn er in den niederländischen Kolonien angekommen sein wird, auch von dort durch seine Arbeit vieles Gute für unsere Idee hören werden. Der Streit in Groningen, von dem ich Ihnen berichtete, wo der Oberrabbiner Hamburg den Zionisten G. Hen wegen seiner zionistischen Gesinnung nicht zur Prüfung als Oberkantor zugelassen hatte, ist stärker als je entbrannt. Es haben nämlich die Groninger Zionisten, um die Meinung der Gemeindemitglieder in dieser hochwichtigen Angelegenheit kennen zu lernen, bei der stattfindenden Wahl für den jüdischen Gemeinderat einen zionistischen Kandidaten, Herrn D. Polak, aufgestellt; und sie haben dabei betont, daß seine Erwählung seitens der Gerneindeinitglieder eine Mißbilligung der Tat des Herrn Oberrabbiners bedeuten würde. Da in Groningen sehr viele Anhänger des Herrn Oberrabbiners sind, wurde gleich ein Gegenkandidat nominiert, und zwar ein Itoist, — ohgleich, wie erklärt wurde, nicht wegen seines Itoismus. Es wurde für beide eifrig gearbeitet. Die Zionisten hielten eine überaus stark besuchte Versammlung ab, die einen großen Erfolg hatte. Nichtsdestoweniger wurde Herr Polak nicht gewählt, wenngleich mit kleinem Stimmenunterschied. Selbstverständlich konnten die Zionisten dabei nicht ruhig bleiben. Und sie haben beschlossen, am 1. Januar 1910 die jüdische Gemeinde Groningen zu verlassen und eine neue Gemeinde zu gründen. Bereits haben ziemlich viele sich dieser neuen Gemeinde angeschlossen. Daß dies ein schwerer Schlag für die Gemeinde Groningen bedeutet, ist begreiflich. Den Zionisten Groningens aber blieb nach der Wahl nichts anderes übrig; sie wurden faktisch zu diesem äußersten Verfahren gezwungen," dessen Konsequenzen sie sich wohl bewußt sind. Glücklicherweise wird diese Maßregel sich vorläufig auf Groningen beschränken können. Die zionistischen Ortsgruppen Hollands, fürchtend, daß auch in ihren Distrikten etwas derartiges passieren könnte, haben an alle Oberrabbiner die Frage gerichtet, ob auch sie einen Kandidaten nur wegen seiner zionistischen Gesinnung abweisen würden. Die Antworten der Oberrabbiner werden noch veröffentlicht werden; schon jetzt aber kann ich mitteilen, daß, obgleich aus Hochachtung vor dem Kollegen keiner dessen Verfahren tadelt, jedoch bisher auch keiner irgendwelche Sympathie für dessen Tat bezeugt, — und eine Geschichte, wie die Groninger, ist also irgendwo sonst vorläufig nicht zu fürchten. Selbstverständlich wurde eine derartige Frage nicht an den Herrn Oberrabbiner in Amsterdam, Dr. J. H. Dünner gerichtet, da dieser bekanntlich ein Zionist ist. Dessenungeachtet hat eine jüdische, oder vielmehr israelitische Zeitung, welche jede Woche den Zionismus verleumdet, eine Mitteilung gebracht, welche den Schein erweckte, daß der Oberrabbiner Dünner in der Groninger Sache das Verfahren der Zionisten mißbilligte. Dieses würde, da man die Lügen jener Zeitung nicht ernstlich beachtet, - nicht gefährlich gewesen sein, wenn nicht eine sehr angesehene holländische Zeitung durch irgendwelches Mißverständnis diesen Bericht übernommen hätte. Der Bundesvorstand hat sich daher offiziell an Dr. Dünner gewendet, und von ihm die Erlaubnis bekommen, zu publizieren, daß er selbstverständlich als Zionist gerade die Tat des Oberrabbiners Hamburg stark mißbilligt. Es war bei der über diese Angelegenheit stattfindenden Unterhaltung für den Bundesvorstand eine hohe Freude, noch einmal zu hören, mit welchem großen Enthusiasmus. Herr Dr. Dünner von unserer Sache spricht, welche er ein göttliches Wunder nennt. Auch eine andere falsche Mitteilung wurde in dem Bericht gemacht. Es besteht nämlich in Holland — man denke — ein antizionistischer Verein mit dem Namen Tischbi, welcher seinem Programm gemäß für die Orthodoxie „mit Ausschließung aller nationalen Tendenz" streitet. Selbstverständlich stellte dieser sich in dieses hat sogar zu einer Resolution geführt, in welcher betont der Groninger Sache an die Seite des Oberrabiners Hamburg, und wurde, daß seine Tat die richtige Konsequenz der antizionistischen Gesinnung der holländischen Oberrabbiner sei (wie wenig dieses in Wirklichkeit der Fall ist, wird deutlich werden aus den zu publizierenden Briefen der übrigen Herren Oberrabbiner). Auch diese Resolution wäre wenig beachtet, wenn sie nicht in die allgemeine Presse Aufnahme gefunden hätte. Das Schlimmste aber dabei war auch wieder eine Lüge, daß nämlich der Oberrabbiner in Haag, Herr A. van Loen, diese Resolution und deren Veröffentlichung veranlaßt hätte. Dadurch wurde große Aufregung verursacht. Der Bundesvorstand hat aber auch von Herrn van Loen Erlaubnis bekommen, zu publizieren, daß er nie etwas solches getan hat und über diese Lüge sehr empört ist. So wird glücklicherweise auch dieses wieder nicht schaden, sondern eher Vorteil bringen. Man sieht aber, der Stürme genug in unserem kleinen Bunde. Das glückliche aber dabei ist, daß wir selber durch diese Stürme immer fester aneinandergeschlossen werden; immer größere Freude gibt das Bewußtsein, daß unsere Idee für uns zu einer Lebensüberzeugung geworden ist, welche gerade durch diese innerliche Kraft aus jedem Streit siegreich und stärker als je hervortritt. Amerika Sitzung des Exekutivkomitees Am 28. März fand im Bureau der Federation of American Zionis.ts eine Sitzung des Exekutivkomitees der Federation statt. Aus den Verhandlungen heben wir folgendes hervor: Der Sekretär berichtete, daß man mit der Ausführung des Planes, allmonatlich 1000 N.-F.-Büchsen in Qroß-New-York auszuteilen, bereits begonnen hat. Mit Rücksicht auf die hohen Fracht- und Zollspesen bei dem Bezug der Büchsen aus Köln soll ihre Herstellung in Amerika in Betracht gezogen werden. Die Propaganda für den Aktienverkauf hat bereits eingesetzt und verspricht gute Erfolge. Die Federation beabsichtigt, ein Palästina-Informationsbureau einzurichten, für das Herr S. W. Lewin-Epstein seine erprobte Kraft zur Verfügung gestellt hat. Die immer stärker wachsende Auswanderungsbewegung nach Palästina läßt ein solches Bureau als, notwendig erscheinen. Die Jahreskonferenz der Federation soll entgegen dem ursprünglichen Plane vor dem Kongresse und zwar in New-York abgehalten werden. Am Montag den 22. März, kehrte Herr A. H. Fromenson von seiner sehr erfolgreich verlaufenen Propagandareise nach dem Westen und Süden Amerikas zurück. Von den größern Städten, die Herr Fromenson besuchte und mit Erfolg bearbeitete, seien genannt: Rochester, Syracuse, Detroit, Minneapolis, St. Louis, Denver, Kansas City, ferner in Texas: Meridian, Shreveport,, Montgomery, Pensacula, Jacksonville, Louisville und Charleston. Herr Salomon Frenkel, der yiddische Propagandist der Federation, weilte in der Woche vom 21. bis 28. März in Boston und Umgegend, wo er unter der Leitung des Boston Zionist Council verschiedene größere Versammlungen abhielt. Der Sekretär der Federation hat vor Pessach den Redaktionen der führenden jüdischen Zeitungen ein Rundschreiben gesandt, in dem er ihnen nahelegte, in den Pessachleitartikeln den zionistischen Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Die Anregung wurde von vielen Seiten sehr beifällig aufgenommen und in die Tat umgesetzt. In gleichem Sinne wandte er sich auch an die hervorragendsten Rabbiner mit der Bitte, die Pessachpredigten in zionistischem Geiste zu halten. Auch diese Anregung fand vielfach freudigen Beifall und Ausführung. Ähnlich der „Kette" von Vorträgen, die am 7. Februar in großer Menge im ganzen Gebiet Großnewyorks abgehalten wurden, beabsichtigt die Federation of American Zionists eine zweite Kundgebung dieser Art am 18. April. °° ±=^^± NACHRICHTEN -jj Der Bericht der Ito-Expedition Endlich ist der Schleier, der über der so oft mit Emphase erwähnten Expedition der Ito lagerte, gelüftet worden. Nachdem noch Ende März eine offizielle Verlautbarung der Jewish Territorial Organisation erschienen war, wonach die Expedition „unter den Auspizien des Generalgouverneurs von Tripolis, Redjeb Pascha *, die Cyrenaica als das von der Ito in Aussicht genommene Territorium erforscht habe, besagt der am 2. April erschienene offizielle Bericht, daß nach den Ergebnissen der Expedition keine

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