Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 16 (16.4.1909)
- Date
- 1909-04-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nü. 16 DIE3qKELT 345 o o o o o o o~|) o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG ([000000 Hooo OOOO Deutschland Köln. Vor einer leider nicht zahlreichen Zuhörerschaft sprach am Samstag den 3. April Herr Julius Berger über: „Woran krankt das deutsche Judentum?" Der Vortragende führte an Hand einiger bezeichnenden Bilder aus der jüngsten jüdischen Vergangenheit (Enthüllung des Mendelssohn-Denkmals, der Fall Mugdan, die Militärdebatte im Reichstag) aus, daß dem deutschen Judentum eine bewußte Vertretung seiner Interessen mangele. Die vielen bestehenden jüdischen Organisationen liefen ohne Fühlung miteinander, gegen- oder nebeneinander und hätten keinen Rückhalt in den jüdischen Massen, die sie mit Bewußtsein von der Mitarbeit ausschlössen. Die ganze Vertretung des deutschen Judentums liege recht eigentlich in den Händen einiger weniger „Notabein" in Berlin, die nur zum kleinsten Teile sich ihrer großen jüdischen Aufgabe bewußt seien. Nötig sei, daß die Masse der in der Provinz lebenden Mitglieder der verschiedenen Organisationen nachdrücklich ihre Rechte zur Geltung brächte und sich mit Energie von der Vorherrschaft Berlins frei machte, die nicht zum kleinsten Teile an der Verflachung des deutschen Judentums und der zunehmenden Taufseuche Schuld trage. An den Vortrag schloß sich eine sehr anregende Debatte. Das K. Z.V. (Kartell zionistischer Verbindungen), das sich aus den Verbindungen Hasmonaea-Berlin, Jordania-München und Ivria- Freiburg zusammensetzt, beginnt das neue Sommersemester unter günstigen Auspizien. Es sieht seine Aufgabe darin, seine Mitglieder durch eine gründliche Ausbildung in jüdischer Geschichte und in allen Fragen des öffentlich-jüdischen Lebens der Gegenwart, durch straffe Disziplinierung, durch gute körperliche Schulung — last not least — sowie durch gesellschaftliche Erziehung zu brauchbaren Mitarbeitern an der Lösung des großen Judenproblems heranzubilden. Die in den Burschenprüfungen des vergangenen Wintersemesters erzielten Resultate lassen einen befriedigenden Erfolg dieser mit ernster Gründlichkeit durchgeführten Arbeit erkennen. Zu Auskünften in allen das Kartell sowie überhaupt studentische Angelegenheiten betreffenden Fragen ist Herr cand. jur. Rosenbaum (Berlin, Melanchthonstraße 24) gern bereit, Österreich dzernowitz. Wie im Vorjahre veranstaltete die jüd.-nat.- akad. Verbindung „Zephiran" auch heuer einen Zyklus populärwissenschaftlicher Vorträge über Probleme aus der jüdischen Geschichte und dem jüdischen Leben. Es sprachen: Reichsratsabgeordneter Dr. Straucher über „Die nationale Idee", Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler über „Fanatismus und Begeisterung", Univ.-Prof. Dr. Leo Kellner über „Benjamin Disraeli", Dr. Nathan Birnbaum über „Das Prophetentum", Oberrabbiner Dr. Rosenfeld über „Michael Sachsund seine Zeit", Präsident der Advokatenkammer Dr. Heinrich Kiesler über „Junges und altes Judentum", Prof. A. Heumann über „Moderne jüdische Geschichtsforschung", Prof. Winkler über „Geologisches in der Sündflut", Prof. Dr. Spitzer (Radautz) über „Theodor öomperz" und Dr. Severin Gott lieb (Krakau) über „Das jüdische Problem in der modernen Kunst" (mit Lichtbildern». Die Vortragenden verstanden es, ihre Themen überaus interessant zu behandeln. Die Vorträge, welche im Festsaale des Jüdischen Nationalhauses stattfanden, waren von durchschnittlich 400—500 Personen besucht. Dieser Erfolg beweist, daß die Verbindung den richtigen Weg gefunden, das jüdische Publikum, besonders die jüd'sche Intelligenz, für Fragen des jüdischen Lebens zu interessieren. Für den nächstjährigen Zyklus sind bereits hervorragende Persönlichkeiten gewonnen. Trautenau. Die für den 6. März vom zionistischen Volksverein Theodor Herzl in Trautenau anberaumte Purimfeier mußte wegen eingetretener Hindernisse auf den 13. März verlegt werden. Das Programm war glücklich gewählt, so daß sich diese Veranstaltung zu einem äußerst animierten Abend gestaltete. Herr Hans Nettl leitete diese mit einem schönen Violinsolo ein, worauf Frl. Hanna Schwarz S. H. Mosenthals „Heimat in der Fremde" als Prolog zum Vortrag brachte. Hierauf sprach Herr Oberingenieur Markus Pollak über die Bedeutung des Purimfestes. Mit künstlerischem Talent rezitierte Frl. Millie Fränkel Dolorosas „Sabbathabend" und das von unserm Mitgiiede Herrn Hermann Klein verfaßte Gedicht „Rückkehr", worauf Frl. Johanna Lauer mit bekannter Kunstfertigkeit einige Musikpiecen am Klavier wiedergab. Die Begleitung der Musik- sowie Gesangsvorträge hatte Frl. Johanna Lauer in bereitwilligster Weise besorgt. Zum Schlüsse hörten wir einige Bedagedichte, die Herr Rudolf Kohn zum besten gab. Der darauffolgende Tanz hielt die Besucher weit über Mitternacht beisammen. Eine neue Palästina-Unteruehmung Die Palästinakommission in Drohobycz (Galizien i hat am 4. d. M. eine Genossenschaft unter dem Namen „Palästina, Gesellschaft für Handel und Industrie, Genossenschaft mit beschränkter Haftung", mit dem Sitze in Drohobycz gegründet. Zweck dieser Genossenschaft, ist ein industrielles Unternehmen in Palästina zu errichten. Die Gesellschaft gedenkt nach Aufbringung eines Kapitals von 150 000 Kr. zur Verwirklichung ihres Zieles zu schreiten. In der konstituierenden Versammlung haben die Gründer, lauter bewährte Gesinnungsgenossen, hundert Anteilscheine zu je 100 Kr. gezeichnet. In die Direktion wurden gewählt die Herren Dr. Moritz Pachtman, Leib Diamandstein und Dr. D;vid Spindel, zu deren Stellvertretern die Herren Dr.Nathan Sussman, Salomon Teicher und Leo Schutzman. Die Gründer entwickeln eine rege Agitation behufs Werbung von Anteilscheinen und erwarten eine ergiebige Unterstützung ihrer Aufgaben durch die Gesinnungsgenossen aller Länder um so mehr, als die Stadt Drohobycz in der Arbeit für palästinensische Institutionen gewiß nicht den letzten Rang einnimmt. Die „Palästinagenossenschaft" ist wohl die erste Gründung in Galizien, welche den Zweck verfolgt, die Industrialisierung unseres Landes zu fördern. Ungarn Szatmär Nemeti (Ungarn). Am 10. d. M. hielt Herr cand. med. Viktor Jordan (Wien) im „Szatmärer Zionisten-Verein" einen Vortrag, in welchem er den Gedankengang und Inhalt der „Palästina- Hochschulkurse" skizzierte und auf die außerordentliche Wichtigkeit solcher Veranstaltungen hinwies. Gleichwie in Wien riefen auch bei unsern Gesinnungsgenossen hauptsächlich die Ausführungen der Herren Trietsch, Aaronsohn und Dr. Sandler das lebhafteste Interesse hervor. Dem Vortrage folgte eine Debatte, an welcher Dr. med. Heller, Dr. Rosenfeld, Dr. Stern usw. teilnahmen. Nachdem Herr Jordan sämtliche Fragen beantwortet, endigte der erfolgreiche Abend mit einer Sammlung für den N.-F. Die Zeit scheint auch bei uns vorüber zu sein, wo das Wort „Zionismus" nur ein spöttisches Lächeln der Gegner hervorrief. Ja, sogar die offiziellen, nichtjüdischen Kreise gewöhnen sich allmählich daran, daß man von unserer Bewegung nur mit allem Respekt reden darf. Hierorts erscheint allmonatlich eine amtliche Revue der Polizeihauptmannschaft. In der Märznummer dieses Blattes referierte der ausgesandte Beamte der Polizei über den am 24. Jänner d. J. abgehaltenen Vortrag unseres wackern Gg. Dr. Kahan (Budapest) und sagt unter anderm, daß er „selbst von den fanatischsten Sozialisten nicht mit einer solch beißenden Satire von der Ritterlichkeit der magyarischen Nation reden gehört hat." und der „Zionismus das Judentum als Rasse zum Herausfordern erzieht". Nun bringt dasselbe Blatt in der eben erschienenen Aprilnummer an leitender Stelle eine „Antwort" aus der gediegenen Feder des Dr. Kahan, der seine ganze glänzende Rede folgen läßt als den einfachsten Gegenbeweis der falschen Behauptungen. Der Artikel ist von den ersten Juden der Stadt: Advokaten, Ärzten, Bankdirektoren usw. unterzeichnet und mit einer Bemerkung des Städthauptmanns versehen, welche eine vollständige Rechtfertigung für Dr. Kahan und den Zionismus enthält. Holland (Von unserm Berichterstatter) Dr. Isidore Hen Dr. Isidore Hen ist nach Indien gegangen! Das war eine unerwartete Nachricht, welche auch uns Zionisten mit großen Schmerz erfüllt. Denn es verläßt uns ein Arbeiter für unsere Sache,