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Die Welt · 1909-07-02 · 27 (2.7.1909) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 27 DIEX&ELT dieses Jahres stattfinden kann. Es ist daher dringliche Pflicht, die agitatorische Energie der Partei nicht erschlaffen zu lassen, sondern alle treibenden Kräfte in lebhafter Bewegung und in fortgesetzter Betätigung zu erhalten, damit wir zum Kongreß gut vorbereitet und in jeder Beziehung gerüstet mit entsprechender Vertretung aller Gruppen und Richtungen in unserer Partei erscheinen können. Die zionistischen Kongresse und Landeskonferenzen sind neue Lichtpunkte in der düstern Lage unseres Volkes in der Diaspora. Die Wertschätzung ihrer moralischen Bedeutung hat sich noch nicht überall Bahn gebrochen, aber man beginnt schon zu begreifen, welche erlösende Kraft diesem Momente der Vereinigung innewohnt. Was sind die Zusammenkünfte anderer jüdischen Parteien und Organisationen gegen die unsrigen? Sie mögen noch so erhebend sein, sie mögen noch so sympathische Ziele verfolgen, so fehlt ihnen jedoch der Pulsschlag einer geeigneten Nation. Es fehlt ihnen die Weihe eines historischen Ideals, sie sind lokal und beschränkt, man kann sie nur in ihren Orts- und Zeitverhältnissen verstehen, während die unsrigen ein Band der Einheit aller Juden und all ihrer Generationen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umschließt. Wenn Sie sich dieses idealen Wertes unserer Versammlungen bewußt sind, so werden Sie sich auch nach Kräften bemühen, die Arbeiten dieser Versammlungen so zu gestalten, daß sie wirklich zu großen und greifbaren Ergebnissen führen sollen. Wir müssen uns im allgemeinen Judentum durch unentwegte systematische Arbeit die Achtung erzwingen, und konsequent durchgeführte Bemühungen in dieser Richtung werden auf die Dauer nicht erfolglos bleiben. Zunächst die in weiten Kreisen noch herrschende und mit Vorbedacht gehegte antizionistische Stimmung. So sehr diese Stimmung auch auf Vorurteilen beruht, müssen wir doch mit ihr rechnen und sie mit dem Gegenbeweis der Tat entkräftigen, indem wir auf allen Gebieten unserer Tätigkeit vorwärts gehen, mit Andersdenkenden auf dem neutralen Gebiete zusammenarbeiten und die großen Ziele des Judentums fördern, mit einem Worte: praktische Arbeit durch erhöhte Leistungsfähigkeit auf allen Gebieten verrichten. Schwieriger ist es mit dem Indifferentismus. Aber die Aufgabe des Zionismus ist es, der Gleichgültigkeit entgegenzutreten. Dazu ist der Zionismus geschaffen, das ist der gefährlichste Feind, gegen den er zu allen Zeiten anzukämpfen haben wird. Aber auch in dieser Beziehung wird unsere Energie den Sieg davon tragen. Die jetzigen Verhältnisse und die freiheitliche Entwicklung des Orients bieten eine günstige Gelegenheit für die Entfaltung all unserer realen Kräfte zur Erreichung unseres Zieles. Für diesen Zweck besitzen wir unsere Institutionen, die nur vergrößert und bereichert werden müssen, um den Aufgaben gerecht zu werden, die ihnen zugewiesen worden sind. Als wir das Volk geweckt und ihm große Wege gezeigt haben, schufen wir auch praktische Institutionen für die Aufbahrung unserer Mittel und für praktische Handhabe. Durch diese Institutionen können wir jetzt nach allen Richtungen eine große Tätigkeit entwickeln, und das müßte eigentlich der Hauptgegenstand Ihrer Beratungen und Ihrer Maßnahmen sein. Ich glaube der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck geben zu dürfen, wenn ich sage, daß in der jetzt anbrechenden praktischen Ära unsere Brüder in Amerika, die den praktischen Bestrebungen mit Erfolg und mit Überzeugung so sehr huldigen, sich auf "der Höhe der Situation zeigen werden. Mit herzlichen Zionsgrüßen Hochachtungsvoll David Wolffsohn Das Schreiben Prof. Warburgs wie auch das Ussischkins beschäftigten sich mit der geplanten Gründung einer Agrarbank in Palästina und forderten zur Mitarbeit bei diesem Werke auf. Hierauf erstatteten die verschiedenen Komitees ihre Berichte. Die Berichte des Jewish Colonial Trust-Komitees und des Nationalfondskomitees erfuhren eine heftige und teilweise stürmische Kritik. Es wurde den Komitees vorgeworfen, daß sie ihre Arbeit nicht so vollbracht hätten, wie es der Wille der Delegierten gewesen sei. Schließlich wurde eine Resolution eingebracht, die das Bedauern der Konferenz darüber ausdrückte, daß infolge der nicht genügenden Tätigkeit des Kcmitees für den Jewish Colonial Trust keine guten Erfolge erzielt worden seien. Insbesondere wurde gerügt, daß das Komitee die beabsichtigte Gründung einer Filiale der Jüdischen Kolonialbank in New York nicht durchgeführt habe. Dem wurde entgegengehalten, daß diese Absicht nur an den Gesetzen des Staates New York gescheitert sei, die es nicht zulassen, daß eine Bank Sonnabends geschlossen ist. Daraufhin wurde die Resolution verworfen, und der Meinung Ausdruck gegeben, daß es jetzt nicht angängig sei, anderswo als in Palästina zionistische Institutionen zu errichten. Ein Antrag, die Gründung einer Bankfiliale in New-York zu beschleunigen, wurde daher abgelehnt. Auch der Bericht des Nationalfondskomitees wurde eingehend 591 diskutiert. In der Zeit vorn 1. Juli 1908 bis 3L. Mai 1909 wurden gesammelt: Für Nationalfondsmarken......$ 2 803.72 In Nationalfondsbüchsen.....„ 1 257.44 Auf Golden Buch-Eintragungen . . „. 1 715.01 Durch Sammlungen.......„ 1 650.98 $ 7 427.15 In der Nachmittagssitzung erstattete Herr E. W. Lew in¬ Epstein den Bericht des Palästinakomitees. Er bezog sich in seinem Bericht auf seine jüngste Reise nach Palästina und die Erfahrungen, die er dabei gesammelt habe. Er könne nicht beschreiben, wie tief der Eindruck gewesen sei, den der Fortschritt der jüdischen Kolonien auf ihn, den alten Palästinenser, gemacht habe. Er habe die Kolonien kaum wiedererkannt. Und dabei seien nur acht Jahre seit seinem letzten Besuche verstrichen gewesen. Jaffa hat seine jüdische Bevölkerung mehr als verdoppelt. Die Hauptgeschäftsstraße weist fast nur jüdische Firmen auf. Er kam Sonnabends in Jaffa an und war erstaunt, fast jedes Geschäft geschlossen zu finden. Im Laufe der acht Jahre waren die Geschäfte aus den Händen der Araber und arabischen Christen fast vollständig in jüdischen Besitz übergegangen. Die meisten Firmenaufschriften, selbst die der christlichen und mohammedanischen Geschäfte, waren in hebräischen Lettern. Neue Hotels, Kaffeehäuser, Klubs waren von Juden eröffnet worden usw. Einen ähnlichen Fortschritt fand er in Jerusalem. Aber all das verschwindet gegenüber den Fortschritten in den Kolonien. Wadi el Hanin und Rechoboth, wo Herr Lewin-Epstein zehn Jahre zuvor gelebt hatte, hatten sich von Grund auf geändert. Wadi el Hanin hatte seinen Landbesitz mehr als verdoppelt, das Land von Rechoboth war um die Hälfte größer geworden. Heute sind die beiden früher getrennten Kolonien durch ihren Grundbesitz vereinigt. Das alles sei aber erst ein Anfang. Jeder Jude müsse Landbesitz in Palästina erwerben. Diesem Zwecke diene der Pflanzungsverein Palästina, an dem sich auch die Minderbemittelten beteiligen können. Die reichen Juden indessen müßten große Summen spenden, um den Besitz des jüdischen Volkes an palästinensischem Land zu vermehren. Er sei mit der Ausarbeitung eines Planes beschäftigt, der diesem Zwecke dienen solle und den er im Winter hoffe bekannt geben zu können. In der Diskussion wurde an der Arbeit des Palästinakomitees scharfe Kritik geübt. Es wurde ihm vorgeworfen, nicht genügend geleistet zu haben. Die Krankheit des Vorsitzenden habe das Komitee nicht hindern dürfen usw. Folgende Statistik ist nicht ohne Interesse. Es wurden im Berichtsjahre gesammelt: Für die Ölbaumspende.........$ 1355.98 „ Bezalel................... „ 458.44 „ Pflanzungsverein........... „ 89.50 „ Nationalbibliothek.........„ 12.50 „ Hebräisches Gymnasium ... „ 21.00 „ Kulturfonds.............._25j00 $ 1962.45" gegen $ 1566.53 im Vorjahre. Die geringe Höhe dieser Sammlungen wurde lebhaft beklagt, es müsse leicht sein, viel größere Beträge in Amerika für Palästina zu sammeln. Eine überaus lebhafte und teilweise stürmische Debatte entspann sich sodann im Anschluß an eine vom Vorstande beantragte Resolution, die die Gesinnungsgenossen auffordert, alle Kräfte auf die Unterstützung der in Palästina bestehenden zionistischen Institutionen zu vereinigen. Von St. Louis wurde beantragt, es sollten überall in Amerika Landgesellschaften errichtet werden, die Aktien zum Minimalwert von 100 Dollars, zahlbar in 10 Jahresraten von 10 Dollars, ausgeben sollten. Das eingezahlte Kapital solle zum Erwerb von Boden in Palästina benutzt werden. Die Überwachung der verschiedenen Gesellschaften solle von der Federation resp. einem besondern dazu eingesetzten Komitee erfolgen. Von anderer Seite wurde dem Antrag lebhaft widersprochen. Er führe zu einer Zersplitterung der Kräfte. Man solle lieber die ganze Energie auf die Stärkung der vorhandenen offiziellen Institutionen verwenden. Auch der Agronom Aaronsohn, der augenblicklich in Amerika weilt und bei der Konferenz anwesend war, sprach sich für letztere Meinung aus. Nach langem Redekampf wurde schließlich folgende Konipromißresolution Dr. Magnes angenommen: „Die zwölfte Jahreskonferenz der Federation of American Zionists anerkennt die Ratsamkeit der Bildung solcher Organisationen, die jeden Juden in die Lage setzen, Land in Palästina zu erwerben, und empfiehlt die Einsetzung eines fünfgliedrigen Komitees zum Zwecke der Ausarbeitung eines detaillierten praktischen Planes zu diesem Zwecke." lA t 4 : l i <& \r. ' :i,'a i :i > m f;

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