Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-07-02 · 27 (2.7.1909) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316379--52065-3345460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

flicht''efftändj^r' Hände Und läßt einen Jtiden . nicht, jedoch die Kinder,- - gl eich: V.öglein aus den Käfigen, befreit, fliegeti ^auf und ab, verschiedene Kiinststücke d^bej Rächend. Dfe Väter und die Mütter warneB.'. . " Kinder, ihr bringt euc> um . . . gebt acht, wie ihr rennte ,-s. ---v.' Jedoch die Kinder, bloß von der Ferne die Berge erblickend,; bekorttmen solchen: Mut, daß sie .nicht .nur auf solche. Berge!MnaÜfklettern würden, sondern: auch auf vieL höhere.! Und mancher Junge, ein bißchen frech und mit glühenden Bäcklein, - ruft höhnisch aus:' *•..;^ichtigevSiefen 1; Auch;e;ine Küiist, solche Berge zu besteig en,.- i chtön hte. einen. Bferg best eigen, der bis in die Wolken hineinragt.. . Natürlichvergeht kein' Samstag ohne einen Zwischen?all: iMäheher Ju'rige, ein zu .heftiger Stürmer, fällt beim hastigen5Hinuritergleiteri und schlägt sich wundt, doch Gefahr ist niemals dabei. Im Gegenteil, die auf den Bergen zerstreute Menge bricht in Gelächter aus, und der Junge: erhebt sich .und"Beginnt mit doppelter Kühnheit zu rennen,1 um seine Schande]gut|uyachen, ''" > --------■ , % . :' '................................... \ . ........ .... ......... . ... . . -: Juden sind aber im Golus. . . Flüchtig betrachtet, gehört das Städtchen ihnen, ganz ihnen; .das Bethaus, das Badehaus, die Verkaufsbude^ dfcr K&t;-• alles scheint ihnen zu gehören, von Urureltern geerbt. Zuweilen vergessen sie sich auch zu sehr, glauben, daß die ganze Welt ihnen gehört; sogar die hohen Berge. . . Ntin koriimt aber eines schönen Tages ein Bauer, ein einfacher1 Bauer, und bedeutet ihnen, daß* all das; nicht-ihr Eigentum-'"sei; nicht eifima! der Kot. . .Weil sie aber %in 'verfluchtes Volk: sind, und man nicht weiß, wo man sie hintun soll, läßt man sie in dem Städtchen wohnen, im Kot, — aber auf die Berge sollt ihr nicht kriechen. . . :" 'K Und man hatte es lange, viel zu lange schweigend mit angesehen, wie die Juden den Samstag über die Berge belagerten. Daß' man es so lange geduldet hatte, ist wirklich ein Wunder. Und wahrlich, die Juden vom Städtchen hatten sich zu gut gefühlt arn Samstag auf den Bergen, als daß man es ihnen gönnen durfte: > - : Die Stadtobrigkeit war schon längst darauf aufmerksam geworden, daß die Juden zu sehr den schönsten Platz ini Städtchen für sich in Anspruch nahmen. Zwar nur einmal wöchentlich, aber eiqmäl wöchentlich, war für sie auch zu viel Nun hatte sich's; der Wachtmeister eines Tages überiegt und, ließ sich dort oben ein Haus bauen., ■ V .: Bis das Haus fertig wurde, nahm jeder Jude an jedem Samstag still im Herzen Abschied von den hohen Bergen, wohl wissend, daß, wenn der Pristaw einmal hier wohnt, dann — lebet wohl, ihr hohen Berge! ... Mit beklommenem Herzen schauten alle auf das neue Gebäude, das von Woche. £u Woche höher Wurde und die Juden vom; Städtchen . immer tiefer und tiefer niederbeugte. Als. das Haus fertig wurde, begann man in der Stadt hin und her zu sinnen: darf man noch am Samstag auf die hohen Berge gehen oder nicht . . . Einige' bedachten, daß der Pristaw kein Räuber sei, er mag oben wohnen, doch kann man ruhig weiter spazieren rings um die hohen Berge, in einiger Entfernung von seinem Hause. Andere erschwerten wieder die Sache und meinten,: es schicke" sich nicht. , . . . ^Docb da& Überlegen war umsonst; Einige Jungens, welche am ersten Samstag, so taten, als wüßten sie nichts vom Pristaw, und mit der alten Fröhlichkeit auf die hohen Berge losstürmten, kamen bald weinend in den Schulhof zurückgerannt. . . . , „Was ist los, Kinder?" fragte man sie. „Dem Pristaw sein Hund . . schluchzte ein Junge hervor. „Wo seid ihr gewesen?" „Auf den hohen Bergen ..." „Na, und?>. . : „Na ... da hat des Pristaws Bube die Hunde auf uns gehetzt . . ." Ein älterer Jude meinte: „Wozu lauft ihr denn auf die hohen Berge? ... Und wenn auch kein- Hund dort wäre, muß man denn hinlaufen? Spielet hier im Schulhof . . Seit der Zeit spielen die Kinder am Samstag im Sehulhof, die altern Leute schlafen oder sitzen auf den Terrassen, und es hat den Anschein, als ob das Städtchen Wie gewöhnlich den Samstag feiere. Im stillen sehnen Sich aber alle nach den hohen Bergen, von deinen man sie gamdlos vertrieben hat. Deutsch von Amalie Grünberg SPEZIALGERICHT ÜBER DEN DELEGIERTENTAG DER ZIONISTEN IN AMERIKA Die Cööjper Union Hall in New-York war zum Überfluten voll, als am Samstag den 12. Juni, abends, die Federation'öf American Zionists ihren zwölften jährlichen Delegiertentäg mit einer 'Monster- Massenversammlung eröffnete. Die Versammlung erwies : sich als die enthusiastischste, .die, je seit Bestehen der Federation bei einer ihrer Jahreskonferjehzeri abgehalten wurde. Mr. Samuel Straüs vom New-York „Glöbe", der die Versammlung leitete» eröffnete sie: mit einer gläFi/enden Ansprache, die von glühendem Nationalgefuhl durchdrungen war und in einer scharfen Anklage gegen den „Schmelztiegel" (Meiting-Pot),. und seinen. Verfasser gipfelte. Mr. Straüs sagte u. a.: i,Der Förtschritt der zionistischen Bewegung in Amerika wird Ihnen im einzelnen vom Präsidenten -dargelegt Werden. " Aber eine große moralische Bewegung' kann nicht nach ./dem; Stande ihres Kassenbuchs oder der Länge ihrer Mitgliederliste abgeschätzt werden. Ich bin sehr dankbar dafür, daß es in. uriserm Zeitalter des zwanzigsten Jahrhunderts-Droge' gibt, die 'nicht vön! dem'Starkdp'tihkt aus betrachtet werden, von dem aüs der Geschäftsmann den Erfolg abwägt, und ich bin froh; daß der Zionismus zu diesen Dingen gehört. ♦ Wir hören jetzt, nur mehr wenig, über die angebliche Unvereinbarkeit von Zionismus mit Ämerikanismus, und die, die vordem so laut darüber geschrien haben, hätten es nicht getan, hätten sie besser verstanden, was denn Zionismus und Amerrkänismus bedeuten. Der Zionist weiß sehr wohl, was Patriotismus heißt, und eben, iweü er Zionist ist, kann er ein um so patriotischerer Amerikaner sein (Beifall). Die Zionisten können mehr als. andere den Ruf Amerikas an den Einzelnen verstehen, das beizusteuern, was' das Beste in ihm ist. Die Harmonie der Botschaft der neuen Welt, ihre Sympathie,- wenn Sie wollen, wird nur erlangt werden, wenn jeder seine eigene persönliche Note in Harmonie mit seinem Nachbarn ertönen läßt Wie es Walt Whitman ausgedrückt hat:. „Die wahre amerikanische Symphonie karrn nur dann Zustandekommen, wenn jedweder das Lied singt, das er am besten kann." Und sicher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.