Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 27 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. "21 DIE^aKELT 587 Und an einer andern Stelle heißt es weiter: „Wir veröffentlichten vergangene Woche ein Telegramm unseres Konstantinopeler Korrespondenten, in welchem großer Lärm geschlagen wurde wegen der Agitation, die in diesem Lande gegen die Einwanderung der Juden ^getrieben wird. Die Agitation ist hervorgerufen worden durch Übertreibungen in bezug auf den politischen Charakter der Einwanderung. Unser Korrespondent schreibt nun, daß es ein Jude war, der zuerst die ganze Verwirrung anrichtete. Dieser Glaubensgenosse sandte einen Brief an eine Zeitung, in dem er den Zionismns als unpatriotisch denunzierte. Dieses führte zu Polemiken über die Frage der jüdischen Einwanderung in der lokalen Presse mit der Folge, daß eine allgegemeine Unruhe sich der Gemüter zu bemächtigen und daß die Stellung der türkischen Juden sehr ungemütlich zu werden begann. Glücklicherweise ist jetzt die wahre Natur der jüdischen Einwanderung in die Türkei aufgeklärt und der Friede wieder hergestellt worden. Ihre Ziele sind durchaus klar und unverkennbar. Sie schließen nicht die geringste Schmälerung der türkischen Oberherrschaft im türkischen Herrschaftsgebiet in sich ein. Es ist immer eine selbstverständliche Tatsache gewesen, daß jeder in Palästina angesiedelte Jude im Geiste vollkommener Treue zur türkischen Regierung leben muß. Das war schon ein Grundsatz des verstorbenen Dr. Herzl. Jüdische Philanthropen und Kolonisatoren haben bis heute nach diesem Grundsatz gehandelt, und wenn Juden in dieser Hinsicht sich über etwas zu beklagen haben, so ist es über die Verzögerung, die eintritt, bis ein jüdischer Einwanderer .nach seiner Landung als türkischer Untertan aufgenommen wird. Es gibt jedoch noch eine andere Seite dieses türkischen Vorfalls, welche Aufmerksamkeit verdient. Der ganze Lärm ging aus von der böswilligen Einmischung eines einzelnen Juden. Es war ein Mitglied unseres eigenen Stammes, welches ängstlich darauf bedacht war, seine eigene Treue zu beweisen, indem er die Untreue eines großen Teils seines eigenen Volkes proklamierte. Dieser Vorfall steht nicht vereinzelt da. Wir haben ähnliche Vorfälle überall gesehen., Aber die Juden in der Türkei sollten sich erinnern, daß die Denunziation des Juden gegen den Juden in ihrem Lande nicht mit derselben Nachsicht betrachtet werden kann, wie es in einigen Teilen Westeuropas der Fall ist. Sicherlich hat unsere Rasse Feinde genug, ohne daß es nötig wäre, aus unserer eigenen Mitte ihre Reihen zu vergrößern. Laßt uns diese Angriffe andern überlassen. Die Überempfindlichen unter uns werden wahren Patriotismus arn besten beweisen, wenn sie treu gegen ihr eigenes Geschlecht handeln." Brief aus Saloniki (Von unserm Berichterstatter) (Zionistische Tätigkeit Am verflossenen Sabbat veranstaltete der hiesige zionistische Verein „Bnei-Zion" eine große Volksversammlung in der Synagoge der Talmud Thora Hagadol. Mehr als 2000 Personen, unter ihnen Sr. Ehrwürden der Chachambaschi Rabbi Jacob Meir, der Gemeindevorsteher Herr S. D. Modiano, die übrigen Mitglieder des Vorstandes, die Komiteemitglieder des Clubs „Cercle des Intimes" und die des Clabs „Cercle Israelite" usw. usw. waren anwesend. Herr David Florentin, Chefredakteur des „El Avenir" sprach über Palästina. Der Redner, der während der Pessachtage in Palästina geweilt und sich über die dortigen Verhältnisse genau informiert hat, verstand es, den Erschienenen in knapper und eindringlicher Weise seine Ansichten über den jetzigen Zustand des Heiligen Landes vorzuführen. Herr Florentin sprach mit Begeisterung über das Hebräische Gymnasium, die Schulen des Hilfsvereins, die Gesellschaft „Athid", das Blindeninstitut in Jerusalem usw., und zeichnete ergreifende Bilder aus dem Leben in den jüdischen Kolonien. Er schloß mit den Worten, die ein Araber Salchi Bey an ihn gerichtet hat: Ihr Juden seid für das Land sehr nützlich, kommt und kultiviert es! Der zweistündige ausgezeichnete Vortrag erntete den lebhaften Beifall aller Anwesenden. Diesen war das Erzählte ganz neu. Sie hatten bisher nur davon gehört, daß man nach Palästina reise, um dort zu sterben, nun erfuhren sie, daß man dort auch leben kann, und manchmal viel besser als hier, daß die Bildung in Palästina eine viel höhere ist als hierzulande usw. Im Laufe dieser Woche veröffentlichte das Komitee des Vereins Bnei-Zion das nachfolgende offizielle Schreiben in allen hiesigen spaniolischen Zeitungen: „Um jeden Irrtum zu beseitigen und die Öffentlichkeit über den Zionismus im allgemeinen und unsere Arbeit im besondern zu informieren, erklären wir hiermit folgendes: Der Zionismus erstrebte niemals etwas anderes, als mit der Hilfe und unter dem Schutze der Türkei, zum Nutzen des türkischen und des jüdischen Volkes, Palästina und seine Nachbarländer durch jüdische Auswanderer zu kolonisieren. Bei keiner Gelegenheit und in welcher Form es sei, hatte ein anerkannter Vertreter des Zionismus die Absicht, die erhabenen Interessen der einigen und untrennbaren Türkei zu schädigen. Die Zionisten der ganzen Welt wünschen die Kräftigung des ottomanischen Reiches' und erachten die Verfassung als eines der Hauptmittel zu diesem Zweck. Die Anhänglichkeit aller Juden in den verschiedenen Ländern der Erde an die Türkei ist bereits bezeugt. Die Kolonisierung Palästinas durch jüdische Einwanderer stellt sich für die Türkei als ein überaus schätzbarer und erhabener Dienst dar. Das haben auch die nationalen Vorkämpfer Achmed Riza Bey und Dr. Riza Tewfik Bey wiederholt zum Ausdruck gebracht." Der Aufruf kündigt sodann eine energische Aufklärungsarbeit in Vorträgen und Broschüren an. Der Angriff des Herrn I. Cohen im „Stamboul" gegen den Zionismus entfachte in vielen hiesigen jüdischen Kreisen lebhafte Entrüstung. Die Zeitungen „Le Journal de Salonique", „La Epoca" und „El Avenir" brachten scharfe Gegenartikel gegen den Antizionisten. Unter anderm schrieb Herr Samuel Levy im „Journal des Salonique", nachdem er mehrere Zitate aus den Artikeln Nordaus und. Sokolows, die er irn Laufe des letzten Jahres in seiner Zeitung veröffentlicht hat, angeführt hatte: „Wir bringen diese Zitate, die Herr Cohen doch eigentlich hätte kennen müssen, bevor er über diese Frage schrieb. Wir wollen zu seiner Ehre annehmen, daß er keine Zeit hatte, den Zionismus zu studieren, ohne daß ihn das hinderte, darüber zu schreiben. Was wir Juden Salonikis aber niemals dulden werden, ist, wenn gewagt wird zu behaupten, die Arbeit der Zionisten sei ein absolutes Unglück für uns. Herr Cohen hat sich als schlechten Patrioten, als schlechten Bürger Salonikis und schlechten Juden bewiesen. Wir weisen jede Gemeinschaft mit einem Manne zurück, der in einer solchen Form schreibt." Dem Verein Bnei-Zion ging eine Nachricht aus Larissa in Griechenland zu, wonach sich dort ein zionistischer Verein unter dem Namen „Zion" gebildet hat. Auch aus Magnesia in Kleinasien kam Meldung von der Gründung eines zionistischen Vereins „Bnei-Zion". Die Griechen und die Juden Die Meldung Ihres Konstantinopeler Berichterstatters von einem beabsichtigten Boykott der Juden gegen die Griechen ist unbegründet. Im Gegenteil ist man hier beiderseits bemüht, den Frieden zwischen beiden Völkern aufrechtzuerhalten. Es verlautet sogar, daß einige angesehene Griechen Vorbereitungen zur Veranstaltung eines Friedensfestes zu Ehren der Juden treffen. Die Zeitungen in Griechenland verurteilen die von den hiesigen beiden griechischen Zeitungen gegen die Juden betriebene Hetze. Unter anderm schreibt eine bedeutende griechische Zeitung in Athen, die Griechen in Mazedonien besäßen gerade Feinde genug, es sei höchst töricht, sich auch noch die Juden zu Feinden zu machen. Die Organisation der türkischen Juden Im Anschluß an den Artikel des Herrn Albert Tarika, von dem wir jüngst berichteten, richtet die Revue „La Nation" einen Aufruf an alle jüdischen Gemeinden der Türkei zwecks Zusammenschlusses zu einer gemeinsamen Organisation. Wir wollen hoffen, daß dieser Appell nicht ungehört verhallt. Der Mandel von Saloniki Die „Correspondence d'Orient" enthält einige interessante Angaben über den Handel Salonikis, die unter den obwaltenden Umständen auch für uns des Interesses nicht entbehren. Darnach erreichte der Gesamthandel dieser Stadt im Jahre 1907 die Summe von 110 Millionen Francs gegen 118 Millionen in 1906. Der Rückgang ist ausschließlich auf Konto der schlechten Ernte des Jahres 1907 zu setzen, die die Regierung veranlaßte, Maßregeln gegen die Getreideausfuhr zu ergreifen. Tatsächlich hat sich die Ausfuhr unter der Wirkung dieser Maßnahme sogar um 12 Millionen vermindert (35 Millionen gegen 47), dagegen wuchs die Einfuhr um 4l 2 Millionen, von 7012 auf 75. Jedenfalls ist irgendein Grund zur Unruhe nicht vorhanden, da die schlechte Ernte nur als ein zufälliges Ereignis betrachtet werden kann. Ein Drittel der Einfuhr umfaßt Gewebe, Wollstoffe, Manufakturwaren, Baumwollwaren, Seidengewebe, Konfektion, Produkte der schweren europäischen Industrie. Diese Waren kommen meist aus Deutschland, Österreich, Italien. Frankreich figuriert hinter diesen Ländern, aber vor England. Die Dreibundmächte profitieren eben ,:4 ' :K < b, i T t i ii i a. h;l