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Die Welt · 1909-07-02 · 27 (2.7.1909) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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<rl Da ist vor allem die Welt der jüdischen FiAanifrarohe, von denen schon Börne erbittert"schnei 'es sei ' die Blüte : 51ires Witzes, den Hamletschen Moriöiög m die Worte „tjeld; ödef mcht Öield, das ist dte; Frage" 2ti Überträgen. Gibt es hifcftt in':die$em Mrflieb''Welmen der Resignation und adeliger ZuMikftaltun^': feihe -ICtiltürmefisehöh nachr dem Typus des Welte^timtiilers Kohn aus Hfer21 s Skizze „Im Speisewagen jdie den andern überlegen Sind, an erlesener BiltÜlirig und edelstem Taktgefühl, gerade weil sie die Not des Alleinseins erzogen hat? Begegnet man in der Atmosphäre des Börsenjobb ertumes,. nicht immer: wieder; Georg «Hirse hfeüds ^Agnes Jordan",, der-, hochstehenden - Fpau, die der Familienschacher; mitten in, den Kir^sr:der hinetngekuppelt . hat - und *. die -urisäglfah . leidend in 1 die Kinderstube flüchtet? Und:jiedenVOs^ deii großen Familien verfügt über, einen .echten -;Kunstmä?^:- *>der Förderer derWissensclp.fi nach der Äft des „Onkel :Jason", aus Geiorg Hermai^ns:: Ronia^ ,,Jettchen:vGebert:<fi aus der Art Geschlagene, die zum Schrecken dea^ andern mit dem heiß errafften Golde der Viter und Brüder Antiken sammeln, statt:im Bureau m sitzen, -nach Bayreuth pilgern, statt zu spekulieren, m wissensch^ttlichen Expeditionen teilnehmen, - stritt: im fVer^tün^^ nehmens zu präsidieren und in krassem Gegensatz zu ihrer schwatzenden,;; posierenden .Umgebung :in stillster Zurückgezogenheit m einem immer klarerer*. Weltbild gelangen, sich immer höher , schwingen und die subtilsten Kenner fremder Größe werden.; •. s " - Der jüdische Mi^^ zum/nicht geringem Teile im „Teutseh-ChumesGh-Niveau'r—■ wie einmal Nahum* Sokolo^ #e faifct^eun&; fadenscheinige Bibelweisfteit.^ lose, herausgeputzte FrömHielel;der Khilleleute treffend bezeichnet hat . : ... : v;. •. >. Ab§r mittendrin gedeihen ausgezeichnete Berufsmenschen , erlesene Schöngeister ^und versonnene; Idealisten. Gerade hier wächst ein Geschlecht,: das. an allen Strömungen des, modernen Lebens partizipiert, überallhin die eigene Kote trägt, und zwar umso kräftiger, je schwerer sie sich ihres Judentums .wegen durehringeri. Man denke an; unseren, verstorbenen Führer,; der 'der, Meister des Wiener Feuilletons, wurde, an den Dichterkreis um Arthur Schnitz 1 er, an die produktive Kritik unserer Gelehrten (wir meinen die echten, mühsam weiterringenden Wissenschaftler, nicht die Talmigelehrten, die durch Einfluß der Börse hinaufkommen) lind man denke beispielsweise an die anerkante gang spezifische' Berufstücbti;gkeit pdischer Ärzte... .,. r>.>l7. 'i^::'.^ Mit viel, Hoffnung erfüllt uns die Betrachtung - des westlichen;Landjudentumesi\ v, 'vi; Ad Hier hat der Druck der Verfolgung-und des Boykotts — sofern er nicht in Katastrophen ausartete; dieüeßhaften von der Scholle trieb, und in die jüdische Reservearmee der Großstadt drängte eigentlich -nur; die Nerven gestählt, den Arbeitswillen verdoppMt, .die Lebensführung und Denkweise, vernünftig und praktisch gemacht — Leute, die ihre Muskeln fühlen und zu - -ringen verstehn. ■ . . ''• ■> ■ * 1; ' ' - * ^J " ,■ :• i* .. •-. *-;• .; T .': ■; Wer diese Erscheinungen registriert, die hiör hur angedeutet sind, vermag der „jüdischen Entartung" des Westens eine erkleckliche Summe von stillen, feinen Entwicklungsmöglichkeiten und sichtlichen Werdeprozessen entgegenzuhalten. Er wird freudig gewahr, daßJ Hohn und Verfölgurig gepaart mit mutigem Alleinsein, mit Külturhunger und - Tradition auch einen guten Klang geben,kann. '_ ....... Nichts fehlt, als daß alle diese Elemente sich des Judentums als der Ursache ihres eigenartigen Werdeganges bewußt werden. Dann potenziert sich plötzlich die, VoTkskraft; aus: der Einsamkeit' wird Liebe, aus den Einze'fleistungen wird ein einheitliches Zweckdasein, und der\Westen hat seine spezifische jüdische Note. Jecter Zionist^der unsere Bewegung zu seiner höchstpersönlichen' Sache gemacht hat, wirkt an dieser Entwicklung mit. Wie ein Leuchtturm muß er dastehn, dem Eitts^ zustrebein, wie' ein Magnet muß er 'haltlose Kräfte' äriziehn. Und jedes Winkelchen des jücjischen Lebens muß er durchwandert haben, denn es gibt viele, die längst aijt ihn warten, ihn aber nie fanden, weit er nicht in ihre Sphäre kam. Brief aus Konstantinopel - " \; . (Von unserm Berichterstatter) Die Nationalitätenkrise und der Zionismus ' :' Das ottomanische Völkerproblem hat in der vergangenen Woche keine; Milderung erfahren." Im Gegenteil, die Erregung-ist aufs höchste, gestiegen. Mehrere, polititische, Morde, begangen von griechischen Banden an Bulgaren in Mazedonien, Kirchenstreitigkeiten dieseV^^ Nationalitäten, die ebenfalls die Griechen in ungünstigem- Lichte zeigen, Unruhen in einigen griechischen Zentren und strenge Repressivmaßregeln von Seiten der türkischen Regierung,; vor,, allem aber, .die Entdeckung, eines ungeheuren griechischen Waffen schmuggeis an der syrischen Küste und in Mazedonien es sollen Hunderttausende Kriegsgewehre (System Gras und Mauser), Patronen und Sprengstoffe aus Griechenland eingeführt und in den .Dörfern versteckt worden sein — haben der Spannung eine,gerade gefährliche Form gegeben.; Die Kretafrage trägt natürlich mit dazu bei, das Verhältnis zwischen Türken und ..Hellenen zu vergiften. In Mazedonien 'haben sich Türken und Bulgaren zu gemeinsamem Boykott der griechischen Waren verbunden, und in Konstantinopel hat die angesammelte Nervosität sich in einem Aufsehen erregenden, Rencontre zwischen dem ökumenischen Patriarchen und dem türjkiscnen Generalissimus Mahmud Schefket Pascha entladen. Der Patriarch droht Versteckt mit Anrufung einer auswarfigen Intervention, die türkisch-nationale Presse offen mit deren gefährlichen Folgen für das griechische Element selben . . Auch ^ie.Priyilegienfrage ist aufgerollt Die türki3che Öffentlichkeit verlangt auf einmal die oft zitierten Originaldokumente, die von Mohammed IL, dem Eröberersültan, und dem Tage der Einnahme Konstantinopels her datieren sollen, mit Atigeh zu sehen, während die Griechen darauf hinweisen, daß, wenn auch die Originalakte verloren ging, zahllose nachfolgende Edikte bis zum .Berliner Kongreß hinab ihre alten Privilegien bestätigt hätten. Anderseits wird ciie Möglichkeit der Geltung dieser nationalen Privilegien, die nur unter der Willkürherröchaft notwendig und berechtigt gewesen sein sollen,. unter der Ära der Konstitution und der Bürgerlichkeit bestritten. Diese Frage ist von außerordentlicher Wichtigkeit auch für uns Juden. Sollte es einmal' riiöglich1' werden, daß die griechischen Privilegien1 fallen/ so: werdeti auch die" Bruchstücke der kulturellen jüdischen Autonomie der .Vernichtung geweiht seih. Die eigene Gemeinde- und Schulorganjsati.on,.. die Kultus»; und in..gewissen Grenzen auch juristische Autonomie, über die die ottomanischen Juden heule noch verfügen,.,-gehen.dann verloren: das wäre nicht schlimm, wenn die Konstitution wirkliche und volle Gleichheit bedeutete. Das ist jedoch,, durchaus; nicht, der Fall. Die türkische Konstitution, auch die revidierte,; verfügt ja: Der Islam ist Staatsreligion, und die gesamte Jurisdiktion ist noch mit den Gesetzen des Scheriats verbünden, Ihnen zum Teil unterworfen; außerdem liegt das türkische Schulwesen, abgesehen davon, daß es dem judischen vollständig wesensfremd und ebenfalls „vom Islam durchtränktest,^ so sehr darnieder, daß die Auslieferung des jüdischen Elements' an die türkischen Rechtslind Erziehungsbestimmungen ein großes nationales Unglück wäre. Man darf gespannt sein, wie diese Wirren sich lösen werden; hoffen wir, nicht zu schmerzhaft für alle Teile.

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