Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 27 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316379--52060-3345455- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
584 ,....... „....... . . ., „„................... .............DI?E: scheint auch, als, ob in t absehbarer Zeit ein derartiger oder, ein ähnlicher Pläh nicht zur" Verwirklichung gelangen sollte, , Öle Gegnerschaft ist zu groß und zu gewichtig. Wir haben keinen Zweifel daran gelassen, daß uns;eine solche öesamtorganisation an und für sich als wünschenswert erscheint. Unser nationaler Standpunkt bringt uns von selbst dazu, in der größtmöglichen Einheit den größtmöglichen Fortschritt zu sehend Aber wir Verstehen sehr ^gut~die.Qrüridp, di:4 von dei Gegenseite gegen. die yerwirklLchun in Preußen-Deutschland vorgebracht werden,' und wir können nicht umhin, sie vorläufig wenigstens für ausschlaggebend zu finden. Man muß sich nämlich vorhalterir daß die Macher des Piaries zum größten Teil im sogenannten „liberalen" Lager sitzen, und zwar in seiner reaktionärsten, oder wie man dort sagt, in seiner „freiheitlichsten" Ecke — in Berlin. Ürid viele Vorgänge, nicht zum .wenigsten die komisch anmutende Art, wie man sich jetzt bemühC:die Majorität des Gemeindetägs in eine Minorität zu verwandeln, geben denen Recht, die von der ganzen Aktion glauben, .daß sie ad majorem gloriam der Liberalen unternommen worden sei. Man sollte doch annehmen, daß gerade.die Liberalen, die Säulen des Parlamentarismus, für eine strikte Respektierung von Mehrheitsbeschlüssen seien. Und, man ^äniiraiis $en. Jetzt: unte*n#rnrnenjen.. jsigiatümlichen Umrechniingsversucilbn, aus der' offenen Aufforderung der „maßgebenden" Berliner Gemeinde an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, . den Beschluß des ^Gemeindetages zu: mißachten,' schießen, wie es den Helden zumute ist,, wenn die . „misera plebs" der Nichtliberalen, einmal gegen den Stachel: lockt, und was sie erst mit ihnen nicht genehmen Beschlüssen anfangen würden, wenn sie die Macht in Händen hätten. Und der in unserer letzten Nummer ^rwajinte Vorfall aus Baden,' wo die .liberalen jüdischen Behördendie Gewissensfreiheit nur dann. anerkennen, wenn sie sich im Verneinen jeden Religionsunterrichts und im Dispens vom Unterricht in der hebräischen Sprache ausdrückt, den orthodoxen Juden aber den Rat geben, aus der so heiß erstrebten „Gesamtorganisation" auszutreten, wenn sie es nicht vorziehen wollen, ihre Kinder mit Polizeigewalt• zum „liberalen" Judentum erziehen zu lassen, geben denen zweifellos Recht, die (ien von liberaler Seite ausgehenden Einheitsversuchen mißtrauisch gegenüberstehen.-. Es ist sehr zu . bedauern, daß unter dieser! Umständen die Örganisationsbestrebungen vorläufig als gescheitert betrachtet werden müssen, und die Liberalen trägen wieder einmal die Schuld, wenn %das Judentum in Deutschland sich weiter auf der schiefen Ebene nach abwärts; entwickelt; auf die unsere Assimilanten das deutsche Judentum gebracht, und an deren Ende sie .das Taufbecken aufgestellt haben. Abhilfe .wäre nur zu "erwarten, wenn alle bewußten Elemente sich zu gemeinsamem Vorgehen vereinigten, und wenn die ,Orthodoxen sich bereit finden ließen,; irrre Sonderwünsche und -bedenken vorläufig zugunsten des gemeinsamen Zieles der Erhaltung eines starken und geeinten Judentums zurückzustellen. Aber dazu ist wenig. Aussicht. Bei den Orthodoxen überwiegt leider die intransigente Richtung, die eben nur das orthodoxe Judentum erhalten wissen will. Und wenn darüber die größere Hälfte der deutschen Juden, die nun eijinial der Orthodoxie verloren sind, auch dem Judentum verloren gehen, .habeat sibi! Und so haben wir wenig Ursache, freudijgen Gerichts auf die Zukunft des deutschen Judentums zu blicken; Westjuden Von Dr. Ottö Abeles: (Wien) „Menschentnaterial",. sagen die Zünftigen. Ein haßliches Wort. Es weckt die Vorstellurig einer Masse, die sich von kundigen Fingern nach Willkür kneten 'und formen läßt. Und doch ist das Volk einem kostbaren Marmorblock zu vergleichen, indem nur eine Statue No. 2,7 schlummert,; eine einzige Gestalt, dip . vom genialen Künstler geweckt sein \arilL :i: ,; f; > >.:.r,-::i> : Alper das V/ort ist>auch c-uarflQdern.;; ^ie .i-st;-da?, Ir^ dividi^urn ^o' verstän<jrjjs liebevoll .gewartet worden, nie: h^lmin.:i4i^. y^^c^ig^it des:-Massenbegriffes so verabscheut,, yji^hpuk^ ■ . :^ \y] , vi^.^r^.;Mensqhenstäub? -- Wirf nufein^'Hand /vpiLfStaubtpilchen in die.Sonney,u^ Partiketchen leuchten in. tauspnd glühenden iParbeii auf.?, . m . * .'• - : ..■ .) Zu solcher1 Hohe -der M^schenäChturig muß man sich emporschwingen, wenn:; man als bewußter Jude die ^Vestjuden betrachtet. Alle Erbitterung W&t-'-diesen unglaublichen Verfall, über die-selbst verlachte? Würdelosigkeit, üben das AnemandefvoaiberkHe^heri sammengehörenden, ■>1 die : sich < funbedingt! nicht kennen wollen, wenn "auch das Geschick sie' immer-wieder in dieselbe Enge treibt* muß unterdrückt Werden.; Man muß den Einzel menschen -s;örglicH; aus dem Knäuel lösen xrnd ihm ins Auge sehn.- - : - Dann wird: man? auch im Westeil:; köstbäre Kräfte und mannigfache Entwteklun Vor allemv die paar Typen, die zunächst ins Auge springen. und auf die sich die höünische 'Verachtung konzentriert,:: sind,, wenn man sie auf die Nieren prüft, überhaupt.nicht spezifisch jüdisches QewäcfiSy sondern nur Spielarten* > Die; derbe Taktlosigkeit, die plumpe Unbildung und das lächerliche Parvenütum der jüdischen Bankiersfraii, — Kommerzienrätin P. heißt sie in den Witzblättern, k~ ist doch eigentlich tiur eine Kreuzung zwischen Madame Sansgöne und der Wiener protzigen Fleischhackersgattin, die es bis zum Rathausball gebracht hat. Übrigens hat es den arischen Schnorrbaronen, die vor der Kommerzienrätin auf dem Bauche rutschen, tiocli nie den gewaltigen Appetit genommen,; daß - sie mit den derben Fingern* die vor nicht allzu langer Zeit kdsehere Gänse gerupft haben, das Champagnerglas Ungraziös hält. »Pollak aus Gaya", — auch hier ist eine Spezies gemeint:— mag immerhin 1000 Worte 'iir der Minute sprechen und Marktgaükler sein: unsere lieben Landsleute, die ihn bespucken, verfügen über eine tüchtige Anzahl von Alkoholikern, die sich für einen Schnaps wie Tanzbären drehn^ und für zwei' Schnäpse; wie: Hunde bellen, —- auch wenn's -der Jude zahlt. Wir haben Menschen/ sdie alles verstehn, nur nicht zu schweigen, die alles empfinden* nur nicht Fußtritte --- aber Was* steckt nicht> der filzige Wiener Greisler alles - vorn jüdischen Kunden ein, wenn er nur sein Profifchen macht! Und wenn wir uns auch zu „Schornalisten* bekennen müssen, die für jede Ansicht zu kaufen sind, so hat doch der gut arische Strizzi, der Dirnen 'lättziert bei weitem das 'schmutzigere Geschäft, Maß für Maß.; Wir stehh mit den prononzierten Spezialitäten der Lächerlichkeit und Gemeinheit nicht isoliert da. Wir leugnen nicht, daß wir sie haben, denn wir erachten es als erste Pflicht, gegen uns selbst rücksichtslos aufrichtig zu sein, aber die andern haben sie auch. Nur das diese Art von Menschen bei uns eine tiefe Tragik hat und uns von einer grausamen Entwicklung aufgedrängt wurde. : Dafür hat derselbe Boden, der diese Auswüchse zeitigte, eine differenzierte Fülle von eigenartigen jüdischen Menschen gezeitigt. Man findet sie in jeder Schicht der jüdischen Gesellschaft des Westens. [ELT