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Die Welt · 1909-07-02 · 27 (2.7.1909) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 ELT ERSCHEINT iEDEN FREITA8 ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRG. Köln, 2. Juli 1909 iininb' o'nrV« non No. 27. REVUE DER WOCHE □ □□□□)] O _ Wir sind Die Jahreskonferenz der amerikanischenZionisten(B) jjerej^s gewohnt,;-den alljährlichen Deiegiertentag der Federäiion of American Zionisf als eine der bemerkenswertesten Veranstaltungen innerhalb der zionistischen Organisation zu betrachten. Sowohl was die absolute Größe der Federation und ihrer materiellen Leistungen anbetrifft, als insbesondere in Hinsicht auf den Ernst und die Würde der Verhandlungen nehmen diese Konferenzen innerhalb der Delegiertentage der verschiedenen zionistischen Organisationen einen hohen Rang ein; Das, was den Amerikaner überhaupt auszeichnet, die strenge Sachlichkeit seines Standpunktes und Auftretens, die. geringe Wertschätzung der äußern Form gegenüber dem Nachdruck, mit dem auf einen soliden Kern gesehen wird, bildet seit Jahren auch das hervorstechende Merkmai der amerikanischen Delegiertentage. Das ist der Grund, warum auf diesen Konferenzen niemals die Differenzen zwischen den „Politischen" und „Praktischen" jenen Raum eingenommen haben, den sie — leider — bei den Tagungen der europäischen Landesorganisationen so lange innehatten, nicht zum Nutzen dieser Organisationen und kaum auch zum Wohle der Gesamtbewegung. Der praktische Sinn der Amerikaner vermochte diesen Haarspaltereien und Tüfteleien keinen Geschmack abzugewinnen. Sie stellten sich mit beiden Füßen auf den Boden der realen Tatsachen und — handelten. Und so bildete den Hauptgegenstand der Beratungen der amerikanischen Delegiertenkonferenz in den letzten vier Jahren die Frage der wirksamen Umsetzung zionistischer Ideale in dte Wirksamkeit und die der Erhaltung und Stärkung der zionistischen Organisation im eigenen Lande. Der letztern Frage wurde mit Recht eine große Bedeutung beigemessen. Eine leistungsfähige Landesorganisation ist ja die Grundlage zu einer wirksamen Arbeit. An diesem Punkte setzte denn auch die Kritik in diesem Jahre ein und verlangte eine stärkere Tätigkeit der einzelnen Komitees, die von der Federation eingesetzt sind. Tatsächlich bleibt ja der amerikanischen - Federation noch viel zu tun übrig. Sie hat bereits schöne: Erfolge erzielt, aber schönere sind noch zu holen. Das Arbeitsgebiet, dessen Pflege ihr obliegt, ist riesig groß. Allein in New York bieten sich mehr Möglichkeiten, als in sämtlichen Landern Westeuropas zusammengenommen; Aber der Aufschwung, den die Federation zeigt, die tatkräftige Leitung, der sie untersteht, lassen für die Zukunft das Beste erhoffen und annehmen, daß es nicht mehr lange dauern wird, bis diese Federation in jeder Hinsicht innerhalb der zionistischen Organisation den Platz einnimmt, der ihr von Rechtswegen zukommen müßte. Und was den andern Punkt anlangt, so ist es bezeichnend, daß die Federation sich in diesem Jahre gegen ein Zuviel von Anregungen für praktische Palästinaarbeit wehren mußte. Die heftigsten Debatten entspannen sich über Anträge, die die Schaffung von besondern Einrichtungen bezweckten, die jedem Juden den Landerwerb in Palästina erleichtern sollten. Man befürchtete auf der andern Seite von derartigen Neugründungen ein Zersplittern der Tätigkeit und betonte, es sei besser und richtiger, die bestehenden zionistischen Institutionen zu fördern und so ihren Ausbau zu ermöglichen. Auch wir sind der letztern Ansicht und begrüßen es daher, daß es gelang, einen Mittelweg zu finden, der beiden Meinungen gerecht zu werden ermöglicht. Daß aber über dieser Neigung zur praktischen Palästinaarbeit der politische Untergrund der Bewegung auch in Amerika keineswegs außer acht gelassen wird, das beweisen die eingehenden Debatten, die sich an einen vom Vorstand der Federation ausgehenden Antrag knüpfen, der die Unveränderlichkeit des Basler Programms erhalten haben will. Und man kann nicht anders sagen, daß diese Debatten, wenigstens soweit die bis jetzt vorliegenden Berichte erkennen lassen, im vollen Bewußtsein der hohen Verantwortlichkeit geführt wurden, die auf derartigen Diskussionen jetzt lastet, und sich frei hielten, von jener überstürzten „Eizes"-Geberei und Resolutionsfasserei, wie sie leider anderwärts jetzt so vielfach Mode geworden ist. Alles in allem eine ausgezeichnete Tagung, zu der wir unsere amerikanischen Freunde von Herzen beglückwünschen. Nachdem die Verhandlungen des Deutsch-liberale^ tags wegen Schaffung einer. Gesamtorganisation der preußischen Juden einen so wenig erfolgreichen Ausgang genommen haben, wird in den deutsch-jüdischen Zeitungen mit Eifer die Frage erörtert: Was nun? Bekanntlich hat der Gemeindetag den Gedanken einer Gesamtorganisation zu andern als ausschließlich sozialen Zwecken abgelehnt. Der ideale Gedanke einer Zusammenfassung der preußischen, und später vielleicht auch der deutschen, Juden zu einer einheitlichen Gesamtvertretung für alle Fragen, nach innen und nach außen,' ist' somit vorläufig zurückgewiesen. ' Undes 2

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