Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 14-15 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 14 DIE 3^KE LT 325;^K< JU€DISCH£R PIATIOnAL-FOriDS^^ Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, palästinensischen Boden als G-esamteigentitm des jüdischen Volkes zu erwerben und auf ewige Zeiten zu erhalten. Vom V. Zionistenkongreß im Jahre 1901 gestiftet, besitzt er gegenwärtig ein Vermögen von annähernd lJj2 Millionen Marie. Nationalfonds-Hagadah Von Dr. Max Jungmann Mit Illustrationen von Hermann Struck Für viele Juden bedeutet der Sederabend den Sammelbegriff für alle irdischen Genösse: Klöße in der Suppe, Eier im Salzwasser, Putenbraten, Charosses und — vier Becher Wein. Der Zionist aber begnügt sich damit nicht, sondern er gedenkt an diesem Abend jener großen Zeit, da seine Ahnen aus der Knechtschaft in die Freiheit zogen. Dabei erinnert er sich der Wunderdinge, die um Israels willen geschahen. Es war ein widerspenstiges und. mürrisches Volk, das gerne den lieben Gott für sich sorgen ließ. Er mußte die Ägypter und Amalek schlagen, er mußte gebratene Wachteln und Manna vom Himmel regnen lassen und dafür sorgen, daß ein Felsen Wasser gab. Die Kinder Israels ließen sichs schmecken und wurden sehr verwöhnt, und wenn einmal Moses nicht sofort ihren Willen tat, drohten sie mit der Rückkehr zu den Fleischtöpfen Ägyptens. In der Freiheitbewegung, der wir modernen Juden nun schon länger als ein Jahrzehnt unsere Kräfte widmen, geht es uns ähnlich wie unsern Ahnen. Durch ein göttliches Wunder war unserm Volke ein Führer erstanden, der wie Moses sterben mußte, bevor er sein Werk vollendet hatte. Wars nicht auch ein Wunder, daß in einer so kurzen Zeitspanne ein durch Jahrhunderte geknechtetes und erniedrigtes Volk plötzlich von hohen Idealen durchtränkt erschien und von der unwiderstehlichen Sehnsucht nach Freiheit und Bodenständigkeit erfüllt wurde? Wars nicht schließlich ein Wunder, daß gerade jene Männer, die dazu berufen wären, als Hohepriester unserm Führer zur Seite zu stehen, ihn bekämpften? Nur in einer Beziehung unterscheidet sich unsere heutige Freiheitsbewegung von der unserer Ahnen: nicht mit dem Schwerte wollen wir das gelobte Land wiedergewinnen, sondern in friedlicher Absicht und mit friedlichen Mitteln sind wir bestrebt, unserm ruhelosen Volke eine Heimstätte zu bereiten im Lande der Väter. Zu den Hilfsmitteln des Friedens gehört aber in unsern Tagen wie vor alters nicht zuletzt das Geld, viel Geld. Woher sollen wir nun das viele Geld, das zur Erwerbung einer neuen Heimat nötig ist, herbeischaffen? Die Frage ist wahrlich nicht leicht, doch waren kluge Männer in Israel um die Antwort nicht verlegen. Sie gründeten den Jüdischen Nationalfonds, der jedem Juden die Möglichkeit gibt, sein Scherflein für dieses große Werk beizutragen. Obwohl nun schon so viel über den Nationalfonds gesprochen und geschrieben worden ist, gibts wahrhaftig dennoch Juden auf der Erde, die noch immer nicht über die Bedeutung der so wichtigen Institution unterrichtet sind. Diese armen Menschen kann man nach dem Vorgange der Hagadah in vier Gruppen einteilen. Vier, in der Gemütsart verschiedene Typen lassen sich aufführen: Der Weise, der Bösewicht, der Einfältige und derjenige, der nicht einmal zu fragen versteht. Der Weise fragt: Was bedeutet der Nationalfonds? Ihm antworte: Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, palästinensischen Boden als Gesamteigentum des jüdischen Volkes zu erwerben und auf ewigeZeiten zu erhalten. Vom V. Zionistenkongreß 1901 gegründet, besitzt er heute ein Vermögen von ca. ll/e Millionen Mark. Der Weise wird sich darüber außerordentlich freuen und dafür sorgen, daß die zweite Million bald überschritten werde. «tÖ \LvF® Apv Na+irmalfnnH deinen Verlust nicht, durch deren Abfall unser erscheint. er Bösewicht fragt: Wassolleuch der Nationalfonds? „Euch", sagt er,nicht„uns". Ihm mach die Zähne stumpf und gib ihm zur Antwort: Wenn du dich auch von der jüdischen Gemeinschaft ausschließt, so zählen dich diejenigen, denen du dich aufdrängen möchtest, der doch zu den Juden. Nur machen sie einen Unterschied zwischendir und uns, indem sie dich nicht nur hassen, sondern auch verachten. Und wir beklagen denn du gleichst einer faulen Frucht, edler Stamm reiner und schöner