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Die Welt · 1909-04-02 · 14-15 (2.4.1909) · page 26

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
14-15 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 26)
Language
German
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322 DIEl^ELT No. 14 Daß diese offizielle Auffahrt aber ein interner Akt der Verbindung gewesen sei, ist doch wohl nur eine sehr schwächliche Ausflucht. Die Auffahrt einer Verbindung zur Universität ist immer ein offizieller Akt dieser Korporation. Wenn aber zu einem solchen Akt noch besondere Einladungen an andere, außerhalb stehende Korporationen und Persönlichkeiten ergehen, dann ist es doch einfach lächerlich, von einem internen Akt zu sprechen. Sprechen wir es lieber ganz offen aus, es wurde hier ein gröblicher Fehler gemacht, ein Fehler der Studenten, ein Verfehlen und eine Nachlässigkeit der in Frage kommenden zionistischen Zentralinstanz. Mögen unsere Gegner sich vor Schadenfreude die Hände reiben, mögen sie vielleicht in einem Atem über Gotteslästerung und über Klerikalismus zetern, wir dürfen uns dadurch nicht von dem richtigen Wege abbringen lassen, in unserer Organisation jedem Juden, der an die Zukunft des jüdischen Volkes glaubt und für sie mit uns in unserm Sinne arbeiten will, die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit zu geben. Wir wollen aus dem gemachten Fehler lernen und ihn nicht verdoppeln. Es war ja stets ein Stolz unserer Organisation, daß hier Orthodoxe und Atheisten friedlich und freundschaftlich mit einander arbeiten. Diesen Stolz wollen wir uns erhalten. Wir brauchen ein im Glauben an seine Zukunft und an die Richtigkeit des zionistischen Weges einiges jüdisches Volk. Dieser Aufgabe darf auch unsere Jugend das Opfer bringen, feierliche offizielle Akte nicht in einer Form zu veranstalten, die den allgemeinen Religionsvorschriften widerspricht. Und ich bin fest überzeugt, daß sie es gerne tun wird, wenn wir sie auf ihre Fehler aufmerksam machen, statt sie durch unangebrachtes Lob darin zu bestärken; auch dann, wenn sie in einem Konflikt zwischen der Rücksichtnahme auf studentischen Brauch und der Rücksicht auf die jüdische Gesamtheit und zionistischen Pflicht die Entscheidung treffen müßte. Dr. Emil Margulies, Trautenau Mitglied des Zentralkomitees für Westösterreich z. Z. Kattowitz O. S., 10. 3. 09. ^^/T— t£^^ °o° NACHRICHTEN X. °° M__-£^-J Dr. Katzenelsohn in Palästina, Der Präsident der Jüdischen Kolonialbank, Herr Dr. Katzenelsohn, hat eine Palästinareise angetreten und befindet sich seit kurzer Zeit in Jaffa. Er beabsichtigt seinen Aufenthalt dazu zu benutzen, sich aus eigener Anschauung ein Bild über die günstige Entwicklung und Einrichtung unserer Bankinstitute in Palästina zu machen. Freisprechung Sokolows Aus Warschau wird uns gemeldet, daß in der vor einigen Tagen stattgehabten Berufungsverhandlung, die seinerzeit gegen N. Sokolow erlassenen Verurteilungen wegen Preß Vergehens aufgehoben und Herr Sokolow, der den Verhandlungen persönlich beiwohnte, gänzlich freigesprochen wurde. Dr. Edmund Lachmann Am 28. März verstarb in Berlin Justizrat Dr. Edmund Lachmann. In ihm verliert die deutsche Judenheit einen ihrer unermüdlichsten Vorkämpfer. Als Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Juden, als Vorstandsmitglied des Hilfsvereins der Deutschen Juden, als Mitglied der Jewish Colonisation Association entfaltete er eine reiche, ersprießliche Tätigkeit im Interesse seiner Stammesbrüder. Wir behalten uns vor, auf die Bedeutung des Entschlafenen noch näher zurückzukommen. Ungarn (Von unserm Berichterstatter) Aus der Bewegung Die zionistische Werbearbeit greift trotz vielfacher Hindernisse immer weiter um sich und zeitigt stets neue Erfolge, die zu guten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen. Seit unserm letzten Berichte ist abermals eine Reihe neuer Vereine entstanden. In Szatmär hat sich dank der aufopfernden Agitationstätigkeit unseres Gg. Herrn Leopold Lebowits neben den bereits bestehenden Vereinen ein neuer Verein auf misrachistischer Basis konstituiert, welchem die leitenden Kreise der dortigen orthodoxen Judenheit beigetreten sind. Es ist dies ein erfreuliches Zeichen dafür, daß unsere Idee langsam auch in den streng-konservativen Gruppen der ungarischen Judenheit immer mehr Verständnis findet. — In Pöstyön wurde unter Leitung des Gg. Dr. Leo Alexander ein Verein gegründet, dem die meisten Mitglieder der dortigen Gemeinde beitraten. — In Kismarton (Eisenstadt), der letzten Judengemeinde, die ihre uralte politische Autonomie in die Neuzeit herübergebracht hat, gelang es unserm wackern Gg. Herrn Jakob Buxbaum, den Boden für eine erfolgreiche Agitation vorzubereiten. Am 21. März fand dortselbst bei einer überaus regen Beteiligung aus Stadt und Provinz unter Leitung des jüdischen Oberbürgermeisters eine Agitationsversammlung statt, zu welcher das Landeskomitee die Herren Leopold Lebowits und Ingenieur Armin Beregi delegiert hatte. Die überzeugende Beredsamkeit der beiden Redner hatte die Gründung eines Frauen- und Männervereins zur Folge. — Auch in Budapest bildete sich unter Leitung des Stadtverordneten Dr. Josef Fischer neben den bestehenden sechs alten Vereinen ein neuer, der speziell die Juden des VIII. Stadtbezirks umfassen wird. — Anläßlich des Purimabends veransfaltete die akademische Vereinigung „Makkabaea" einen sehr gelungenen Purimkommers, der alle Kreise der Budapester zionistischen Gesellschaft vereinigte. Auf einen ernsten Teil, wo unter andern Landespräsident Dr. Bela Österreicher, Dr. Nison Kahan, Dr. Josef Schönfeld und Dr. Baruch Tomaschoff sprachen, folgte ein „jungtürkischer" Abend, der in fröhlicher Laune bis in die Morgenstunde währte. Die „Makkabaea" hatte auch eine Purimzeitung in vielen Hundert Exemplaren drucken lassen, in welcher die Helden der ungarischen Assimilationspolitik mit beißender Satire „verherrlicht" werden. Das Blatt verfehlte nicht, in den weitesten Kreisen Aufsehen zu erregen. — Am 24. März veranstaltete der Mädchenverein „Deborah" eine gelungene Matinee, bei welcher Gelegenheit die Präsidentin Frl. Jolän Molnär in einer inhaltreichen, formschönen Rede über die Pflichten der jüdischen Frau ihrem Volke gegenüber sprach. — Das weitere Landeskomitee hat beschlossen, die diesjährige Landeskonferenz am 30. und 31. Mai in Budapest abzuhalten. Für die Konferenz, die diesmal mit einer Bezalelausstellung verbunden sein wird und besonders groß auszufallen verspricht, gibt sich bereits ein reges Interesse kund. Baron Siegmund Kornfeld Am 24. März starb in Budapest im Alter von 57 Jahren einer der bedeutendsten Finanzmänner Ungarns und der angesehenste Jude des Landes, Baron Siegmund Kornfeld. In Mähren geboren und in Wien erzogen, widmete er sich frühzeitig dem kaufmännischen Berufe. Schon als 20jähriger Jüngling bekleidete er den Direktorposten einer bedeutenden Prager Bank und wurde kurze Zeit darauf nach Budapest zum Leiter der Ungarischen Kreditanstalt berufen. In dieser Stellung wurde Kornfeld bald der Führer des ungarischen Finanzlebens, und es gibt im Lande nur wenige wirtschaftliche, finanzielle, Industrie- und Handelsunternehmungen, an denen der Verstorbene als Leiter, Gründer oder Förderer nicht beteiligt gewesen wäre. Er war ein ständiger Berater sämtlicher ungarischen Regierungen in finanzpolitischen Fragen und galt als „Staatsbankier" der St. Stefanskrone. Als Präsident der Budapester Börse verstand er es, die Interessen des Kaufmannsstandes stets energisch zu wahren. Seine Verdienste wurden öfters durch hohe Ordensauszeichnungen geehrt. Er war auch lebenslängliches Mitglied des Magnatenhauses, und noch kurz vor seinem Tode verlieh ihm der König die erbliche Baronswürde. Trotz seiner hohen Würden war Kornfeld stets ein guter Jude, der, wenn er auch dem nationalen Judentum fern stand, es stets vermied, am marktschreierischen Assimilationsrummel der magyarischjüdischen „Magnaten" teilzunehmen, und mit seinem puritanen Charakter jederzeit bestrebt war, offen und ehrlich die Interessen der ungarischen Judenheit wahrzunehmen. Als Vizepräsident der Budapester Kultusgemeinde, als Inspektor des Rabbinerseminars, als Direktionsmitglied sämtlicher jüdischen Wohlfahrtsinstitute nahm er an allen kulturellen und Wohltätigkeitsunternehmungen der ungarischen Judenheit mit Rat und Tat regen Anteil. Sein Andenken wird in der ungarischen Judenheit noch lange fortleben. Die Leichenfeier fand am 25. März unter riesiger Beteiligung statt. Die Regierung war durch Ministerpräsident Wekerle vertreten. Erschienen waren überdies fast sämtliche Staatssekretäre, die Leiter sämtlicher Behörden, der Oberbürgermeister, die Akademie der Wissenschaften, die Vertreter sämtlicher ungarischen und vieler ausländischen Finanzinstitute. Die Presse würdigte ausnahmslos mit größtem Lobe die Verdienste des Verstorbenen.

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