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Die Welt · 1909-04-02 · 14-15 (2.4.1909) · page 23

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
14-15 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 23)
Language
German
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No. 14 DIEXaEELT stalteten eine Sammlung von Haus zu Haus und erreichten dadurch, daß das diesjährige Resultat das des Vorjahres bedeutend übertrifft. Während wir im vorigen Jahre insgesamt nur rund Jt 1300 für Schekel hier einnahmen, erbrachten allein die Sammlungen an den Schekeltagen in diesem Jahre schon über Jl 1500. Dabei steht das Resultat aus den Vorstädten noch aus, und ist die Sammlung überhaupt noch nicht geschlossen. Erfreulicherweise können wir feststellen, daß wir nur selten eine Absage erhielten, wenn wir wegen des Schekels bei den verschiedenen Häusern vorsprachen. Wir können diese Art des Sammeis überall nur sehr empfehlen. Deutsch-Südwestafrika Lüderitzbucht. Hier wohnen etwa 25 Juden, infolge der Diamantfunde sind neuerdings noch ca. 25 zugezogen. Und es ist ein schöner Beweis für die Kraft der zionistischen Idee, daß, als bekannt wurde, daß hier eine zionistische Vereinigung gegründet werden sollte, sich sämtliche hier anwesenden Juden sofort bereit erklärten, mitzuarbeiten. In der Gründungsversammlung am 24. Januar fehlte denn auch keiner der Lüderitzbuchter Juden, und alle ohne Ausnahme erklärten ihren Beitritt. Unser wackrer Gesinnungsgenosse, Herr Zuckermann aus Kapstadt, sammelte bei dieser Versammlung 50 Schekel und setzte fünfundfünfzig Aktien der Jüdischen Kolonialbank ab. Für den Nationalfonds und andere zionistische Zwecke wurden rund JC 180 gesammelt. Vorsitzender der Versammlung war Herr Glaser aus Kapstadt, der eine enthusiasmierende Ansprache hielt. Von auswärtigen Gästen waren noch erschienen: Herr J. L. Maister-Kapstadt, Herr A. H. Miller- Upington, Herr Danziger aus Johannesburg. Letzterer hielt die begeisterungsvolle Schlußrede. Brief aus Saloniki (Von unserem Berichterstatter) Der „Cercle des Intimes" Der Klub „Cercle des Intimes", über den wir schon mehrfach berichteten, entfaltet neuerdings eine lebhafte Tätigkeit zwecks Organisierung der hiesigen jüdischen Gemeinde. In allen Fragen, die die Stärkung und Erhaltung des Nationalgefühls anlangen, ergreift der Klub mit bemerkenswertem Geschick die Initiative. Es dürfte daher zweifellos interessieren, einige nähere Angaben über diesen Verein zu erhalten. Der Verein besteht jetzt seit ungefähr 9 Monaten und zählt bereits 250 Mitglieder aus allen Schichten der hiesigen Judenheit, darunter viele Zionisten. Zweck des Vereins ist die nationale und moralische Förderung und Organisierung der Juden Salonikis. Bis jetzt hat der Verein bereits 58 Korporationen von Handwerkern, Arbeitern und Angestellten mit insgesamt 28000 Angehörigen unter seiner Oberleitung organisiert. Er hat für jeden einzelnen Verein Statuten ausgearbeitet, Sparkassen gegründet usw. Im Einverständnis mit dem Chachambaschi Jacob Meir widmet er sich auch der Reform der hiesigen Gemeindeverwaltung. Vor kurzem veranstaltete der Klub eine große Versammlung der jüdischen Fuhrleute, Lastträger und Bootsleute in einer Synagoge. Herr Jehuda Asseio, Vorstandsmitglied des Klubs, hielt eine^ Ansprache, in der er die Erschienenen aufforderte, sich zu organisieren und Maßregeln zu treffen, um ihren Kindern eine gute Erziehung zu geben. Vor 2 Wochen fand auf Veranlassung des Klubs wiederum eine große Volksversammlung statt, die ebenfalls Herr Asseio durch eine Rede einleitete. Ihm folgte Herr David Florentin, Chefredakteur des „El Avenir", der in begeisterten Worten die Menge über Wesen und Pflichten einer Nation aufklärte, und ihnen wiederum insbesondere die gute Erziehung ihrer Kinder ans Herz legte. Zwecks Reformierung der Gemeindeverwaltung hat der Klub eine Kommission eingesetzt, die sich mit der Ausarbeitung einer großen Anzahl von Projekten befaßt, von denen hier die wichtigsten angeführt seien: Veranstaltung einer Ausstellung jüdischer Arbeiten in Saloniki, Vereinigung aller bestehenden „Chawrat" (Chedarim) zu einer großen Schule. Die letztere Aufgabe ist besonders bedeutungsvoll, da die Erziehungsverhältnisse hier noch recht viel zu wünschen übrig lassen. Von den mehr als 15000 Kindern besuchen ungefähr 4000 die allgemeinen Schulen und die Talmud-Thoraschule, ca. 4000 die sogenannte Chawrat, und ungefähr 7000 jüdische Kinder wachsen ohne jede Erziehung auf. Außerdem beabsichtigt der Klub eine Halbmonatsrevue herauszugeben, die den Namen „Hauna" (Die Nation) führen und der Behandlung aller kulturellen und nationalen Fragen der türkischen Judenheit gewidmet sein sollen. Der Klub beschäftigt sich auch eingehend mit dem Projekt der Gründung 319 einer jüdischen Bank, das durch den geschäftlichen Boykott, der neuerdings von den Griechen gegen die Juden ausgeübt wird, besonders aktuell ist. Organisation der jüdischen Kaufleute Vor ca. drei Wochen haben sich die hiesigen jüdischen Kaufleute zu einer Organisation vereinigt, an deren Spitze die Herren Samuel Modiano, Gemeindepräsident, Gasis, A. Erera, A. Baton und S. Tyano stehen. Die Organisation bezweckt die Entwicklung des jüdischen Handels in Saloniki und seine Verteidigung gegen Angriffe von außerhalb. Auch diese Vereinigung beschäftigt sich ernstlich mit dem Plane der Gründung einer jüdischen Bank. Griechen und Juden Der Gegensatz zwischen Griechen und Juden, der sich hier neuerdings in so peinlicher Weise bemerkbar macht, wird durch allerlei Gewalttaten der Griechen immer mehr verstärkt. Die Griechen haben es auf eine vollständige Vernichtung des hiesigen jüdischen Handels, der Lebensader der Stadt abgesehen, und suchen dieses Ziel mit allen Mitteln zu erreichen. Sie boykottieren z. B. die jüdischen Lastträger und Fuhrleute, so daß sich die jüdischen' Kaufleute gezwungen sehen, ihre Waren nur unter der Bedingung zu verkaufen, daß zu ihrer Expedition jüdische Fuhrleute und Träger verwandt werden. Die griechischen Banken, die von der griechischen Regierung unterstützt werden, suchen ebenfalls den jüdischen Handel nach Möglichkeit zu benachteiligen. Zionistische Tätigkeit Der Verein „Bnei-Zion" entfaltet eine immer lebhaftere Tätigkeit und gewinnt immer mehr neue Mitglieder. Der Verein betreibt mit Nachdruck Propaganda für den Verkauf der Aktien der Bank, von denen er bereits über 50 bestellt hat. Auch die Arbeit für den Nationalfonds, Bezalel usw. wird mit Energie durchgeführt. Bisher sind bereits 500 Schekel gesammelt, und an die Kolonialbank abgeführt worden. Auf Anregung einiger Zionisten wurde im hiesigen Edentheater das Schauspiel „Dr. Kohn" von Max Nordau zwei Mal in italienischer Sprache aufgeführt. Die Vorstellungen waren beide Male sehr gut besucht und fanden lebhaften Beifall. In Smyrna hat sich auf Veranlassung hiesiger Gesinnungsgenossen vor kurzem ein Verein „Ibrith" zur Pflege der hebräischen Sprache gebildet. Am 29. Schewat fand die erste Versammlung des Vereins statt, in der Herr Moses Halevi einen geistreichen Vortrag hielt. Ein Beispiel für die fortschreitende Vorbreitung des zionistischen Gedankens in der Türkei bildet die jüdische Gemeinde in Gumuldjina, einem kleinen Städtchen, das ungefähr drei Stunden von Saloniki entfernt liegt. Es wohnen dort ca. 260 jüdische Familien. Die Gemeinde unterhält eine Knaben- und Mädchenschule. Die Knabenschule zählt vier Klassen, hat einen Direktor, vier Lehrer und 160 Schüler, die Unterricht im Hebräischen, Türkischen und Französischen erhalten. Die Mädchenschule besteht aus einem Kindergarten und drei Klassen und zählt eine Leiterin, 2 Lehrerinnen und 70—80 Schülerinnen. Durch Mitglieder des Vereins Bnei-Zion ist der Zionismus auch in dieses Städtchen gedrungen. Schon hat eine lebhafte Agitation für den Schekel eingesetzt. Die Zeit vergeht Saloniki, 14. März 1909. Dr. Riza Tewfik Bey, der Deputierte von Adrianopel, weilt seit drei Tagen zum Besuche des Deputierten von Saloniki, Djarid Bey, in unserer Stadt. Ich habe die Gelegenheit seines Aufenthaltes benutzt, und ein Gespräch mit dem Politiker-Philosophen gehabt, der eine Schwäche für Saloniki und die Juden hat. Es scheint mir interessant, Ihnen die Erklärungen Riza Tewfik Beys mitzuteilen, die ich gleichzeitig in der „Epoca" und dem „Journal de Salonique" veröffentlichen werde: „Sie haben schon den hauptsächlichen Inhalt der Erklärung veröffentlicht, sagte mir der berühmte Deputierte, die ich in meiner Rede im israelitischen Klub von Balat abgegeben habe. Sie enthält meine Gedanken über den Zionismus. Indessen habe ich noch nicht gesagt, was ich über die Zionisten denke. Ich finde, sie verlieren ihre Zeit in Konferenzen, in fruchtlosen Dissertationen! Wem dienen diese Diskusionen, wenn nicht Ihren Feinden, — denn Sie haben deren viele auch in der Türkei, — denen sie Gelegenheit geben, aus Ihren Fehlern Nutzen zu ziehen? Darum genug der Worte, an die Tat, damit man zum Tun komme.

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