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Die Welt · 1909-04-02 · 14-15 (2.4.1909) · page 22

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
14-15 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 22)
Language
German
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318 DIE ELT No. 14 Zusammengehen mit der Ito mit Bezug auf die Ansiedlung von Juden in Mesopotamien empfohlen. Wenn der von der Ito angekündigte Bericht über Cyrenaica günstig sein sollte, werde man voraussichtlich eine zweite Auflage der Ostafrikasache erleben. Es sei unbedingt erforderlich, daß der Zionismus der Führer untadelig sei, aus diesem Grunde stimme er für die Verlegung nach Manchester. Nach der Mittagspause wurden die Beratungen fortgesetzt. Herr Greenberg führte aus, daß wenn er gewußt hätte, daß Herr Sacher eine solche Rede halten werde, er seine Resolution nicht eingebracht hätte. Er betrachte die Frage der Verlegung nicht als eine solche des Prinzips, es sei lediglich eine Frage der Nützlichkeit. Er leugnete das Vorhandensein von zwei Arten von Zionismus und erkläre, daß er einer der ersten gewesen sei, der dem Aktionskomitee die Notwendigkeit praktischer Arbeit in Palästina vor Augen geführt habe. Was Mesopotamien anlange, so glaube er als Zionist, daß es ein gutes Ding wäre, wenn dieses für die jüdische Kolonisation verfügbar sei, da Mesopotamien ausdrücklich zu den Nachbarländern gehöre, die in den Statuten der Kolonialbank aufgeführt seien. Er beschrieb den Gang der Verhandlungen gelegentlich des Ostafrikaprojektes und bewies, daß er persönlich dagegen gewesen sei, und daß er lediglich nach den Weisungen des seligen Dr. Herzl verfahren habe. Noch mehr, er sei der erste in diesem Lande gewesen, der dem Territorialismus den Krieg erklärt habe, und er habe in Sheffield eine Resolution gegen ihn beantragt. Herr Sacher habe der zionistischen Sache einen sehr schlechten Dienst erwiesen, indem er die Frage der Verlegung der Zentrale zu einer Prinzipienfrage gestempelt habe. Er, Greenberg, glaube, daß der einzige Weg, aus den Schwierigkeiten herauszukommen, darin bestände, daß man Dr.Dreyfuß zum Präsidenten wähle. Herr Dr. Dreyfuß, mit lebhaftem Beifall empfangen, sagte, er sei zur Konferenz gekommen auf das dringende Ersuchen des Herrn Greenberg und des Herrn Wolffsohn. Er komme gegen seinen eigenen Willen, aber mit der einzigen Absicht, Frieden zu stiften. Wenn er die Präsidentenschaft übernehme, sei er sich der Verantwortung und der schweren Last, die das bedeute, sehr wohl bewußt. Er sei nicht einverstanden mit denen, die von zwei Arten Zionismus sprächen. Er ziehe es vor, daß die Zentrale nach Manchester verlegt würde, da ihm dies die Arbeit sehr erleichtern würde. Er fühle indessen, daß die Zeit gekommen sei, wo er sich ohne Vorbehalt der Sache zur Verfügung stellen müsse. Es sprachen noch die Herren Joseph Cowen, J. K. Goldboom und Israel Cohen. In der Abstimmung wurde die Resolution, die empfahl, die Zentrale nach Manchester zu verlegen, mit 26 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Die Wahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Ehrenpräsident: Sir Francis Montefiore, Präsident: Dr. Charles Dreyfuß, Vizepräsident für London: L. J. Greenberg, Vizepräsident für die Provinz: J. Moser. Zu Mitgliedern des Zentralkomitees in London wurden gewählt die Herren: Israel Cohen, Joseph Cowen, H. Ginzburg, J. K. Goldbloom, S. Goldreich, S. B. Rubinstein, Dr. J. M. Salkind. Als Provinzialmitglieder des Zentralkomitees wurden gewählt die Herren: J. Danziger-Newcastle, Dr. J. Fuchs-Liverpool, Sol. Goldberg-Leeds, Dr. Ernst Harris-Dublin, J. Lewis-Cardiff, Rev. J. Raffalovich-Liverpool, P. M. Raskin-Leeds, P. Sherman-Glasgow, Rev. Dr. J. Strauß-Bradford. Kroatien Slawonien Zionismus in Kroatien Die zionistische Bewegung in Kroatien, von Hochschülern, die sich in Wien im akademischen Verein „Bar-Giorah" sammelten, ins Land getragen, kann nunmehr auf die Sympathien der weiten Schichten der jüdischen Bevölkerung rechnen. Der Wahlkampf in Esseg, wo bereits zwei zionistische Studententage stattgefunden haben, lieferte den Nachweis, daß die Juden dieser Gemeinde eine zionfetische Leitung wünschen. An der Spitze der Esseger Kultusgemeinde steht das Mitglied des zion. Aktionskomitees, Herr Dr. Hugo Spitzer. Das war der assimilatorischen Opposition, deren Sprecher Herr Marko Huszar ist, sehr unbehaglich. Die Gemeindeversammlung vom 28. Februar sollte zu einer Säuberung der Kultusstube von der „importierten Giftpflanze" Zionismus führen. So kündete es Herr Huszar. Ein possierlicher Mensch übrigens. Den Esseger Juden, versicherte der gute Finanzsekretär, daß sie Kroaten seien, freilich mosaischer Konfession. Er selbst erlaubt sich noch obendrein den Luxus, Magyara derselben Konfession zu sein. Die Esseger Juden glaubten ihm aber leider nicht. Der von der Opposition eingebrachte Resolutionsantrag verdient verewigt zu werden. Es ist ein historisches Dokument. Die kroatisch-magyarisch-patriotische Enunziation lautete: „Mit Rücksicht auf den Umstand, daß ein bedeutender Teil der hiesigen Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde nicht nur mit den Tendenzen des Zionismus nicht einverstanden ist, sondern die aus dem Auslande importierte Giftpflanze mit der hingebungsvollen Treue und Liebe zur Mutter Erde nicht vereinbar hält, mit Rücksicht ferner auf jene Tatsache, daß die israelitische Kultusgemeinde berufsmäßig nicht nur für die konfessionellen und kulturellen Bedürfnisse ihrer Angehörigen zu sorgen hat, sondern auch im übertragenen Wirkungskreise durch die Führung des Matrikelwesens amtliche Funktionen versieht, geben wir der Befürchtung Ausdruck, daß bei dem Umstände, daß unser hochgeehrter Herr Präsident leider auch ein enragierter Zionist ist, in der Führung der Kultus- und Unterrichtsangelegenheiten eventuell jene zionistischen Strömungen Raum finden könnten, die wir im Interesse des harmonischen Zusammenwirkens aller Faktoren der israelitischen Kultusgemeinde aus dem Amtshause der Gemeinde vollkommen ausschließen wollen usw. Schließlich stelle ich an den Präsidenten der isr. Kultusgemeinde, Herrn Dr. Hugo Spitzer, das Ersuchen, vor dieser Generalversammlung dezidiert zu erklären, daß in der Leitung der Gemeindeagenden jede zionistische Tendenz, welche ich mit dem Patriotismus unserer isr. Kultusgemeinde für unvereinbar halte, mit aller Energie und Entschlossenheit ausgeschlossen werden wird." Die Resolution wurde abgelehnt, und die zionistischen Kandidaten, die Herren Dr. Spitzer, Jonas Berger, Otto Fellner, Alexander Justus, Max Kraus, J. N. Schulhof, Emanuel Herman, Sandor Dorner, S. Halbasz, Samuel Rottmann, Leopold Singer, Ludwig Szekler, Leopold Taubner, S. Wolf, Ignaz Zwieback, Ludwig Boszan, Gustav Kobsa, Dr. Aladar Klein und Jakob Wotiz wurden mit 158 gegen 48 Stimmen in allen drei Klassen gewählt. Herr Dr. Spitzer und J. N. Schulhof wurden am 8. März wieder zum Präsidenten und zum Vizepräsidenten der Gemeinde einhellig gewählt. — Die ehrliche Arbeit, die vom Verein „Theodor Herzl" in Esseg und der Zeitschrift „Zidovska Smotra" (Jüdische Rundschau) geleistet wurde, trug also reiche Ernte. Die Assimilation kämpft auch in Kroatien ihren Todeskampf. Sie ist übrigens schon seit Jahren sehr konfus. Wir besinnen uns, wie im Jahre 1903 in der Agramer Kultusgemeinde eine Sympathiekundgebung für die Opfer des Kischinewer Pogroms beschlossen wurde. Sie wurde vom Antragsteller folgendermaßen begründet: Die Kischinewer Opfer seien Russen, also Slaven, folglich ziemt es sich für die Kroaten (mosaischen Glaubens) die armen Kischinewer Russen ihres Mitgefühls zu versichern. Wenn man so sinnreich begründet, hat man es ehrlich verdient, aus den jüdischen Gemeindevertretungen hinweggefegt zu werden. Südafrika „The Zionist Record", das offizielle Organ der südafrikanischen Zionistenfederation, bewährt sich als ausgezeichnetes Propagandamittel und leistete jetzt schon, nachdem erst 5 Nummern erschienen sind, der Bewegung große Dienste. Ein Exemplar der monatlich erscheinenden Zeitschrift wird bekanntlich allen zionistischen Vereinen Südafrikas kostenlos zugesandt. Das Blatt enthält die offiziellen Bekanntmachungen der Federation, die ausführlichen Protokolle der Vorstandssitzungen, die Spendenlisten, Vereinsberichte usw. Ein großer Teil der Februarnummer ist dem Schekel gewidmet In eindringlichen Worten macht die Redaktion auf die Pflicht jedes einzelnen aufmerksam, unverzüglich den Schekel abzuführen und der Leitung die Mittel zur Durchführung ihrer großen Aufgabe zur Verfügung zu stellen. Die Federation hat neuerdings ein eigenes Propagandabureau eingerichtet, das aus den freiwilligen Beiträgen der Vereine unterhalten wird. Das Bureau soll die Vereine mit Rednern und Vortragsmaterial versorgen, Flugschriften und Broschüren herausgeben, Material für nationale gesellige Veranstaltungen zusammenstellen, die nationale Erziehung der Jugend in die Hand nehmen usw. usw. Die South African Zionist Federation hatte Purim als Schekeltag festgesetzt und bestimmt, daß die Sammlungen in den beiden darauffolgenden Wochen mit unvermindertem Eifer allerorten fortgesetzt werden müßten. Den Schluß der Veranstaltungen, die zu diesem Zwecke zu treffen sind, sollte eine Massenversammlung bilden, die in jeder Stadt abgehalten werden soll. In Johannesburg ergab die Sammlung eines einzigen Tages bereits 1700 Schekolim. Es ist zu erwarten, daß diese Zahl infolge der Veranstaltungen der nächsten vierzehn Tage beträchtlich wachsen wird. Oberhaupt kann mit einem beträchtlichen Zuwachs an Schekeln in Südafrika gerechnet werden. Kapstadt. Aus Kapstadt erhalten wir noch folgenden Bericht über die Schekelsammlung und die Arbeiten der dortigen Vereine: Die Schekelsammlung hier hatte einen großen Erfolg. Wir veran-

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