Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 14-15 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Nu. 14 DIES^ELT 317 nach wirklicher Gleichberechtigung mit den Christen bitter enttäuscht werden. Dr. Cassel fordert scharfes politisches Abrücken von jedem Täufling. Dr. Kollenscher sprach dann gegen die neue liberale Vereinigung in Posen und konzentrierte seine Anschauungen in den Worten „Vom liberalen Judentum über das Reform Judentum ist stets der Weg zur Taufe gegangen". Dr. Jeremias unterzog sodann den Vorstand des Zentralvereins, dessen Generalversammlung unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfand, und das Verhalten einzelner Vorstandsmitglieder in der schmachvollen Mugdan-Affaire einer vernichtenden Kritik. Dr. J. stellt sich auf den Standpunkt, daß jede Taufe unwürdig ist, und fordert daher schärfste wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykottierung jedes getauften Juden. « Nach einer lebhaften, durchaus auf der Höhe bleibenden Diskussion, in der allerdings auch abweichende Meinungen von liberalen Gesinnungsgenossen zum Wort kamen, schloß die Versammlung um 12 Uhr. Am 27. Februar hielt Herr Heinrich Wollheim ein Referat über Judentum und Arabertum. Referent behandelte dies Thema ausführlich über die vormohammedanische Zeit und die Juden in der islamitischen Zeit, und wies nach, wieviel Mohammed aus jüdischen Quellen geschöpft hat und wieviel anderseits die arabischen Juden des Altertums und Mittelalters arabische Gebräuche und Lebensgewohnheit angenommen hatten. Den Redner lohnte reicher Beifall. Qalizien Zionistischer Landesparteitag in Lemberg Das Zentralkomitee der zionistischen Landesorganisation Galiziens gibt folgende Tagesordnung des am 18. und 19. April stattfindenden Zionistentages bekannt: I. 1. Eröffnung der Konferenz (Dr. Markus Braude). 2. Annahme der Beratungsordnung. 3. Wahl des Präsidiums und Bureaus. 4. Wahl des Verifikations- und Permanenzausschusses. II. 1. Tätigkeitsbericht des Zentralkomitees, (Leon Wechsler). 2. Tätigkeitsbericht des Jüdischen Klubs, (Abg. Adolf Stand). III. Die nächsten Aufgaben der zionistischen Organisation in Galizien. 1. Die Arbeit für Palästina, (Dr. Samuel Rappaport). 2. Die politische und wirtschaftliche Tätigkeit im Lande (Dr. Michael Ringel). 3. Die kulturelle Tätigkeit (Dr. Osias Thon). IV. Organisation, Agitation und Presse, (Efraim F. Waschitz). V. Wahl des Zentralkomitees. An der Konferenz nehmen teil: die Mitglieder des Zentralkomitees, die galizischen Mitglieder des Aktionskomitees und des Jüdischen Klubs, je fünf Delegierte der vier Distriktskomitees; jeder der zionistischen Landesorganisation angehörende Verein wählt einen Delegierten. Wie wir erfahren haben, hat das Lemberger Zentralkomitee die Absicht, Herrn Prof. Dr. War bürg einzuladen, das Palästinareferat zu übernehmen. Kreiskonferenz Am 8. April 1909, vormittags 9 Uhr, findet im Lokale der Chowewe Zion in Rzeszow die erste Kreiskonferenz der Zionisten aus Rzeszow, Jaslo undRimanow statt mit folgender Tagesordnung1 1. Begrüßung, Wahl des Bureaus und der Verifikationkommission' 2. Bericht: a) Für Rzeszow (Referent: Gg. Dr. Hopben), b) Für Jaslo—Rimanow (der Delegierte dieses Kreiskomitees). 3. Organisation, Agitation und Presse (Referent: Gg. Ben-Zion Fett). 4. Unsere palästinensische Arbeit (Referent: Delegierter des Krakauer Distriktskomitees). 5. Unsere Stellungnahme zur bevorstehenden Landeskonferenz (Referent: Gg. Dr. Lecker). 6. Organisation der jüdischen Frauen (Referent: die Delegierte des Vereines „Sulamith", in Rzeszow). 7. Vereinigung der Rzeszower und Jaslo-Rimanower Komitees und Wahl des neuen Kreiskomitees. Am Abend desselben Tages findet eine Volksversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die Konsitution in der Türkei und die Juden. 2. Unsere palästinensischen Institutionen. England (Von unserm Berichterstatter) Spezialkonferenz der English Zionist Federation in Leeds Die Spezialkonferenz von Delegierten der Vereine der English Zionist Federation fand am Sonntag den 28. März in Leeds im Hotel Metropole statt. 44 Delegierte waren anwesend, die 27 Vereine vertraten. Der Vizepräsident der Federation, Herr L. J. Greenberg, führte den Vorsitz, Herr Israel Cohen fungierte als Schriftführer. Von bekannten Gesinnungsgenossen, die anwesend waren, seien erwähnt die Herren: Dr. Charles Dreyfuß-Manchester, Joseph Cowen, S. Goldreich, Rev. Dr. Strauß-Bradford, Dr. Salkind, P. M. Raskin- Leeds, Sol. Goldberg-Leeds, J. K. Goldbloom, H. Ginsburg, H. Sacher, S. B. Rubinstein u. v. a. Herr Greenberg eröffnete die Sitzung mit der Erklärung, daß die Konferenz auf ein von 20 Mitgliedern des Zentralkomitees ausgehendes Ersuchen einberufen sei. Sie habe den Zweck, Mittel und Wege zu finden, um der unerfreulichen Stockung ein Ende zu machen, in die die Federation infolge der vor zwei Monaten in Sheffield erfolgten Resignation des Herrn Gaster und einiger seiner Kollegen verfallen sei. Er beschrieb die verschiedenen Schritte, die er getan habe, um das Werk der Federation fortzusetzen. Er habe von Herrn Wolffsohn einen Brief erhalten, in dem dieser ihm einen Vorschlag übermittelte, der von den Herren Moser und Bentwich gemacht wurde, dahingehend, daß der Sitz der Federation nach Manchester verlegt werde, daß Dr. Dreyfuß zum Präsidenten, die Herren Moser und Bentwich zu Vizepräsidenten und Dr. Weitzmann zum Schriftführer im Ehrenamt gewählt werden sollen, daß ferner die nach Leeds einberufene Konferenz nicht stattfinden und an ihrer Stelle eine Konferenz nach Manchester von Dr. Gaster einberufen werden solle. Er habe erwidert, daß er sich nicht auf irgendein Komplott oder eine Intrigue einlassen, sondern die ganze Sache dem Zentralkomitee überlassen werde. Das Zustandekommen der Konferenz sei gestört worden durch zwei Zirkulare, die vom offiziellen Bureau der Federation ausgegeben und von der Schreibmaschinistin des Bureaus unterzeichnet seien, deren Ausgabe indessen auf Weisungen des Herrn Dr. Gaster zurückzuführen sei. Das zweite dieser Zirkulare sei ehr ernst zu nehmen, da in ihm gesagt werde, Herr Wolffsohn habe Weisung zur Verlegung der Leedser Konferenz gegeben und habe die Londoner Mitglieder des Vorstandes aufgefordert, ihr Amt niederzulegen. Er habe sofort geschrieben, um die Wahrheit dieser Behauptung festzustellen, und Herr Wolffsohn habe erwidert, daß er außer dem Briefe an ihn (Greenberg), den er soeben erwähnt habe, und außer zwei Schreiben an die Herren Dr. Dreyfuß und Weitzmann, in denen er ebenfalls die Verlegung der Zentrale nach Manchester resp. die Wahl des Herrn Dr. Dreyfuß zum Präsidenten empfohlen habe, weiter nichts geschrieben habe, und daß jede Mitteilung, die mehr besage, unrichtig sei. Die Frage sei jetzt, die Zukunft zu erörtern, nicht die Vergangenheit. Fünf Vereine hätten ihn (Greenberg) für die Wahl als 1. Präsidenten vorgeschlagen, aber er möchte dieses Amt nicht annehmen, weil sein Name zu sehr mit dem Zwist der letzten Zeiten verknüpft sei. Er habe nur gegen die Politik des Ausschlusses und der Exkommunikation gekämpft. Er stände auf dem Grundsatz, daß alle, die von dem Zentralkomitee gewählt seien, sich dessen Entscheidung unterwerfen und zusammenstehen müßten. Er schlage vor, Herrn Dr. Charles Dreyfuß zum Präsidenten zu wählen und die Zentrale der Federation nach Manchester zu verlegen. Er glaube, daß auf diese Weise der Geist der Parteiung verschwinden und die Einigkeit zurückkehren werde. Er unterbreite deshalb eine Resolution des Inhalts, daß die Zentrale der Federation nach Manchester verlegt werde. Rev. Dr. Strauß-Bradford unterstüzte diese Resolution. Er betonte, daß Manchester eine Gemeinde von 30 000 Juden sei und daß daher dort die Geschäfte der Federation zur Zufriedenheit geführt werden könnten. Es folgte eine lange Debatte, an der eine große Zahl von Sprechern teilnahm. P. M. Raskin-Leeds sprach für die Resolution, da dadurch der lange geübten Vernachlässigung der Provinzvereine ein Ende bereitet werde. Auch plädierte er für die Anstellung eines bezahlten Sekretärs. Schenkin-Glasgow äußerte Zweifel, ob sich in Manchester genügend geeignete Leute zur Führung der Geschäfte finden möchten. Sol. Goldberg-Leeds befürchtete von der Verlegung nach Manchester eine Minderung des Ansehens der Federation. H. Sacher-Manchester trat sehr warm für die Resolution ein, nicht sowohl weil dadurch der Streit beendet würde, aber weil er dem Zionismus Greenbergs mißtraue.' Dieser habe seit dem Ostafrikaprojekt mit dem Territorialismus geliebäugelt' und habe noch kürzlich in einem Leitartikel des „Jewish Chronicle" ein