Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 14-15 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Und sie beginnen die kalte, nackte Wahrheit zu begreifen. Und es wird ihnen alles klar, alles, was sie gehört, was sie bis dahin gesehen haben. Nur eins können sie nicht fassen: Wozu hat der türkische Shawl immer wieder sich gerühmt, Gott möge ihr dafür helfen, daß sie ihm so ein Pärchen gezüchtet hat. Das soll also Gott haben? Ist das ihmlieb? Ach, was für ein böser Gott muß es sein bei den wilden Menschen. In einigen Minuten lagen unsere stolzen Indianvögel, das unglückliche Liebespärchen, auf der Erde, gemein niedergeschlachtet. Sie schmiegten ihre aufgeschnittenen, noch warmen Hälse aneinander und sahen von der Ferne aus, als ob sie schliefen und träumten, --süße, goldene Träume. Über sie wurde der Spruch gesagt: Haneehowim, wehaneimim Bechajeihem, ubemosom Lo nifrodu. Die lieben und getreuen! Sei's beim Leben, sei's beim Tojd Haben sie sich nicht gescheidt.10) o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o Propaganda für den Verkauf von Aktien der Anglo=Palestine-Company Die Zionistische Vereinigung für Deutschland entfaltet jetzt eine lebhafte Agitation für den Verkauf von Aktien der Anglo-Palestine-Company. Sie kommt damit einem Beschlüsse des Engeren Aktionskomitees nach, der jetzt auch vom Großen Aktionskomitee bestätigt worden ist. Mit Recht verweist die Zionistische Vereinigung für Deutschland auf die große Aufgabe, die für uns darin besteht, daß wir die Position, die die Anglo- Palestine-Company und damit die zionistische Organisation in Palästina sich errungen hat, schützen und der Gesellschaft die Möglichkeit geben, ihren Einfluß zu steigern. Darum ist es gerade in diesem so hochbedeutsamen Moment Pflicht jedes Zionisten, selbst Aktien der A.P.C. zu erwerben und andere zu deren Kauf zu veranlassen. Sehr richtig weist die Zionistische Vereinigung für Deutschland aber auch darauf hin, daß der Erwerb von Aktien der A. P C. heute nicht nur ein Akt der Opferwilligkeit ist, sondern sich auch als eine solide Kapitalanlage darstellt. Die bisherigen guten Erträgnisse dieses Papiers machen es nicht nur für Zionisten, sondern auch für Nichtzionisten zu einem soliden Anlagepapier. Der geringe Betrag der Aktien — 1 Pfund 20.50 J6 — ermöglicht auch den Minderbemittelten die Erwerbung. Die Propaganda muß jetzt in allen Ländern mit gleicher Energie vorgenommen werden. Alle Landesorganisationen und Föderationen haben sich dieser Aufgabe mit demgrößten Nachdruck zu widmen. Bestellungen auf Aktien werden von allen Zahlstellen der Bank, von den offiziellen Vertretungen aller Landesorganisationen und Föderationen, wie auch von sämtlichen Sammelstellen des Jüdischen Nationalfonds entgegengenommen. Dem Prospekt, den die Zionistische Vereinigung für Deutschland herausgegeben hat, entnehmen wir nachfolgende informierende Sätze: Die Gesellschaft ist am 26. Februar 1902 als Aktiengesellschat englischen Rechts unter der Firma „The Anglo Palestine Company Limited" gegründet worden. Ihr registrierter Sitz ist in England. Der statutarische Zweck der Gesellschaft ist, . Geschäfte jeder Art und in jeder Form zu betreiben; doch soll das Haupttätigkeitsgebiet der Gesellschaft tunlichst in Palästina und Syrien liegen. Die Haftpflicht der Mitglieder ist beschränkt, d. h. die Verpflichtung der Aktionäre zur Zeichnung von Kapitaleinlagen wird durch den Nennwert der Aktien und, falls der Ausgabepreis höher ist, durchidiesen begrenzt. Das autorisierte Kapital der Gesellschaft beträgt 100 000 Pfund Sterling (1 Pfund Sterling, abgekürzt £, — rund 20.50^), eingeteilt in 100 000 Aktien ä l £. Laut Ausweis der Bilanz waren hiervon am 31. Dezember 1908 69 709 £ Aktien voll eingezahlt. Die Aktien können entweder im Register der Gesellschaft auf den Namen des Besitzers eingetragen sein (Namensaktien) oder auf den Inhaber lauten (Inhaberaktien). Die ordentliche Generalversammlung findet jährlich statt, außerordentliche Generalversammlungen können vom Direktorium nach Belieben .einberufen werden. Die Leitung der Geschäfte der Gesellschaft steht dem Direktorium zu, das von der ordentlichen Generalversammlung gewählt wird. Das Direktorium kann eins oder mehrere seiner Mitglieder zu geschäftsführenden Direktoren ernennen (managing director). Es kann ferner geeignete Vertreter mit der Führung der Geschäfte betrauen (Geschäftsführer, manager). Das Direktorium entscheidet über die etwaige Dotierung von Reservefonds sowie darüber, welche Summen für Dividendenzwecke verfügbar sind. Die Jahresbilanz nebst Gewinn- und Verlustkonto ist der ordentlichen Generalversammlung, die innerhalb von 4 Monaten nach Schluß des Geschäftsjahres abzuhalten ist, vorzulegen. Die Gesellschaft betreibt hauptsächlich Bankgeschäfte in Palästina. Die erste Filiale wurde in Jaffa, weitere in Jerusalem und Beirut gegründet, sowie Agenturen in Haifa und Hebron. Nachdem die Organisation im wesentlichen ausgebaut "war, konnte für 1907 zum ersten Male eine Dividende von 9d 33/4 0/0 verteilt werden; für 1908 wurden 10 d 41j6 % verteilt und £ 2005 .6.3 gleich rund weitern 3 % in Reserve gestellt und auf neue Rechnung vorgetragen. Nach dem eben erschienenen Geschäftsbericht für 1908 ist das Geschäft an allen Plätzen in guter Entwicklung. Die Gesellschaft hat durch ihre vorsichtige Politik und umsichtige Leitung es verstanden, in Palästina eine überaus angesehene Stellung zu erringen. Sie hat durch zweckentsprechende Kreditgewährung die gewerbliche Tätigkeit der palästinensischen Juden sehr gefördert, landwirtschaftliche Genossenschaften unterstützt und beträchtliche, bisher brachliegende Kapitalien aus dem Lande an sich gezogen. Durch rigoroses Einhalten der Darlehnsfristen und Bedingungen hat die Gesellschaft geradezu reformierend im palästinensischen Kreditwesen gewirkt. Ihre Tätigkeit wird allerseits als außerordentlich segensreich anerkannt. Deutschland Posen. Am 12. März fand eine Gruppenversammlung statt, an der sich etwa 120 Personen beteiligten. Das Referat hielt Dr. Cassel über Judentaufen. Nach historischen Gesichtspunkten unterschied Redner 3 Perioden Judentaufeu in Deutschland: die Taufen der Nachmendelsohnzeit, die Taufen der 48er Bewegung und die Taufen der Gegenwart. Vom Standpunkt des Taufgrundes unterschied Redner wirtschaftliche wie Karrieretaufen und erotische Taufen. Den Taufen aus Überzeugung, die man nach dem bekannten Worte nur einem Goj einreden kann, schrieb er einem nicht in Betracht kommenden Bruchteil der Taufen zu. In geistvollen und durch Beispiele belegten Ausführungen zeigte Redner die tiefen moralischen Schädigungen, die das Judentum durch die Taufe leidet, obgleich die Täuflinge selbst meist in ihrem Streben "f 10) geschieden