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Die Welt · 1909-04-02 · 14-15 (2.4.1909) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
14-15 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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306 DIE2aKELT No. 14 DAS HOHE LIED Eine chassidische Legende von Martin Buber Rabbi Jaakob Jizchak, der Zaddik von Lublin, alle Zeit in der Erlösung aufgeht. Alle Läuterung wurde im ganzen Lande Polen nicht anders genannt schaute er und alle Trübung, den ganzen Widerstreit als der Seher. der großen Bahn. Was dem Menschen sonst an Gestaltung des Daseins widerfahren war und noch widerfahren sollte, war nur wie ein Nebel vor dem Auge des Meisters; aber der Seele Schicksal war ihm bewußt und offenbar. Streng war die Luft im Hause des Zaddiks, kalt und klar wie auf den Gipfeln, wo man Ausschau hält. In strenger Führung lebten die Schüler vor ihm. Von allen Schülern der liebste war ihm Rabbi Zwi Hirsch von Zydaczöw. Jung war Rabbi Zwi Hirsch und unruhvollen Geistes. Seit er unter dem Schatten der Heiligkeit des großen Zaddiks verweilte, war er stiller geworden als vordem; aber die suchende Angst war von ihm nicht gewichen. Einmal kam ein Bote aus fernem Lande zu ihm, ein frommer Mann, der umherzog, Almosen zu sammeln für die Armen seiner Heimat, und übernachtete in seinem Hause. Als er sah, wie Rabbi Zwi Hirsch zur Mitternacht aufstand und die Klage um Jerusalem sprach nach der Art der Chas$idim, faßte er Vertrauen und Liebe zu ihm. Am Morgen begann er mit ihm zu reden von den Dingen der Lehre und des wahrhaften Lebens, und im Gange des Gesprächs erzählte er ihm von seinem Lehrer, Rabbi Baruch von Miedzyborz, dem Enkel des Baalschem, wie er eine Flamme des Herrn sei und eine lebendige Lohe, die sich der obern Welt entgegenschwinge, um sich der göttlichen Urglut zu vereinen. Und als er Abschied nahm, sprach er: „Komm doch in unsere Stadt, das Angesicht des Heiligen zu schauen." AberRabbi Zwi Hirsch sagte: „Ich kannmeinenMeister es sei denn auf sein Geheiß." Und er AUS EINER SPANISCHEN HAGADAH Wem er ins Angesicht sah, dem sah er in die Wurzel dec Seele. Der Weg des Menschen lag dann vor seinem Blick im Lichte. Er sah seine Wanderschaft von der Stunde, da sein Wesensfunke aus dem Herzen des weltumfangenden Adam Kadmon gehoben und ausgeschickt worden war, bis zu diesem Leben, und von diesem Leben bis zu der letzten Weile, da nicht lassen, blieb, aber sein Sinn war in der Ferne. i* * I * Nach mancher .Zeit geschah es, daß es der Wille des Zaddiks von Lublin ward, Rabbi Baruch von Miedzyborz zu besuchen, um seine Art zu erkennen. Denn wenn er von einem Menschen Seltsames und

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