Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 14-15 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 14 DIE ELT 305 Mazzoth bewilligen — und er in einem fort, er könne mit zehn Pfund Mazzoth für eine zwölfgliedrige Familie nichts anfangen. Er muß mindestens 30 Pfund haben. Da der Sekretär mit ihm nicht fertig werden kann, stellt sich der Vizepräsident, ein glatt rasierter, doppelt bebrillter alter Herr, selbst vor die Lücke. Der Vizepräsident beginnt: „Was wünschen?" „Mazzoth", stottert der arme kleine Jud. „August, schreiben sie zehn Pfund Mazzoth und drei Mark." Der arme kleine Jude lamentiert: „Zehn Pfund Mazzoth — Herr — acht Kinder, eine Schwiegertochter — mein Sohn ist in Amerika — nur zehn Pfund — für acht Tage---.« „Was? Acht Kinder?" brüllt der Herr Vizepräsident. „Nein, neun, neun Kinder, sollen sie lange leben — der Sohn ist in Amerika." — Der Herr Vizepräsident, den Kopf zu den Damen und Herren am grünen Tisch wendend: „Na, so was! Unerhört! So ein Polackenpack — neun Kinder setzen sie in die Welt — neun Kinder — Unsereiner kann sich kaum zwei leisten----August, schreiben sie zwölf Pfund Mazzoth und drei Mark fünfzig". — Und zumSchutzmann sich gütig wendend — „Herr Ober, führen sie ihn ab." — In der Fabrik herrscht eine fieberhafte Tätigkeit. Abgerissene, ausgehungerte Juden, Frauen mit ihren, Säuglingen am Arm und Kinder drängen sich zum' Schalter. Der Herr Sekretär schimpft, tobt, schreit, der August schreibt sich die Hände wund, der Herr „Ober" ist ebenfalls beschäftigt, die Damen am grünen Tisch sagen alle Augenblick: „Jawohl", „natürlich", „versteht sich", erzählen sich gegenseitig von der Wohltätigkeit ihrer Seligen, seufzen bald künstlich und lächeln bald oder nicken mit ihren grauen Köpfen und das Geschäft blüht. Der philanthropische Sport sieht glückliche Tage. Und ihr, die ewig Unzufriedenen, sprecht noch von schlechten Zeiten! WASSERMÜHLE AN DER AUDSCHA BEI JAFFA GRABMAL BENJAMINS BEI KAFR SABA Sudenkind Als sie das Kind gebar, da barg Sie es in einer seltnen Wiege, Es ähnelte sehr einem Sarg Der Bretter finsteres Gefüge. Und sah ins dürftige Semach, Und sah die ülutfer weh von Wunden. „Was tatest du?" Die [Tlutter sprach: „Ruh hab ich für mein Kind gefunden/' Sie lächelte, als sie das tat, Und lächelte aus tiefsten Schmerzen. Der milde Abend aber trat Ans hager mit den Sternenkerzen, Gin 3udenkind. Was ist sein hos? 6s hat nur eine Ruhestätte: Sei es im weichen lüutferschofj, Sei es im harten Codesbette. Der Weg zu beiden ist nicht weit, 3hn bahnt der gnadenreiche Friede. „Schlafe mein Kind! Von allem Lteid 3sf deine junge Seele müde!" Arlhur Silbergleit V. r ■: % :$ 4!1 .Ii