Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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No. 13 DIE-S&ELT •"" 293 JUeDISCH6R riATIQnAL-FQriDS^S Der Jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt, palästinensischen Boden als G-esamteigenliim des jüdischen Volkes zu erwerben und auf ewige Zeiten su erhalten. Vom V. Zionistenlcongreß im Jahre 1901 gestiftet, besitzt er gegenwärtig ein Vermögen von annähernd 12\2 Millionen Mark. Bericht des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds über seine Tätigkeit in der Zeit von August 1908 bis März 1909 a) Organisation Die letzten 7 Monate, über die hier berichtet werden soll, stehen im Zeichen eines erfreulichen Aufschwunges des Nationalfonds. Die Sammlungen, welche in den letzten Jahren den Durchschnitt von ca. 12000 £ nicht überschritten haben, ja in einigen Ländern sogar zurückgegangen sind, weisen nun wieder eine beträchtliche Steigerung auf. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir dies in erster Linie auf die vom Hauptbureau angebahnte straffe und einheitliche Organisation der Landessammelstellen sowie der Spendenausweise zurückführen. Diese Organisation wurde in der Weise durchgeführt, daß wir erstens die Landessammelstellen in den Stand setzten, Nationalfondsbureaus einzurichten, welche die gesamte Agitation und Organisation in den einzelnen Ländern konzentrierten, und zweitens die Einrichtung trafen, daß die Nationalfondsspenden zunächst durch die Landessammelstellen detailliert in ihren Publikationsorganen und hierauf nach Ländern geordnet durch das Hauptbureau in der „Welt" ausgewiesen werden. Diese Ausgestaltung hatte fürs erste freilich nicht nur eine Steigerung der Einnahmen, sondern auch der Ausgaben zur Folge. Wir waren genötigt, neben den erhöhten Kosten für die Landessammelstellen infolge der gesteigerten Tätigkeit derselben das Sammel- und Agitationsmaterial in einem bis jetzt nie erreichten Umfange zu vermehren und ihnen zur Verfügung zu stellen. Ohne diese Mehrausgaben wäre der einstimmig gefaßte Beschluß des VII. Kongresses, wonach jede Landessammelstelle verpflichtet ist, „ein Nationalfondsbureau einzusetzen, welches die Aufgabe hat, in jedem Orte des Landes, wo Juden wohnen, N.-F.-Kommissionen zu bestellen, welche für den Nationalfonds die erforderliche Arbeit zu leisten haben", nie verwirklicht worden. Denn als wir die Verwaltung übernahmen, gab es in keinem Lande ein mit ständig arbeiten den Kräften eingerichtetes Nationalfondsbureau. Wir verkennen keinen Augenblick, daß der Nätionalfonds seine Popularität vor allem den vielen Tausenden von freiwilligen treuen Mitarbeitern verdankt. Wir hoffen, daß dies auch in aller Zukunft so bleiben wird. Wohin es aber führt, wenn die technischen Organisations- und Bureauarbeiten nur von freiwilligen und darum häufig wechselnden Kräften geleistet werden, wollen wir nur an einem sehr unerfreulichen Beispiel demonstrieren: Als wir daran gingen, unser wichtigstes Sammelmittel, die N.-F.-Büchse, mit Hilfe einer Kartothek zu überwachen und eine regelmäßige Leerung der Büchsen zu organisieren, zeigte sich zu unsermgroßenBefremdensdaß derVerbleib vieler tausendevonBüchsen trotz größter Mühe nicht zu ermitteln war. Dies bedeutet für den Nationalfonds einen doppelten Schaden: nämlich 1. Verlust des in den Büchsen investierten Kapitals, und 2. Entgang der Gelder, die mittels dieser Büchsen gesammelt werden könnten. Überdies stellte sich nach unsern Berechnungen heraus, daß von 50000 verteilten Büchsen kaum 10 0/o regelmäßig geleert werden. Dies alles hat seinen Grund einfach darin, daß derlei rein technische organisatorische Arbeiten auf die Dauer nicht von freiwilligen, sondern nur von bezahlten Kräften geleistet werden können. Eine zweite, ebenso unerfreuliche Erscheinung war die Sammlung von Spenden durch die Zeitungen. Infolge der hierdurch entstandenen Unzuträglichkeiten sahen wir uns jedoch genötigt, bekanntzugeben, daß die Zeitungen nicht befugt sind, im Namen des N.-F. Spenden entgegenzunehmen. Diese beiden Beispiele beweisen zur Genüge, daß die von uns vorgenommene Reform einfach ein Gebot unbedingter Notwendigkeit war. Bezüglich unserer Arbeit in den einzelnen Ländern verweisen wir auf unsere Jahresstatistik in Nr. 3 und unsere Schlußfolgerungen in Nr. 5 der „Welt", die wir auf Grund des durch die Korrespondenz gewonnenen Einblicks in die Verhältnisse gezogen haben. b) Propaganda Wie bereits unter a) erwähnt, äußerte sich die erhöhte Tätigkeit der neuen, bzw. reorganisierten Sammelstellen in einem außerordentlich gesteigerten Bedarf an Sammel- und Agitationsmaterial- Das Hauptbureau mußte diesen Anforderungen um so mehr Rechnung tragen, als die verstärkte Propaganda in der Regel auch sofort größere Einnahme zur Folge hatte. 1. Flugschriften. Insgesamt haben wir in den letzten sieben Monaten mehr als eine Viertelmillion Flugblätter herausgegeben, wovon bis jetzt ca. 170 000 zur Versendung gelangt sind. Es erschienen der Reihe nach: Flugblatt Nr. 1 („Etwas zum Nachdenken") deutsch, Neuauflage............... 20.000 Exemplare Jargon-Flugblatt Nr. 5 (Was kann und darf jeder Jude für den N. F. tun?")........ 40 000 Flugblatt Nr. 1, französisch.......... 10 000 Chanukah-Flugblatt Nr. 4, deutsch...... 41 500 hebräisch...... 10 000 französisch..... 10 000 englisch...... 10 000 Purim-Flugblatt Nr. 2, deutsch........ 50 OOO englisch........ 20 OOO französisch....... 10 000 hebräisch....... 10 000 Flugblatt Nr. 6 („Was kann ich für meine armen Brüder tun?"), das besonders für Vertrauensmänner und zionistische Funktionäre bestimmt ist, da es über sämtliche Samrnelmittel einen Überblick gewährt, ließen wir erscheinen in 10 000 Flugblatt Nr. 1, englisch........... 10 000 zusammen 251 500 Exemplare. 2. Broschüren. Von der Broschüre „Was ist und will der Jüdische Nationalfonds?" ließen wir eine englische Übersetzung in 5000 Exemplaren erscheinen, von welchen die englische Federation 3000 Exemplare zur Verbreitung in England übernommen hat. c) Sammelmittel 1. Büchsen. Daß die Büchsen das wichtigste Sammelmitte darstellen, dem alle Aufmerksamkeit und Energie zugewendet werden muß, geht aus dem Beispiel der Chanukah-Organisation hervor, die ihre Einnahmen von einigen Millionen jährlich fast ausschließlich durch dieses Sammelmittel aufbringt. Sind die Büchsen einmal verteilt, was bei einiger Geschicklichkeit überall mit Leichtigkeit bewerkstelligt werden kann, so ist der Erfolg derselben ausschließlich von einer genauen Evidenzhaltung und einer regelmäßigen Leerung abhängig. Aber gerade daran mangelte es, wie wir oben zeigten, ganz und gar. Da wir trotz allen Drängens die Verzeichnisse der zur Verteilung gelangten Büchsen nicht erhalten konnten, so erklärten wir den Landessammelstellen und N. F.¬ Kommissionen, daß wir keine weitern Büchsen ausgeben, bevor