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Die Welt · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Der erste Versuch der Geflügelzucht mittels einer Brutmaschine ist gelungen und hat vielen von unsern Kolonisten den Anlaß gegeben, Geflügel zu züchten. Nächstens wird man eine zweite Brutmaschine anschaffen. Außer den jüdischen Arbeitern, die bei uns, wie bereits mitgeteilt, eine monatliche Beschäftigung gefunden haben, haben wir noch einige jemenitische Familien nach der Kolonie gebracht und hoffen in ihnen ständige Arbeiter zu finden, die uns besonders bei der Weinernte nutzen werden. Die Kolonie hat einen Betrag von 1500 Frcs. zur Instandsetzung eines Hauses ausgesetzt, in welchen die jemenitischen Familien zusammen wohnen können. Auch stellen die Kolonisten ihre eignen Arbeiter und ihr Vieh bei dem Bau unentgeltlich zur Verfügung. Die Wohnung dürfte noch vor Pessach fertig werden. Es wird auch beabsichtigt, eine Arbeiterküche zu gründen. Sichron-Jakob: Auch aus unserer Kolonie kann man über eine erfreuliche Zunahme der jüdischen Arbeiter (ihre Zahl beträgt bereits ca. 30) und ein recht gutes Verhältnis zwischen Kolonisten und Arbeitern berichten. Es ist zu erwarten, daß gerade auch das Leben unserer Kolonie, deren Jugend in so großer Zahl das Land zu verlassen pflegte, auf die jungen Arbeiter günstig einwirken wird. Ekron: Gegen 8000 Dunam (der größte Teil des anbaufähigen Bodens) ist mit Winterfrucht, und zwar meistens mit Gerste und Viehfu*ter besät. Nur etwa 4000 Dunam sind für die Sommersaat reserviert worden. 2000 Dunam könnten wir in der Nachbarschaft zum Preise von 1 Frcs. pro Dunam pachten. Diese Pacht wäre für uns besonders wichtig, da wir auf diesem Boden Weideplätze für unser Vieh haben. Unsere Kolonie sieht besorgt dem Herbst entgegen, da dann der Termin kommt, an dem die Kolonie alte Schulden in ziemlicher Höhe zu zahlen haben wird. Zum Glück sind die Aussichten für die neue Ernte gut, und so wird hoffentlich vielen Kolonisten, trotzdem sie große Schulden haben, die Abzahlung möglich sein. Für viele aber wird es ein äußerst kritischer Moment sein, und es läßt sich nicht voraussehen, ob es ihnen gelingen wird, denselben zu überwinden. Stand der Kolonie Moza Die vor 15 Jahren begründete Kolonie Moza liegt ungefähr eine Stunde von Jerusalem entfernt. Sie produziert ausgezeichneten Wein und könnte infolge der Nähe Jerusalems auch durch Gemüsebau, Milchwirtschaft und Geflügelzucht gute Einnahmen haben. Trotzdem ist die Lage der Kolonisten recht mißlich, weil es ihnen an jedem Kapitalfehlt. Die gesamte Bodenfläche der Kolonie beträgt 635 Dunam, die sich auf 24 Familien mit 112 Seelen (darunter 17 eigentliche Kolonistenfamilien) verteilen. Die gesamte Kolonie mit ihren Pflanzungen repräsentiert einen Wert von ca. 250000 Frcs. Es gibt in Moza an 60000 Weinstöcke, über 1200 Ölbäume und 600 sonstige Fruchtbäume. Die gesamten Schulden der Kolonie betragen ca. 5O000 Frcs. Es gibt 13 Familien mit einem jährlichen Einkommen von nur 200 Frcs. Errichtung einer Arbeiterküche in Chederah Chederah: Erfreulicherweise können wir von einem ununterbrochenen Fortschritte der Kolonie melden. Das Klima ist jetzt befriedigend und die letzten Ernten brachten gute Erträge. Viel Nutzen bringen der Kolonie; insbesondere die Gesellschaften wie Agudat Netaim und Izhar, die hier große Pflanzungen haben. Diesen Gesellschaften ist es zu verdanken, daß die jüdischen Arbeiter hier in größerer Anzahl Fuß fassen konnten. Nun wird eine gemeinsame Küche für die Arbeiter begründet; es ist bereits alles vorbereitet worden und die Eröffnung soll in nächster Zeit erfolgen. Der Betriebsfonds wurde durch Beiträge von je 5 Frcs. gebildet. Hierzu bewilligte noch die Verwaltung der Kolonie eine Anleihe von 100 Frcs., und einer von den Kolonisten eröffnete ihnen für die Küche einen Kredit von gleichfalls Frcs. 100. Die Kolonie stellte auch für die Küche ein Haus von vier Zimmern zur Verfügung, und übernahm auf eigne Rechnung auch die Kosten der Instandsetzung und der Reparatur des Hauses, Errichtung eines Backofens usw. Die Arbeiter gehen auch daran, eine Bibliothek zu begründen. Wenn die jetzigen Arbeiter sich als fleißig erweisen und das gute Verhältnis zwischen Kolonisten und Arbeitern fortbesteht, ist zu hoffen, daß noch viele Juden hier Beschäftigung finden und die beste Gelegenheit haben werden, bei unsern Kolonisten die palästinensische Landwirtschaft genau kennen zu lernen. Meningitis Jerusalem: Seit mehrern Tagen hat sich hier die Genickstarre in bedrohlicher Weise verbreitet. Die Ursache, wie auch der Charakter der Epidemie ist noch nicht genau festgestellt. Sie hat bereits viele Opfer gefordert, und die Angst/ unter der Bevölkerung nimmt zu. Einige Schulen haben bereits den Unterricht eingestellt, andere dagegen sind gleich den Jerusalemer Ärzten der Ansicht, daß die Kinder in der Schule besser als zu Hause geschützt sind, und weigern sich, die Pessachferien schon jetzt eintreten zu lassen. Der französische Konsiliarbericht über die jüdischen Kolonien Dem französischen Konsularberichte über Palästina für 1907 08 entnehmen wir folgende interessante Bemerkungen über die jüdischen Kolonien: Wenn wir die jüdischen Kolonien, deren Gründung zum großen Teile der Munifizenz des Baron Edmund von Rothschild zu verdanken ist, und für welche er, wie es heißt, fast 80 Millionen Frcs. gespendet hat, eingehend behandeln wollten, so würde diese Arbeit einen zu großen Raum beanspruchen. Diese Kolonien werden noch fortgesetzt von der ICA. verwaltet, die iu Paris ihren Sitz und den Präsidenten der Alliance Israelite zum Vorsitzenden hat. In Palästina liegt die Verwaltung in den Händen eines ehemaligen französischen Offiziers, dem Agronomen und Spezialisten zur Seite stehen, die in Paris ausgebildet sind. Rischon le Zion. Oberfläche 720 ha, Bevölkerung 818 Einwohner. Ehemals ein sumpfiges Gelände, ist es in ein Weinland verwandelt worden. Außerdem sind noch 1700 Dunam mit Mandeln, 200 Dunam mit Orangen und einige Dunam mit Oliven bepflanzt. Ein Weinkeller, dessen Bau gegen 2 Millionen Frcs. gekostet hat, produziert aus den Trauben Rischons 30000 hl Wein einschl. der Trauben aus den andern Kolonien. Um die Zukunft Rischons, wo eine gewisse Unruhe herrscht, zu sichern, hat man 500 ha in Beth-Dagan gekauft, die zum Teil für Körnerbau benutzt werden. Maskereth Bathia oderEkron. Bevölkerung300Einwohner, Fläche 900 ha. Der Boden eignet sich außerordentlich zum Körnerbau, Die Kolonisten sind tüchtige Bauern, die ihren Boden düngen und mit europäischen Pflügen bearbeiten, ihre Gemüsegärten pflegen und ihre Mandel-, Aprikosen- und Apfelbäume zu pfropfen verstehen. Die mit Oliven bepflanzte Fläche liefert fast 20000 kg Oliven, obgleich die Bäume noch nicht in vollem Ertrage stehen. Um den Kolonisten eine genügend große Fläche, die zum Anbau geeignet ist, zu beschaffen, hat man vor nicht langer Zeit 500 ha in Mansurah und 200 ha in Hulda, die in der Nachbarschaft der Kolonie liegen, zugekauft. Wadi-Chanin. 8\'a Stunden von Rischon, Bevölkerungszahl 150 Einwohner, Oberfläche 300 ha. Dadurch, daß hier nur Wein gebaut wird, ist die Lage der Kolonie schwierig, aber es gibt dort einige Orangengärten, welche auswärtigen Besitzern gehören, in denen die Kolonisten Arbeit finden und so ihr geringes Einkommen heben. Diese Kolonie hat mit Erfolg einen Versuch mit der Kultur des Tabaks gemacht. Ferner sind auf einer Parzelle von 25 ha, die kürzlich gekauft wurde, neue Staudenpflanzungen wie Mandeln, Oliven, Orangen usw. angelegt worden. Rechowoth. In der Nähe von Ramien, 400 Einwohner, Oberfläche 1065 ha Oberfläche. Der Weinbau bildet die hauptsächlichste Einnahmequelle der Kolonie. Im Jahre 1907 hat man in Bir Salem, neben der deutschen landwirtschaftlichen Schule von Schneller, 500 ha hirizugekauft, wo man auf etwa 250 ha neue Pflanzungen angelegt hat, hauptsächlich Mandeln und Aprikosen, die dort sehr gut gedeihen. Die übrigen 250 ha werden teils zu Orangen-, teils zu Olivengärten verwertet werden. Zu erwähnen ist noch die Kultur der Rizinüsstaude, welche sich vortrefflich zu entwickeln scheint und deren Kerne für. die Fabrikation von Seife benutzt werden, die im Lande selbst in den Seifenfabriken von Haifa, Lydda und Galonia fabriziert wird. Katra. Die Kolonie liegt im Kreise Gaza; sie zählt 113 Einwohner und hat eine Fläche von 500 ha. Sie ist die ertragreichste von allen jüdischen Weinbaukolonien Judäas. Die Weingärten sind auf gutem Boden gepflanzt und -bringen im Durchschnitt 6200 kg Weintrauben per Hektar, wo m noch kommt, daß die Unterhaltungskosten ziemlich gering srnd. Die Kolonisten haben soeben 100 ha ausgezeichneten Boden, hinzugekauft,, wodurch sich ihr mit Körnerfrüchten bestellter Roden auf 170 . ha. belauft. Ihre Mandelpflanzungen umfassen 80 ha.

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