Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 13 DIE^ELT 285 Hebräisches Gymnasium Herr Wolffsöhn schlägt nun mit Rücksicht darauf, daß die Mitglieder des Großen A. C. anwesend sind, vor, den Punkt Hebräisches Gymnasium zu besprechen und zu diesem Zwecke die Generalversammlung zu unterbrechen und eine Sitzung des Großen A. C. zu eröffnen. Gegen Abend wurde die Generalversammlung wieder eröffnet und auf Antrag des Herrn Wolffsohrj folgender Beschluß gefaßt: Nachdem dieGeneralversammlung das ganze Material geprüft hat und von Herrn Dr. Bogratschoff Erklärungen abgegeben worden sind, aus denen zu entnehmen ist, daß vereinzelt vorgekommene Verstöße bereits vom Lehrerkollegium gerügt und abgestellt worden sind, erklärt die Generalversammlung ihren früheren Beschluß (demzufolge dem Direktorium die Ermächtigung erteilt worden war, dem Hebräischen Gymnasium Grund und Boden für ein Gebäude zur Verfügung zu stellen) aufrecht zu erhalten. Hierauf macht Dr. Bodenheimer einige Mitteilungen über Pläne und Vorschläge bezüglich Ankauf und Übernahme von Ländereien. Die Generalversammlung erteilt dem Vorsitzenden des Direktoriums prinzipiell die Ermächtigung, die Verhandlungen bezüglich der fraglichen Grundstücke fortzusetzen. Technikum Dr. Bodenheimer berichtet, daß laut Beschluß der letzten Generalversammlung das Direktorium ermächtigt worden sei, dem Technikum Grund und Boden zur Verfügung zu stellen. Er habe hiervon .dem Hilfsverein der Deutschen Juden Mitteilung gemacht und von demselben auch ein Dankschreiben erhalten, worin dieser jedoch bemerkte, daß vielleicht die Übertragung des Eigentumsrechts an den N. F. Schwierigkeiten ergeben könnte. Er bitte daher, der N. F. möge, wenn möglich, eine andere Form der Beteiligung suchen, damit nicht später das Technikum in seiner Entwicklung gehemmt werde. Dr. Bodenheimer bittet die Versammlung, das Direktorium zu ermächtigen, die Angelegenheit in der Form zu erledigen, daß dem Technikum seitens des Nationalfonds ein Darlehen in Höhe des Kaufpreises für Grund und Boden gewährt wird, das seitens des Nationalfonds so lange unkündbar sein soll, als das Technikum dem Zwecke dient, für den es gegründet worden ist. Es wurde hierauf beschlossen: Das Direktorium wird ermächtigt, mit dem Hilfsverein bezüglich einer andern Form der Beteiligung des N. F. zu verhandeln. Insbesondere ist die Generalversammlung damit einverstanden, daß dem Technikum seitens des N. F. ein hypothekarisches Darlehn in Höhe des Kaufpreises für Qrund und Boden gewährt wird, das solange seitens des N. F. unkündbar sein soll, als das Technikum dem Zwecke dient, für den es jetzt bestimmt ist. Arbeiterhäuser Prof. Warburg verliest einen Bericht zu diesem Punkt und bittet die Generalversammlung, zwecks Erbauung von Arbeiterhäusern der A. P. C. einen Kredit von 30 000 Frs. zu gewähren. Dr. Bodenheimer: Wie schön die Idee auch ist, so überrascht mich doch, daß der N. F. sie ausführen soll. Ich meine das wäre eine Sache der Odessaer Gesellschaft in Verbindung mit der Esra und den Kolonien. Wenn wir unsere Mittel bei derartigen kleinern Unternehmungen festlegen, laufen wir Gefahr, daß wir, wenn größere Aufgaben an uns herantreten, kein größeres Kapital zu unserer frejen Verfügung haben werden. Es wird hierauf beschlossen, die Angelegenheit dem Direktorium zur weitern Erledigung zu überlassen. Verträge mit der Palestine Land Development Company und dem Verein Olbaumspende Der Vorsitzende teilt mit, daß die Entwürfe der Verträge bereits festgestellt sind und über deren Annahme vom Direktorium in einer Sitzung nach der Generalversammlung verhandelt werden solle, jln den Vertrag mit der Ölbaumspende sei auf Vorschlag des Vereins Ölbaumspende ein Passus eingefügt worden, daß, nach Ablauf der Erbpacht von 98 Jahren dem Verein Ölbaumspende ein Optionsrecht für weitere 98 Jahre zustehen und der N. F. dafür in dieser Zeit mit 50 Prozent am Reinertrag der Olbaumspende beteiligt sein solle. Prof. Warburg erklärt auf eine Anfrage bezüglich des der P. L. D. C. zu gewährenden Kredits, daß er diesen nur in Anspruch nehmen werde, falls es nötig sei, Land zu kaufen. Ein Antrag, daß die Landessammelstellen verpflichtet sein sollen, mindestens einmal jährlich dem Direktorium des J. N. F. einen Tätigkeitsbericht und ein Budget zur Genehmigung vorzulegen, wurde angenommen. Kredit an die kooperativen Genossenschaften Herr Dr. Tschlenow stellt in beziig auf die Verhandlungen im Großen A. C. betreffs Agrarkredits den Antrag, die Ausführung des Beschlusses der Generalversammlung vom 14. August 1908, der lautet: „Die Generalversammlung des N. F. beschließt das Direktorium des N.F. zu ermächtigen, eine Anleihe an die A. P. C. in Jaffa bis zum Betrage von 200 000 Frs. speziell zum Zwecke eines Agrarkredits an die kooperativen Gesellschaften in Palästina unter Garantie der Bank und zu 4 Prozent zu gewähren." bis zur nächsten Generalversammlung zu verschieben. Der Antrag wurde abgelehnt. Mit einer Ansprache schließt hierauf der Vorsitzende um 10 Uhr abends die Generalversammlung. Dl IIP DI PALÄSTINA DI DI! Dl Purimfeiern in Jaffa Jaffa: Eine sehr gelungene Feier wurde hier am Purimabend durch die Organisation des Hapoel Hazair veranstaltet. Besonders geschmackvoll waren die Masken stilisiert, welche verschiedene palästinensische Institute in sehr witziger Weise versinnbildlichten. Von den Masken wurden zwei, lebende Bilder „Die Erziehung in Palästina" und die „Arbeiterfrage in Palästina" dargestellt. Den Preis erhielt die als Hazewi (Ben Jehudas Tageblatt) charakterisierte Maske. Jaffa: Auch die sephardische Bevölkerung veranstaltete eine gut besuchte Purimfeier, auf der der Lehrer und hebräische Schriftsteller Ben-Zion Gutmann in witziger Form diejenigen geißelte, die sich die hebräische Sprache nicht aneigneten. Populäre Vorlesungen in Jaffa Jaffa: Dank den Bemühungen des Direktors des hiesigen Hebräischen Gymnasiums, Herrn Dr. Metmann, finden seit einiger Zeit regelmäßig fünfmal in der Woche im Hebräischen Gymnasium populäre Vorlesungen über naturwissenschaftliche Themen statt. Es werdeji Vorlesungen über Anatomie und Physiologie, Physik, Erdkunde und Pflanzenkunde abgehalten. Manche Vorlesungen werden von 50—60 Zuhörern regelmäßig besucht. Die Veranstalter denken ihre Tätigkeit noch auszudehnen und Vorträge mit Lichtbildern an verschiedenen Plätzen des Landes abzuhalten. Aus den Kolonien Gedera (Katra): Die Wintersaat ist nun beendigt. Es sind zumeist Pferdebohnen angesät worden, zum Teil sogar an Stellen, die früher für die Sommersaat reserviert waren. Manche denken sogar mit der Zeit die Sommersaat, die viel Mühe und wenig Nutzen bringt, durch diese Bohnensaat zu ersetzen, wenn es sich als richtig erweist, daß die Bohnenfelder sich später für Gersten- und Weizensaat verwerten lassen. Ein kleiner Teil des Bodens wird auch schon für die Sommersaat vorbereitet. Man erwartet eine gute Kartoffelernte, da der Winter nicht besonders streng war. Insbesondere dürfen diejenigen, die früh gesät haben, gute Preise für ihre Kartoffeln erwarten, wenn sie noch vor Pessach werden ernten können. In den Mandel- und Weingärten ist das Pfropfen und das Umpflügen des Bodens bereits beendet.