Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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284 DIE ELT No. 13 Berliner Bureau Auf Antrag des Präsidenten Wolffsohn wird beschlossen, E. A. C. zur die Er- Frage der Aufhebungdes Berliner Bureaus dem ledigung zu überlassen. Kiriath=Sefer Es liegt ein Antrag des Herrn Beikind vor, der Schule Kiriath- Sefer aus dem russischen Hilfsfonds die Mittel zu bewilligen, die für die Erziehung von 8 oder 10 Pogromwaisen in dieser Schule notwendig sind. Auf Grund eines Berichts des Palästinaamts wird folgendem Antrag des E. A. C. zugestimmt: Es wird beschlossen, der Schule Kiriath-Sefer für die Erziehung von 5 Pogromwaisen eine Subvention von je 600 Frs., also insgesamt 3000 Frs., aus dem russischen Hilfsfonds zu gewähren, vorausgesetzt, daß das Palästinaamt der Ansicht ist, daß genügend Garantien für eine angemessene Erziehung der Kinder gegeben sind. Um ll> Uhr nachts nimmt Präsident Wolffsohn das Schlußwort: Meine Herren! Es sind im Laufe der Beratungen manche Äußerungen des Pessimismus zutage getreten. Und doch glaube ich, in Ihrem Sinne zu sprechen, wenn ich am Schlüsse „dieser Beratungen der Meinung Ausdruck gebe, daß diese Äußerungen nicht zu tragisch genommen werden brauchen. Mir scheint, wir können vielmehr mit Genugtuung konstatieren, daß unsere Idee nicht nur in unsern Reihen, sondern auch außerhalb an Kraft und Bedeutung gewonnen hat. Die Idee ist so stark und mächtig, daß sie gar nicht mehr verschwinden kann: unleugbar geht heute durch die ganze jüdische Welt eine starke Strömung für Palästina. Mit einem stolzen Gefühl der Befriedigung dürfen wir sagen, daß diese Strömung, daß das Wiederaufleben des jüdischen Volkes, das wir beobachten, sich aufbaut auf der Tätigkeit, die wir für unsere Idee entfaltet haben. Menschenkräfte können diese Idee nicht zerstören, zu tief ist sie in der Seele des jüdischen Volkes eingegraben. Im Laufe unserer Tagung sind manche harte Worte gefallen. Auch ich habe scharfe Wendungen gebraucht. Aber trotz allem bin ich fest davon überzeugt, daß Sie alle ehrlich und treu zu unserer Sache stehen. Und so bitte ich. daß auch Sie überzeugt sein mögen, daß wir, meine Mitarbeiter und ich, es ehrlich meinen, daß wir erfüllt sind von dem heißen Wunsche, daß wir unser Ziel erreichen mögen, und von der Hoffnung, daß dies noch in unsern Tagen geschehen wird. Und gern will ich glauben, daß die Arbeiten dieser Tage uns unserm Ziele näher gebracht haben. Und so rufe ich Ihnen zu: Auf ein frohes Wiedersehen beim nächsten Kongreß! Dr. Tschlenow: Wir haben drei Tage ununterbrochen ernst gearbeitet, und wenn für ernste Arbeit jemandem ein Dank gebührt, so ist es unser verehrter Herr Vorsitzender. Wir sind auch unsern Dank schuldig seinen Mitarbeitern, die alles so gut vorbereitet haben. Während unserer Tagung sind aus meinem Munde manche pessimistischen Äußerungen gefallen. Ich will aber gleich bemerken, daß dort, wo ich am meisten Pessimist war, nämlich bei dem Punkte Agrarkredit, da war ich eigentlich Optimist. Und wenn ich mich frage, woran liegt es, daß wir hierher kommen mjt großen Forderungen und Pessimisten sind, so muß ich sagen, dies liegt in unserem Pflichtgefühl. Wenn wir aber von hier zu unserem Volke gehen, wo wir arbeiten, da ändert sich unsere Stimmung vollständig, wir sehen unser Volk, das schon lange und schwer leidet, das in den letzten Jahren noch am schwersten gelitten hat und trotzdem verlieren wir in unserer Liebe zum Volke nicht unsere Hoffnung, denn wir sehen, daß es solche Söhne in seiner Mitte gibt, wie wir, die immer arbeiten und unzufrieden sind, unzufrieden darüber, daß zu wenig Arbeit geleistet wird. Mit einem solchen Volke können wir ruhig sein und niemand und nichts kann uns von unserer Hoffnung auf die glänzende Zukunft des jüdischen Volkes abbringen. Unser verehrter Vorsitzender hat den Wunsch geäußert, wir mögen diese Zukunft noch erleben. Möglich ist es, denn es sind jetzt solche Zeiten und Verhältnisse, wie sie vorher nicht waren. Auch ich will hoffen, diese schönen Tage der Freiheit zu erleben, aber wenn es auch nicht geschehen sollte, so kann ich sagen, glücklich ist die Generation, die diese Arbeit geleistet hat. Finster ist das Leben unseres Volkes, aber wir sehen schon einzelne herrliche Strahlen, die wir dem Volke gebracht haben. Und wir können sagen, daß der Tag naht und kommen wird, wo wir mit dieser Sicherheit zu unserem Volke gehen und wo wir es zu seiner Befreiung aufrufen. Unser Weg führt zum Ziele, und mit dieser Hoffnung kehren wir zur Arbeit zurück. Auch ich rufe Ihnen zu: Auf Wiedersehen am nächsten Kongreß! Schluß 2 Uhr nachts. Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds Mittwoch, den 17. März 1909, vormittags 91/« Uhr fand im Hotel Kaiser Friedrich, Köln a. Rh., die dritte ordentliche Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds statt. Es waren folgende Mitglieder des Nationalfonds anwesend: Der Vorsitzende des Direktoriums, Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer, ferner die Direktoren Dr. A. Hantke, L. Kessler, Johann Kremenezky, Dr. E. W. Tschlenow, die Governers D. Wolffsohn und Prof. O. Warburg, sowie die Herren Jean Fischer, J. L. Goldberg und Jacob Moser; durch Bevollmächtigte waren vertreten: S. Pineles und Dr. Friedemann durch Herrn D. Wolffsohn. Außerdem waren anwesend der Sekretär H. Neumann, die Herren N. Groß und H. Kaufmann vom Hauptbureau Köln. Der Vorsitzende Herr Dr. Bodenheimer eröffnete die Versammlung, indem er die anwesenden Mitglieder des Großen A. C. aufforderte, als Gäste der Versammlung beizuwohnen. Hierauf wird der Bericht des Direktoriums an die Generalversammlung sowie die Bilanz und der Bericht der Bücherrevisoren vorgetragen. Dieselben werden von der Generalversammlung genehmigt und dem Direktorium wird Decharge erteilt. Da die wesentlichen Punkte des Berichts des Direktoriums im Berichte des Hauptbureaus enthalten sind, verweisen wir auf diesen welcher in der Rubrik „Jüdischer Nationalfonds" in dieser und der nächsten Nummer der „Welt" zum Abdruck gelangt. Statutengemäß schied Herr Dr. Hantke aus dem Direktorium aus und wurde auf Vorschlag des Herrn Vorsitzenden wiedergewählt. Des fernem wurden auch die Auditors fürs Jahr wiedergewählt. Hierauf stellte Herr Moser die Anfrage, welche Beträge seit Bestehen des J. N. F. bis zum 31. Dezember 1908 eingelaufen seien und wie hoch das Gesamtvermögen des N. F. an dem letztgenannten Zeitpunkt war. Dr. Bodenheimer erwidert, daß die Zahlen nur annähernd angegeben werden können, da die Aufgaben der Bank bloß die Bruttoeingänge enthalten. Es seien im letzten Jahr incl. Ölbaumspenden ca. 275000 e/# eingegangen, das sind etwa 75 000 J(, mehr als im vorhergegangenen Jahr. Insgesamt sind seit Begründung des N. F. bei der Bank 88 200 £ für den N. F. und 3670 £ für die Ölbaumspende eingegangen. Das Vermögen des Nationalfonds ohne Ölbaumspende betrug am 31. Dezember 1909 £ 66 491.3.3. H err Wolffsohn macht darauf aufmerksam, daß die Ländereien des J. N. F. in Palästina bei Legalisierung der Gesellschaft in die Eröffnungsbilanz teilweise nicht mit dem vollen Werte aufgenommen worden seien, so daß demnach das eigentliche Vermögen des N. F. in Wirklichkeit höher ist als das in der Bilanz angegebene. Bentwich: Ich möchte wissen, wieviel von dem Vermögen des J. N. F. in bar und in Papieren angelegt ist. Dr. Bodenheimer: Es sind angelegt in Effekten 38 162 £> in bar liegen beim J. C. T. 8007 £, bei der A. P. C. in Jaffa ca. 4000 £. Jean Fischer gibt die Anregung, der J. N. F. möge in der Weise verwaltet werden, daß man die Bruttoeingänge jedesmal zum Kapital schlage und nur die Zinsen zur Deckung der Spesen und sonstigen Ausgaben verwende. Nationalbibliothek Dr. Bodenheimer berichtet, daß laut Beschluß der letzten Generalversammlung das Direktorium ermächtigt worden sei, Grund und Boden für die Bibliothek zu erwerben, wenn dem N. F. das Eigentumsrecht an de* Bibliothek inkl. der Gebäude überlassen würde. Nun hat sich durch die Verhandlungen herausgestellt, daß die Loge B'ne Brith, Jerusalem, welche Eigentümerin des bereits gebauten Teils des Bibliotheksgebäudes ist, auf ihr Eigentumsrecht nicht verzichten will. Da es sich also nur um eine halbe Sache handelt, haben wir die Verhandlungen unterbrochen, um uns im Direktorium über die Sache aussprechen z_u können. Die Aussprache ergab, daß wir nur dann, wenn uns andere Bedingungen gestellt werden, der Bibliothek Geld für Grund und Boden zur Verfügung stellen können. Wir haben Herrn Prof. Warburg ermächtigt, die Unterhandlungen in diesem Sinne weiterzuführen, und bitten um Ihre Zustimmung. Die Generalversammlung ist hiermit einverstanden.