Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bodenheimer, Dr. HL Q. Heymann, Prof, Belkowsky, Wl. Idelsohn, Boris Goldberg, Simon Rosenbaum. Mittwoch-Abend=Sitzung Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung um IOV2 Uhr abends und ergreift sofort das Wort zu folgenden Ausführungen: Bevor wir zum nächsten Punkt der Tagesordnung schreiten, muß ich das wiederholen, was Herr Kann bereits heute nachmittag ausgeführt hat. Es müssen Bestimmungen getroffen werden, die die Beschlußfähigkeit des A. C. von der Anwesenheit eines bestimmten Prozentsatzes seiner Mitglieder abhängig machen. Es darf nicht vorkommen, daß wie eben Beschlüsse von größter Tragweite zu einer Zeit gefaßt werden, da ein Teil der Mitglieder bereits abgereist ist, von einem Quorum, das nur aus einer sehr bescheidenen Zahl von Mitgliedern des A. C. besteht. Diese Bestimmung ist um so notwendiger, wenn es sich wie bei dem Antrag des Herrn Dr. Tschlenow um Anträge handelt, die erst hier in der Sitzung vorgebracht werden und von denen den übrigen Mitgliedern des A. C. nicht bekannt war, daß sie hier zur Beratung kommen. Es wird einer meiner nächsten Aufgaben sein, darauf hinzuwirken» daß Bestimmungen über die Beschlußfähigkeit des A. C. getroffen werden. Beschlüsse des Finanzausschusses Sekretär Berger erstattet Bericht über die Arbeiten und Vorschläge des Finanzausschusses. Der Finanzausschuß hat dem E. A. C. verschiedene Projekte unterbreitet. Zwei Projekte, die auf Schaffung einer Lotterie und auf Ausgabe von Prämienobligationen seitens unserer Banken hinzieltet, wurden von dem Direktorium der Bank zurückgewiesen, da derartige Projekte weder den Interessen noch der Würde unserer Institutionen entsprächen. Das Projekt, das die Gründung einer Lebensversicherungsgesellschaft bezweckt, befindet sich noch jn Bearbeitung, seine Verwirklichung scheint aber aussichtslos. Übrig bleibt dann noch ein Antrag, die wohlhabenderen Gesinnungsgenossen zur Zahlung größerer fester Jahresbeiträge zu veranlassen, sowie ein Antrag, von den zionistischen Institutionen eine Vergütung für die ihnen vom A. C. geleisteten Dienste zu erheben. Dieser Antrag bedeutet eine Modifikation des s. Z. vom E. A. C. bei der Jahreskonferenz eingebrachten Antrags, von dem' Reingewinn der zionistischen Institutionen eine Steuer von 10% an das E. A. C. abzuführen. Der Antrag des Finanzausschusses setzt den Höchstbetrag der Vergütung auf 7L,2% des Reingewinns fest. Außerdem soll dieser Betrag nicht als Steuer bezahlt werden, sondern lediglich eine Gegenleistung für die Dienste darstellen, die das A. C. resp. die zionistische Gesamtorganisation den einzelnen Institutionen leistet. Dementsprechend soll sich auch die Vergütung nach Maßgabe des Wertes und der Bedeutung dieser Dienste abstufen. Das E. A. C. hat sich vorläufig zu diesem Antrag noch nicht geäußert. Gronemann: Wir müssen hinsichtlich der Finanzen bis zum Kongreß etwas Positives geschaffen haben. Wenn wir nicht vor den nächsten Kongreß mit etwas Fertigem hintreten, können wir nicht weiterarbeiten. Die Arbeit der Finanzkommission war bis jetzt eine negative. Man sollte die Angelegenheit dem Finanzausschuß zurückstellen. Ich habe folgende Idee: Wenn die Angelegenheit in der Presse behandelt würde, so würden mehr Leute über die Finanzfrage nachdenken, und wir würden neue Anregungen erhalten. Es darf nicht so aussehen, als ob wir uns heute mit der Finanzfrage gar nicht beschäftigt hätten, das muß sogar sehr deutlich hervorgehoben werden. Ich beantrage, das E. A. C. zu ersuchen, dem Kongreß einen Plan zur Reform unserer Finanzen vorzulegen, derart, daß ein Budget von 100 000 Mark jährlich für das E. A. C. gesichert ist. Präsident Wolffsohn: Niemand bedauert mehr als ich, daß" wir bisher nicht dazu gekommen sind, positive Beschlüsse über die Ordnung der Finanzverhältnisse zu fassen. Die Frage hat jetzt bereits auf dei; Tagesordnung mehrerer Sitzungen des A. C. gestanden und ist auf der Jahreskonferenz verhandelt worden. Wenn wir bis jetzt zu keiner Regelung gekommen sind, so liegt es'diran, daß das A. G. bisher noch niemals diese Frage mit der Energie und dem Ernste behandelt hat, wie sie es verlangt.- Man hat immer tagelang prinzipielle Debatten geführt und kam dann nicht mehr dazu, diese so wichtige praktische Frage genügend zu erörtern. Seinerzeit hatte das E. A. C. beantragt, daß 10% des Reingewinnes aller zionistischen Institutionen für die Deckung der Kosten der Organisation an das E. A. C. abgeführt werden sollten. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Wie liegen nun die Verhältnisse heute? Alle andern Institutionen sind in der Lage, aus ihren Einkünften große Ausgaben für Propaganda, Verwaltung usw. zu machen. Nur die Leitung der Partei, die auf die Schekeleinkünfte angewiesen ist, vermag kaum die notwendigsten Ausgaben zu decken. Ich hätte gerne gesehen, wenn man hier einen Weg gefunden hätte, die Einnahmen des A. C. zu vergrößern. Wie liegen denn die Dinge? Schließlich sind doch alle unsere Institutionen von dem Gedeihen der Organisation abhängig. Alle profitieren ja auch davon. Was geschaffen worden ist, war doch nur möglich auf Grund des Bestehens und der Arbeit der zionistischen Organisation. Ja, ich behaupte nicht zu viel, wenn ich die ganzePalästinabegeisterung außerhalb des Zionismus, von der auf diesen Sitzungen so viel die Rede war, auf das Konto unserer Arbeit setze. Darum könnten wir gar nichts Praktischeres schaffen, als wenn wir die Organisation selbst stärkten. Leider fehlt dafür das Verständnis. Man hat eine Kommission eingesetzt, sie hat einige nicht durchführbare Projekte vorgeschlagen und ist im übrigen zu dem Antrag zurückgekommen, den ich schon auf der Jahreskonferenz eingebracht hatte, der aber abgelehnt wurde. Darum, scheint mir, hat es wenig Wert, über diese Frage hier zu sprechen. Oberlassen wir diese Angelegenheit dem nächsten Kongreß. Auf Antrag des Herrn Dr. Gronemann wird schließlich beschlossen, die Finanzkomrnission zu ersuchen, noch einmal zusammenzutreten. Änderung der Geschäftsordnung und Änderung des Organisationsstatuts Zu diesem Punkte liegt der Entwurf einer neuen Geschäftsordnung, . der von der dazu eingesetzten Kommission ausgearbeitet worden ist, sowie der Entwurf des Herrn Dr. Bodenheimer für ein neues Organisationsstatut vor. Beide Entwürfe sind in der „Welt" veröffentlicht worden. Nach einer kurzen Debatte wird beschlossen, die Landsmannschaften zu ersuchen, zu den beiden Entwürfen Stellung zu nehmen. Die beiden Punkte sollen sodann auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Großen A. C. gesetzt werden, die unmittelbar vor dem Kongreß stattfindet, und zwar sollen diese beiden Punkte sofort nach dem Bericht des A. C. zur Verhandlung kommen. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildet die Angelegenheit des Ordens Knights of Zion Nach einer kurzen Debatte, in der Herr Dr. Lew in warm für die Federation of American Zionists eintritt, wird auf Antrag des Herrn Idelsohn beschlossen, mit Rücksicht darauf, daß das Große A. C. nicht kompetent ist, den einmal gefaßten Beschluß der Jahreskonferenz zu ändern, es bei diesem Beschlüsse, der den Orden als Federation anerkennt, zu belassen. Poale-Zion Präsident Wolffsohn berichtet, daß die Poale-Zion neuerdings mit dem Ersuchen an das E. A. C. herangetreten seien, ihren Verband als Föderation zu bestätigen. Sie haben die Quittungen von mehr als 3000 Schekeln eingesandt, von dem entsprechenden Betrag haben sie allerdings 40% für die Kosten ihrer Organisation in Abzug gebracht mit der Begründung, daß dieser Abzug auch andern Organisationen gestattet worden sei. Der Präsident beantragt, dem Ersuchen der Poale-Zion stattzugeben, wenn er auch ausdrücklich betonen möchte, daß mit der Bewilligung auf dieser Grundlage kein Präzedenzfall geschaffen werden solle. Nach kurzer Debatte wird beschlossen, den Allweltlichen Jüdischen Arbeiterverband Poale-Zion als Föderation anzuerkennen. Agitation für die Banken Es entspinnt sich eine kurze Diskussion über die Frage einer Propaganda für den Absatz der Bankaktien. Allgemein wird die Notwendigkeit einer solchen Agitation betont, wie auch von allen Seiten hervorgehoben wird, daß bei dem günstigen Abschluß unserer Banken, insbesondere bei der ausgezeichneten Entwicklung der Anglo-Palästine Company eine solche Aktion in zionistischen wie in nichtzionistischen mit Aussicht auf guten Erfolg durchgeführt werden kann. Das A. C. nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die Bank eine energische Propagandi für den Verkauf der gAktien einleiten wird.