Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Bentwich ist gegen die Schaffung einer Agrarbank, weil er meint, daß unsere schon bestehenden Institutionen die Sache des Agrarkredites durchführen können. Moser: Ich sehe in dem Antrage Tschlenow eine Vorbereitungsarbeit. Ich sehe nicht ein, warum wir nicht, wenn wir den ersten Teil des Antrages Tschlenow annehmen, einen Schritt weitergehen sollen. Ich bin der Ansicht, daß eine Kommission ernannt werden soll, die die Sache zu ergründen hat und uns konkrete Vorschläge unterbreiten soll. Ohne einen bes immten Plan können wir nichts Positives beschließen. Dr. Franzie Berenstein: Auch bei uns in Westeuropa sind in letzter Zeit neue Projekte aufgetaucht, die sich mit der Frage des Agrarkredites beschäftigen. Wenn wir die Sache irn Sinne des Antrages Dr. Hantke annehmen und die Vorbereitungen dafür treffen, so können wir die Sache dem E. A. C. überlassen. Präsident Wolffsohn: Ich kann nur noch einmal wiederholen: Was immer hier für die Agrarbank gesagt worden ist, ist schön und gut. Gegen die Idee selbst ist gar nichts einzuwenden. Das einzige, was ich verlange, ist, daß wir praktisch arbeiten. Es genügt doch nicht, daß wir den Antrag Dr. Tschlenows annehmen, wir müssen doch auch erwägen, was dabei herauskommt. Wenn wir schon etwas unternehmen müssen, so dürfen wir doch nicht mit leeren Redensarten beginnen. Es wäre viel richtiger, es bei dem einmal gefaßten Beschluß vorläufig zu belassenr wonach die A. P. C. 200 000 Frcs. für langfristige Kredite erhalten soll, und diese Einrichtung allmählich auszubauen. Auf diese Weise würden wir zugleich in die Lage kommen, Erfahrungen zu sammeln. Wenn dann einmal die Rechtsverhältnisse sich wirklich geändert haben werden, stehen wir dann viel besser vorbereitet da, als wenn eine Kommission noch so oft getagt hat. Hüten wir uns doch davor, wieder eine neue Unternehmung voreilig zu gründen. Durch die immerwährende Gründung neuer Institutionen zersplittern wir uns und erschüttern unsern Kredit. Wie oft hat man uns nicht vorgeworfen, daß unter uns zu viele Gründer seien. Trachten wir doch lieber darnach, die bereits bestehenden Institutionen auszubauen. Der Agrarfonds, der mit den 200 000 Frs. des Nationalfonds gegründet werden soll, sollte erweitert werden. Das wäre ein vernünftiger Anfang. Der Ar.t.a^ des Herrn Dr. Tschlenow wird uns aber meiner festen Oberzeugung nach keinen Schritt weiterbringen; im Gegenteil, er ist geeignet, der ganzen Sache sehr zu schaden. Es wird hier immer von der lebhaften Strömung für Palästina gesprochen, die allerwärts herrscht. Ich freue mich außerordentlich über diese Begeisterung. Wenn aber diese Strömung in Rußland so mächtig ist, dann trachten Sie doch darnach, meine Herren, die halbe Million Frs. Obligation unterzubringen, die die Anglo-Palestine- Company auf Grundlage der für die kooperativen Genossenschaften und die Häu5^*baugesellschaft bewilligten 500000 Frs. ausgeben wird. Nach Ihren Schilderungen muß es Ihnen doch in Rußland ein leichtes sein, Käufer für diese Papiere zu finden. Wenn Ihnen das gelingen wird, wenn Sie zur nächsten Sitzung kommen werden und haben diese Obligationen untergebracht, dann wird es ein leichtes sein, auch an die Gründung der Agrarbank zu schreiten. Auf eines möchte ich noch hinweisen: Man hat hier gesagt, wir müssen etwas nach Hause mitbringen, wir müssen einen Beschluß haben, der geeignet ist, das Interesse der Gesinnungsgenossen draußen im Lande neu zu beleben. Ich warne Sie vor diesem Wege. Ich kann wohl begreifen, daß der Kongreß im Interesse der Stärkung der Agitation und der Propaganda Schlagworte aufstellt und Parolen ausgibt Das Aktionskomitee aber ist dazu berufen, die Geschäfte der zionistischen Organisation zu leiten, praktische Arbeit zu verrichten. Das Aktionskomitee darf sich nicht dazu hinreißen lassen, einem großen Worte zuliebe Beschlüsse zufassen, deren-Ausführung es nicht verbürgen kann. Vielleicht, daß die großen Massen diesen Standpunkt nicht immer sofort verstehen. Um so dankbarer wird man uns sein, wenn später die Geschichte erweist, wie richtig wir gehandelt haben, als wir uns nicht von Augenblickserwägungen zu nutzlosen und verfehlten Demonstrationen hinreißen ließen. Dr. Tschlenow: Meine Herren! Gegen das Projekt, welches ich vor Ihnen entwickelte, sind von verschiedenen Seiten Bedenken vorgebracht worden. Daß es solche gibt, war ja mir auch gut bekannt; darum eben fordere ich, daß wir uns rechtzeitig vorbereiten sollen. Die Schwierigkeiten sind aber nicht solcher Natur, daß sie uns zurückhalten sollen. Herr Levontin hat in seinem uns vorgelesenen Briefe manche Schwierigkeiten angeführt; die sind aber in der Wirklichkeit leicht zu überwinden. Herr Wolffsohn hat uns auf die Wichtigkeit der kooperativen Genossenschaften aufmerksam gemacht; aber diese Aufgabe könnte noch besser von der Landbärik gelöst werden. Was Herr Wolffsohn von den Schwierigkeiten einer provisorischen Subskription, wie er sie bei der Gründung des J. C. T. kennen lernte, sagte, ist nur noch ein Grund dafür, daß wir auch diese Frage rechtzeitig vorbereiten sollen. Nun wurde von verschiedenen Seiten auf die Schwierigkeiten juridischer Natur hingewiesen. Diese sind wohl die wichtigsten, aber da müssen wir einfach abwarten. Es herrscht überall die Überzeugung, daß schon in dieser Session die Agrargesetze und die Frage der juristischen Persönlichkeit seitens des türkischen Parlaments beraten werden. Es ist darum Zeit, ja die höchste Zeit, daß wir schon jetzt an die Vorarbeiten gehen. Wir haben eine komplizierte Vorbereitungsarbeit zu leisten. Wir müssen das ganze Wesen des Agrarkredits in verschiedenen Ländern studieren und das für uns Passende wählen. Den Bodenkredit, Assosiationswesen und Genossenschaftskredit — all das müssen wir in unser Programm einschließen. Das fordert Zeit. Es ist gesagt worden, wozu sollen wir jetzt schon einen Beschluß fassen, wennseine Durchführung erst nach der stattgefundenen Gesetzänderung in der Türkei möglich sein wird. Ich halte es aber für sehr wichtig, daß wir schon jetzt den diesbezüglichen Beschluß fassen sollen. Nur dann werden wir bald und energisch an die vorbereitenden Arbeiten herantreten. Aber noch wichtiger ist, daß wir schon gleich unsere Kräfte, d. h. unsere Miitel konzentrieren werden. Wir müssen und werden suchen, die für Achusath-Baith bestimmten 30QO0O Frcs. rasch unterzubringen; wir werden nicht für Kredit an kooperative Genossenschaften 200000 Frcs. geben, nachdem wir unsere Mittel für eine entsprechende, aber viel größere Aufgabe reservieren müssen. Und auch mit den Einkünften des laufenden Jahres werden wir in Einklang mit unserm Beschluß verfahren. Noch ein Einwand ist gemacht worden. Es ist nicht gut, daß wir wieder eine neue Gesellschaft gründen wollen. Nun, wir haben so oft neue Gesellschaften für viel kleinere Zwecke gegründet; und gerade hier, bei dieser Lebensaufgabe, sollte dies uns zurückhalten? Herr Wolffsohn meinte, wir verlieren unsern Kredit in der öffentlichen Meinung durch diese neue Gründung. Ich bin ganz anderer Ansicht. Unsern Kredit haben wir fast verloren, weil man uns immer mit der Gründung von kleinen Gesellschaften und überhaupt mit Kleinigkeiten beschäftigt sieht. Zeigen wir einmal, daß wir auch den Wunsch haben, etwas Großes zu schaffen, daß wir Kräfte dazu in uns fühlen, und wir werden unsern Kredit wieder gewinnen. Denken sie daran, unter welchen Verhältnissen ist unsere Kolonialbank geschaffen worden. Mit dem Geiste von Herzl ist man daran herangetreten und die Sache ist gelungen. Denselben Geist müssen wir jetzt in uns erwecken, und wir werden unsere Aufgabe erreichen. Meine Herren, der gegenwärtige Moment ist ein sehr wichtiger, aber auch gefährlicher. Wenn wir ihn verpassen, dann bleibt uns nur übrig, zu warten, bis neue bessere Kräfte kommen werden, die mehr Energie und Selbstvertrauen haben als wir, die uns des ... Momentes unwürdig gezeigt haben. . . Es wurde mir hier gesagt, ich sei ein Arzt. Ja, aber auch dem kranken jüdischen Volke diene ich. Und ich bin gewöhnt, am Puls des jüdischen Volkes zu suchen und zu fühlen. Ihr Beschluß wird mir zeigen, ob hier wirklich noch der Volkspuls schlägt. Dr. Tschlenow zieht den dritten Teil seines Antrages zurück. Bei der Abstimmung wir,d der Antrag Dr. Tschlenows mit dem Zusatzantrag Dr. Hantkes einschließlich der beiden letzten Absätze, in folgender Fassung angenommen: In Anbetracht der großen Bedeutung der bevorstehenden Änderung der türkischen Rechtsverhältnisse, in Anbetracht ferner der Erfordernisse unserer Bewegung und der jetzigen Strömungen in weiten Kreisen erachtet das Große Aktionskommitee den Zeitpunkt für gekommen, an die Gründung eines großangelegten Instituts für Agrarkredit in Palästina zu schreiten und beschließt, unverzüglich mit aller Energie an die Vorbereitungsarbeiten für diesen Zweck zu gehen. Das Große A. C. beschließt ferner, eine Kommission einzusetzen, die dje Aufgabe haben soll: 1. die Frage der Gründung einer Agrarbank vom juristischen, wirtschaftlichen und finanziellen Standpunkt zu untersuchen und der nächsten Sitzung einen detaillierten Bericht vorzulegen. 2. Die Frage 'einer diesem Zwecke dienenden Subskription mit dem E. A. C. und der Bank zu erörtern und einen Bericht darüber vorzulegen. Als Mitglieder dieser Kommission wurden nachfolgende Herren gewählt: Dr. Tschlenow, Prof. Dr. Warburg, Dr. Franz Oppenheimer, Dr. Hantke,