Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 13 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 13 —= die; c) kleine Landparzellen für die Arbeiter anzukaufen, um bei den bestehenden Kolonien Arbeiteransiedlungen zu schaffen; ebenso Häuser für die dort beschäftigten Arbeiter zu bauen; d) langfristige Kredite von 6—10 Jahren an die Kolonisten zum Zwecke landwirtschaftlicher Ameliorationen, wie es in Europa üblich ist, zu gewähren. Endlich könnten in gewissen Fällen auch reichere Leute langfristige Darlehen bekommen, wenn das keine Spekulation hervorrufen würde. Dann kommen noch Häuserbau-Gesellschaften u. a. Ein solcher Agrarfonds wird endlich einer Agrarbank den Weg bahnen, wenn die jüdische Kolonisation bereits genug vorgerückt und eine Agrarbank zur dringenden und durchführbaren Notwendigkeit werden wird. Es bleibt nur noch die Frage, wie die Mittel zu beschaffen sind. Ein erster Schritt in dieser Richtung ist durch die vom Jüdischen Nationalfonds bei der A. C. zu deponierende l\* Million Frs. (300 000 Frs. für Häuserbau-Genossenschaften in Jaffa und Haifa und 200 000 Frs. für kooperative Agrargenossenschaften) bereits gemacht worden; diese Summe reicht aber lange nicht aus, um den Erfordernissen der existierenden Kolonisation nachkommen zu können. Dieser Fonds muß noch um ca. eine 1« Million Frs. vergrößert werden, und dann wird Leben in unsere Kolonisation fließen. Dieses Geld werden wir auf dem europäischen Geldmarkte nicht finden können, wohl aber unter unsern wohlhabenden Gesinnungsgenossen und den jüdischen Gesellschaften, die an der jüdischen Ansiedlung in Palästina Interesse haben," Außerdem muß ich noch erwähnen, daß auch Herr Dr. Kohan- Bernstein, der doch gewiß für die reale Arbeit in Palästina ist, mir ausdrücklich schreibt: „Soweit ich die Verhältnisse hier studiert habe, ist es unmöglich, sofort mit einem Agrarkredit im großen Maßstabe zu beginnen. Deshalb rate ich intensiv davon ab, eine große spezielle Agrarbank zu eröffnen. Ich bin vielmehr der Meinung, man soll sich auf den Beschluß der letzten Generalversammlung dss J. F. N. beschränken und vorläufig Frs. 200 000 für langfristige Kredite bewilligen. Wenn die Zeit zeigen .sollte, daß die Sache gut vorwärts geht, kann man dies kleine Geschäft beliebig und allmälig vergrößern." Meine Herren, Sie sehen, die Sache ist nicht so einfach, wie sie hier dargestellt wird. Handeln Sie nicht überstürzt, gefährden Sie nicht die Interessen unsrer Bewegung, die Interessen auch des Agrarkredits durch ein übereiltes Vorgehen. Dr. Lewin. Der heutige Standpunkt des A. C. in dieser Sache erscheint mir kleinlich. Vor zwei bis drei Jahren hätte ich diesen Standpunkt noch begreiflich gefunden, heute aber nicht. Man sagt, wir sollen noch warten. Wir sagen aber, es muß jetzt begonnen werden zu arbeiten. Denn wir müssen uns vorbereiten auf den günstigsten Fall. Begreifen Sie doch, daß jetzt eine andere Zeit ist. Die Stimmung in Rußland und in Amerika ist eine andere geworden. Soweit ich die Stimmung in Amerika erfaßt habe, kann ich sagen, daß man dort jetzt viele Mittel für eine Agrarbank finden würde. Die Frage isf ernst. Wenn wir jetzt arbeiten, dann werden wir auch die Früchte davon haben. Wenn wir es aber unterlassen, dann fürchte ich, daß andere die Arbeit machen. Die Stimmung ist vorhanden, und deshalb kommen wir mit Anträgen. Wie es scheint, fühlen Sie in Deutschland nichts von dieser Stimmung. Wenn sie nun in Rußland oder in Amerika sich fast in gleicher Weise äußert, so liegt das daran, daß dort die jüdischen Massen wohnen. Mit Schekeln und ähnlichen Sachen werden wir in Amerika jetzt schwer etwas ausrichten. Dagegen wird mit großen Dingen viel zu erreichen sein. Ich konnte aus dem verlesenen Berichte nicht klug werden. Es wird darin von Gründung einer Agrarbank unter den jetzigen Verhältnissen gesprochen, während wir doch an später denken. Wer die Initiative rechtzeitig ergreift, der wird auch die Sache in Händen haben. Machen wir also den Anfang. Idelsohn. Ich möchte die Sache von einem andren Standpunkte aus betrachten. Wenn die Gesetze jetzt noch nicht klar sind, können wir ganz gut ein halbes Jahr warten. Ich möchte aber auf die jetzige Stimmung in Rußland hinweisen. Im allgemeinen herrscht jetzt bei uns in Rußland die Meinung vor, daß die Verhältnisse in der Türkei sich so gestaltet haben, daß praktische Arbeit zu leisten möglich ist. Diese Stimmung ist auch von den maßgebenden Kreisen unterstützt worden. Wir sind hier daserstemal seitder türkischen Konstitution beisammen, und die zionistische Welt wartet, daß das G. A. C. von hier aus etwas Bedeutsames sagen wird. Entweder wir sagen, wir sifid überzeugt, daß die Gesetze sich so geändert haben, daß wir beginnen können, Großes vorzubereiten, oder wir sagen, es ist noch nicht die Zeit da, warten wir noch ein halbes Jahr. Und wenn ich vorschlage, die Agrarbank in großem Maßstabe von hier aus zu dekretieren, so meine ich, daß dies im gegenwärtigen Moment von größter Notwendigkeit ist. Die Erörterungen des Herrn Wolffsohn sind ganz richtig, wir müssen ggELT 281 sehr vorsichtig sein, aber wir müssen die Sache prinzipiell sofort anfassen, sonst weiß ich faktisch nicht, was wir jetzt der Außenwelt sagen werden können. In der letzten Zeit konzentriert sich doch alles auf Palästina. Wenn die Odessaer Versammlung von Zionisten stark besucht war, so geschah es, weil sie von dort etwas erwartet haben. Ich möchte, daß wir eine Resolution fassen, in welcher wir zu dieser Sache klar und unzweideutig Stellung nehmen. Dr. Hantke: Ich möchte mich im wesentlichen der Ansicht des Herrn Idelsohn anschließen. Der Antrag Dr. Tschlenow geht mir aber zu weit. Wir haben die Verantwortung für das, was wir beschlossen haben, und das darf nicht zerstört werden. Der Agrarkredit kann heute noch nicht durchgeführt werden. Die Dinge in der Türkei werden sich auch nicht sehr schnell abwickeln, aber wir müssen vorarbeiten. Heute können wir noch keine Subskription für die Gründung einer Agrarbank eröffnen. Wir sollten eine Resolution fassen, welche dokumentiert, daß die Partei ihre Hauptaufmerksamkeit auf die Agrarverhältnisse in Palästina lenken wird. Die Resolution muß so gefaßt werden, daß sie für kaufmännische Kreise klar genug ist. Sie muß andeuten, daß wir uns wohl bewußt sind, daß wir die Entwicklung der Dinge in der Türkei erst abwarten müssen, daß wir aber die Vorbereitungen treffen wollen, soweit sie von Moment zu Moment nötig sind. Dr. Tschlenow geht meines-Erachtens zu {weit; aber wir müssen eine starke Resolution hinsichtlich der Agrarangelegenheit fassen. Ich möchte aber nicht, daß unser früherer Beschluß hinsichtlich der kooperativen Genossenschaften unausgeführt bleibt, sondern daß das Direktorium möglichst schnell diese Angelegenheit einleitet und durchführt. Fischer: Mir wurde von meinen Landsleuten der Auftrag erteilt, für den Agrarkredit einzutreten. Ich habe diesen Auftrag aber abgelehnt. Ich bin dafür, daß sofort etwas unternommen werde, es muß irgendetwas vorbereitet werden. Unsere Organisation hat bis jetzt gar keinen Einfluß auf das jüdische Leben erlangt. Jetzt ist eine gewisse Strömung vorhanden, die uns zum Handeln drängt. Wir wollen ja das Judentum zionistisch beeinflussen, daher ist es besser, wir gewinnen in Palästina Einfluß, und nicht andere. Ich bin dafür, schon heute eine Resolution zufassen, dahingehend, daß wir die Ereignisse abwarten, und, sobald die Zeit gekommen ist, die Sache in Angriff nehmen. Trietsch: Der verlesene palästinensische Bericht ist pessimistisch auf Grund der dort gemachten schlechten Erfahrungen. Die Schuld daran liegt nicht an Palästina oder in den Verhältnissen, sondern nur in der falschen Auffassung der Dinge. Die A. P. C. hat wüste Ländereien angekauft und wollte sie unter sehr harten Bedingungen vergeben: man hätte aber das Land ameliorieren und »dann unter günstigen Bedingungen weitergeben sollen. Hierin lag der Fehler. Ich halte Herrn Levontin für dieses Gebiet nicht kompetent, dagegen hat sich die Bank als solche vorzüglich bewährt. Mit der Bank bin ich sehr zufrieden und würde gerne an der weitern Ausdehnung der A. P. C. mitwirken. Wir wollen uns aber von dem hier geäußerten Bedenken nicht abhalten lassen, für eine Angelegenheit zu sprechen, die aktuell und aussichtsreich ist. Ich möchte empfehlen, den Antrag Tschlenow im allgemeinen zu akzeptieren. Wir sind gezwungen, angesichts der neuen Lage neue Leistungen zu vollbringen und einen neuen Schwung unserer Bewegung zu verleihen. Dr. Tschlenows Idee ist außerordentlich gut und schön. Feiwel: Ein Punkt scheint mir besonders erwähnenswert. Daß in Rußland die Stimmung eine außerordentliche ist, davon konnte' ich mich kürzlich überzeugen. Ich möchte aber auch glauben, daß wir über die Stimmung in Westeuropa kein richtiges Urteil besitzen. Es ist auch hier eine günstige Strömung vorhanden, und wenn sie nicht da ist, so kann man sie gewiß erzeugen. Prinzipiell wird die Durchführung eines groß angelegten Institutes auch im gegenwärtigen Moment keine unmögliche Sache sein. Dessenungeachtet möchte ich behaupten, daß das, was der verlesene Bericht von der Möglichkeit eines Fonds schreibt, dem ziemlich nahekommt, was Dr. Tschlenow gesagt hat. Zur Resolution des Herrn Dr. Tschlenow möchte ich bemerken, daß, falls seine Ausführungsbestimmungen nicht angenommen werden sollten, doch der erste Teil seines Antrages in noch energischerer Fassung beschlossen werden sollte; dadurch wird eine neue Stimmung und neue Begeisterung entstehen. Dr. Hantke: Ich beantrage, nur den ersten Teil des Antrags Dr. Tschlenows anzunehmen, die drei Schlußabsätze abzulehnen und dafür dem ersten Teile folgende Schlußwendung zu geben: „und beschließt, an die Vorbereitungsarbeiten für diesen Zweck unverzüglich mit aller Energie zu schreiten." Dr. Tschlenow: Ich habe gegen dieses Amendement nichts einzuwenden, halte aber die Schlußsätze meines Antrages aufrecht.