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Die Welt · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 13 DIE^ELT 279 waren dagegen, und zwar aus folgenden Gründen. Bei dem jetzigen türkischen Rechte, in welchem der Begriff einer juridischen Persönlichkeit fehlt, wo einem Fremden in Palästina der Kauf von Grund und Boden erschwert wird, wo die hypothekarischen Verhältnisse so verwickelt sind, ist die juridische Sicherheit, die reelle Grundlage für die Tätigkeit eines Instituts für Agrarkredit, vollständig ausgeschlossen. Es müßten so oft und so viele Fiktionen in Gang gebracht werden, daß es bei Darlehen fast gar nicht möglich wäre, gerichtliche Forderungen geltend zu machen. Bei solchen Verhältnissen konnte man kaum beschließen, die Gelder des Nationalfonds in Risiko zu stellen. Fremde Gelder von andern Schichten zu diesem Zwecke bei der geschilderten Sachlage hinzuzuziehen, dies war ausgeschlossen. Und unsere eigenen Mittel sind doch, wie bekannt, sehr beschränkt. Jetzt erst, nach der neuen Gestaltung der Dinge in der Türkei, ist der Zeitpunkt gekommen, dieser so wichtigen Aufgabe näher zu treten. Wie von allen Seiten mitgeteilt wird, sollen seitens der türkischen Regierung Vorlagen ausgearbeitet und dem Parlament vorgelegt werden, welche die für unsere Aufgabe so wichtige juridische Grundlage schaffen werden, und zwar in europäischem Sinne. Wie man aus zuverlässigen Quellen mitteilt, sollen diese Vorlagen noch für die gegenwärtige, verlängerte Session des Parlaments, spätestens für die nächste, vorbereitet sein. Sollte dies geschehen, dann wird unser Nationalfonds in Palästina seine Tätigkeit in vollem Maße entwickeln können; wir werden auch eine ottomanische Gesellschaft gründen können, welche das Recht haben wird, Boden zu kaufen, Darlehen zu geben, sie gerichtlich einzufordern, mit einem Worte, so zu verfahren, wie eine Agrarbank in der großen Kulturwelt verfährt. Bei solchen Verhältnissen bekommt die Frage einer Landbank in Palästina eine ganz andere Grundlage, die der juridischen Sicherheit. Es wäre dann gegen die Teilnahme des N. F. nichts einzuwenden. Und wenn der N. F. mit einer entsprechend großen Summe vorausgehen sollte, dann könnten wir auf eine starke Beteiligung der breiten Schichten unserer Organisation, welche für diese Sache das größte Interesse haben, rechnen, wie auch auf diejenigen nicht zionistischen Kreise, die unsern Arbeiten und Bestrebungen sympathisch gegenüberstehen. Ist aber der N. F. imstande, aus seinen Mitteln, die schon doch zum großen Teile engagiert sind, eine große Summe zu diesem Zwecke zu geben? Ich denke, er wird gewiß zum nötigen Momente 1 Mill. Frcs. frei haben können. Vergessen wir nicht, daß auf die Summe von Frcs. 300 000, die für „Achusath Baith" bestimmt sind, die A. P. C. 41/2 prozentige Obligationen ausgeben wird. Wenn wir die Sicherheit dieses Unternehmens in Betracht ziehen, die Garantie der A. P. C, und daß 41/« Prozent ein anständiger Zinsfuß ist, so erscheint die Aufgabe durchaus nicht schwierig, diese kleine Summe in kurzer Zeit zu realisieren. Wir werden in Rußland einen großen Teil unterbringen; in Westeuropa würde ein solches Papier auch leicht plaziert. — Dann kommen die Frcs. 200 000, die auf der letzten Konferenz als Kredit für kooperative Genossenschaften beschlossen wurden. Ich will nichts gegen diese einwenden; sie bringen gewiß Nutzen, und ihre weitere Entwicklung ist sehr wünschenswert. Diese Kreditart bildet aber doch nur einen Teil der allgemeinen, uns jetzt bevorstehenden Aufgabe. Und wenn wir eine große Aufgabe vor Augen haben, zu deren Durchführung wir unsere ganze Kraft brauchen, sollen wir doch nicht unsere Mittel zersplittern und Hunderttausende abreißen. Dies war der Grund, warum ich auf der vorigen Konferenz gegen diese Kreditgewährung stimmte, warum ich auch nachher darauf bestanden habe, mit der Ausführung dieses Beschlusses abzuwarten. Wir besitzen weiter einen großen Bestand an Wertpapieren. Einen Bruchteil werden wir zu diesem Zwecke realisieren müssen. Wenn wir die Einkünfte des laufenden Jahres, die doch mindestens l/4 Mill. Frcs. ausmachen werden auch hierzu bestimmen, so können wir bestimmt 1 Mill. Frcs. aus den Mitteln des N. F. zu diesem Zwecke geben. Nun, mit einem solchen Beschlüsse und Beispiel werden wir uns an die gesamte Organisation wenden und sie zur Subskription aufrufen. Ich hoffe auf den besten Wiederhall Es ist mir nicht ganz klar, wie es in den andern Ländern steht: in Rußland schwärmt jetzt alles für die Gründung einer Landbank. Es herrscht überall die Oberzeugung, daß die Zeit der Arbeit gekommen ist, und daß diese Arbeit nur durch die Schaffung von langjährigem Agrarkredit vorwärts gebracht werden kann. Alles wartet auf unsern Beschluß, auf unsere Initiative; von unserer Seite ist leider noch nichts geschehen. Wenn wir die Subskription eröffnen werden, bin ich überzeugt, wir werden 2 Mill. Frcs. bekommen. Und nicht nur auf zionistische Kreise sind wir in dieser Richtung beschränkt. Ich hatte nach der letzten Konferenz die Gelegenheit, mit dem unermüdlichen Leiter des Hilfsvereins, Dr. P. Nathan, zu sprechen, wobei auch die Frage der Notwendigkeit eines Landkredits in Palästina und der Chancen, hierfür Gelder zu bekommen, berührt wurde. Dr. Nathan war auch der Meinung, daß auf die Beteiligung der jüdischen Financiers Europas, bei juridisch sicherer Grundlage, sicher zu rechnen ist. Auf diejenigen Kreise verschiedener Länder, welche bei Gelegenheit der Gründung der „ A. J. K. O." sich bereit erklärt haben, ihre Mittel und ihren Einfluß in den Dienst realer Unternehmungen im Orient zu stellen, auf diese können wir bestimmt rechnen. Und nun die „ J. C. A.": wenn wir zu ihr mit einem klaren Plan, auf reeller Grundlage basiert, kommen; wenn wir dabei selber 3 Mill. aufbringen, werden wir gewiß auch Entgegenkommen finden vielleicht in demselben Maßstabe, den diese Gesellschaft so oft anwendet, indem sie so viel gibt, wie die Initiatoren selbst mitbringen. Und auch andere große jüdische Organisationen müssen herangezogen werden. Einer solchen Aufgabe werden sie nicht fernbleiben. Ich halte mich für berechtigt zu behaupten, daß, wenn wir auf diese Weise vorgehen werden, wir für diese Bank ein eben solches Kapital aufbringen werden, wie wir seinerzeit für die Gründung des J. C. T. aufgebracht haben. Und mit einem solchen Kapital werden wir unsere wichtigste Aufgabe in Palästina vorwärts bringen, was jetzt noch nötiger und wichtiger ist als je zuvor. Vergessen wir nicht, daß die Umgestaltung der Dinge im ganzen Reiche auch in Palästina anderes Leben hervorrufen wird. Wenn wir nicht da sein werden, können andere kommen, festen Fuß fassen, und dann wäre es zu spät. . . Darum bin ich der Überzeugung, diese Aufgabe ist nicht verfrüht, wie andere meinen, sondern unaufschiebbar. Im Laufe eines Jahres #>können schon die für uns in Betracht kommenden juridischen Änderungen stattfinden. Zu diesem Zeitpunkt müssen wir mit unsern Vorbereitungen fertig sein, damit wir nicht, wie es leider oft geschieht, zu spät kommen. Ist es aber möglich;- eine Subskription vorzunehmen, bevor die juridische Sicherheit gegeben und die ganze Sache ausgearbeitet ist? Ich denke, ja. Bei der Gründung des J. C. T.' haben wir auch zuerst eine provisorische Subskription eröffnet. Das können wir auch jetzt tun. Wir werden auf diese Weise auch am besten erfahren, inwieweit wir auf die Sympathien und Opferfreudigkeit der breiten Schichten rechnen können. Die Subskribierenden werden nur die erste Ratenzahlung, etwa 10—20°,'", einzahlen; das übrige, nachdem die rechtliche Grundlage geschaffen worden ist. Es wird von mancher Seite behauptet,- wir könnten dem Mangel an größern Mitteln für unsere Arbeit in Palästina dadurch abhelfen, daß wir die Shares der A. P. C. verbreiten. Dies ist auch notwendig, und wir werden es auch tun. Aber seien wir uns klar, um größere, nicht gewöhnliche Energie hervorzurufen, um etwas Großes zu leisten, müssen wir unsern Schichten, ja dem ganzen Volk etwas Großzügiges vorschlagen, eine neue Parole geben, neue Begeisterung erwecken. Durch den Aufruf, die Shares unsrer längst bestehenden, wenn auch unbedingt nutzbringenden Bank zu verkaufen, werden wir unserZiel nicht erreichen. Meine Herren, ich schlage Ihnen vor, folgenden von mir lange durchdachten Antrag anzunehmen: In Anbetracht der großen Bedeutung der bevorstehenden Änderung der türkischen Rechtsverhältnisse, in Anbetracht ferner der Erfordernisse unserer Bewegung und der jetzigen Strömungen in weiten Kreisen erachtet das Große Aktionskomitee den Zeitpunkt für gekommen, an die Gründung eines großangelegten Instituts für Agrarkredit in Palästina zu schreiten. Das Große A. C. beschließt ferner, eine Kominission einzusetzen, die die Aufgabe haben soll: 1. Die Frage der Gründung einer Agrarbank vom juristischen, wirtschaftlichen und finanziellen Standpunkt zu untersuchen und der nächsten Sitzung einen detaillierten Bericht vorzulegen. 2. Die Frage einer diesem Zwecke dienenden Subskription mit dem E. A. C. und der Bank zu erörtern und einen Bericht darüber vorzulegen. 3. Vorbereitende Unterhandlungen mit den Organisationen und Finanziers anzubahnen. Ich bin überzeugt, daß, wenn wir jetzt an unsere Organisation mit einer großzügigen, vom Leben diktierten Aufgabe herantreten, wir den stärksten Anklang finden werden und die schlummernden Kräfte in Bewegung bringen. Wir werden nach langem Unterbrechen wieder etwas Großes schaffen, das für unsre Bewegung ebenso wichtig und fruchtbringend wäre, wie seinerzeit die Gründung des J. C. T. Der Zeitpunkt und die herrschenden Strömungen sind günstig. Nutzen wir sie aus, und wir werden in unsre Reihen neues Leben bringen, unsrer großen Sache neue Erfolge erzielen. Präsident Wolffsohn: Die Rede des Herrn Dr. Tschlenow habe ich mit großem Interesse angehört. Was er über die Notwendigkeit und die Bedeutung eines Agrarkredits gesagt hat, kann ich nur unterschreiben, auch seine Ausführungen historischen Charakters

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