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Die Welt · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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schaffen, das im nationalen Sinne wirkt, dann werden wir es auch unterstützen. Wir sind eine Partei, die sich in religiösen Fragen vollkommen neutral verhält, und können von unserm Standpunkt aus alle kulturellen und nationalen Anstalten in Palästina unterstutzen. Dr. Hantke kann die Entrüstung des Gymnasiums sehr wohl begreifen. Diese Herren arbeiten mit der ganzen Kraft ihres Idealismus seit Jahren und werden jetzt angegriffen. Es ist sehr leicht, von außen her Beschwerden zu richten; viel leichter jedenfalls, als das große Werk zu schaffen, das jetzt in dem Hebräischen Gymnasium in Palästina besteht. Anderseits ist offenbar, daß gewisse Verstöße vorgekommen sind. Es ist absolut unnötig und wie mir scheint, auch durchaus unpädagogisch, daß junge Kinder Vorlesungen über Bibelkritik erhalten. Wir sollten daher darauf bestehen, daß uns eine Garantie dafür gegeben wird, daß solche Mißstände nicht mehr vorkommen. Wenn wir eine entsprechende Antwort vom Gymnasium erhalten haben werden, muß die Sache für uns erledigt sein und der Beschluß des N. F. zur Ausführung gebracht werden. Mittwochnachmittagsitzung Moser bittet, den Ton der Antwort des Gymnasiums nicht zu streng zu beurteilen. Die Herren haben tatsächlich ein gewisses Recht, gereizt zu sein. Ich möchte nur auf einen Punkt hinweisen, der in dem Protest des Misrachi eine Rolle spielt. Dort wird die Behauptung des Gymnasiums angezweifelt, daß andere Städte und Kolonien dringend die Verlegung des Gymnasiums an ihren Ort gewünscht hätten. Demgegenüber kann er berichten, daß er bei seiner Anwesenheit von mehreren Kolonien und Städten dringend aufgefordert wurde, zu veranlassen, daß das Gymnasium dorthin verlegt werde. Mehrfach wurde ausdrücklich versucht, durch Aufkauf von Aktien die Mehrheit in der Generalversammlung zu erlangen, um die Verlegung des Gymnasiums durchzusetzen. Meine Freunde und ich waren über dieses Vorgehen, so schmeichelhaft es für das Gymnasium war, höchst entrüstet. Nach einer kurzen Debatte über die eingebrachten Anträge nimmt Dr. Schmarjahu Lewin das Wort: Ich habe ein moralisches Recht, über das Gymnasium zu sprechen, denn ich habe bei meiner Anwesenheit in Palästina täglich einige Stunden dort mitgearbeitet. Anderseits bin ich ein alter Freund der Misrachisten. Hätten wir heute in Palästina eine Macht, so würde es sich nicht lohnen, über solche Dinge zu sprechen. Es kommt auch anderswo, auch in Europa vor, daß man so handelt, wie dies am Hebräischen Gymnasium geschehen ist. Es lassen sich die Grenzen der Bibelkritik nicht feststellen. Soweit ich den Geist des Gymnasiums kenne, muß ich sagen, daß ich mich freuen würde, wenn ein solcher Geist bei unsern Orthodoxen herrschen würde. Wir behandeln solche Fragen in der Weise, wie dies hier geschieht, weil wir unsere innere Schwäche empfinden. Ich bin kein Freund des Dr. Mossinsohn; aber wenn ich sehe, daß er nach Palästina ging, um für ein lächerlich kleines Gehalt täglich 5 Stunden zu unterrichten und sich täglich ebensolange vorzubereiten, sc kann ich es begreifen, daß man über die Einmischung von draußen erregt wird. Ich habe noch nie gehört, daß die Bibel in irgendeiner Schule in solch jüdischem Geiste gelehrt wird wie am Hebräischen Gymnasium. Es ist aber nicht diese Bibelkritik, gegen die man sich wendet, sondern Herr Mossinsohn ist in Palästina auch ein Kulturträger. Er hält Vorträge, die vom freien Geiste durchdrungen sind, und dafür wird er bekämpft. Es kann doch am Gymnasium Verschiedenes vorkommen, aber das zu rügen, ist nicht unsere Sache. Tun wir das, so werden unfehlbar andere Ausstände am Gymnasium gemacht werden. Es wurde getadelt, daß die Lehrkräfte am Gymnasium den pädagogischen Anforderungen nicht in jeder Hinsicht entsprechen. Nun frage ich, haben wir dafür gesorgt, daß passende Lehrkräfte vorhanden sein sollen und gehen gut qualifizierte jüdische Lehrkräfte heute nach Palästina? Mit der Zeit wird sich das Gymnasium entwickeln; stören wir diese Entwicklung nicht dadurch, daß wir Bedingungen aufstellen und Garantien verlangen. Ich schlage vor, daß wir über die Sache zur Tagesordnung übergehen. Präsident Wolffsohn gibt gleichfalls seiner warmen Anteilnahme und Sympathie für das Gymnasium Ausdruck. Aus diesem Grunde ist er Mitglied des Gymnasiums geworden. Aus eigner Anschauung kann er sagen, daß wir etwas Schöneres als das Gymnasium nicht besitzen. Eben deshalb sieht er aber nichts darin, wenn vorgekommene Mißstände gerügt werden und verlangt wird, daß sie beseitigt werden. Das ist sicher unser gutes Recht und kann dem Gymnasium nur nützen. Damit schließt die Verhandlung über die Frage des Hebräischen Gymnasiums. Die Beschlußfassung über diese Frage erfolgt in der Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds. Vor Schluß der Sitzung ergreift Herr Kann, der gezwungen ist, schon abzureisen, das Wort zu Ausführungen über die Organisation unserer Bewegung, die ihm in vielen Punkten verbesserungsbedürftig scheint. Es entspinnt sich über diese Frage eine längere Debatte, an der sich außer Herrn Kann hauptsächlich die Herren Präsident Wolffsohn, Dr. Bodenheimer, Manager Hirsch und der Sekretär des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds, Herr Groß, beteiligen. Agrarkredit Dr. Bodenheimer: Die Generalversammlung des Nationalfonds, die anläßlich der Jahreskonferenz tagte, hatte folgenden Beschluß gefaßt: „Die Generalversammlung des N. F. beschließt, das Direktorium des N. F. zu ermächtigen, eine Anleihe an die A. P. C. in Jaffa bis zum Betrage von Frs. 200000 speziell zum Zwecke eines Agrarkredits an kooperative Genossenschaften in Palästina unter Garantie der Bank und zu 4°/o zu gewähren." Zwecks Ausführung dieses Beschlusses wurde in der darauffolgenden Direktoriumssitzung beschlossen, das Palästinaamt zu beauftragen, einen Entwurf auszuarbeiten, von dem Abschrift jedem Mitgliede des Direktoriums behufs schriftlicher Genehmigung zugesendet werden soll. Das Palästinaamt hat hierauf einen Vertragsentwurf ausgearbeitet, der den Direktoren übermittelt wurde. Inzwischen ist die Idee der Agrarbank aufgetaucht. Dr. Tschlenow hat auf Grund der Beschlüsse der Konferenz in Moskau an den Nationalfonds das dringende Ersuchen gerichtet, den Beschluß der Generalversammlung nicht auszufüren, sondern damit zu warten, bis die Frage der Agrarbank geklärt ist. Ich meine, wir sollten nicht so leichterdings von den einmal gefaßten Beschlüssen abweichen. Wenn wir selbst unsere Beschlüsse nicht ernst nehmen, riskieren wir, daß andere uns nicht ernst nehmen. Dazu kommt, daß die flüssigen Mittel des Nationalfonds ihm nicht gestatten, eine große Aktion im Sinne der Moskauer Beschlüsse zu unternehmen. Dr. Tschlenow: Die Frage, über die wir jetzt zu beschließen haben, ist von der größten Wichtigkeit. Wir sind stets mit unsern Beschlüssen und Beratungen über laufende Angelegenheiten so stark beschäftigt, daß wir selten Zeit und Möglichkeit haben, uns die Frage zu stellen, inwieweit unsere allgemeine Hauptaufgabe auf diese Weise vorwärts gebracht ist. Wenn wir uns diese Frage gestellt hätten, müßten wir zugeben, daß wir in den letzten 15—20 Jahren, was den jüdischen Besitz in Palästina und seine Erweiterung anbelangt, fast keinen Schritt vorwärts gekommen sind. Die letzte in Palästina gegründete Kolonie, Rechoboth, ist schon 18 Jahre alt. Seitdem sind zwar einige Kolonien in Galiläa gegründet; diese bedeuten aber auch kaum eine Vermehrung unseres Kolonialbestandes, da sie sogen. Töchterkolonien der schon früher existierten darstellen. Im letzten Jahre hat das Odessaer Komitee auch ein paar Versuche gemacht; die sind aber in sehr kleinem Umfange und vont entsprechender Bedeutung. Und wenn es unsere allgemeine Überzeugung ist, daß die zionistische Aufgabe in Palästina nur dann durchgeführt werden kann, wenn wir festen Fuß im Lande gefaßt haben werden, wenn wir jüdischen Boden und jüdische Ansiedler haben werden, so müssen wir es gestehen, daß wir, als politische Zionisten, in dieser Richtung eigentlich noch nichts getan haben. Vergessen wir nicht, daß der jüdische Besitz in Palästina kaum 2 °/o des Bodens ausmacht; die übrigen 98°o gehören andern; und auch das ist in den ersten zehn Jahren erreicht worden. Wie kommt es, daß unsere Hauptaufgabe gar nicht vorwärts gebracht wird? Die Antwort ist nicht schwer zu geben. Die reichen Elemente im Judentum hatten, bis zur letzten Zeit wenigstens, wenig Lust, nach Palästina zu gehen. Die armen, die es wollten, haben nicht die Möglichkeit, sich dort anzusiedeln. Die mittlere Klasse ist es, die in dieser Richtung Abhilfe schaffen könnte, besonders in der letzten Zeit Es war auch früher, besonders aber wird es jetzt von allen Seiten konstatiert, daß eine starke Strömung in diesen Schichten existiert, nach Palästina zu gehen. Tausende von Familien gibt es in Rußland, und auch viele gewiß anderwärts, von denen jede ein Vermögen von 2000, 3000, 4000 Rubel besitzt, die in Palästina sich ansiedeln möchten. Mit ihrem Vermögen kann man freilich in Palästina keine Existenz schaffen. Sie brauchen Kredit. Dieser wird ihnen aber von keiner Seite gewährt. Und so bleiben sie auch aus. Die Notwendigkeit eines langjährigen Agrarkredits für die Entwicklung unserer Sache in Palästina ist längst empfunden worden. Zur Zeit des letzten Kongresses wurde eine starke Agitation entwickelt, um ein derartiges Institut unverzüglich zu schaffen, und zwar aus den Mitteln des Nationalfonds. In der großen Palästina- Kommission des Kongresses haben die Verfechter dieser Anschauung, Professor Warburg und Ussischkin, die Majorität erhalten. Wir

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