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Die Welt · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 13 DIESqKELT 277 Schattierungen im Zionismus durchdrungen, und'wenn noch Meinungsverschiedenheiten vorhanden sind, so sind sie eben nur Verschiedenheiten der Anschauungen über die Möglichkeiten und über den Zeitpunkt, und es ist gut, daß sie vorhanden sind, denn sie gestatten es, jede Frage nach allen Richtungen zu erörtern. Nach der letzten Tagung, wie nach allen frühern, können wir getrost der Zukunft entgegenschauen. Gewiß sind unsere Aufgaben schwierig; die Schwierigkeit der Aufgaben kann aber nur den Mut stählen, sie unverzagt durchzuführen. Eine Zeit rascher zionistischer Entwicklung ist eingetreten, und es gilt doppelte Anspannung. Nicht auf die getane Arbeit sehen, um auf den errungenen Kränzen auszuruhen, sondern auf die unvollzogene, um neue Kränze zu erringen, das ist es, was wir wollen. 1 N. S. Bericht über die Sitzung des Großen Aktionskomitees vom 15.—17. März 1909 in Köln (Schluß) Mittwochvormittagssitzung Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet die Angelegenheit des Hebräischen Gymnasiums. Dr. Bodenheimer referiert über die Vorgeschichte der Frage. Die letzte Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds hatte beschlossen, das Direktorium zu ermächtigen, dem Hebräischen Gymnasium in Jaffa für den Bau des Gymnasiums Grund und Boden aus den Mitteln des Nationalfonds zur Verfügung zu stellen. Bei der Ausführung des Beschlusses ergaben sich zunächst Schwierigkeiten formeller Natur, die in dem Verhältnis des Gymnasiums zur Häuserbaugesellschaft Achusath-Baith begründet waren. Außerdem aber lief beim E. A. C. ein Protest des Bureaus des Misrachi für Westeuropa gegen die Realisierung dieses Beschlusses ein. Aus diesen beiden Gründen sahen wir zunächst von der Ausführung des Beschlusses ab. Die heutige A. C.-Sitzung möge den Standpunkt präzisieren, den das A. C. dem Protest gegenüber einnimmt, und sodann möge die Generalversammlung des Nationalfonds über die Ausführung des ursprünglichen Beschlusses endgültig beschließen. Präsident Wolffsohn: Nachdem wir den Beschluß gefaßt haben, dem Hebräischen Gymnasium den Boden zur Errichtung des Gebäudes durch den Nationalfonds zur Verfügung zu stellen und dieser Beschluß bekannt wurde, erschien bei mir in Köln eine Deputation des Misrachi aus Frankfurt, die gegen diesen Beschluß protestierte. Ich habe den Herren von der Deputation geraten, eine schriftliche Eingabe an das E. A. C. zu machen, was auch geschehen ist. Den schriftlichen Protest sandten wir sowohl an die Direktion des Gymnasiums in Jaffa als auch an das Palästinaamt. Vom Palästinaamt ist sofort ein Gutachten eingelaufen, das Ihnen in Abschrift vorliegt. Das Hebräische Gymnasium hat uns in der vorigen Woche eine eingehende Antwort gesandt, die wir Ihnen ebenfalls vorgelegt haben. Ich hielt es für meine Pflicht, dem Bureau des Misrachi für Westeuropa diese Antwort zuzusenden, weil wir ja nach jeder Richtung hin die Unparteilichkeit wahren müssen. - Die Antwort des Misrachi ist gestern eingelaufen, ich werde sie nunmehr durch den Sekretär verlesen lassen. Nach Verlesung des Briefes des Misrachi eröffnet Dr. Bodenheimer die Diskussion über diese Frage. Grone mann bedauert lebhaft und rügt scharf den Ton der Antwort des Hebräischen Gymnasiums auf den sachlich gehaltenen Protest des Misrachi. Mit der prinzipiellen Stellungnahme des Misrachi, der betont, daß der Zionismus offiziell keine Veranlassung habe, sich mit der Errichtung und der Unterstützung von Schulen in Palästina zu befassen, ist er nicht einverstanden, im Gegenteil möchte er behaupten, daß es gar keine wichtigere Aufgabe für den Zionismus gibt, als die Förderung und Unterstützung von Schulen in Palästina. Auch ihm scheine die Methode, die seitens eines Lehrers der Anstalt, des Herrn Dr. Mossinsohn, geübt werde, bedenklich. Aus den verschiedenen Informationen, wie auch aus dem Berichte des Palästinaamtes gehe deutlich hervor, daß der Herr jungen Kindern Bibelkritik vorgetragen habe. Es bedürfe keiner längern Ausführung, um darzulegen, daß ein solcher Gegenstand für den Unterricht junger Kinder durchaus ungeeignet sei. Allerdings gehe ja auch aus dem Berichte des Palästinaamtes hervor, daß der Standpunkt des Herrn Dr. Mossinsohn auch von dem pädagogischen Rat des Gymnasiums nicht geteilt werde. Das offenbar durchaus objektive Gutachten des Palästinaamtes kommt ungeachtet der Bedenken, die auch dieses Gutachten gegen die von Herrn Dr. Mossinsohn angewandte Methode hegt, doch zu dem Beschlüsse, daß das Gymnasium als eine eminent kulturfördernde Anstalt die Unterstützung des N. F. sehr wohl verdiene. Nachdem festgestellt zu sein scheint, daß die Verstöße, die vorgekommen sind, auch vom Gymnasium nicht gebilligt werden und ihre Wiederholung damit ausgeschlossen sein dürfte, sollten wir es bei dem ursprünglichen Beschlüsse lassen. Wenn von seiten des Misrachi betont wird, daß eine Unterstützung des Gymnasiums die Abstoßung konservativer Elemente zur Folge haben könnte, so baue ich viel zu sehr auf den guten Zionismus dieser Gesinnungsgenossen, als daß ich annehmen möchte, daß mißliebige Vorkommnisse sie der Organisation untreu maghen sollten. Wir dürfen uns jedenfalls durch solche Gründe nicht beeinflussen lassen. Hierauf erhält das Wort der als Gast anwesende Direktor des Hebräischen Gymnasiums, . Dr. Bogratschow: Wenn hier der Ton der Antwort des Gymnasiums gerügt worden sei, so möge man doch nicht außeracht lassen, daß das Gymnasium durch den Protest des Misrachi in der schwersten Weise angegriffen und' verdächtigt worden sei. Die Denkschrift des Misrachi werfe den Lehrern der- Anstalt Untauglichkeit für ihr Amt vor, ihre Qualifikation stehe nicht fest usw. usw. Demgegenüber müsse er betonen, daß das Gymnasium die besten Elemente zu Lehrern habe, die es habe finden können, begabte, gelehrte und begeisterte Männer, die nach langjährigem Studium die besten Chancen in Europa ausgeschlagen hätten, um in Palästina unter schwierigen Verhältnissen und großen Opfern für ihr Ideal zu wirken. Daß an einer jungen Anstalt nicht gleich alles in Ordnung sei, sei begreiflich. Fehler kämen auch in Europa an den bestgeleiteten und altbewährtesten Instituten vor. Das dürfe kein Grund sein, um gleich eine so heftige Agitation zu entfalten, die, man könne sagen, was man wolle, nicht gegen die Schute als solche, sondern gegen den Geist der Kultur gerichtet sei, der von ihr ausgehe. Tatsache sei jedenfalls, daß niemand in der ganzen Welt gegen die Anstalt protestiert habe, mit Ausnahme des Frankfurter Bureaus, das den Anschein zu erwecken suche, als ob große Massen hinter ihm ständen. In Rußland, wo doch die Masse der orthodoxen Juden wohne, — die allerdings die Orthodoxie ganz anders auffaßten als die Frankfurter Herren, — sei von einer Bewegung gegen das Gymnasium nicht das Geringste zu spüren. Und auch in Palästina komme die Schule mit den strenggläubigen Elementen sehr gut aus. Die Schule stehe den verschiedenen religiösen Richtungen im Judentume durchaus neutral gegenüber und werde sich in dieser Stellungnahme auch durch keinerlei Angriffe beeinflussen lassen. Keinesfalls aber könne sie eine Einmischung von außen in ihren * Lehrplan dulden. Der pädagogische Rat des Gymnasiums setze den Unterrichtsplan regelmäßig fest und sorge dafür, daß allen Ansprüchen Rechnung getragen werde. Kämen Fehler vor, sorge der Rat von selbst für Abhilfe. In diesem Rate habe ja auch das Palästinaamt Sitz und Stimme. Für einen hinreichenden Einfluß der zionistischen Organisation sei also vollauf gesorgt. Das eine möchte ich noch sagen: Es beleidigt uns fast, wenn man glaubt, uns erst vorschreiben zu müssen, daß wir die religiösen Gefühle unserer Brüder nicht verletzen sollen. Das erscheint uns als eine so selbstverständliche Grundlage unserer Anstalt, daß wir wirklich .nicht in der Lage sind, darüber ein Wort zu verlieren. Ich bitte Sie, den Beschluß des N. F. ohne jede Einschränkung zur Ausführung zu bringen. Idelsohn ist der Ansicht, daß es nicht zweckmäßig wäre, die prinzipielle Seite dieser Frage hier zu erörtern. Wir Zionisten haben vorläufig, nachdem wir noch keine Schulen in Palästina besitzen, auch kein Schulsystem. Es handelt sich lediglich darum, ob wir das hebräische Gymnasium unterstützen sollen oder nicht. Ich bin der Ansicht, daß^wir alle kulturellen Institutionen in Palästina zu unterstützen haben, ob sie nun freisinnig sind oder orthodox. Sollte der Misrachi in die Lage kommen, selbst ein Gymnasium zu

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