Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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die ihm oblagen, erfüllen konnte, da es materiell nicht genügend von den Provinzialstädten unterstützt wurde, so kann es doch mit Freude auf das Wachstum der zionistischen Organisation in Südgalizien, als Frucht seiner Arbeit, hinblicken. (Beifall.) Gg. Meir Henisch berichtete über seine Tätigkeit als Nationalfonds- und Palästinareferent des Distriktskomitees. Für den Nationalfonds wurden im südgalizischen D.-K. insgesamt Kr. 1 i 226.67 gesammelt, so daß das Stanislauer D.-K. relativ die größte Summe von den galizischen D.-K. gespendet hat. In zwei Städten wurden im letzten Jahre mehr als 1000 Kr. gesammelt, in Stanislau Kr. 1814.91 und in Drohobycz Kr. 1628.67. Sechzehn Ortschaften spendeten für den;Nationalfonds mehr als 100 Kr. Kolornea Kr. 891.67, Boryslaw Kr. 890.62, Kossöw Kr. 588.60, Horodenka Kr. 481.77, Buczacz Kr. 478.90, Stryj Kr. 402.52, Kuty Kr. 321.63, Monasterzyska Kr. 252.32, Gwozdziec Kr. 244.01, Tlumacz Kr. 221.37, Kalusz Kr. 192.38, Bursztyn Kr. 171.75, Halicz Kr. 167.89, Zablotow Kr. 139.—, Bolechow Kr. 113.29 und Rozniatöw Kr. 100.69. Es entfällt also auf einen jüdischen Einwohner dieses Bezirks 5 *•* Heller, das für das arme Galizien eine ganz ansehnliche Ziffer ist. Auch für palästinensische Zwecke wurde im Bezirke des D.-K. eine rege Tätigkeit entwickelt, welche bedeutende Summen einbrachte. Lebhafter Beifall lohnte die interessanten Ausführungen des Gg. Henisch, der sich um die Organisation und Popularisierung des Nationalfonds im südgalizischen Distriktskomitee viele Verdienste erworben hat. Über diese Berichte entwickelte sich eine längere Diskussion, an welcher folgende Delegierte teilgenommen haben: Gg. Bovel (Monasterzyska), der mehr Interesse für die reale Arbeit in Palästina vom künftigen D.K. verlangen zu müssen glaubt; Gg. Krumholz (Kuty), welcher den Mangel an zionistischer Propaganda unter den breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung beklagte; Dr. Pachtmann, der auf die Arbeitsmöglichkeiten des D. K. aufmerksam machte; Gartenberg (Drohobycz), Aschkenase (Monasterzyska), Kleiner (Tysmienica), Krieger (Kolornea) und Schnabel (Horodenka). Auf die Vorwürfe der Delegierten replizierten sodann Dr. Schur und Zaslawski (Tlumacz), worauf dem Distriktskomitee das Absolutorium erteilt wurde. Frl. Melier wurde, für ihre eifervolle Tätigkeit die Anerkennung der Konferenz ausgesprochen. ' In der Nachmittagssitzung referierte Gg. Dr. MichaelRingel (Lemberg) als Vertreter des galizischen Zentralkomitees über die Aufgaben der zionistischen Organisation. Es muß konstatiert werden — meinte der Redner — daß in Galizien eine gewisse Unzufriedenheit mit der bisherigen Tätigkeit unserer Landeszentrale herrscht. Diese Unzufriedenheit bewirkt, daß unsere Konferenzen so viel scharfe Kritik zu hören bekommen, trotzdem, daß unsere Genossen doch eben jetzt ihre Parteiarbeit tüchtig und energisch weiterführen und wir doch vieles, was bis nun vernachlässigt wurde, jetzt in Angriff genommen haben. Der Inhalt des Parteilebens in Galizien ist nämlich viel tiefer, als es bis nun der Fall war, und wir stehen Aufgaben gegenüber, die nicht so leicht auszuführen sind. Insbesondere hat die Landespolitik viele Kräfte absorbiert, so daß es vielleicht ratsam wäre, diesen Teil unserer Arbeit einer besondern Organisation zu überlassen, welche unter der Leitung der zionistischen Partei die national-jüdische Politik im Lande zu führen hätte. Wir müssen auch für die ökonomische Organisation der galizischen Juden Sorge tragen, und deshalb sehen wir uns gezwungen, zu einer Konsolidierung der jüdischen Produzenten und Kaufleute auf Basis ihrer Berufstätigkeit zu greifen. Auf dem kulturellen Gebiete ist es unsere Pflicht, schon in der nächsten Zeit eine Aktion einzuleiten, um die hebräischen Schulen im Lande zu stärken und so für die Nationalisierung der jüdischen Jugend zu sorgen. Es müßte zu diesem Zwecke ein jüdischer 'Schulverein gegründet werden, welcher die schon existierenden hebräischen Schulen unterstützen und an ihrer weitern Entwicklung arbeiten soll. So werden wir die alten Formen unserer Parteiorganisation gänzlich ändern müssen, um den neuen Aufgaben gerecht zu werden. Gg. Leon Wechsler, Sekretär des Zentralkomitees (Lemberg), referierte über unsere Aufgaben in Palästina. In seinem ausführlichen Referate besprach der Redner die jetzige Situation in Palästina, indem er insbesondere der Änderung der Verhältnisse im osmanischen Reiche, welche die jungtürkische Revolution herbeiführte, sein Augenmerk zuwandte. Er schilderte die bisherige Tätigkeit der zionistischen Partei in Palästina und kennzeichnete alle zionistischen Institutionen, welche jetzt im Lande tätig sind. Die praktische Arbeit soll möglichst intensiv weitergeführt werden, weil von ihr und nur von ihr die Zukunft unserer Idee und des Judentums abhängig ist. Mit einem warmen Appell an die Delegierten, daß sie mit ihrer ganzen Kraft die reale Arbeit in Palästina materiell unterstützen sollen, schloß der Redner unter lebhaftem Beifall der Anwesenden. Nach einer kurzen Debatte wurden sodann folgende Anträge angenommen: 1. Die Konferenz fordert das zionistische Zentralkomitee in Lemberg auf, eine Zentralkommission für die Palästinaarbeit zu gründen, welche in allen galizischen Städten besondere Palästinakomitees gründen" soll. 50 °/o der Einnahmen des Z. K. sollen dieser Palästinakommission überlassen werden. 2. Es soll eine Expositur des Frauenbundes für kulturelle Arbeit in Palästina in Galizien gegründet werden. 3. Die Konferenz spricht sich für die Schaffung einer demokratischen jüdisch-nationalen Partei aus, welche die Agenden der Landespolitik weiterführen soll. Schließlich wurde noch eine Resolution beschlossen, an die Bildung eines jüdischen Schulvereins und eines Seminars für die hebräischen Lehrer zu schreiten. In das neue Distriktskomitee wurden nach einer längern Diskussion gewählt: Gg. Dr. Schur, Tropp, Henisch, Eigenfeld, Frl. Melier, Magnet, Seiinger, Fischgrund und Zaslawski. Es hielten noch an die Delegierten Gg. Wechsler und Dr. Pachtmann n Schlußreden, worauf die Konferenz geschlossen wurde, Landeskonferenz der galizischen Zionisten Das zionistische Zentralkomitee hat nunmehr die Landeskonferenz der galizischen Zionisten für den 18. und 19. April einberufen. Die Tagesordnung wird erst später bekanntgemacht werden. Es ist zu hoffen, daß angesichts der ernsten Lage, in welcher sich jetzt die zionistische Organisation Galiziens befindet, die Landeskonferenz einen würdigen Verlauf nehmen wird. Eine Theodor=Herzl=Straße in Gliniany Das galizisch-zionistische Parteiorgan „Wschöd" meldet, daß der Gemeinderat des . ostgalizischen Städtchens Gliniany beschlossen hat, die Straße, an welcher sich das „Jüdische Nationalhaus" befindet, Theodor-Herzl-Gasse zu benennen. In Galizien, wo die zionistische Bewegung jetzt so sehr verfolgt und bekämpft wird, ist dies ein sehr seltenes und erfreuliches Ereignis. Gliniany gehört überhaupt zu den besten zionistischen Städten Galiziens. Dank der unermüdlichen Arbeit unserer Gesinnungsgenossen Dr. Jakob Korkis und Efraim Katz existieren heute in Gliniany zwei blühende zionistische Vereine; eine hebräische Schule, welche sich vortrefflich entwickelt, und vor einem Jahre wurde dort ein „Jüdisches Nationalhaus" erbaut. Gliniany spendet verhältnismäßig viel mehr für den Nationalfonds als alle andern galizischen Städte, und auch für die übrigen palästinensischen Zwecke wird eifrig gesammelt. Banjaluka: Donnerstag hielt hier Herr Dr. Kadisch aus Wien einen Vortrag über „Die gegenwärtigen und zukünftigen Aufgaben des Judentums" und insbesondere der Juden in Bosnien. Ein zahlreiches Publikum folgte seinem prächtigen Vortrage mit der größten Aufmerksamkeit und nichtendenwollendem Beifalle. Die Folgen des Vortrages waren bereits die Vorarbeiten zur Gründung eines zionistischen Vereins und zur Annäherung der sephardischen und askenadischen Juden. Nach dem Vortrage fand ein Kommers zu Ehren des Dr. Kadisch statt, der einen sehr animierten Verlauf nahm. iL^L NACHRICHTEN 5S^S7 Rußland (Von unserm Berichterstatter) Selten kann man einer solchen Einstimmigkeit in Schätzung der Verdienste einer hervorragenden Persönlichkeit begegnen, wie wir es bei der Schätzung der Person des verstorbenen Baron Ginzburg gesehen haben. Fast alle jüdischen Parteien, die äußersten Assimilatoren sowie die extremsten Nationalisten, das alte konservative Geschlecht sowie die radikale Jugend, haben sich vereinigt, um dem Menschen guten Willens und schönen Charakters die letzte Ehre zu erweisen. Der Reiz dieser patriarchalischen Gestalt war so groß, daß sogar die extremsten Judenfeinde dem Verstorbenen warme Worte der Anerkennung nicht versagen können. Fürst Meschtscherski, Redakteur des „Graschdanin", widmet dem Baron Ginzburg sehr schöne und herzliche Erinnerungen. Er schreibt, daß er in seinem Leben selten solchen sympathischen Personen begegnete wie den zwei Juden Abraham Warschawsky und Baron Ginzburg. Sie vereinigten In sich, schreibt Fürst M., die Grandezza echter Aristokraten mit den