Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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lag, — es aber nicht tat, sondern sich zu ihm voll Mitleid beugte; er, der als Mann nur Milde kannte und viele Freunde unter den Fremden fand. Freilich manche, die seine Gedanken ins Leben umsetzen wollten, mußten Schlimmeres von den christlichen Ketzergerichten erdulden, als Uriel Atosta und .ihm seitens der Rabbinen widerfuhr. Zwar fiel er nicht offiziell vom Judentum ab, — er wurde eher von Fanatikern wie Rabbi Aboab und Zakuto hinausgestoßen, — aber er hing auch nicht mehr an der Vergangenheit wie sein Vater. Ihn beengte nicht nur die Unzahl der Vorschriften der väterlichen, sondern die Dogmatik jeglicher Religion. Ohne sich an Äußerlichkeiten zu kehren, verleugnete er nie seinen innern Menschen. So läßt ihn auch Kolbenheyer nach dem scheinbaren Abfall an einem Sabbatabend in die Judenbuurt schleichen. Was zieht ihn hin? — Diese Szene war bei Häuser von besondererTiefe und Schönheit. Der Name Zion erweckte dort in Spinoza seltsame Gefühle. Bei Kolbenheyer fehlt dieser seelisch-tiefe nationale Untergrund, der heimliche Klang der Sehnsucht nach dem wahren Vaterlande der Juden. Einmal nur rührt er an diese tiefen Glocken, leise, leise. „Aus der Levante bringen Kauffahrer die Nachricht, daß sich um einen Zabbatai Zevi die Kinder Israels sammeln... Und die Rabbinen, die früher in Amsterdam ein Neu- Jerusalem sahen, predigen den Auszug nach Palästina ... Doch der Verfasser unterläßt es, diese Bewegung, die in Wassermann und Asch treffliche Schilderer gefunden, zu Spinozas Seelenleben in Beziehung zu bringen. Anders Hauser, dessen Spinoza fühlt, daß seine Brüder trotz Kleinsinn und Elend eine Hoffnung im Herzen hegten, die groß war, eine Hoffnung an die endliche Wiederkehr nach Palästina, wo sie frei sein wollen, frei und eigen. Kolbenheyer setzt an die Stelle des nationalen das religiöse Moment und erzielt ganz andere Wirkungen. Da sie auch künstlerische sind, verdient sein „Amor Dei" beachtet, gelobt und — gelesen zu werden. o o ^--- O O O Q O O O jj AUS DER BEWEGUNG if o o o o o o o 1 ^. Ö o o o o o o Bericht über die erste Boardssitzung der Palestine Land Development Company Ltd., abgehalten am i4. März 1909 in Köln a. Rh., Hotel Kaiser Friedrich, Salierring Das Direktorium der Gesellschaft besteht aus folgenden Herren: Prof. Dr. O. Warburg, Dr. Hans Gideon Heymann, Bertrand Hamburg, Dr: Charles Weizmann, Leopold Kessler, Dr. Arthur Ruppin. Herr Prof. Dr. O. Warburg wurde zum Vorsitzenden und Herr Dr. Hans Gideon Heymann zum stellvertretenden Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt. Herr Dr. Arthur Ruppin wurde zum Managing- Direktor, Herr H. Neumann (Sekretär des Jewish Colonial Trust) zum Sekretär und Herr Abraham Awadiowitz zum leitenden Beamten des Berliner Bureaus bestellt. Es wurde festgestellt, daß bereits über 7000 Stammaktien über je 1 £ und über 40 Gründeraktien ä 50 £ subskribiert und voll bezahlt sind. Es wurde beschlossen, den von Herrn Dr. Arthur Ruppin auf dem Stammgute Kinereth eingerichteten Betrieb per 1. März 1909 für Rechnung der Gesellschaft zu übernehmen und fortzuführen. Es wurde beschlossen, die Propaganda für den Verkauf von Aktien der Gesellschaft in allen Ländern in erhöhtem Maße fortzusetzen und sich für diesen Zweck besonderer Agenten und Vertrauensmänner zu bedienen. Ein ausführlicher Bericht über die bisherige landwirtschaftliche Tätigkeit auf dem Stammgute Kinereth wird in nächster Zeit von dem Berliner Bureau veröffentlicht werden. Der Sekretär, Herr Neumann, berichtete, daß die Gesellschaft den Vorschriften des Gesetzes gemäß am 20. Januar 1909 mit einem Nominalkapital von 50 000 £, bestehend aus 200 Gründeraktien ä 50 und 40 000 Stammaktien ä 1 £9 bei der Regierungsabteilung für Gesellschaften eingetragen worden ist. Deutschland Frankfurt a. M.: Am 10. März sprach in einer Mitgliederversammlung der zionistischen Vereinigung, zu welcher sich auch eine Anzahl Nichtzionisten eingefunden hatten, Herr Bertram Stern aus Wiesbaden über das Thema „Zionistische Erfolge". In übersichtlicher Weise zeigte der Redner, was der Zionismus bisher auf wirtschaftlichem, kulturellem und politischem Gebiete geleistet hat. Der Vorsitzende, Herr Dr. S. Schwarzschild, wies "sodann nachdrücklich darauf hin, daß diese Erfolge nur gehalten und vergrößert werden könnten, wenn jeder einezlne Zionist seine Schuldigkeit tue; insbesondere müßten die Parteipressen und uns nahestehenden Zeitungen, wie z. B. die in München erscheinende Zeitschrift „Palästina", nachhaltig unterstüzt werden. Einigen pessimistischen Äußerungen aus der Versammlung heraus traten die Herren J. L. Goitein und Fritz Sondheimer entgegen, insbesondere verwahrten sie sich gegen den von einem Herrn gemachten Vorwurf, die zionistische Bewegung sei nicht demokratisch. Gerade an die große Masse des Volkes habe man sich immer gewandt und hier Verständnis*'und Gefolgschaft gefunden. Wie üblich, wurde für den Nationalfonds gesammelt und Bankaktien gezeichnet. Duisburg. Am 6. d. Mts. veranstaltete die hiesige zionistische Vereinigung eine Purimfeier. Die Begrüßungsrede hielt Herr R.-A. Dr. Epsteim. Die Herren Dr. med. Pinczower - Düsseldorf und Giesbert Koppel-Köln, die sich in liebenswürdiger Weise zur Mitwirkung zur Verfügung stellten, trugen in der Hauptsache zur Verschönerung des Festes bei. Ersterer sang jüdische Volkslieder im Jargon, letzterer brachte jungjüdische und moderne heitere deutsche Dichtungen zum Vortrag. Beiden Herren sei auch an dieser Steile Dank ausgesprochen. Ein flott gespieltes Purimscherzstück schloß die Vorträge. In demselben kamen unter Vorführung der Esthergeschichte zionistische Institutionen zur Besprechung und wurde das Assimilantentum mit beißendem Spott gegeißelt. Wenn auch der Besuch des Festes nicht den Erwartungen entsprach, so sind wir doch mit dem Verlauf desselben zufrieden, um so mehr als es uns gelang, mehrere neue Schekelzahler zu gewinnen. Galizien Konferenz des südgalizischen Distriktskomitees Am 28. Februar fand in Stanislau die jährliche Konferenz des südgalizischen Distriktskomitees statt, an welcher 40 Delegierte teilnahmen. Vertreten waren folgende Städte: Stanislau, Drohobycz, Stryj, Kolomea, Tlumacz, Ottynia, Monasterzyska, Kuty, Zahajepol, Gwozdziec, Horodenka, Solotrina, Tysmienica, Halicz und Buczacz, zusammen 15 Städte mit insgesamt 20 zionistischen Vereinen. Dr. Schur, Obmann des südgalizischen D.-K., eröffnete um 11 Uhr vormittags mit einer längern Rede, in welcher er die allgemeine Lage des Zionismus und insbesondere die ernsten Aufgaben der tagenden Konferenz besprach, die Vormittagssitzung, die im Saale des Vereins „Erez Israel" abgehalten wurde. Sodann wurde Gg. Dr. Pachtmann (Drohobycz) als Vorsitzender gewählt. Im Namen des zurücktretenden Distriktskomitees stattete die Lehrerin Frl. Regina Melier einen allgemeinen Bericht ab. Sie wies auf die großen Schwierigkeiten hin, auf welche die Arbeit des D.-K. stoße. Man mußte mit 43 Ortschaften, welche dem Komitee unterlegen waren, in steter Verbindung stehen. Briefliche Korrespondenz genügte hier nicht. Man mußte fast in jede Stadt Redner schicken, welche die existierenden Vereine zu neuer, intensiver Arbeit aufmuntern sollten, und in andern Ortschaften, wohin bis nun unsere Idee noch nicht eingedrungen ist, hat das Distriktskomitee neue Vereine gründen müssen. Wenn auch das D.-K. nicht alle Pflichten,