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Die Welt · 1909-03-19 · 12 (19.3.1909) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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260 Mittwoch-Vormittag fand eine Sitzung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds statt, an die sich unmittelbar die Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds anschloß. Die Beratungen^ die der Natur der Sache gemäß hauptsächlich Palästinaangelegenheiten betrafen, nahmen den Rest des Vormittags sowie den ganzen Nachmittag in Anspruch. An die Generalversammlung schloß sich unmittelbar die Schlußsitzung des Großen A. C, die ohne Pause bis 2 Uhr in der Nacht währte. Einen großen Teil der Beratungen bildeten die Verhandlungen über den Agrarkredit in Palästina. Nach einer lebhaften Debatte, an der sich die Mehrzahl der Anwesenden beteiligten, gelangte ein diesbezüglicher Antrag Dr. Tschlenows mit einem Ammendement Dr. Hantkes zur Annahme. Es wurde beschlossen, eine Kommission zu wählen, um die Frage der Gründung eines Instituts für Agrarkredit in Palästina in Übereinstimmung mit der neuen Entwicklung der türkischen Gesetzgebung zu studieren, das nötige Material vorzubereiten und der nächsten Sitzung des Großen Aktionskomitees die Ergebnisse dieser Arbeiten vorzulegen. Als Mitglieder dieser Kommission wurden nachfolgende Herren gewählt: Dr. Tschlenow, Prof. Dr. Warburg, Dr. Franz Oppenheimer, Dr. Hantke, Dr. Bodenheimer, Dr. H. G. Heymann, Prof. Belkowsky, Wl. Idelsohn, Boris Goldberg, Simon Rosenbaum. Ein genauer Bericht über diese Verhandlungen wird in der nächsfwöchentlichen Nummer unseres Blattes erscheinen. Generalversammlung der Anglo Palestine Company Am Dienstag den 16. März fand in Köln die ordentliche Generalversammlung der Anglo Palestine Company statt. Der Vizepräsident der Gesellschaft, Herr 1. H. Kann, führte den Vorsitz und verlas den Jahresbericht des Direktoriums sowie die von den Bücherrevisoren geprüfte Bilanz pro 1908, die in der letzten Nummer der „Welt" veröffentlicht worden sind. Gemäß dem Vorschlag des Direktoriums beschloß die Generalversammlung, aus dem erzielten Gewinn von £4794.17.6 £ 1500 auf Reservefonds zu übertragen und eine Dividende von 10 Pence pro £ 1 Aktie (das sind etwas über 4°/o) zur Verteilung zu bringen. An Stelle eines ausscheidenden Direktors wurde Herr I. L. Goldberg in Wilna zum Direktor der Gesellschaft gewählt. Aufsichtsrats- und Direktoriumssitzungen Gelegentlich der Sitzung - des Großen Aktionskomitees fand in Köln auch eine Sitzung des Aufsichtsrats des Jewish Colonial Trust statt. Der Aufsichtsrat stimmte dem vorgelegten Entwürfe einer Pensionsversicherung der Angestellten der zionistischen Bankinstitute mit der Maßgabe zu, daß No. 12 auch die Beamten der andern offiziellen zionistischen Institute in die Versicherung einbezogen werden sollen. Folgende Herren wurden zu Mitgliedern des Aufsichtsrates neugewählt: A. Podlischewsky-Warschau, I.Rosoff-St.Petersburg und Dr. S. Franzie Berenstein-Haag. Der Aufsichtsrat bestätigte den Beschluß des Direktoriums des Jewish Colonial Trust, der voraussichtlich zur Zeit des nächsten Kongresses stattfindenden Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbank vorzuschlagen, für das Jahr 1908 eine Dividende von 6 Pence pro £ 1 Aktie zu erklären. Außerdem fanden Direkioriumssitzungen des Jewish Colonial Trust, der Anglo Palestine Company und der Anglo Levantine Banking Company statt. In der Sitzung des Direktoriums der A. P. C. wurde beschlossen, unverzüglich eine Propaganda für den Absatz der restlichen 30000 Aktien der Gesellschaft zwecks Komplettierung ihres nominellen Kapitals (£ 100000) in allen Ländern zu beginnen. Aus Anlaß' der Tagung des Großen Aktionskomitees veranstaltete die Kölner Zionistische Vereinigung am Dienstagabend im großen Saale der Lesegeseilschaft einen Festabend, der einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Ein zahlreiches Publikum war erschienen, um die bekanntesten Vertreter des Zionismus aus allen Ländern der Erde willkommen zu heißen. Der Vorsitzende wies, in seiner Eröffnungsansprache auf die ernsten Aufgaben hin, die diesmal den Gegenstand der Beratung des zionistischen Aktionskomitees gebildet haben, und gab der Erwartung Ausdruck, daß die Komiteemitglieder nach zweitägiger anstrengender Arbeit einige Stunden der Erholung im Kreise der Kölner Gesinnungsgenossen verbringen mögen. Der Präsident der zionistischen Weltorganisation, Herr David Wolffsohn aus Köln, dankte der Kölner Gruppe dafür, daß sie den Mitgliedern des Aktionskomitees Gelegenheit gegeben hat, ihre anstrengenden Beratungen für einige Stunden in so angenehmer Weise unterbrechen zu können. Er wies darauf hin, daß die heutige Feier eigentlich eine Art Purimfeier sei, weil die Kölner Ortsgruppe ihre ursprünglich geplante Purimfeier zu Ehren der Mitglieder des Großen Aktionskomitees um zwei Wochen verschoben habe. Und meine Freunde vom Aktionskomitee danken der Kölner Ortsgruppe für diese liebevolle Aufmerksamkeit. Die Männer, die im Zionismus arbeiten, unterscheiden sich von andern Juden dadurch, daß die andern überall dabei sind, wo es sich um allgemeine Ziele handelt, während wir Zionisten für die Ehre des jüdischen Volkes arbeiten und unsere ganze Kraft einsetzen, um dem jüdischen Volke eine Heimstätte zu schaffen. Herr Wolffsohn erinnert noch daran, daß in der Purinifeier, zu der wir Zionisten im allgemeinen doch wenig Beziehungen haben, sich eine gewisse Beziehung zum Zionismus doch ergibt. Auch Mordechai war ein Zionist, denn auch er hat für die Zukunft des jüdischen Volkes -vorgebaut, als er einen Pogrom herankommen sah. Unsere heutigen Hüfsvereine arbeiten gewöhnlich erst, wenn ein Pogrom schon da ist. Wir Zionisten machen es anders; wir arbeiten nicht für die Leiden, die vergangen sind, sondern wollen den kommenden Pogromen und allen Eventualitäten vorbeugen. Sie wissen vielleicht, daß die Juden in alter Zeit am Purim einen halben Schekel erlegten und das gesammelte Geld nach Palästina schickten, um denen, die dort lernten, Brot zu verschaffen. Auch wir sammeln den Schekel, damit wir unsern Brüdern den Boden' schaffen können, auf dem sie arbeiten sollen. Sind wir heute noch gering an Zahl, so geben wir die Hoffnung nicht auf, daß die Zeit kommen wird, wo es keinen Juden geben wird, der den zionistischen Schekel nicht zahlt. Wir können heute konstatieren, daß unsere Arbeiten vorwärtsgehen. Ich erlaube mir, mein Glas zu erheben und bitte Sie, mit mir einzustimmen: „Auf das Wohl des jüdischen Volkes!" Nach den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Worten des Präsidenten Wolffsohn rezitierte Herr Gisbert Koppel „Unser Schiff" von Morris Rosenfeld und „Simson" von Münchhausen; Herr Dr. Piticzower brachte unter Klavierbegleitung von Frl. Warendorf einige jüdische Volkslieder zum Vortrag, die sehr beifällig aufgenommen wurden. Prof. Dr. War burg-Berlin sprach über die Tätigkeit der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem, die zum erstenmal bei diesem Festabend eine interessante Kollektion ihrer Erzeugnisse in handgewebten Teppichen, Filigranarbeiten in Silber, Kupfer und Bronze sowie Bilderrahmen ausgestellt hatte.

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