Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316365--51719-3345374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
antragt, dem Informationsbureau eine Subvention von 2 500 Frcs. für das nächste Jahr zu gewähren. Das E. A. C. hat diesen Antrag abgelehnt. Nachdem aber die Weiterexistenz des Informationsbureaus in Frage gestellt ist, und in Anbetracht der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung ist das E. A. C. der Frage näher getreten, eventl. eine Abteilung für Informationen beim Palästinaamte einzurichten, um auf diese Weise die Arbeit zu konzentrieren und die Kosten zu verringern. Das Palästinaamt hat dem A. C. einen Bericht über diese Frage erstattet, aus dem hervorgeht, daß es schon jetzt einen Teil des Informationsdienstes besorgt, und zwar beantwortet es schriftlich einlaufende Anfragen von Personen, die nach Palästina einwandern, oder Kapital in Palästina anlegen wollen. Ferner informiert es die jüdische Presse regelmäßig über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina, um erwünschte Elemente heranzuziehen und unerwünschte fernzuhalten. Einer offiziellen Übernahme dieser beiden Aufgaben durch das Palästinaamt ständen keinerlei Schwierigkeiten im Wege, auch würde der Etat des Amtes dadurch nicht nennenswert erhöht. Dagegen sprechen gegen die Übernahme der beiden weiteren Aufgaben, die ein Informationshureau zu erfüllen hat, nämlich: der Orientierung jüdischer Einwanderer bei ihrer Ankunft und der mündlichen Auskunftserteilung in wirtschaftlichen Fragen an im Lande anwesende Juden sowie der Organisierung eines Arbeitsnachweises durch das Palästinaamt, Bedenken. Die Übernahme dieser Aufgaben würde den Geschäftsgang des Palästinaamtes erheblich behindern. Das Palästinaamt ist daher der Ansicht, daß für die Erledigung dieser beiden Aufgaben nach wie vor'besondere Auskunftsstellen in Jaffa, Haifa und Jerusalem bestehen bleiben sollten. Allerdings glaubt es, daß es möglich ist, die Kosten des Bureaus in Jaffa, die jetzt alljährlich 6500 Frcs. betragen, ganz erheblich -zu vermindern. Das E. A. C. schlägt vor, das Palästinaamt zu beauftragen, die beiden erstgenannten Vorschläge durchzuführen und auch den beiden letztern Aufgaben näher zu treten, wenn es ihm möglich ist, dies auf eine Weise zu tun, die es in seinen übrigen Arbeiten nicht behindert. - Herr Trietsch bemerkt, daß man es vermeiden müsse, eine Kollision zwischen dem Palästina-Amte und dem Informationsbureau entstehen zu lassen. Außerdem sieht er große Schwierigkeiten darin, daß das Palästina-Amt eine Funktion übernehmen soll, die seinem ganzen Wesen nach von ihm nicht durchzuführen ist. Das Informationsbureau hat sich gut bewährt. Eine Reduzierung des Jaffaer Bureaus hält er nicht für geeignet, weil Jaffa der Haupthaferi von Palästina ist und bisher das Zentrum des Informationsdienstes war. Wir müssen uns genau darüber vergewissern, ob es von der andren Seite, d. h. vom Informationsbureau gern gesehen wird, wenn wir die Sache in die Hand nehmen und eine Reduzierung des Informationsdienstes vornehmen. Es kann dadurch leicht eine Mißstimmung enstehen. Professor Warburg teilt mit, daß das Informationsbureau sich bisher zum größten Teile aus einem Fonds von Frs. 17 500 erhalten habe, der dem Palästinaressort aus dem russischen Hilfsfonds für Errichtung und Erhaltung von Informationsbureaus überwiesen und von diesem dem Odessaer Komitee zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt worden sei. Dieser.Fonds sei jetzt erschöpft. Auch der Hilfsverein der Deutschen Juden habe die bisher gewährte Subvention zurückgezogen. Daher rühren die materiellen Schwierigkeiten, in denen das Bureau sich jetzt befindet. Andererseits hat sich gezeigt, daß, seitdem das Palästinaamt in Jaffa besteht, sich die Ratsuchenden in immer steigenderem Maße an dieses Amt um Auskunft wendet. Herr Moser ist der Ansicht, daß das Informationsbureau für uns von großer Bedeutung ist. Nachdem jedoch viele Anfragen seitens des Palästina-Amts erledigt wurden, fragt es sich, ob es nicht möglich wäre, ein Übereinkommen mit dem Odessaer Komitee über das Informationsbureau zu treffen, wodurch man viel Geld sparen würde und eine Kollision vermieden wäre. Herr Wolffsohn: Es scheint allgemein die Ansicht zu bestehen, daß das Informationsbureau allein seitens des Odessaer Komitees unterhalten wird. Das entspricht nicht den Tatsachen. Von uns sind ca. 17 000 Frs. für diesen Zweck ausgegeben worden. Wir haben uns nun über die Tätigkeit und die Leistungen des Bureaus genau informiert und das Palästina-Amt angefragt, ob es nicht in der Lage wäre, die Arbeiten des Bureaus zu übernehmen. Hierauf erhielten wir vom Palästina-Amt einen ausführlichen Bericht, in welchem uns mitgeteilt wird, daß wohl einzelne Agenden des Bureaus wie die schriftliche Auskunftserteilung über gewisse Fragen vom Palästina-Amt ganz gut übernommen werden könnten und teilweise auch bereits übernommen sind, wohingegen für andere Zweige der Tätigkeit des Informationsbureaus wie z. B. die mündliche Erteilung von Auskünften usw. die gegenwärtigen Arbeitskräfte des Palästina-Amtes nicht ausreichen und eine neue Kraft eingestellt werden müßte. Nun bin ich der Ansicht, daß unsere Mittel durchaus nicht so groß sind, um ein Bureau, das uns nicht untersteht, mit den notwendigen Mitteln zu versorgen. Wo soll es denn hinführen, wenn wir neben unserm Palästina-Amte noch andere Ämter subventionieren? Ich bin der Ansicht, daß wir hier nur so vorgehen und das beschließen, was das E. A. C. in dieser Sache bereits beschlossen hat. Herr Trietsch ist durchaus nicht dagegen, daß das Informationswesen von uns übernommen wird, wenn wir die Mittel dafür haben, nur sollen berechtigte Wünsche nicht verletzt werden. Ein Zusammenarbeiten der beiden Ämter wäre durchaus am Platze. Es ist erwähnt worden, daß Herr Scheinkin den Antrag gestellt hat, einen Beitrag vom Relieffonds für das Informationsbureau zu erhalten. Auch ich bin der Ansicht, daß dieser Fonds zur Gewährung eines solchen Beitrags herangezogen werden kann. Herr Feiwel beantragt ein Amendement, daß das E. A. C. ersucht wird, mit dem Odessaer Komitee Fühlung zu nehmen, um es zu ermöglichen, daß unter der Leitung des Palästinamts das Informationswesen weiter ausgebaut und eine evtl. Einverleibung-des Bureaus durchgeführt wird. Dr. Tschlenow hält die Entscheidung, wie sie in den Beschlüssen des E. A. C. ausgedrückt ist, nicht für die richtige. Früher hat das Bureau seine Mittel aus drei Quellen bezogen. Wir haben nach den großen Pogromen und den gesammelten Geldern einige Mittel zur Verfügung gestellt und außerdem haben sich an der Erhaltung des Bureaus das Odessaer Komitee und der Hilfsverein der Deutschen Juden beteiligt. Später hat der- Hilfsverein seine Unterstützung zurückgezogen. Das Odessaer Komitee kann nun das Bureau allein nicht unterhalten. Ein Bedürfnis für das Bureau ist aber entschieden vorhanden. Haben wir nun 'etwas besseres vorgeschlagen? Mir scheint nein. Denn was Dr.-:Ruppin übernimmt, sind nur zwei Gebiete der Tätigkeit des Bureaus,' aber wer in Jaffa war, der weiß, daß die mündlichen Auskünfte, die den Eingewanderten zu erteilen sind, den wichtigsten Teil' ausmachen. Außerdem erstreckt sich die Tätigkeit des Informätiöhsbureaus, wie bereits erwähnt, nicht allein auf Jaffa, sondern auf die verschiedenen Plätze Palästinas. Ich will nicht behaupten, daß ich mit allem zufrieden bin, was das Bureau macht, aber ich frage mich, ob wir es besser machen können. Hätten wir Mittel gehabt, dann wäre ich dafür gewesen, daß wir das ganze Informationswesen übernehmen, nachdem dies jedoch nicht der Fall ist, bin ich der Ansicht, daß wir eine solche Aufgabe nicht übernehmen können. Herr Wolffsohn bemerkt, daß über die Notwendigkeit eines Informationsbureaus in Palästina keine Zweifel bestehen. Wir selbst sind an die Frage herangetreten, weil Odessa erklärt hat, daß es nicht mehr in der Lage ist, daß Bureau zu erhalten. Auch für das Konstantinopeler Bureau haben wir einen Zuschuß bewilligt. In Jaffa kann das Bureau viel billiger eingerichtet werden als jetzt, und ich bin der Ansicht, daß wir es machen sollen. Die Mittel werden wir aufbringen müssen, weil die Sache eine Notwendigkeit ist. Die Anfragen über Auskünfte betreffs Palästina kommen zurzeit an die verschiedensten Stellen. Alle diese Anfragen überweisen wir jetzt schon dem Palästinaamte zur Erledigung. Ich glaube auch, daß, wenn wir die Sache in die Hand nehmen und dann an den Hilfsverein herantreten, er uns vielleicht eine Subvention nicht verweigern wird. Keßler. Meiner Ansicht nach wäre es das Richtige, wenn das E. A. C. sich mit den andern Körperschaften in Verbindung setzen würde, um ein Zusammenarbeiten zu ermöglichen (Hilfsverein, Odessaer Komitee). Das wird besser sein, als diese Korporationen allein arbeiten zu lassen, alle bestehenden Organisationen sollen hier zusammen arbeiten. Wolffsohn. Ich bin mit dem Hauptpunkt des Antrags Feiwel einverstanden, der dahin geht, sich mit dem Odessaer Komitee und mit andern Organisationen in Verbindung zu setzen. Idelsohn. Ich schlage vor, den Beschluß des E. A. C. zu billigen, ihn aber erst dann zur Ausführung zu bringen, wenn das Odessaer Komitee sein Bureau schließt. Trietsch. Ich möchte folgende Fassung vorschlagen: Das A, C. soll die Frage des Informationsbureaus in Übereinstimmung mit den andern Organisationen durchführen. Der Antrag wird angenommen. Es wurde beschlossen, die Bestimmung von Ort und Zeit des IX. Kongresses dem Engern Aktionskomitee zu überlassen.