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Die Welt · 1909-03-19 · 12 (19.3.1909) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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258 DIE3 und zeitgemäße zionistische Arbeit unter den neuen Verhältnissen und in Übereinstimmung mit den dortigen Entwicklungsstadien ermöglichen. Die Debatten über diesen Punkt nahmen vier geschlossene Sitzungen, (Montagvonnittag, Nachmittag und Abend sowie Dienstagvormittag) in Anspruch. Dinstagnach mittag=Sitzung Referat Prof. Dr. Warburgs: Die Tätigkeit des Palästinaressorts hat sich nach verschiedenen Seiten erstrekt: 1. Die Kenntnis Palästinas zu verbreiten; 2. Die Einwanderung von Menschen und Kapitalien zu fördern; 3. In Palästina die Juden zu organisieren. Was die Förderung der Kenntnis Palästinas anbetrifft, die früher der Palästinakommission unterlag, so ist diese Arbeit jetzt sehr in den Hintergrund getreten, denn für die direkten Arbeiten und Forschungen in Palästina fehlt es an Material. Es sind zwar viele Projekte hinsichtlich der Erforschung Palästinas aufgetaucht, die meisten aber sind mehr wissenschaftlicher Natur und gehen über den Rahmen unserer Arbeit hinaus. Selbstverständlich wäre es wichtig, wenn das Palästinaamt sich späterhin dieser Frage mit größerer Aufmerksamkeit zuwenden könnte, mit den vorhandenen Mitteln läßt sich aber nicht viel anfangen, spezielle Mittel dafür sollen erst noch durch den Palästina-Kulturfonds aufgebracht werden. Was die Einwanderung von Juden nach Palästina anbetrifft, so kommt hier in Betracht: . 1. Der Arbeitsnachweis; 2. Die Schaffung von Arbeitsangelegenheiten; Die Schaffung von Arbeitsgelegenheit betrifft erstens landwirtschaftliche Arbeiter, zweitens Unterstützung von Handwerkern, drittens die Ermöglichung städtischer Fabriksarbeit Am meisten haben wir uns mit den landwirtschaftlichen Arbeitern befaßt. Verschiedene Institutionen sind geschaffen worden, um in Zukunft diesen landwirtschaftlichen Arbeitern Arbeitsmöglichkeit zu gewähren: 1. Verein Ölbaumspende. 2. Palästina-Pflanzungsverein, der dadurch, daß er die Bepflanzung von Ländern den Kolonisten übergeben hat. indirekt wieder den Arbeitern Beschäftigung gibt. 3. Palestine Land Development Company, die eine Reihe von Arbeitern beschäftigt (5 ständig mit Jahresengagement, 15 mit monatlichem Engagement, zusammen 20). Ferner wird auch die Heimstättengenossenschaft dazu beitragen, Arbeiter seßhaft zu machen. Was die Handwerker anbetrifft, so ist es eine Angelegenheit der Bank, die Handwerker durch die Genossenschaften zu unterstützen, ferner des Bezalel, der jetzt schon 100 Arbeiterinnen Beschäftigung bietet. Nach den Anforderungen, die an den Bezalel gestellt werden, würde er | noch mehr beschäftigen können, wenn das nötige Betriebskapital vorhanden und die nötige Zahl von Kunstarbeiterinnen vorgebildet wäre. Was die städtischen Arbeiter anbetrifft, so wird das Palästinain dustrie-Syn dikat berufen sein, in dieser Richtung fördernd zu wirken, ebenso die Häuserbaugenossenschaft in Jaffa. Die Unterstützung der Einwanderung von Kapital erstreckt sich auf die Ermutigung von Handeltreibenden und Fabrikanten, ferner von Landwirten, endlich von Industrien. Die Ermutigung von Handeltreibenden ist Sache der Bank. Einführung von Fabrikationen. Das Palästinaressort ist andauernd mit vielen Leuten in Verbindung getreten, die die Absicht haben, verschiedene Industrien in Palästina einzuführen. Diese Einführung ist aber sehr schwer. Außer dem Athid ist jetzt auch eine Reihe von Mühlen in jüdischen Händen. Im allgemeinen wird man aber auf diesem Gebiete nur langsam weiter schreiten können. Das Palästina-Industrie-Syndikat hat sich auch bemüht, die Zementindustrie einzuführen; abschließende Resultate, ob man hier- Erfolg hatte, liegen aber bis heute noch nicht vor. Am meisten erhoffen wir von der Einführung der Konservenindustrie, welche ein Ingenieur in Altona projektiert. Das ist ein Feld, welches wahrscheinlich schon in Bälde große Chancen aufweisen wird. Eine Haupttätigkeit unsers Ressorts bestand darin, auf diesem Gebiete fördernd tätig zu sein, entweder aber waren leider die Pläne nicht durchführbar oder es war zu ihrer Durchführung nicht genügend Kapital vorhanden. Was die Ermutigung des Kapitals zur Förderung der Landwirtschaft in Palästina anbetrifft, so könnte der Erfolg ein größerer sein, aber leider haben diejenigen unserer Freunde, die über das nötige Kapital verfügen, noch wenig Lust gezeigt, ihre Kapitalien in landwirtschaftlichen Unternehmungen anzulegen. Im vorigen Jahr ist in dieser Richtung sehr wenig geleistet worden. Das Ein- {ELT No. 12 dringen von jüdischem Kapital in die Landwirtschaft geht sehr langsam vor sich. Am erfreulichsten ist die gedeihliche Weiterentwicklung der bestehenden Kolonien, wenngleich wir von Landkauf und der Parzellierung größerer Grundstücke allerdings noch nicht sprechen können. Das hat mit großem Erfolg die Ica unternommen. Sie kauft viele Grundstücke und sucht darin Söhne von Kolonisten anzusiedeln. Wie Herr Levontin in seinem Berichte angibt, hat die Ica im verflossenen Jahre wieder 300 ha angekauft und mit 35 Familien besiedelt. Es wird nun Aufgabe der P. L. D. C. sein, in dieser Richtung Schritte zu unternehmen. Um Leute anzusiedeln, die selbst eigene Kapitalien nicht besitzen, gehören große Summen, daher werden Erfolge in dieser Richtung nur sehr langsam erzielt werden, wenn nicht der J. N. F. Hilfeleistung gewährt. Bezüglich der Organisation der palästinensischen Juden sind bei den Wahlen zum Parlament Versuche gemacht worden, die allerdings ergebnislos geblieben sind. Die Ansichten darüber, wie diese Organisation zu ermöglichen sei, gehen auseinander. Herr Levontin hält den unternommenen Versuch für unzweckmäßig, weil die ottomanischen Juden nur gering an Zahl sind, wogegen Herr Dr. Ruppin der Meinung ist, daß Versuche zur Organisierung der palästinensischen Juden unternommen werden müßten. Indessen sollen die Juden in anderer Weise, als bisher versucht wurde, organisiert werden. Wie weit. dieser neue Versuch auf Erfolg zu rechnen hat, wird die Zukunft lehren. Hebung des kulturellen Standes der palästinensischen Juden In dieser Richtung ist von den Zionisten bisher noch gar nichts getan worden. Das ist ein großer Nachteil, und zur Förderung dieser sehr wichtigen Angelegenheit, die einen fühlbaren Mangel darstellt, haben wir den Grund zu einem Palästina-Kulturfonds gelegt. Man kann sagen, daß nur ein kleiner Teil dieses Fonds für Zwecke in Aussicht genommen ist, die von Seiten einer Partei im Zionismus beanstandet werden. Der Fonds soll in erster Linie bestimmt sein zur Errichtung von Gymnasien, Bibliotheken, Museen, Turnvereinen usw. Es wird sich hier eine Basis finden lassen, welche keine allzustarken Differenzen innerhalb unserer Bewegung hervorrufen wird. Einen wichtigen Teil der Arbeit des Palästina-Ressorts bildete die Kapitalwerbung für die verschiedenen von ihm geleiteten Gesellschaften und Vereine. 1. Palestine Land Development Company. Die Eingänge für dieses höchst wichtige Institut lassen noch immer viel zu wünschen übrig, was wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß die unbedingte Notwendigkeit dieser Gesellschaft unsern Gesinnungsgenossen noch nicht zur Genüge klar geworden ist. Diese Gesellschaft ist bereits registriert und konstituiert, während die landwirtschaftliche Tätigkeit auf unserm Stammgut Kinereth erfreuliche Fortschritte macht. Bis zum 1. Januar er. betrugen die Zeichnungen für die P. L. D. C. über 4000 £. 2. Palästina-Industrie-Syndikat. In der Zwischenzeit sind die Vorarbeiten für ein größeres Transportunternehmen erledigt worden; ferner wird sich unser Syndikat aller Voraussicht nach an einem größern Irregationswerk in Palästina beteiligen. Die Pachtung eines größern Unternehmens seitens des Syndikats wird hoffentlich im Laufe der nächsten Tage perfekt werden, während die vom Syndikat in Gemeinschaft mit einer Jaffaer Firma aufgenommene Zementfabrikation zu guten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. 3. Verein Ölbaumspende. Die Eingänge für den Verein Ölbaumspende sind im steten Zunehmen begriffen. Auf den Einnahmen des Vereins wird der Einfluß der zionistischen Organisation auf die kulturellen Institutionen in Palästina im wesentlichen beruhen. Selbstredend ist das Palästinaressort bemüht, die Eingänge dieses Vereins auf eine noch viel größere Höhe zu bringen. 4. Pflanzungsverein Palästina. Der erste Geschäftsbericht des Pflanzungsvereins Palästina erscheint demnächst. Die erste Palästinagabe in Form von Mandeln wird den Mitgliedern dieses Vereins im Laufe dieses Monats zugehen. 5. Immobiliengesellschaft Palästina (Terraingesellschaft Haifa). Für die in Gründung begriffene Immobiliengesellschaft Palästina (Terraingesellschaft Haifa) sind bei uns seit dem 1. Januar bis zum 12. März er. Zeichnungen in der Höhe von 65 000 Mk. eingegangen, so daß das zur Begründung der Gesellschaft im Prospekt verlangte Anfangskapital von 80 000 Mk. wahrscheinlich schon binnen kurzem beisammen sein wird. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildet die Frage des Informationswesens in Palästina: Der Informationsdienst in Palästina wird bisher von dem Informationsbureau in Jaffa geleitet, dem Bureaus in Jerusalem, Haifa und Beirut unterstellt sind. Die russische Zentrale hat be-

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