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Die Welt · 1909-03-12 · 11 (12.3.1909) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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no. Ii ~.......--..........-------------.......•-......... die: Kölonisationsgebief sei, habe heute iri den weitesten Kreisen Platz gegriffen."'Hier bieten sich die Brücken zu gern einsamer Arbeit. Diese sei für die Realisierung des Endziels eine unbedingte Notwendigkeit Es sei ausgeschlossen, mit unsern schwachen materiellen Kräften, mit unserm geringen Menschenmaterial ein Ziel zu erreichen, welches — das dürfe man nicht vergessen — bald erreicht -werden müsse; wenn wir nicht das gesamte Judentum hinter uns haben. Auch unsere Leitung habe ständig mit den andern Organisationen Hand in Hand gehen müssen. Die Art der Zusammenarbeit sei überall eine verschiedene und auch zu verschiedenen Zeiten eine andere, da die Organisationen, abhängig von den an ihrer Spitze stehenden Persönlichkeiten, wandelbar seien. Redner kommt zum Schluß seiner mit Beifall aufgenommenen Ausführungen zu den Aufgaben des nächsten. Kongresses, die er in folgenden Leitsätzen präzisiert: 1) Für die Finanzen unserer Organisation müsse eine neue Basis geschaffen werden. 2) Für die Leitung müsse eine gewisse Stabilität garantiert werden. 3) Für den Kongreß müsse ein gehöriger Resonanzboden geschaffen werden. Deutschland komme bei der Wahl eines Kongreßortes kaum in Betracht, weil wir nicht die geeignete Presse hätten. In der anschließenden Diskussion sprach Herr Dr. Margulies- Trautenau. Er erklärte, sich jed glich auf das Problem des Verhal nisses zu den andern Organisationen beschränken zu wollen, das von dem Referenten in gleicher Weise wie Herrn Rechtsanwalt Roman behandelt worden sei. Obwohl er fast jedes Wort unterschreiben könnte, so wüßte er doch, daß er gerade hier mit ihm durchaus nicht einig sei. Zu unterscheiden sei zwischen dem Verhältnis einerseits deseinzelnen Zionisten, anderseits derzionistischen Organisation zu den andern Organisationen. Es sei selbstverständlich, daß Zionisten Mitglieder jeder ihrer prinzipiellen Tendenz nach nicht anti-donistischen oder antijüdischen Organisation werden können und unter Umständen auch werden sollen. * Der Zionismus kollidiere nicht mit den andern Gegenwartsarbeit treibenden Organisationen. Aber der Zionismus sei eine Weltanschauung, und diese lehre seine Anhänger, jeder Betrachtung die Auffassung von dem großen Zusammenhange alles Jüdischen zugrunde zu legen und jeden Einzelfall unter dem Gesichtspunkt seiner Bedeutung für das jüdische Ganze und sein Schicksal zu beurteilen, während der Nichtzionist nur die Interessen einer kleinen Gruppe, eines Landes und die Interessen des Tages im Auge habe. Dieser prinzipale Unterschied müsse auch in unserer Mitarbeit in den andern jüdischen Organisationen zur Geltung kommen. Im übrigen sei die Art dieser Mitarbeit naturgemäß eine Frage des politischen Taktes des einzelnen. Was das Verhältnis unserer Organisation zu den andern betreffe, so könne es wohl möglich sein, daß wir von Fall zu Fall einmal miteinander kooperieren. Hierbei könne es sich nur um Einzelaktionen handeln, bei denen ein auf unserm Wege liegendes Werk gefördert werde. Dagegen müsse Redner entschiedenst widersprechen, wenn gesagt worden sei, die Realisierung unseres Endzieles erfordere das Zusammenarbeiten mit den andern Organisationen, und wir sollten die Grenzen nicht zu scharf ziehen. Wir könnten die Grenzen zwischen der die zionistische Idee verkörpernden Organisation und den andern jüdischen Organisationen prinzipiell nicht scharf genug ziehen. Insbesondere sei es gefährlich, den Zionisten die Zusammenarbeit mit den andern predigen und die Scheidewand uns als möglichst dünn hinstellen zu wollen. Das müßjte zu einer Verflachung des zionistischen Bewußtseins führen. Wir sollten jeden Reisegenossen begrüßen, auch wenn er nur bis Wannsee mitfahren wolle, aber wir sollten keine Kompromisse schließen, die'uns kompromittieren. Wir sollten nicht darüber vergessen, daß die Realisierung des Endziels nur von einem im Lager des Zionismus kämpfenden jüdischen Volk erreicht werden könne. Dazu müßten wir — so schließt der Redner seine beifällig aufgenommenen Ausführungen — unsere Fahne so hoch halten, daß sie unter allen andern stets und allgemein — uns Zionisten nicht zuletzt — sichtbar sei. Unter Absingung des „Hatikwoh" -Liedes wurde die Nachmittagstagung, die sich durchweg auf einem hohen Niveau bewegte, etwa gegen 7 Uhr geschlossen. Am Abend vereinigte der große Saal der „Reichshalle" ein etwa 800 Personen zählendes Publikum zu den öffentlichen Vorträgen der Herren Dr. Klee über „Die Juden und die öffentliche Meinung" und Dr. Margulies-Trautenau über „Der Zionismus und die Umwälzung in der Türkei". Die Versammlung gehört zu den imposantesten Kundgebungen des Zionismus in Oberschlesien. Ausführlicher Bericht über die mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vorträge folgt besonders. Dr. Manneberg. LT 243 Posen: Die Nationaljüd. Frauenvereinigung hielt am 15.Februar ihre erste Generalversammlung ab. Die neuen Statuten wurden einstimmig angenommen, der alte Vorstand wiedergewählt. Der vorgelegte Jahresbericht gab ein Bild, regster Tätigkeit der Frauen Vereinigung auf nationalem Gebiet. Es fanden Zusammenkünfte der Mitglieder zu regem Anschluß und Aussprache in allen zionistischen Angelegenheiten, Zeitungsberichte. Vorträge usw. statt. Kinderfeste und Kindernachmittage sorgten für genügende Jugendpropaganda. Ferner erfreuten sich die von der Frauen Vereinigung aufgenommenen Krankenbesuche zur Pflege des jüdischen Gemeingefühls, unter der eifrigen Leitung einer Vorstandsdame, immer regerer Beteiligung der Mitglieder. Es wurden in den hiesigen Krankenhäusern und Kliniken in der kurzen Zeit ca. 600 Besuche bei jüd. Kranken gemacht, diese mit Lektüre, Erfrischungen sowie Rat und Hilfe bedacht. Den Schluß der Generalversammlung bildeten Anträge der Mitglieder. Als nächste Veranstaltung ist ein Purim-Kinderfest in Aussicht genommen. Chemnitz: Am 25. Februar hielt unsere Ortsgruppe eine öffentliche Versammlung ab, die sehr zahlreich besucht war und in der Herr Dr. Auerbach-Wilmersdorf über „Taufen und Mischehen der deutschen Juden" sprach. An der Hand von Zahlen wies Vortragender auf die großen Verluste hin, die die Judenheit, insbesondere die deutsche, durch jene beiden sozialen Erscheinungen erfährt. Er schilderte eingehend de Schäden innerhalb der Judenheit, die zu den Taufen und Mischehen führen, die verschiedenen Mittel, die zur Abhilfe geraten worden sind, von denen der Zionismus das einzige ist, das wirklich radikale Heilung des Judentums bedeutet. In der Diskussion sprachen Herr Jacoby für den Zionismus, während Herr Rabbiner Dr. Fuchs unter Anerkennung des Guten, das der Zionismus geleistet habe, doch glaubte, daI3 die Hebung des religiösen Sinnes genügen würde, um der Taufe und Mischehe entgegen zu arbeiten, wobei er besonders auf das liberale Judentum rechnete, das unter den deutschen Juden sich zu organisieren begonnen halte. Herr Dr. Auerbach trat dem entgegen, und in dem mit stürmischem Beifall aufgenommenen Schlußwort führte er aus, warum nur der Zionismus allein geeignet wäre, eine Regeneration des Judentums herbeizuführen. Die Versammlung endete um Mitternacht und führte uns einige neue Mitglieder zu. Nationalfondsb ichsen waren aufgestellt. Vtrkauf von Ansichtskarten. Königsberg: Bei der Repräsentanten wähl der Synagogengemeinde wurden zwei Zionisten gewählt und zwar Rechtsanwalt Dr. Jakobi, der frühere Vorsitzende der Ortsgruppe, und Dr. W. Stein, der jetzige Vorsitzende der Königsberger Zionistischen Vereinigung. Galizien Galizischer Zionistentag Das galizische zionistische Zentralkomitee ruft für den 18. und 19. April d. J. eine Landeskonferenz aller zionistischen Organisationen Gali2iens ein. Palästinakurse in Lemberg Die Palästinakommission für Galizien veranstaltete in Lemberg einen allgemeinen und Hochschulkursus für Palästinakunde. Es werden Vorträge über die klimatischen, geographischen, landwirtschaftlichen, Handels-, Verkehrs- und Bevölkerungsverhältnisse des Landes gehalten. Holland Groningen: Herr Dr. L. S. Ornstein wurde zum Lektor (außerordentlicher Professor) für theoretische Physik an der Reichsuniversität Groningen ernannt. Herr Dr. Ornstein wurde geboren in Nymegen im iJahre 1880, studierte in Leiden und promovierte 1908 mit einer Arbeit über statische Mechanik. Auch ist er Verfasser einer Arbeit über Kapellarität, worin für dieses wichtige Problem eine endgültige Lösung gegeben wird. Im verflossenen Herbst erst berief ihn der berühmte Physiker Prof. H. A. Lorenz zu seinem Assistenten. Herr Dr. Ornstein ist Mitglied des Bundesvorstandes des Niederländischen Zionistenbundes und Vorsitzender der Ortsgruppe Leiden und der studentischen Verbindung „Theodor Herzl". In weitern zionistischen Kreisen wurde er bekannt als Vorsitzender des Kongreßbureaus des Haager Kongresses. Die glanzvolle und gelungene Durchführung des. Achten Kongresses ist nicht zum wenigsten der unermüdlichen und arbeitsfreudigen Hingabe zu danken, mit denen er sich der Vorbereitung des Kongresses gewidmet hat. Die Ernennung des jungen Gelehrten, die bei seiner Jugend doppelt bedeutungsvoll ist, ist wohl der beste Beweis dafür, daß Antisemitismus in Holland keinen Platz hat, und daß die oft wiederholte Mär, der Zionismus fördere den Antisemitismus, zu den Phantasiegebilden unserer Gegner gehört.

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