Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 11 (12.3.1909)
- Date
- 1909-03-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316364--51697-3345351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
im!□ □ PALÄSTINA □ □ □1 Handwerker in Jaffa und Jerusalem Der französische Konsularberiehl über Palästina für das Jahr 1907 08 enthält eine Zusammenstellung der jüdischen Einwanderer, die in den drei Jahren 1906-1908 nach Jaffa und Jerusalem gekommen sind. Der Bericht gibt nicht an, auf welche Quellen ersieh stützt, und es bleibt deshalb fraglich, welche Zuverlässigkeit er beanspruchen kann. Immerhin sollen die Zahlen hier wiedergegeben werden. Es geht aus ihnen hervor, welch erhebliche Zahl von jüdischen Handwerkern und Kaufleuten in letzterer Zeit nach Palästina gekommen ist. Viele von ihnen haben lohnende Arbeit gefunden; manche Handwerks- und Handelszweige sind aber durch die neuen Einwanderer so überfüllt worden, daß es den Angehörigen dieser Berufe oft nur noch mit größter Mühe möglich ist, ein Existenzminimum zu erringen. Die Zahl der Einwanderer betrug a) in Jaffa : 10 Ärzte, 9 Zahnärzte, 2 Hebammen, 9 Apotheker und Apothekergehülfen, 11 Agronomen, Ingenieure und Chemiker, 43 Lehrer und Lehrerinnen, 16 Musik-, Gesang- und Zeichenlehrer, 13 Buchhalter und Korrespondenten, 20 Agenten und Kommissionäre, 119 Händler und Ladenbesitzer, 6 Photographen und Schildermaler, 58 Tischler, 38 Schneider und Schneiderinnen, 26 Schlosser, Schmiede und Goldschmiede, 8 Uhrmacher, 53 Schuhmacher, Gerber und Strumpfwirker, 21 Wäscherinnen, Plätterinnen und Färberinnen, 10 Buchhändler, 11 -Buchbinder, 10 Bäcker, 8 Böttcher, 7 Pastetenbäcker und kleine Makkaronifabrikanten, 12 Fleischer, 27 Hoteliers, 14 Dienstboten, 8 professionslose Arbeiter, 76 Journalisten, 14 Schuhfabrikanten 658 b) in Jerusalem: 25 Lehrer, Lehrerinnen und Kindermädchen, 8 Hebammen, 1 Apothekergehilfe, 4 Ingenieure und Architekten, 10 Buchhalter und Korrespondenten, 6 Kommissionäre, 38 Ladenbesitzer und Kolporteure, 5 Photographen, 7 Buchbinder, 25 Schuster, Glaser und Schlosser, 54 Schneider, Schneiderinnen und Modistinnen, 8 Weber, 22 Schlosser, Kupferschmiede, Klempner, Goldschmiede und Nickelschmiede, 18 Uhrmacher und Schirmmacher, 49 Schuhmacher und Strumpfwirker, 4 Maler, 38 Stepper, Maurer, Bäcker und Hoteliers, 11 Arbeiter, 14 Schüler, 7 Müller. 354 Haifa, 20. Febr. Trotzdem man längst von einer Verständigung zwischen der Türkei und Österreich spricht, ist hier von diesem Frieden noch nichts zu spüren. Vor wenigen Tagen erst warfen die den österreichischen Handel boykottierenden Bootsleute 300 Kisten verschiedener auf einem österreichischen Dampfer angekommener Waren ins Meer. Da hierbei nicht nur österreichische, sondern auch deutsche und englische Bürger großen Schaden zu leiden hatten, protestierten gegen diesen Gewaltakt energisch der englische, deutsche und österreichische Konsul und auch die Bott schafter dieser 3 Staaten in Konstantinopel intervenierten bei der Zentralregierung. Dank dieser Intervention wurde allen geschädigten Kaufleuttn vom hiesigen Kaimakam vollständiger Schadenersatz geleistet. Ein italienischer Dampfer vor Haifa gestrandet Haifa, 23. Febr. Der gestern von Haifa nach Jaffa fahrende italienische Dampfer „Venezuela" rannte wegen unvorsichtiger Leitung etwa 8/4 Stunden nach begonnener Fahrt auf einen Felsen, worauf die Maschine sofort versagte. Statt die Richtung auf die hohe See zu nehmen, hatte sich der diese Strecke zum ersten Mal passierende Dampfer allzunahe an der Küste gehalten und war dadurch auf die dem Karmel vorgelagerten Felsen geraten. Genau an derselben Stelle strandete vor 5 Jahren ein österreichisches Schiff. Zum Glücke passierte diese Katastrophe nahe bei Haifa, am hellen Tage und bei vollständig ruhiger See. Alle Passagiere, unter denen sich auch zahlreiche Juden befanden, wurden in Rettungsbooten des Dampfers und in aus Haifa herbeigeeilten Segelschiffen gerettet. Ob auch die Waren, die sich auf dem Schiff befanden, werden gerettet werden können, ist noch sehr zweifelhaft. An ihrem Gepäck erlitten die Passagiere große Verluste. Momentan hält sich noch der Dampfer, wird aber vermutlich bei dem ersten größern Sturm zerschellen. Es ist hierbei hervorzuheben, daß, während die Rettungsaktion seitens der Schiffsleitung auf dem Dampfer äußerst viel zu wünschen übrig ließ, d e türkische Polizei es verstand, trotz des ungewöhnlich großen Menschenauflaufs im Hafen eine musterhafte Ordnung aufrechtzuerhalten. Endgültige Beilegung des österreichischen Boykotts Jaffa, 28. Febr. Heute konnte zum ersten Male ein österreichischer Dampfer ungehindert löschen. Trotzdem nach offizieller Ankündigung bereits seit einiger Zeit der Boykott österreichischer Waren bereits eingestellt ist, weigerten sich bis heute die Bootsleute, die mit österreichischen Schiffen ankommenden Passagiere und Waren ans Land zu bringen. Von heute ab kann man erst die Boykottbewegung als endgültig beigelegt betrachten. Zum ersten Mal nach mehreren Monaten wurde die Post vom österreichischen Dampfer „Austria" nicht von den Matrosen des Schiffes, sondern von Jaffaer „Bacharies". (Seeleuten) ans Land gebracht. Ebe.iso wurden die mit dem österreichischen Schiffe nach Ägypten und Europa fahrenden Passagiere mit den üblichen Booten aus dem Hafen und nicht — wie während der ganzen Boykottbewegung — durch die Boote der österreichischen Dampfer aufs Schiff gebracht. Besonders versöhnend wirkte auf die Araber im Hafen, daß das österreichische Schiff zum Zeichen der Freundschaft zuerst die türkische Fahne hißte. Unter den meisten Kaufleuten, die unter der Boykottbewegung empfindlich zu leiden hatten, und auch unter den Bootsleuten, denen ebenfalls infolge des Boykotts viel Verdienst entgangen war, herrschte große Freude infolge des wiederhergestellten Friedens. Ekron: Das Leben in unserer Kolonie entwickelt sich in aller Ruhe in befriedigender Weise. Die Zeit ist zum Glücke schon vorüber, in der die Kolonisten in ewiger Fur:ht lebten, in einem Konflikt mit der Verwaltung könnte ihnen die Unterstützung entzogen werden und sie selbst wurden dann hilflos dastehen. Jetzt hoffen alle, auf sicherer Basis zu stehen und in ihrer Selbständigkeit sich immer mehr zu befestigen. Am meisten hat unsere Kolonie unter dem Mangel eines ausgedehnteren Kredits zu leiden. Viele von unsern Kolonisten haben jetzt zur Anschaffung von Saatgut und Futter für das Vieh bei den arabischen Arbeitern Geld leihen müssen, denen sie für jedes türkische Pfund {— Frcs. 22.75) einen Bischlik ( - Frcs. —.56) oder sogar 1 V* Bischlik nunatlich Zinsen zu zahlen haben. Viel Nutzen hat unsere Kolonie von der Niederlassung von 13 kaukasischen Familien, die beim Nationalfonds im benachbarten