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Die Welt · 1909-03-12 · 11 (12.3.1909) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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im „Heranziehen von auswärtigem Kapital", in Wanderung der Kapitalien aus kapitalreichen Ländern in kapitalarme. Sehr .trefflich finden wir den Einfluß des „auswärtigen Kapitals" auf die Kulturentwicklung der verschiedenen Länder im zweibändigen Werke von B. F. Brandt (1898—99) „Ausländische Kapitalien" charakterisiert. „In vielen Ländern bleiben reichliche Naturreichtümer gänzlich wertlos, weil es an den nötigen Kapitalien mangelt, um diese Reichtümer aus dem Schöße der Erde hervorzuziehen und in zur weitern Verarbeitung und zum Konsum taugliche Werte umzuwandeln. Das Land kann die reichsten Eisenerze besitzen und — kein Hufeisen für seine Pferde haben, von Ackergeräten, Fabrikmaschinen, Eisenbahnschienen, Lokomotiven schon gar nicht zu reden, — und nur weil es an Kapitalien mangelt, das Erz zu fördern, dasselbe in Eise n zu verwandeln und letzteres weiter in Geräte, Maschinen, Schienenund dgl. zu verarbeiten. Das Land kann die größten Flüsse haben und in Wegekommunikation arm sein, weil es an Kapitalien fehlt, um eine bequeme und zweckentsprechende Schiffahrt auszubauen. — Das Land mag die ausgiebigsten, fruchtbarsten Felder und Weiden besitzen — und doch nur einen ganz minimalen Nutzen aus den Produkten ihres gesegneten Bodens ziehen, weil es an den wichtigen und billigen Transportmitteln mangelt, um dieselbe auf den passenden Weltmarkt zu bringen. Im Lande können sich die besten Heilquellen vorfinden, und doch muß die Bevölkerung ihre Heilung in ausländischen Kurorten suchen oder gänzlich darauf verzichten, — weil es an Mitteln mangelt, um die Quellen zweckentsprechend einzufassen und für die Heilungsbedürftigen zugänglich zu machen. Man kann sehr viele Beispiele anführen, daß Länder, die mit den reichsten Gütern der Natur versehen sind, ein vorzügliches Klima, fruchtbaren Boden, ausgezeichnete geographische Lage, gute schiffbare Flüsse besitzen, doch arm bleiben, nur weil es an der wichtigsten Vorbedingung jedes ökonomischen Fortschrittes „Kapitalien" mangelt." Alles hier gesagte ist ganz besonders auf Palästina wie zugeschnitten. Das Land unserer Zukunft mag auch das reichste sein, aber in einem gewissen Stadium seiner Anfangsentwicklung bedarf es des befruchtenden Eingriffs des auswärtigen Kapitals, und ohne dessen nötigen Zufluß bleibt es arm. Allerdings muß der Zuzug von Kapitalien ein angemessener sein, den Verhältnissen des Landes angepaßt, und darf das frische Kapital nur zu produktiven Zwecken angewandt werden. Überall hat das richtig angewandte auswärtige Kapital die gewaltigste ökonomische Umwälzung zustande gebracht, eine Industrie geschaffen, Tausenden und Millionen Arbeitern neue Gebiete des Erwerbes eröffnet, die Konsumkraft des Landes gehoben. Sämtliche Länder, die in den letzten 50—60 Jahren eine ungeahnte Entwicklung durchgemacht haben, verdanken diese hauptsächlich dem reichlichen Zuzug von auswärtigem Kapital; so die* australischen Kolonien, so die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Japan, Ungarn, und in etwas geringerem Maßstabe — Österreich, Rußland, Mexiko, Ägypten, Serbien, Bulgarien usw. Was ist denn eigentlich das famose, segenbringende „auswärtige" Kapital? Nichts anderes als das anonyme internationale Börsenkapital. Dasselbe strebt überall dahin, wo es besser und sicherer verzinst wird. Um also auf das grenzenlose, unbeschränkte Börsenkapital reflektieren zu können, müssen gesicherte und gewinnbringende Unternehmungen vorbereitet und errichtet werden. Wenn wir Träger des zionistischen Gedankens nach vieljährigem Studium zu der Überzeugung gekommen sind, daß unser ehemaliger Boden, — unser alter palästinischer .Boden, landwirtschaftlich und industriell entwicklungsunfähig ist und für hunderttausende Brüder eine gesicherte Heimstätte bilden kann, und wenn wir das Land für eine solche Volkskolonisation vorbereiten wollen und dieselbe auch durchführen, so müssen wir an die Schaffung von den der menschlichen Voraussicht nach gesicherten und gewinnbringenden Unternehmungen herantreten. Diese letztern sind unmöglich auf zionistischen Mitteln allein zu basieren, sie müssen auf den breiten Weg hingebracht werden, wo alle Länder, alle Staaten, alle Unternehmergruppen ihre Mittel suchen und finden --, auf den Weg des anonymen internationalen Börsenkapitals. Und nicht nur im Prinzip, sondern auch in den Methoden müssen wir ganz dieselben anwenden, die empirisch sich bei allen normalen Staatswesen als die richtigen und zw eckbringensten erwiesen haben. Hier sei mir gestattet, diese Methoden, wenn auch nur in den allgemeinsten Zügen zu streifen und ihre Anwendbarkeit auf Palästina zu prüfen. II. Die Methoden des Heranziehens von „auswärtigem Kapital" lassen sich in verschiedene Kategorien, in verschiedene Typen einteilen. Im Anfange soll hier eine kurze Besprechung der Anwendbarkeit jeder Gruppe von Methoden unter normalen Verhältnissen bei existierenden Staatsorganisationen sein und dann eine Prüfung, welche von denselben schon jetzt resp. in Bälde für unsern speziellen Zweck, Landorganisation in spe, für ein Land und Volk, welche nur auf dem Wege sind, eine festgefügte Staats Organisation zu werden, anwendbar sind. Selbstverständlich soll hier nur von den überall bewährten Methoden die Rede sein. I. Direkte Anleihen Staaten, Kolonien, Provinzen und einzelne Städte emittieren, jedesmal, wenn sie einen größern Bedarf an bedeutenden Mitteln haben, mit Hilfe von Bankinstituten auf dem Börsenmarkt Prozentpapiere, deren Verzinsung und Amortisation von den laufenden jährlichen Einnahmen gedeckt werden. Diese Papiere werden auf allen Börsen kotiert, und ein wesentlicher Teil der auf den Börsen gehandelten Papiere besteht daraus Diese Erscheinung ist so allgemein bekannt, daß es keiner weitern Erläuterung bedarf. Man braucht nur einen Blick auf den Kurszettel der Beiliner, Pariser, Londoner, Wiener und jeder größern Börse werfen, wo die erste Gruppe der gehandelten Werte immer diese Papiere bilden. (Deutsche Reichsanleihen, Preußische, Badische, Bayerische, Hessische usw. Staatsanleihen; Brandenburgische, Pommersche, Posener, Westfälische usw. Provinzanleihen; Aachener, Altonaer, Berliner, Barmer, Bielefelder, Breslauer, Cottbuser usw. S tadtanleihen.) In Europa, Amerika und Australien gibt es keine einzige größere Stadt, die für die Zwecke der Beleuchtung, Kanalisation, Straßenbau, Wasserleitung und sonstige Wohlfahrtszwecke sich nicht einen bedeutenden Zufluß von Mitteln durch direkte Anleihen verschafft hat. Von einer Anwendung dieser Methode des Heranziehens von „auswärtigem Kapital" kann noch keine Rede sein. In unseren Händen gibt es keine Provinzen und keine regelrecht verwalteten Städte, die hierzu in Betracht kommen könnten. Winbesitzen zwar in Palästina Kolonien, die eine ausgebildete Selbstverwaltung besitzen und die einigermaßen kreditfähig sind; doch ist der Geldbedarf bei den meisten Kolonien noch vorläufig ein zu minimaler, und da kann von einer größern Finanzoperation noch kaum die Rede sein. Man könnte indes vielleicht für die Kolonie Pethach-Tikwah eine Ausnahme machen. Dieselbe besitzt laut der letzten, sehr kargen Berechnung Immobilien allein im Werte von 7 981 600 Frcs. Und da die gewöhnliche Verschuldung der Städte mindestens 25% ihres Gesamtwertes an Immobilien ausmacht, so besitzen wir bereits in der Kolonie Pethach-Tikwah ein Kreditsubjekt von ca. 2 Millionen Frcs. Im großen und ganzen bleiben hiernach die Methoden dieser Gruppe einer weiteren Zukunft, wenn die Kolonisation Palästinas größere zusammenhängende Gebiete umfassen wird, vorbehalten. II. Anleihen für spezielle Großunternehmungen Staaten, Provinzen, Städte, Aktiengesellschaften und Privatunternehmer emittieren gewöhnlich Anleihen für den Bau von Eisenbahnen, Kanälen, Schiffahrtslinien und andere Unternehmungen für allgemeine nützliche Zwecke. Diese Anleihen werden meistenteils in Form von Obligationen, Wertpapieren mit fixiertem jährlichem Zinsertrag ausgegeben, und die pünktliche Zahlung von Zinsen und Amortisation wird durch die gesamten Einnahmen und das gesamte Vermögen der Unternehmung gesichert. Diese Kategorie der Kapitalienbeschaffung unterscheidet sich von der ersten durch die Objektivität der Sicherheit; die Anleihen werden nicht durch die Budgets der betreffenden Staaten, Provinzen, Kolonien, Städte gesichert, sondern durch das beliehene Objekt selbst; die Immobilien und Mobilien der Eisenbahn, der Schiffahrt, und ihre laufenden Einnahmen bilden die Sicherheitsgarantie. Nun, kommt allerdings, bei Staatseisenbahnen noch die weitere supplementäre Sicherung, der Garantie des Staats, der Provinz oder Stadt hinzu, und dann heißen diese staatlich garantierte Obligationen und nähern sich denjenigen der ersten Kategorie. Hier, für unsere Zwecke, können nur Privatunternehmungen erster Art in Betracht kommen, nämlich diejenigen, die also nur durch das vorhandene Vermögen der Unternehmung allein die ausgeliehenen Kapitalien sichern. Allerdings werden Wertpapiere ohne staatliche Garantie und mit derselben auf der Börse ganz anders bewertet. Für den Kapitalisten spielt neben der Höhe des Zinses die Rechtssicherheit des Kapitals die allergrößte Rolle. Ich habe vor mir das Bulletin der Wiener Börse vom 27. Dezember 1907, da finden wir folgende Kotierungen für Eisenbahnobligationen: Mit Staatsgarantie Ohne Staatsgarantie 5prozentige 104--105 100—lül 4 „ 96—97 91—92 3 Va „ 86—87 85—86 3 81 78

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