Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316363--51674-3345327- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
der Zionismus in den letzten Jahren eine ganz falsche Richtung eingeschlagen, indem er den jüdischen Nationalismus proklamierte. Mezei ging nun daran, zu beweisen, daß es eine jüdische Nation nicht geben könne, da es keine jüdische Nationalsprache gibt. Dies war das einzige Argument, das Mezei gegen die jüdische Nation ins Treffen zu führen wußte! Die Rassentheorie hätten laut Mezei nur die Antisemiten des XIX. Jahrhunderts erfunden, um im Zeitalter der Glaubensfreiheit ihren Judenhaß zu bemänteln. Wohl hätten die Juden die Rassenreinheit in höherem Maße gewahrt, als andere Völker, doch haben auch sie sich insbesondere mit mongolischen Völkern vermengt, und speziell die ungarischen Juden seien zum Teile Nachkommen derChazaren! Einer demokratischen Lebensauffassung könne die Konzeption des Judentums als Rasse nicht entsprechen, und so kam denn Mezei zum Schluß, das Judentum sei nur Religion: quod erat demonstrandum! Dem Zionismus hat diese „wissenschaftliche" (!) Vorlesung gewiß nicht geschadet, — und die Assimilationsheroen werden sich wohl hüten, sie im Wortlaute vor die Öffentlichkeit zu bringen. Es wundert uns bloß, daß die Israelitisch-Literarische Gesellschaft, an deren Spitze Universitätsprofessoren, Rabbiner, Literaten von Namen stehen, und die bisher, wenn auch dem Zionismus abgeneigt, bestrebt war, in objektiver Form jüdische Literatur und Wissenschaft zu verbreiten, einigen Assimilanten ihren Namen hergab für antizionistische Experimente, die, wie die Erfahrung nun gelehrt hat, gewiß nicht geeignet sind, das Niveau der Gesellschaft zu heben. Galizien (Von unserem Berichterstatter) Zionistische Propaganda Die zionistische Agitation hat während des diesjährigen Winters in Galizien zweifellos nicht gering zu schätzende Erfolge aufzuweisen. Dank den Bemühungen des Zentralkomitees und der einzelnen Distriktkomitees fanden im ganzen Lande zahlreiche Versammlungen statt, in welchen alle aktuellen Probleme und die jetzige Lage -des Zionismus eingehend besprochen wurden. Insbesondere hat die Makkabäerfeier, die sich fast in allen galizischen Städten und Städtchen heute schon einer traditionellen nationalen Bedeutung erfreut, den zionistischen Agitatoren Gelegenheit gegeben, für unsere Idee eine groß angelegte Propaganda zu machen. Es ist daher zu erwarten, daß die Schekelsammlung, die im vergangenen Jahre nicht dem tatsächlichen Stande unserer Bewegung in Galizien entsprach, in diesem Jahre einen viel bessern Erfolg aufzuweisen haben wird. Speziell der Frage der realen Arbeit in Palästina wurde viel Interesse gewidmet. Die Palästinakommission, deren Leitung Gg. Dr. A. Korkis übernommen hat, entfaltet eine rege Tätigkeit und findet erfreuliche Unterstützung unserer Parteigenossen. In den letzten Wochen betreibt Gg. Feldmann aus Palästina in Galizien eine lebhafte Agitation für unsere palästinensischen Institutionen, insbesondere für die Landentwicklungsgesellschaft(P. L. D. C); es wurden auch bereits mehrere Aktien gezeichnet und sogar manche Assimilanten zeigten ein gewisses Interesse für die zionistische Kolonisationstätigkeit in Palästina. Seitens der Poale- Zion macht Frau Pewsner für den Bezalel und Herzlwald Propaganda. Vor einigen Tagen hat sich auch eine größere Gruppe von Zionisten nach Palästina begeben; manche, um sich dort zu etablieren. Der Nationalfonds ist jetzt in Galizien, dank der langjährigen Agitation, eine der populärsten jüdischen Institutionen, und die Organisation, welche vor einigen Monaten durchgeführt wurde, hat sich aufs beste bewährt. Schließlich läßt uns der unermüdliche Arbeitswille der jüdischen Jugend, welche in ihrer überwiegenden Majorität in unserm Lager steht und mit besonderer Liebe an der Idee der praktischen Arbeit in Palästina hängt, die Hoffnung hegen, daß die zionistische Propaganda in den nächsten Jahren in Galizien mit noch größerer Kraft weitergeführt werden wird. Zionistische Vertrauensmännerkonferenz in Lemberg Sonntag den 19. Februar tagte in Lemberg eine Vertrauensmännerkonferenz, an welcher auch die Abgeordneten Dr. Gabel, Dr. Mahlerund Stand teilnahmen. Den Vorsitz führte Dr. Waldmann (Tarnopol), das Referat hielt Dr. Brau de. Es wurden eingehend alle innern Angelegenheiten der zionistischen Partei Galiziens besprochen. Auch über das Verhältnis der zionistischen Organisation in Galizien zu unsern Zentralinstitutionen, insbesondere zum E. A. C, entwickelte sich eine lebhafte Debatte, welche schließlich zu wichtigen Beschlüssen führte. Einer endgültigen Revision wurde das Verhältnis der zionistischen Partei zum „Jüdischen Klub" unterworfen. Sodann wurde ein Komitee gewählt, bestehend aus Gg. B rau d e, Ringel, Schreiber und Waldmann, das zusammen mit dem „Jüdischen Klub" über die weitere Taktik unserer parlamentarischen Repräsentanz entscheiden soll. Nach der Konferenz, deren Beratungen als streng vertraulich erklärt wurden, hielt das politische Komitee, zusammen mit den anwesenden Abgeordneten, seine erste Sitzung ab. Österreich Mährisch-schlesisches Distriktskomitee Das mährisch-schlesische Distriktskomitee läßt soeben die erste Nummer der „Mitteilungen des Distriktskomitees für Mähren und Schlesien" erscheinen. Dem einleitenden Artikel des geschickt zusammengestellten Blättchens, das besondern Wert durch einen detaillierten Ausweis der Schekel- und Spendeneingärige erhält, entnehmen wir folgendes: „Das zionistische Distriktskomitee für Mähren und Schlesien beabsichtigt mit diesen in zwangloser Folge erscheinenden Mitteilungen die Gesinnungsgenossen von Mähren und Schlesien zunächst von dem jeweiligen Stande der zionistischen Bewegung in unserm Heimatlande zu unterrichten, will ihnen aber auch die wichtigsten Vorkommnisse der weltumspannenden Gesamtbewegnng der Judenheit in kurz umrissenen Bildern vor Augen führen. Wohl hat das Interesse für jüdische Angelegenheiten und mithin auch für die jüdische Presse im Laufe der letzten Jahre in erfreulicher Weise bei allen Schichten der jüdischen Bevölkerung zugenommen, doch fehlt gerade uns Zionisten Österreichs leider noch immer ein Organ, das die Anschauungen und Maßnahmen unserer Führer ebenso sachlich wie befriedigend in Wort und Sprache zum Ausdruck brächte, das aber auch von allen Gesinnungsgenossen regelmäßig gelesen würde . . . Diese Mitteilungen sollen nun das Sprachrohr sein, welches jene so notwendige Verbindung herstellen wird, in welchem alle wichtigen Veröffentlichungen des Distriktskomitees, aber auch der einzelnen Kreisleitungen erscheinen werden. Jeder Gesinnungsgenosse, welcher ordnungsgemäß seine Parteisteuer entrichtet hat, soll das Blatt kostenlos erhalten; er soll es aber, auch lesen und das Gelesene beherzigen und wird so Gelegenheit haben, sich mit allen Fragen selbst zu befassen." Teplitz. Am 20. Februar veranstaltete der jüdische Volks- . verein „Zion" in Teplitz ein Maskenkränzchen, dessen Erfolg sowohl in gesellschaftlicher als auch in materieller Beziehung auch die kühnsten Erwartungen weit übertraf. Besonders hervorzuheben ist neben der verdienstvollen Tätigkeit der Veranstalter die freudige Opferwilligkeit der Teplitzer Damenwelt, die durch den Verkauf von Zigarren, Zigaretten, Ansichtskarten dem Nationalfonds und dem Vereine die namhafte Summe von 130 K. zuführte. Außer den Vorstandsdamen waren mit dem Verkaufe beschäftigt die Damen: Frl. Adie Bauch, Frl. Alice Hahn, Frl. Anna Hahn, Frl. Trude Treulich, Frl. Weigner. Der gesamte Reingewinn betrug 200 K. England Der „Order of Ancient Maccabaeans", dessen Vorsitz Herr Hubert Bentwich innehat, erläßt einen Aufruf, in dem er seine Mitglieder zu nachhaltiger Arbeit für die zionistische Bewegung auffordert. Mit Genugtuung verzeichnet der Aufruf das Wachstum des Ordens, dessen Mitgliederzahl sich seit seiner letzten Konferenz fast verdoppelt hat. Er weist darauf hin, daß der Hauptzweck des Ordens die Propagierung des zionistischen Ideals sei; der Orden sei berufen, eine Grundsäule des englischen Zionismus zu werden. Insbesondere mache es ihm die gegenwärtige schwere Krise innerhalb des englischen Zionismus zur Pflicht, seinerseits sich der Bewegung voll zur Verfügung zu stellen. Ihm sei die Möglichkeit geboten, die zerstreuten Elemente allerorten zu sammeln und die herrschende Zwietracht in Einigkeit und Harmonie zu verwandeln. Angesichts des Neunten Kongresses sei es um so mehr die Pflicht jedes Ordensbruders, für eine Stärkung des Ordens und eine Kräftigung der zionistischen Bewegung einzutreten. Amerika Die zionistischen Jugendvereine Die Gründung neuer zionistischer Jugendvereine in Amerika macht erfreuliche Fortschritte. Allein in den Bezirken Manhattan un J Bronx bestehen zwanzig solcher Vereine. Zum Zwecke der Verbreitung der Ideale zionistischer Jugendvereine soll demnächst eine eigene Monatsschrift „Jungjuda" herausgegeben werden. Chamisho Osser be' Schwat, der Baumpflanztag, wurde von den Vereinigten Jugendvereinen festlich begangen. Einem oft zutage gestretenen Mangel ist durch die Gründung des zionistischen Gesangchors abgeholfen worden, der sich die Pflege zionistischer und nationaler-Lieder zur Aufgabe stellt und zweifellos bei der