Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 Dt. DIE^aEELT Gewinn- und Verlust-Konto per 31. Dezember 1908. 215 Cr. AUSGABEN An erste Kosten Filiale Konstantinopel'. . . . . „ Saläre ..... ............ „ Miete, Heizung und Beleuchtung...... „ Schreibmaterialien . -....... „ Porto- und Telegrammspesen....... „ Bureauspesen........ . .... „ Wechsel- und Scheckbücherstempel .... „ Spesen für Aktien Verkäufe ........ „ Annoncen................ „ diverse Versicherungen .......... . „ außerordentliche Spesen (darunter £ 835 Kosten in Verbindung mit Abänderung der Statuten) „ Gehälter und Spesen an Agenten auswärts . „ Advokaten- und Revisionsgebühren..... „ Einkommensteuer............. „ Spenden und Almosen .......... „ Mobiliarabnutzung............ „ vierte 20 °/o der ersten Kosten der Filiale abgeschrieben............... „ Saldo: Gewinn pro 1908 ......... id. 397 15 4 606 19 | 1 227! 6 210, 5 112;15 366' 1 45 15 7 11! 14 | 8 6j 13; 83| 6 1 728; 16 4 122! 5 10 474; 2 i 7 403; 4 | 3 17; 7 i 4 70; — 10 60 —! - 6 457! 14 i 4 16 402! 4 111 EINNAHMEN Per Gewinn aus Bankgeschäften: Aus Diskonten...... 3 239 3 10 „ Zinsen und Dividenden 10 052 18 6 Provisionen ..... 1 965 14 1 „ Kursdifferenz auf Effektenbesitz...... „ Gewinn aus Verkauf von f remdenStaatspapieren „ Kursgewinn............... „ Transfergebühren............. „ Effektenversicherung.......... „ Eingang auf früher abgeschriebene alte Schuld 15 257; 137 1 83 i 794; 15 1 55! 57! 16! 5 19 11 6 9 9 8 11 16 402 1 4 11 Anglo=Palestine Company Limited Bekanntmachung Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die achte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Anglo-Palestine Company Limited am Dienstag den 16. März 1909 um 4 V> Uhr nachmittags in Köln a. Rh., im Hotel Kaiser Friedrich, Salierring, mit folgender Tagesordnung stattfinden wird: 1. Entgegennahme des Berichtes des Direktoriums und der Bücherrevisoren und Rechnungsablegung. 4 Beschlußfassung über Verwendung des Reingewinnes pro 1908. 3. Wahl von Direktoren und Bücherrevisoren. 4. Durchführung der gewöhnlichen Tagesordnung und Eventualia. Statutengemäß bleiben die Zessionsbücher und Mitgliederregister der Gesellschaft vom 3. März bis zum 16. März 1909 (beide Tage inklusive) geschlossen. Brook House, Walbrook, London, E.C., den 1. März 1909. Im Auftrage des Direktoriums: H. Neumann, Sekretär Ungarn (Von unserm Berichterstatter) Aus der ungarischen Bewegung Überall gibt sich jetzt ein gesteigertes Interesse für den Zionismus kund, und fast täglich melden sich spontan aus den entlegensten Provinzen des Landes Leute, die als Vertrauensmänner für die Idee wirken wollen. Das Landeskomitee hat demgemäß auch ein Rundschreiben an sämtliche Vereine und Vertrauensmänner erlassen, in welchem eine planmäßige Propaganda durch Broschüren und Versammlungen angeordnet wird. Das Landeskomitee legt insbesondere auf eine energische Schekelsammlung Gewicht, da diese bisher noch kaum begonnen hat. Um eine systematische Propaganda zu erleichtern, schreitet das Landeskomitee an die Anlegung eines Genieindekatasters, das alle auf die Judenheit des Landes und die zionistische Bewegung bezughabenden Daten enthalten soll. Es wurden zu diesem Zwecke vom Landeskomitee Fragebogen ausgesandt, von denen einxTeil mit wertvollem Material bereits zurückgelangt ist. Es ist dies ein Unternehmen, das sich für alle Landesorganisationen empfehlen ließe. In Budapest findet gegenwärtig in der akademischen Vereinigung „Makkabäa" unter Leitung des Ingenieurs Moses Bisseliches ein Kursus über jüdische Geschichte aus dem Zeitalter der Emanzipation statt, dem nächstens ein Kursus über Geographie und wirtschaftliche Lage Palästinas folgen soll. In Kaschau sprach neulich über Zionismus mit großem Erfolge Rabbiner Dr. Hermann Abrahamsohn, in Szatmär über die Geschichte des Zionismus Dr. Moritz Stern. Für die nächste Zukunft sind größere Agitationsversammlungen geplant in Kismarton, Pöstyen, Szatmär und Klausenburg. — In Budapest entfaltet eine sehr emsige Tätigkeit der zionistische Turnverein „Vivo es Atletikai Club", dem es seit seinem zweijährigen Bestehen gelungen ist, in Sportskreisen eine geachtete Stellung zu erringen. Am. 20. Februar veranstaltete dieser Verein ein gelungenes Tanzfest, für den 21. März plant er ein großzügiges Schauturnen. Memorandum und Assimilantenpolitik Das Memorandum des ungarischen Landeskomitees hat in der Presse sowohl als auch in den Kreisen, au die es gerichtet war, eine recht sympathische Aufnahme gefunden. Wenn es auch nicht gelungen ist, die ganze ungarische Judenheit auf einen Schlag dem Zionismus zu gewinnen, was ja übrigens mit dem Memorandum gar nicht bezweckt wurde, so gibt sich doch allgemein ein gesteigertes Interesse für unsere Bewegung kund, und die von gegnerischer Seite ausgestreuten Verleumdungen finden immer weniger Gehör. Daß der Zionismus auch in Parlamentskreisen wohlwollend aufgefaßt wird, hierfür mag als Zeugnis folgender Brief des Reichstagsabgeordneten Dr. Sandor v. Babocsay, Vizepräsidenten der Parlamentslinken (eines Christen), dienen: „An das Landeskomitee der ungarländischen Zionisten, Budapest. Ich danke für die freundliche Einsendung Ihres Memorandums. Auch ich fasse den Zionismus so auf, wie er im Memorandum behandelt wird. Doch hat die herrliche, kluge, liberale Motivierung mir die Idee in noch viel helleres Licht versetzt. Auch ich vermag es mit der Erfahrung eines ganzen Lebens zu bestätigen, daß das jüdische Volk viele ausgezeichnete Eigenschaften besitzt von solcher Art, die es befähigen, den Zionismus zu verwirklichen." „Wissenschaftliche" Bekämpfung des Zionismus Die Missionäre der bedingungslosen Assimilation, die ihre volksbeglückenden Pläne einerseits durch die immer mehr wachsenden Wogen des Antisemitismus, anderseits durch die zionistische Propaganda gefährdet sehen, suchen zumindest dem Vordringen des jüdisch-nationalen Geistes Einhalt zu gebieten. Nachdem die bisherige Denunziationspolitik nach oben wenig gefruchtet hat, beschloß man, nun dem Zionismus und speziell der jüdisch-nationalen Idee auf „wissenschaftlicher" Basis den Garaus zu machen. Das Milieu sollte ein Vortragsabend der „Israelitisch-Literarischen Gesellschaft" abgeben, und der Stürmer war in der Person des bekannten Publizisten Mezei Ernö auserkoren. Der Abend fand am 17. Februar statt, es hatte sich ein großes und vornehmes Publikum^ versammelt, — allein, der Versuch, den Zionismus wissenschaftlich zu bekämpfen, endete mit einem kläglichen Fiasko. Ohne daß eine Diskussion stattgefunden hätte (eine solche kennt die Israelitisch- Literarische Gesellschaft nicht), zeigte sich die Zuhörerschaft für die Ausführungen des Prälegenten nichts weniger als eingenommen. Mezei Ernö, der vor Jahren dem Zionismus freundlich gegenüber gestanden hat, sich jedoch in den letzten Jahren ganz ins Schlepptau des Egyenlöseg nehmen ließ, gab seiner Vorlesung den Namen: „Nation, Rasse oder Religion." Mezei erklärte, daß er den Zionismus, sofern er nur heimatlosen Juden eine Heimat schaffen wolle, billige (diese Phrase wiederholt die Assimilationspresse ständig, ohne daran zu gehen, Positives zu schaffen), doch habe