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Die Welt · 1909-03-05 · 10 (5.3.1909) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 10 ,- DIE 2 die Unterhaltung des Schuldners notwendig sind; notwendige Werkzeuge; ländwirtschaftliche Geräte; noch nicht eingeheimstes Getreide; Früchte auf den Bäumen; mehr als der vierte Teil des Gehaltes eines Beamten; Uniformen; Eigentum des Fiskus usw. g) Justizministerium An der Spitze der gesamten Justizverwaltung des Reiches steht das Justizministerium. Dasselbe zerfällt in eine Reihe von Sektionen für die verschiedenen Zweige der Rechtspflege. Dem Minister steht zunächst der Unterstaatssekretär (Mustechar) als Stellvertreter und für die Leitung der Korrespondenz der Mektubdji zur Seite. Ebenso der Rechtssenat, ein Beratungskörper, der aus 5 Mitgliedern (dem. Präsidenten des Kassations- und Appellationshofes und 3 Präsidenten der Tribunale I. Instanz) besteht und keine Urteile fällt, sondern nur Gutachten erstattet. Ferner gibt es noch innerhalb des Ministeriums: 1. eine Direktion für Kriminalangelegenheiten, die vom Ministerium angenommene Bittgesuche in Strafsachen zu erledigen und die Bearbeitung der Kriminalstatistik zu besorgen hat; 2. eine Direktion für Zivilangelegenheiten, die u. a. über die Notwendigkeit der Errichtung neuer Gerichtsstellen nach Bedarf der Bevölkerung zu referieren, die Tätigkeit der Advokaten am Kassationshof zu überwachen und für die Bildung von Advokatenkammern zu sorgen hat; 3. eine Direktion für Personalangelegenheiten; 4. eine Direktion des Bureausfür Kultusangelegenheiten (Mezahib Kaiemi), welche die Verbindung des Ministeriums mit der griechischen Patriarchatskanzlei, mit der Kanzlei des Chacham-Baschi in Konstantinopeljund andern religiösen Vertretungen unterhält; 5. ein Rechnungsamt (Mouhassabe) zur Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben und Aufstellung des Budgets; 6. einen Verwaltungssenat; 7. ein Bureau zur Verteilung des Einlaufs an die zuständigen Organe, und 8. eine Archivleitung. (Schluß folgt) Die Konferenz der Odessaer Palästinagesellschaft (Von unserm Spezialberichterstatter) (Schluß) Das Schul- und Erziehungswesen Referat von Dr. J. Raimst Referent stellt zunächst fest, daß die Tätigkeit des Odessaer Komitees auf dem Gebiete des Schulwesens in den letzten drei Jahren eine bedeutende Ausdehnung erfahren hat. Während in der Geschäftsperiode 1902—1904 das Komitee in Palästina für Erziehungszwecke insgesamt ca. 25 000 Rubel verausgabt hatte, belief sich der Aufwand für diesen Zweck im Laufe der Jahre 1905—1907 auf mehr als 40 000 Rubel. Die Erfahrung zeigte nämlich, daß das Komitee gerade auf diesem Gebiete im Verhältnisse zu den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Großes zu leisten vermag. Die Generalversammlung wird nun zu beschließen haben, ob das Komitee in Zukunft in gleichem Sinne wirken soll, oder nicht. Allein, nicht nur über den Umfang, sondern auch über deii Charakter dieser Tätigkeit wird die Generalversammlung dem neu zu wählenden Komitee bestimmte Direktiven geben müssen. In diesem Sinne unterbreitet Ihnen das Komitee eine Reihe von Leitsätzen für die zukünftige Tätigkeit. Referent gibt sodann einen Oberblick über das Schulwesen in Palästina überhaupt. Die auf dem Gebiete des Schulwesens in Palästina wirkenden Institutionen lassen sich im allgemeinen in zwei Kategorien einteilen, in solche, die rein utilitaristische Zwecke verfolgen, und solche, die das nationale Moment in den Vordergrund des Interesses stellen. Die wichtigste Institution von der erstgennanten Art ist die Alliance Israelit e Universelle, die in Palästina 19 Schulen mit insgesamt 4721 Schülern unterhält. Referent konstatiert die großen Verdienste der Alliance auf dem Gebiete der kulturellen Hebung der türkischen Juden. Wenn die türkischen Juden sich für die neue Staatsordnung reif, erwiesen, so ist dies nicht zum geringsten das Verdienst der Alliance. Zwei von den vier jüdischen Deputierten des türkischen Parlaments sind Zöglinge der Allianceschulen, ebenso der Chacham- Baschi. Die türkische öffentliche Meinung erblickt in den Allianceschulen einen wichtigen kulturellen Faktor. Namhafte türkische Staatsmänner sind selbst aus diesen Schulen hervorgegangen. Die Ki LT - 211 Schultätigkeit der Alliance hat indes auch ihre Schattenseiten im völligen Mangelan nationalen Gesichtspunkten, in der Förderung rein französischen Geistes und rein französischer Kultur. Im gegenwärtigen Moment, wo die Neugestaltung der türkischen Staatsverhälnisse das Aufkommen von Assimilationsbestrebungen an das umgebendeVolkstum befürchten läßt, erscheint eine jüdisch-nationale Schulpolitik um so dringender geboten, die der Alliance aber um so bedenklicher. In der Entsendung der Schulkommission nach dem Orient erblickt indes der Referent den Beginn einer Wendung zum Bessern. Ein Mitglied des Odessaer Komitees hatte eine Unterredung mit den Mitgliedern der Inspektionskommission der Alliance. Diese äußerten sich überaus beifällig über den Unterricht am Hebräischen Gymnasium zu Jaffa und an der Jaffaer Töchterschule des Odessaer Komitees, wo sämtliche Lehrfächer in Hebräisch unterrichtet werden, und fügten hinzu, daß auch die Alliance bereit sein wird, dieses Lehrsystem an ihren Schulen einzuführen, sobald sie sich überzeugt hat, daß die Kenntnis der hebräischen Sprache ein hinreichendes Hilfsmittel im Kampfe um die materielle Existenz im Lande bietet. Referent hebt sodann die Erziehungstätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Palästina rühmend hervor, bringt aber seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, daß der Hilfsverein so viel Gewicht auf den deutschen Unterricht legt, während die Kenntnis der deutschen Sprache in Palästina tatsächlich nur sehr geringe ökonomische Vorteile zu bieten vermag. Er erwähnt ferner die trefflich geleitete Eveline v. Rothschildsche Töchterschule in Jerusalem, an der er aber die starke Anglisierungstendenz zu tadeln hat. Zur Kategorie der nationalen Erziehungsinstitute zählt der Referent auf der einen Seite die Schulen der christlichen Mission, die nationale, freilich aber fremdnationale Tendenzen verfolgen, und auf der andern Seite die Lehr- und Erziehungsanstalten von verschiedener Art und Bestimmung, die einen jüdisch-nationalen -Charakter haben. Referent macht interessante Angaben über die Lehrtätigkeit der Mission*) und geht sodann zu den jüdischnationalen Lehranstalten über. Diese teilt er wiederum in zwei Gruppen ein: 1. Institute, die lediglich durch die Initiative der palästinensischen jüdischen Bevölkerung entstanden sind und in der Hauptsache ohne auswärtige Unterstützung existieren, als da sind: die Chedarim, Talmud-Thoras und Jeschibahs der verschiedenen „Kolelim" und Gemeinden, die keinen einheitlichen Charakter und kein einheitliches Programm haben, die städtischen und Kolonieschulen des Vereins „Schonire-Torah", das neugegründete Hebräische Gymnasium in Jerusalem (Gründer: Dr. Waitz, Dr. Levy u. a.), die „Tachkemoni"-Schule zu Jaffa, die Belkindsche landwirtschaftliche Schule „Kirjath-Ssefer". 2. Die Schulen des Odessaer Komitees. Der ausgeprägt nationale Charakter dieser Schulen kommt im folgenden Leitsatz zum Ausdruck, den das Komitee der Generalversammlung unterbreitet: „Die Tätigkeit des Komitees auf dem Gebiete des Schul- und Erziehungswesens baut sich auf der jüdisch-nationalen Idee auf." Das weitere Verhältnis des Komitees zu den von ihm gegründeten und unterhaltenen Schulen wird in folgendem Leitsatz formuliert: „Das Komitee ist bestrebt, in Palästina Lehr- und Erziehungsanstalten zu schaffen iund zu befestigen, um sie, sobald ihre Existenz gesichert ist, der Verwaltung der einheimischen jüdischen Bevölkerung zu überantworten." Das Komitee befaßt sich hauptsächlich mit allgemeiner und weniger mit professioneller Bildungstätigkeit. Es geschieht dies aus folgenden zwei Gründen: 1. Die strikt nationale Aufgabe der Schule läßt sich eher in der allgemeinen, als in der Gewerbe- Schule erreichen; 2. weil für die Bedürfnisse des Professional- Unterrichtes bereits andere Institutionen und Schulen mehr oder weniger Sorge tragen („Bezalel", „Mikweh-Jisrael", „Kirjath-Sefer", die Jerusalemer Handwerkerschule, die Handwerkerabteilung der Jaffaer Talmud-Thora). Immerhin subventioniert das Komitee, wo es ihm geboten erscheint, auch Professionalschulen (Bezalel und die genannte Abteilung der Jaffaer Talmud-Thora). Da das Komitee finanziell nicht in der Lage ist, eine weitverzweigte Tätigkeit zu entfalten, so sieht es sich veranlaßt, das Hauptgewicht auf qualitative Mustergültigkeit der von ihm unterhaltenen Schulen zu legen. In erster Reihe kommt hier die Jaffaer Töchterschule in Betracht, die auf dem besten Wege ist, ein in jeder Beziehung mustergültiges Institut zu werden. Der Etat dieser Schule beläuft sich auf ca. 25 000 Frcs. jährlich. Zur Errichtung eines speziellen Baues für diese Schule spendete Herr Isaak Feinberg aus Irkutsk 66 000 Frcs. (Referent spricht bei dieser Gelegenheit dem Spender den Dank des Komitees aus. Die Versammlung stimmt *) Von den Ausführungen des Referenten verdient die Tatsache hervorgehoben zu werden, daß die Bekehrungstätigkeit der Mission mit der Zeit erheblich nachgelassen hat. So hat die Jerusalemer Mission von 18/8 bis 1884 keinen einzigen Juden gelauft, obwohl sie 22 Agenten unterhalten und insgesamt 135000 Frcs. verausgabt hatte. 2*

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